View Full Version : Frankfurt | Museum der Weltkulturen | In Planung


goschio
December 4th, 2007, 09:48 AM
Weltkulturen-Museum könnte „Sudfass“ ersetzen


Frankfurts bekanntestes Bordell: Im "Sudfass" soll bald das Rotlicht ausgehen

04. Dezember 2007 Für das Frankfurter Museum der Weltkulturen ist ein neuer Standort im Gespräch. Nach Informationen dieser Zeitung wird im Römer erwogen, das an der Flößerbrücke gelegene Bordell „Sudfass“ zu erwerben und an seiner Stelle den geplanten Kulturbau zu errichten. Wie zu hören ist, verhandelt Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel schon länger mit Bordellbesitzer Dieter Engel.

Allerdings liegen Gangel und Engel bei den Preisvorstellungen noch weit auseinander. Zudem ist unklar, inwieweit Gangel sein Vorgehen mit dem Kulturdezernat abgestimmt hat. Nach Angaben von Planern wäre das „Sudfass“-Grundstück groß genug für den Museumsneubau, für den eine Bruttogeschossfläche von 8000 Quadratmetern veranschlagt wird.

Verhandlungen über den Kaufpreis

Dem Vernehmen nach ist Anette Rein, Direktorin des Museums der Weltkulturen, sehr angetan von der Idee, am Anfang der Oskar-von-Miller-Straße einen Neubau für die völkerkundliche Sammlung zu errichten. Schließlich wäre es möglich, dort einen auf die Umgebung ausstrahlenden architektonischen Solitär zu errichten. Auf Anfrage wollte Rein sich jedoch nicht über mögliche Standorte äußern: „Ich werde dafür bezahlt, dass ich Inhalte bearbeite.“ Sie sei gehalten, beim Thema Museumsneubau auf das Dezernat für Kunst und Wissenschaft zu verweisen.
Zum Thema

* Kommentar: Weltkulturen statt Freudenhaus
* 100-Meter-Turm auf Degussa-Areal

Dort ist Grundsatzreferentin Ann Anders (Die Grünen) für die Planung des ethnologischen Ausstellungshauses zuständig. Anders sagte, die Gespräche über das Degussa-Gelände als künftigen Standort seien schon recht weit gediehen. „In trockenen Tüchern“ sei allerdings noch nichts. Auch sei noch unklar, ob die Stadt ein Mietmodell oder eine andere Form des Entgelts für die Nutzung bevorzuge.

Zum „Sudfass“-Areal als möglicher Museumsadresse sagte Anders: „Das ist momentan keine Option für uns.“ Sie könne sich nicht vorstellen, dass die Stadt von Besitzer Engel das Grundstück im Ostend erwerbe, da sie gar nicht über so viel Geld verfüge. Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, da er Gespräche mit Kandidaten für die Stelle des Frankfurter Zoodirektors führte.

Stadt bietet 10 Millionen Euro

Ob das „Sudfass“-Grundstück tatsächlich zu teuer für die Stadt wäre, ist noch keineswegs ausgemacht. Gangel soll zehn Millionen Euro geboten haben, Engel ursprünglich 20 Millionen gefordert haben. Dem Vernehmen nach hat er seine Forderung gegenüber Immobilieninvestoren, die auf dem Areal ein Bürogebäude errichten wollen, schon deutlich reduziert.

Die Stadt ist gegenüber Engel auch deshalb in einer guten Verhandlungsposition, weil vor einer Neubebauung des Areals ein entsprechender Bebauungsplan aufgestellt werden müsste. Denn der alte Bebauungsplan sieht nur eine Grundflächenzahl von 0,3 vor; schon die jetzige, vergleichsweise geringe Bebauungsdichte überschreitet diesen Wert. Ohne die Schaffung des Baurechts könnte die von Investoren und Stadtplanungsamt schon ins Auge gefasste siebengeschossige Blockrandbebauung also nicht realisiert werden. Sie liegt aber offenbar den Angeboten zugrunde, die Engel vorliegen sollen. Der Stadt gehört zudem ein rund 300 Quadratmeter großes Grundstück, das direkt westlich an das „Sudfass“-Areal angrenzt, so dass sie aufgrund von Nachbarrechten ohnehin in allen Fragen Einfluss darauf nehmen kann, was auf dem Grundstück geschieht.

