Shadow
August 23rd, 2004, 03:04 PM
www.orf.at, 23.08.2004:
Nestbau für Friedenstauben
Als Wien international wurde: Vor 25 Jahren wurde die UNO-City eröffnet.
Die Symbolkraft war enorm, die Kosten allerdings auch: Umgerechnet 580 Millionen Euro verschlang der Bau, der Wien neben New York und Genf zum damals dritten Sitz der Vereinten Nationen (UNO) machte.
25 Jahre nach der Eröffnung der UNO-City mag die Strahlkraft des Vienna International Centre (VIC) etwas verblasst sein, der Modernisierungsschub von damals wirkt aber noch heute nach.
Aufbruch und Weltöffnung
Das markante Hochhaus am linken Donauufer veränderte das Stadtbild von Wien und läutete spätere, aus heutiger Sicht wichtigere Bauprojekte in diesem Entwicklungsgebiet ein.
Der Einzug der 4.000 UNO-Beamten markierte zugleich weit reichende Bewusstseinsveränderungen. Rückblickend erscheint der seinerzeit heftig umstrittene Bau als eine Zäsur: weg vom ziemlich provinziellen Image der einstigen Monarchiemetropole hin zur selbstbewussten Weltstadt.
Am Anfang war die Platznot
Das Projekt wurde von der SPÖ-Bundesregierung Bruno Kreisky und der ebenfalls SPÖ-dominierten Wiener Stadtregierung in den 1970er Jahren durch- und umgesetzt. Die Vorgeschichte der UNO-City reicht aber in die späten 1960er.
Die damals in der Wiener Innenstadt ansässige Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und die Organisation für industrielle Entwicklung (UNIDO) benötigten Platz.
UNO-Amtssitz in "Transdanubien"
http://orf.at/040820-77584/uno_luftbild_big_ma18_n.jpg
Die österreichische Bundesregierung bot der UNO an, für ihre beiden Unterorganisationen einen ständigen Amtssitz samt Konferenzzentrum in Wien zu erbauen. Als Standort erschien ein 17 Hektar großes Areal am linken Donauufer ideal.
Als es weder ein Entlastungsgerinne noch eine Donauinsel gab, wollte man auch die Stadtentwicklung in "Transdanubien" fördern: die Errichtung eines neuen Stadtkerns neben dem Wohngebiet Kaisermühlen und dem anlässlich der Wiener Gartenschau eröffneten Donaupark.
Auftrag an Viertplatzierten
http://orf.at/040820-77584/uno_plaetze_big_n.jpg
1968 wurde ein weltweiter Architektenwettbewerb ausgeschrieben. 656 Architekturbüros aus 50 Staaten reichten ihre Projekte ein. Den ersten Platz unter den vier in enger Auswahl stehenden Plänen erreichte die Gruppe des Amerikaners Cesar Pelli.
Im zweiten Anlauf unter Kreisky erhielt schließlich ein anderer die Zusage: der Österreicher Johann Staber, der mit seinem Konzept der markanten Grundform eines Ypsilons auf Platz vier gelegen war.
0,07 Euro Jahresmiete
http://orf.at/040820-77584/uno_baustelle_big_azw_n.jpg
Mit dem Bau wurde 1973 begonnen. Die Baukosten in der Höhe von acht Milliarden Schilling (580 Mio. Euro) teilten sich Bund (65 Prozent) und die Stadt Wien (35 Prozent). Kritiker sahen darin vor allem eine Geldverschwendung.
Am 23. August 1979 wurde das VIC schließlich den Organisationen und dem damaligen UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim übergeben. Die symbolische Jahresmiete beträgt nur einen Schilling (0,07 Euro) - für eine Laufzeit von 99 Jahren. Mehr dazu in oe1.ORF.at
Baustufe II trotz Volksbegehrens
Anfang der 1980er Jahre, als sich die bereits vorher geplante Baustufe II zu konkretisieren begann, brach um die UNO-City erneut ein Streit aus: Ein weiteres Konferenzzentrum, das Austria Center Vienna, sollte dazugebaut werden.
http://orf.at/040820-77584/uno_plan_big_azw_n.jpg
Kreisky setzte den Bau durch, obwohl sich dagegen 1,4 Millionen Bürger in einem ÖVP-Volksbegehren ausgesprochen hatten. Die ÖVP-Spitze blieb der Eröffnungsgala 1987 aus Protest fern.
Asbestsanierung bis 2009
Mittlerweile müssen einige bauliche Adaptierungen an den errichteten Gebäuden durchgeführt werden. Das damals vor allem für Kabelisolierungen verwendete Asbest soll vorbeugend bis 2009 komplett entfernt werden. Asbest kann durch das Einatmen Krebs erregen.
Da ein laufender Betrieb während dieser Zeit gewährleistet werden muss, wird das UNO-Personal "schichtweise" in ein Containerdorf neben dem Gebäude umgesiedelt.
Vorteile durch UNO-Standort
Trotz hoher Errichtungs-, Erhaltungs- und Sanierungskosten gilt die UNO-City für das Gastgeberland als profitabel. Laut offiziellen Angaben fließen von den VIC-Ausgaben jährlich 350 Mio. Euro in die heimische Wirtschaft.
Zu Wiens und Österreichs Image als bedeutendes Zentrum internationaler Diplomatie sowie für die Entwicklungs- und Flüchtlingshilfe, Atom- und Drogenpolitik trägt naturgemäß auch die Ansiedlung weiterer UNO-Behörden bei.
Das 25-jährige Jubiläum wird jedoch erst am 24. Oktober gefeiert - momentan ist ein Großteil der Wiener UNO-Mitarbeiter auf Urlaub.
