View Full Version : Zersiedelung
sämelihülz November 10th, 2008, 10:44 PM Es war in der letzten Zeit schon öfters in der Presse ein Thema!
Jetzt frage ich euch:
- Was ist euer Standpunkt in bezug auf Zersiedelung?
- Wo sind in der CH oder Ö Städte die sehr zersiedelt sind?
sämelihülz November 10th, 2008, 11:08 PM Das ist ganz klar Winterthur. Die überbaute Fläche entspricht fast der Hälfte der überbauten Fläche von Zürich, während Winterthur bei der Einwohnerzahl mit 100'000 zu 380'000 gerade mal 1/4 so gross ist wie Zürich. Während in der am dichtesten überbauten Stadt der Schweiz, Luzern die Häuser im Durchschnitt etwa 5-6 Stockwerke haben, sind es in Winterthur nur etwa 2.5. In Zürich und Basel sind es im Durchschnitt etwa 3.5-4.5 Stockwerke.
Luzern ist definitiv NICHT die dichteste Stadt der Schweiz! Hier ein paar ausgewählte Städte in der Schweiz:
Genf: 11710 Einwohner pro KM^2
Basel: 7187
Zürich: 4137
Lausanne: 2515
Bern: 2498
Luzern: 2358
Neuchatel: 1794
Wintherthur: 1469
Einwohnerzahl/Fläche der Stadtgemeinde
Energy2003 November 10th, 2008, 11:29 PM ^^ nicht vergessen (geht natürlich nur ungefähr) die BEBAUBARE Fläche in betracht zu ziehen
sämelihülz November 10th, 2008, 11:50 PM ^^ nicht vergessen (geht natürlich nur ungefähr) die BEBAUBARE Fläche in betracht zu ziehen
ja das Stimmt. Diese rauszusuchen hätte aber wohl noch mehr Zeit gebraucht!
Aber Luzern ist nie und nimmer am dichtesten besiedelst.
Energy2003 November 10th, 2008, 11:53 PM Zeit haben wir mehr als genug, und so gibt es aussagekräftige Daten, die auch den kritischen Mittelschweizer Blicken standhalten
steve5 November 11th, 2008, 12:11 AM ja das Stimmt. Diese rauszusuchen hätte aber wohl noch mehr Zeit gebraucht!
Aber Luzern ist nie und nimmer am dichtesten besiedelst.
Luzern ist die einzige Stadt in der Schweiz, in der fast sämtliche Häuser im Stadtzentrum (mit Ausnahme der Altstad) sieben Stockwerke hoch sind, und Luzern ist die Schweizer Stadt, in der im Vergleich zur gesamten überbauten Fläche der grösste Anteil an Blockrandbebauungen aufweist. Schau dir doch mal einen Stadtplan von Luzern und an, dann kannst du dich selber davon überzeugen, dass es im Vergleich mit allen anderen Städten dort am meisten Schwarz und am wenigsten Weiss hat.
sämelihülz November 11th, 2008, 01:12 AM Luzern ist die einzige Stadt in der Schweiz, in der fast sämtliche Häuser im Stadtzentrum (mit Ausnahme der Altstad) sieben Stockwerke hoch sind, und Luzern ist die Schweizer Stadt, in der im Vergleich zur gesamten überbauten Fläche der grösste Anteil an Blockrandbebauungen aufweist. Schau dir doch mal einen Stadtplan von Luzern und an, dann kannst du dich selber davon überzeugen, dass es im Vergleich mit allen anderen Städten dort am meisten Schwarz und am wenigsten Weiss hat.
Und was ist mit den ganzen Hochhäusern in BS, ZH, BE, die über 10 Stockwerke haben?
Die gleichen das ganze aus. Daher ist die Dichte in Luzern auch nicht so hoch wie in den den anderen grossen Städten!
Ein Jammer das in Luzern das Bahnhofsareal + Geleise so viel Platz verschleisst:
http://www.religionenlu.ch/grafik/luzern-mitte.jpg
steve5 November 11th, 2008, 02:03 AM Rechnen wir doch mal aus, wo hat es mehr Wohnungen:
Eine durchschnittliche Blockrandbebauung einer Schweizer Grosstadt:
Vier Strassen mit je vier Häusern mit je fünf Wohnungen übereinander und zwei Wohnungen pro Stockwerk = 4x4x5x2=160 Wohnungen in einem Block.
Das höchste (nicht grösste) Wohnhochhaus der Schweiz:
32 Stockwerke und vier Wohnungen pro Stockwerk = 32x4=128 Wohnungen.
In einem nur sechsstöckigen luzerner Block mit 16 solchen Häusern hat es mehr Wohnungen als im höchsten Wohnhochhaus (Hardau in Zürich) der Schweiz:
http://static4.bareka.com/photos/medium/13454503.jpg
http://www.stadt-zuerich.ch/internet/fd/lvz/home/Wohnungen/siedlung.ParagraphContainerList.ParagraphContainer0.ParagraphList.0020.Image.gif
earthJoker November 11th, 2008, 08:53 AM Wenn ihr über Zerdsiedelung reden wollt, kommt mir doch bitte nicht mit Innenstädten. Beispiele für Zersiedelung gibt es in den Aglos rund um die Ballungszentren.
Mein Standpunkt zur Zersiedelung:
Der Biotopsschutz ist bei weitem der wichtigste Teil des Naturschutzes. Das heisst die erhaltung Lebensraum der Tiere und Pflanzen hat höchste priorität. Hierbei ist es wichtig, das es genügend zusammenhängende Gebiete gibt. Die ist vor allem bei deswegen wichtig, weil die Tierarten eine gewisse Populationsgrösse haben müssen, um als Art zu überleben.