Sollte die Kommune Engel noch etwas entgegenkommen, könnte am Ende ein Kaufpreis von zwölf Millionen Euro fällig sein. Dem wären die Kosten für die Fläche auf dem Degussa-Areal entgegenzuhalten. Bisher hat der Eigentümer, die DIC Deutsche Immobilien Chancen, nur verlauten lassen, dass er ein Mietmodell bevorzuge. Außerdem ist bekannt, dass die DIC darauf besteht, zugunsten des Museums die auf 20.000 Quadratmeter konzipierte Wohnfläche zu reduzieren. Unterstellt man, dass die DIC keine Einnahmeverluste gegenüber den ursprünglich geplanten sehr hochwertigen Wohnungen erwirtschaften will, müsste sie grob geschätzt eine Jahresmiete von rund 350 Euro für den Quadratmeter unterstellen. Für die Stadt ergäbe sich daraus eine jährliche Belastung von 2,8 Millionen Euro.

http://www.faz.net/s/RubFAE83B7DDEFD4F2882ED5B3C15AC43E2/Doc~EA4EF4BD468F34BB79E641B0406AACFCF~ATpl~Ecommon~Scontent.html

na

Golden Age
December 4th, 2007, 01:56 PM
Das Sudfass ist ein Relikt aus einer Stadtpolitik, die das östliche Mainufer schon abgeschrieben hatte, eine Erinnerung an unglückselige Verwahrlosung. Mit der Renaissance des Ufers und des Ostends sind im Umfeld des Sudfass die alte Stadtbibliothek, das Konservatorium und ansehnliche Wohnhäuser entstanden. Ausserdem liegt das Sudfass direkt an der Haupt-Zufahrtschneise zur künftigen EZB, da ist Prostitution kein erstrebenswertes Aushängeschild für Stadt und Zentralbank.

Bzgl. völkerkundliche Sammlung des Weltkulturen Museums sollte man hingegen unbedingt zur ursprünglichen Lösung zurückkehren, welche vorsah am angrenzenden Park zum Museum für Angewandte Kunst zu bauen. Der Park ist beliebt, aber ausreichend gross um Picknicker und einen Neubau unterzubringen. 2-3 alte Bäume werden fallen, aber man wird das Dreifache neu pflanzen können.

erbse
December 4th, 2007, 04:08 PM
Werden die Frankfurter es vermissen? Wird es "Alles-muss-raus/rein"-Rabatte geben? Was geschieht mit dem imposanten Eingangsportal des Sündenpfuhls?

http://www.dassudfass.de/cms/projekt01/media/img/besuch_tuer.jpg

http://img517.imageshack.us/img517/2383/frankfurtsudfasseingangjb3.jpg

http://farm2.static.flickr.com/1259/866592046_2cb683238e_o.jpg

Charming!
http://www.faz.net/m/%7BBB8A2E4B-FBE6-4762-AFEA-C282305ED50B%7DPicture.jpg

http://www.dassudfass.de/cms/projekt01/media/img/besuch_01.jpg

http://www.dassudfass.de/cms/projekt01/media/img/besuch_schwengel.jpg

http://farm1.static.flickr.com/71/178686914_aab7478e0d_o.jpg

Und jetzt mal im Ernst:
Ich finde es ehrlich gesagt nachvollziehbar, wenn man die Rotlichter aus dieser prestigeträchtigen Gegend ausschaffen will. Es reicht wohl, wenn man dieses Milieu im Bahnhofsviertel in umso geballterem Ausmaße vorfindet.

Das Museum der Weltkulturen sollte aber lieber den Schauspielkasten (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4e/S%C3%BCdostfassade_Oper_Frankfurt.jpg) gegenüber der derzeitigen EZB am Mainufer ersetzen. Hier wäre so ein Museum wohl wichtiger und könnte das Stadtbild entscheidend verbessern. Zumal sich ja gleich gegenüber das Sachsenhäuser Museumsufer befindet - man hätte auf einen Schlag ein wirklich vorzeigbares Zentrum der Kultur geschaffen. Der Standort an der Flößerbrücke würde wohl weitaus weniger frequentiert (zumindest von Touristen) und würde eben nicht diesen zentralen Kulturtreffpunkt bilden.
Wäre interessant, hier mal die Meinung eines Frankfurters zu hören.