Nestbau für Friedenstauben
Als Wien international wurde: Vor 25 Jahren wurde die UNO-City eröffnet.
Die Symbolkraft war enorm, die Kosten allerdings auch: Umgerechnet 580 Millionen Euro verschlang der Bau, der Wien neben New York und Genf zum damals dritten Sitz der Vereinten Nationen (UNO) machte.
25 Jahre nach der Eröffnung der UNO-City mag die Strahlkraft des Vienna International Centre (VIC) etwas verblasst sein, der Modernisierungsschub von damals wirkt aber noch heute nach.
Aufbruch und Weltöffnung
Das markante Hochhaus am linken Donauufer veränderte das Stadtbild von Wien und läutete spätere, aus heutiger Sicht wichtigere Bauprojekte in diesem Entwicklungsgebiet ein.
Der Einzug der 4.000 UNO-Beamten markierte zugleich weit reichende Bewusstseinsveränderungen. Rückblickend erscheint der seinerzeit heftig umstrittene Bau als eine Zäsur: weg vom ziemlich provinziellen Image der einstigen Monarchiemetropole hin zur selbstbewussten Weltstadt.
Am Anfang war die Platznot
Das Projekt wurde von der SPÖ-Bundesregierung Bruno Kreisky und der ebenfalls SPÖ-dominierten Wiener Stadtregierung in den 1970er Jahren durch- und umgesetzt. Die Vorgeschichte der UNO-City reicht aber in die späten 1960er.
Die damals in der Wiener Innenstadt ansässige Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und die Organisation für industrielle Entwicklung (UNIDO) benötigten Platz.
UNO-Amtssitz in "Transdanubien"
http://orf.at/040820-77584/uno_luftbild_big_ma18_n.jpg
Die österreichische Bundesregierung bot der UNO an, für ihre beiden Unterorganisationen einen ständigen Amtssitz samt Konferenzzentrum in Wien zu erbauen. Als Standort erschien ein 17 Hektar großes Areal am linken Donauufer ideal.
Als es weder ein Entlastungsgerinne noch eine Donauinsel gab, wollte man auch die Stadtentwicklung in "Transdanubien" fördern: die Errichtung eines neuen Stadtkerns neben dem Wohngebiet Kaisermühlen und dem anlässlich der Wiener Gartenschau eröffneten Donaupark.
Auftrag an Viertplatzierten
http://orf.at/040820-77584/uno_plaetze_big_n.jpg
1968 wurde ein weltweiter Architektenwettbewerb ausgeschrieben. 656 Architekturbüros aus 50 Staaten reichten ihre Projekte ein. Den ersten Platz unter den vier in enger Auswahl stehenden Plänen erreichte die Gruppe des Amerikaners Cesar Pelli.
Im zweiten Anlauf unter Kreisky erhielt schließlich ein anderer die Zusage: der Österreicher Johann Staber, der mit seinem Konzept der markanten Grundform eines Ypsilons auf Platz vier gelegen war.
0,07 Euro Jahresmiete
http://orf.at/040820-77584/uno_baustelle_big_azw_n.jpg
Mit dem Bau wurde 1973 begonnen. Die Baukosten in der Höhe von acht Milliarden Schilling (580 Mio. Euro) teilten sich Bund (65 Prozent) und die Stadt Wien (35 Prozent). Kritiker sahen darin vor allem eine Geldverschwendung.
Am 23. August 1979 wurde das VIC schließlich den Organisationen und dem damaligen UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim übergeben. Die symbolische Jahresmiete beträgt nur einen Schilling (0,07 Euro) - für eine Laufzeit von 99 Jahren. Mehr dazu in oe1.ORF.at
Baustufe II trotz Volksbegehrens
Anfang der 1980er Jahre, als sich die bereits vorher geplante Baustufe II zu konkretisieren begann, brach um die UNO-City erneut ein Streit aus: Ein weiteres Konferenzzentrum, das Austria Center Vienna, sollte dazugebaut werden.
http://orf.at/040820-77584/uno_plan_big_azw_n.jpg
Kreisky setzte den Bau durch, obwohl sich dagegen 1,4 Millionen Bürger in einem ÖVP-Volksbegehren ausgesprochen hatten. Die ÖVP-Spitze blieb der Eröffnungsgala 1987 aus Protest fern.
Asbestsanierung bis 2009
Mittlerweile müssen einige bauliche Adaptierungen an den errichteten Gebäuden durchgeführt werden. Das damals vor allem für Kabelisolierungen verwendete Asbest soll vorbeugend bis 2009 komplett entfernt werden. Asbest kann durch das Einatmen Krebs erregen.
Da ein laufender Betrieb während dieser Zeit gewährleistet werden muss, wird das UNO-Personal "schichtweise" in ein Containerdorf neben dem Gebäude umgesiedelt.
Vorteile durch UNO-Standort
Trotz hoher Errichtungs-, Erhaltungs- und Sanierungskosten gilt die UNO-City für das Gastgeberland als profitabel. Laut offiziellen Angaben fließen von den VIC-Ausgaben jährlich 350 Mio. Euro in die heimische Wirtschaft.
Zu Wiens und Österreichs Image als bedeutendes Zentrum internationaler Diplomatie sowie für die Entwicklungs- und Flüchtlingshilfe, Atom- und Drogenpolitik trägt naturgemäß auch die Ansiedlung weiterer UNO-Behörden bei.
Das 25-jährige Jubiläum wird jedoch erst am 24. Oktober gefeiert - momentan ist ein Großteil der Wiener UNO-Mitarbeiter auf Urlaub.