Pølser Hawkins III
December 4th, 2007, 04:20 PM
So realistisch wie den Taunus auf 3.000 Meter aufzustocken um dort ein Skigebiet anzulegen. Die Seite auf deinem Foto existiert so gar nicht mehr, da wird gerade für 54 Mio Euro brutalstmöglich angebaut. kmuffi wirds bestimmt gefallen.

Der Sudfass-Penisbrunnen wird an den Berliner Senat verkauft.

erbse
December 4th, 2007, 04:29 PM
Ich wär für ein 3000m-Skigebiet im Taunus, dann kann Frankfurt der Sandburg in den Emiraten siegessicher den Mittelfinger ausstrecken. Sollte erdmassentechnisch jedenfalls nicht unmöglich sein, Offenbach müsste zum Aufschütten doch reichen, oder?

Und warum ist das so unrealistisch? Was baut man denn dort bzw. womit hat man hier erweitert? Wär gar liebreizend, solltest du mir mal ein paar Links diesbezüglich in die Hand drücken können.
Im Sommer habe ich jedenfalls keinen Anbau ausmachen können. Was auch daran gelegen haben mag, dass ich mit Scheuklappen an solchen Betonscheusalen vorbeispazier. Oder der Anbau eben noch nicht stand.

Pølser Hawkins III
December 4th, 2007, 04:35 PM
Im DAF steht's: http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showthread.php?t=4635

Golden Age
December 4th, 2007, 04:42 PM
Hier wäre so ein Museum wohl wichtiger und könnte das Stadtbild entscheidend verbessern. Zumal sich ja gleich gegenüber das Sachsenhäuser Museumsufer befindet - man hätte auf einen Schlag ein wirklich vorzeigbares Zentrum der Kultur geschaffen. Der Standort an der Flößerbrücke würde wohl weitaus weniger frequentiert (zumindest von Touristen) und würde eben nicht diesen zentralen Kulturtreffpunkt bilden.
Wäre interessant, hier mal die Meinung eines Frankfurters zu hören.

Wie Pölser schon sagt, wird die SchauspielFrankfurt-Bauhaus-Box für ca. €50 Mio. (!!!) verschlimmbessert. Das perfekte Beispiel wie ein einstiger "Vorzeigebau" der Moderne nach 30 Jahren schon wieder abrissfertig ist (der imposante Vorgänger-Prachtbau aus der Gründerzeit hingegen wäre wohl selbst in Paris oder Wien eine Attraktion gewesen).

Als Frankfurter würde ich vielleicht noch den Standort an der Alten Brücke auf der Maininsel ins Spiel bringen. Gegenwärtig steht auf der westlichen Seite der Insel das viel gerühmte Portikus von Mäckler und das Museum der Weltkulturen könnte auf der östlichen Seite hier eine spannende Tor-Lösung bilden.

erbse
December 4th, 2007, 04:45 PM
Ach du heiliger Bimbam... Wäre es theoretisch möglich, einen Neubau nach Fertigstellung gleich wieder abzureißen? Fänd ich hier wirklich angebracht.

Danke für den Link Pölser!

Als Frankfurter würde ich vielleicht noch den Standort an der Alten Brücke auf der Maininsel ins Spiel bringen. Gegenwärtig steht auf der westlichen Seite der Insel das viel gerühmte Portikus von Mäckler und das Museum der Weltkulturen könnte auf der östlichen Seite hier eine spannende Tor-Lösung bilden.

Und du meinst, das Frankfurter Maininselchen (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0c/Frankfurter_Mainbruecken.jpg) hält solchen Baumassen stand?

Rohne
December 4th, 2007, 07:39 PM
Ich bin für den Standort am Senckenbergmuseum. Wenn die Uni weg ist muss das alte Jügel-Haus ja auch irgendwie weiter genutzt werden. Was wäre da idealer als zum berühmten naturhistorischen Museum halt noch ein renommiertes Völkerkundemuseum dazuzustellen? Muss ja nicht immer nur am Museumsufer sein, dort gibts auch sonst noch genügend Museen.

Pølser Hawkins III
December 4th, 2007, 08:21 PM
Das Jügel-Haus kriegt das Senkenbergmuseum, den Physikalischen Verein auch. Aber natürlich könnte man etwas dazu bauen.

Kampflamm
December 29th, 2007, 11:37 PM
Schlimm sowas. Hier sollte die UNESCO mal was sagen.

goschio
June 13th, 2008, 06:23 AM
Das wars wohl mit dem Sudfass. :(
Engels werden mittlerweile 14 millionen geboten.

Museum oder Luxushotel?

CDU und Grüne für Museum
Haus der Weltkulturen nicht gestrichen
VON CLAUS-JÜRGEN GÖPFERT

Der Neubau des Museums der Weltkulturen bekommt von der schwarz-grünen Römer-Koalition noch eine Chance. Die Fraktion der Grünen beschloss am späten Mittwochabend ein grundsätzliches Bekenntnis zu dem Projekt: "Wir wollen den Neubau", sagte Fraktionschef Olaf Cunitz am Donnerstag.

Die Stadt soll jetzt eine Analyse der möglichen Standorte vornehmen. Die müsse im Herbst den Fraktionen des Stadtparlaments präsentiert werden. Noch in diesem Jahr könne dann eine Entscheidung über das Baugrundstück fallen. Cunitz bemühte sich, den schwelenden Konflikt zwischen den Fraktionen von CDU und Grünen einerseits und Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) andererseits zu entschärfen: "Jede Seite hat Fehler gemacht", sagte der Politiker.

Roth hatte sich für den Bau des Museums durch das private Unternehmen Deutsche Immobilien Chancen (DIC) stark gemacht. Weder CDU und Grüne votierten aber dafür - mit der Begründung, die OB liefere ihnen zu wenig Informationen. Am 9. Juni hatte dann DIC die Offerte des Baus zurückgezogen.

Die Koalition insgesamt müsse jetzt aus diesen Fehlern lernen und dafür sorgen, dass sie sich nicht wiederholten, sagte Cunitz. Die Grünen bestünden aber auf einem Raumkonzept für das neue Museum - und, wichtiger noch, auf einem "inhaltlichen Konzept".

Auch die CDU-Fraktion sprach sich am Mittwochabend dafür aus, die diskutierten verschiedenen Standorte für die Kulturinstitution zu prüfen. Dabei müsse auch ein Neubau in Sachsenhausen direkt hinter den heutigen Villen des Museums der Weltkulturen wieder ins Kalkül gezogen werden. Bisher lehnen den allerdings die Grünen ab.

Zu den diskutierten Standorten gehört jetzt wieder auch das Grundstück des ältesten Frankfurter Bordells, des "Sudfass" am nördlichen Brückenkopf der Flößerbrücke. Besitzer Dieter Engel wird seit Monaten von Immobilien-Investoren umworben. Das höchste Gebot für das Areal soll bei rund 14 Millionen Euro liegen. Ein Investor möchte dem Vernehmen nach dort ein Luxushotel mit Büroanteil errichten. All diese Pläne entstehen vor dem Hintergrund, dass nur wenige Hundert Meter entfernt auf der Fläche der früheren Großmarkthalle jetzt die Europäische Zentralbank (EZB) ihr neues Quartier baut.

In der Sitzung der CDU-Fraktion hatte sich Kulturdezernent Felix Semmelroth engagiert dafür eingesetzt, den Neubau des Museums nicht zu streichen.

erbse
February 1st, 2009, 07:37 PM
Gibt es neues von der Museumsfront? Für welchen Standort á "Museum der Weltkulturen" hat man sich denn nun entschieden?

Rohne
February 2nd, 2009, 10:02 PM
Da wos ist und hingehört: am Museumsufer. wird halt auch etwas in die Tiefe gehen (kann man ja irgendwelche Grabanlagen nachbauen, würde ja thematisch passen ;) )