Die Zersiedelung zerstört und zerschneisst Lebensraum. Erstens ist der direkte Landverbrauch wesentlich grösser, zweitens benötigt eine streusiedelung mehr Verkehrswege, erzeugt mehr Verkehr. Es ist deshalb äusserst wichtig, dass grössere zusammenhängende Gebiete im Mittelland die wenig bebaut sind (z.B. Tösstal, Napf) geschützt werden, bevor der Siedlungsdruck dort genauso überhand nimmt wie in den bereits Zersiedelten Gebieten.
Leider wurde die Landschaftsschutzinitiative im Kanton Zürich abgelent, die weite teile des Oberen Tösstals unter Landschaftsschutz gestellt hätte.
Greg November 11th, 2008, 09:25 AM Habe hier schon viel zum Thema Zersiedelung in diesem Fred geposted :)
http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?t=386101&page=3
Energy2003 November 11th, 2008, 11:13 AM ich dachte die Definition für "Zersiedelung" ist weniger die Bevölkerungsdichte in der Stadt, denn mehr ausserhalb der Innenstadt .. oder vielleicht sogar Stadtgrenzen
wenn ich mal ein Beispiel aus meiner Stadt bringen dürfte .... man sieht schön wo der Platz hingeht (wenngleich seit Einigen Jahren nur mehr KWA gebaut werden)
http://img134.imageshack.us/img134/8466/img5800dw2.jpg
sämelihülz November 11th, 2008, 11:41 AM ich dachte die Definition für "Zersiedelung" ist weniger die Bevölkerungsdichte in der Stadt, denn mehr ausserhalb der Innenstadt .. oder vielleicht sogar Stadtgrenzen
wenn ich mal ein Beispiel aus meiner Stadt bringen dürfte .... man sieht schön wo der Platz hingeht (wenngleich seit Einigen Jahren nur mehr KWA gebaut werden)
http://img134.imageshack.us/img134/8466/img5800dw2.jpg
Ist das jetzt also Feldkirch?
Das sieht wirklich krass aus! Es ist wirklich ein Jammer wie viel Platz verschwendet wurde.
Andererseits muss man natürlich auch die Bedürfnisse der Bürger verstehen. Wenn ich im Geld schwimmen würde, hätte ich auch ein riesen Haus mit riesen garten!
sämelihülz November 11th, 2008, 11:50 AM ich dachte die Definition für "Zersiedelung" ist weniger die Bevölkerungsdichte in der Stadt, denn mehr ausserhalb der Innenstadt .. oder vielleicht sogar Stadtgrenzen
wenn ich mal ein Beispiel aus meiner Stadt bringen dürfte .... man sieht schön wo der Platz hingeht (wenngleich seit Einigen Jahren nur mehr KWA gebaut werden)
http://img134.imageshack.us/img134/8466/img5800dw2.jpg
Ist das jetzt also Feldkirch?
Das sieht wirklich krass aus! Es ist wirklich ein Jammer wie viel Platz verschwendet wurde.
Andererseits muss man natürlich auch die Bedürfnisse der Bürger verstehen. Wenn ich im Geld schwimmen würde, hätte ich auch ein riesen Haus mit riesen garten!
Krasses Beispiel für Zersiedelung ist z.B auch Giswil OW. War schon mehrmals dort, und es ist einfach unfassbar wie verzettelt die Heimatstadt von Ruedi Rhyman ist!
Die Ortschaft Giswil liegt im Süden der vom Sarnersee dominierten Talfläche des Kantons Obwalden auf einer Höhe von 485 m ü.M. Die Gesamtfläche der Gemeinde beträgt 8597 ha, davon sind 4541 ha (52,8%) bestockte Flächen (mit Wald und Buschwerk), 3195 ha (37,2%) Nutzflächen (wie Wiesen, Äcker, Alpen), 158 ha (1,8%) Siedlungsflächen und der Rest (703 ha 8,2%) unproduktiv (Gewässer, Gebirge vegetationslos).
Mit einer Fläche von knapp 86 km² ist Giswil gleich gross wie die Stadt Zürich. Im Grössenvergleich der ca. 2750 Schweizer Gemeinden liegt Giswil auf Platz 68.
Die Gemeinde zählt 3474 Einwohner (31. Dezember 2007).
3474/158 ha = 22 Einwohner pro Km²
Giswil auf google Maps (http://maps.google.de/maps?um=1&hl=de&client=firefox-a&rls=org.mozilla:de:official&q=Giswil&ie=UTF-8&sa=N&tab=wl)
earthJoker November 11th, 2008, 12:12 PM Das kannst du so nicht vergleichen, du mist Siedlungsgebiet mit Siedlungsgebiet vergleichen, und davon die Dichte berechnen!
Lake November 11th, 2008, 02:06 PM ja das Stimmt. Diese rauszusuchen hätte aber wohl noch mehr Zeit gebraucht!
Aber Luzern ist nie und nimmer am dichtesten besiedelst.Dann sint deine Berechnungen falsch. Ist ganz einfach.
Nun stellt sich aber auch die frage, ob man bebaubare Gebiete oder bebaute Gebiete zählt. Und wie definiert sich bebaubar? Heisst das entsprechend eingezont, oder doch etwas anderes?
Küsel November 11th, 2008, 02:24 PM Das St.Galler Rheintal (inkl. Feldkirch) ist wirklich eines der schlimmsten Beispiele für Zersiedelung. Geht mal auf den Hohen Kasten und schaut da runter - keine wirkliche zentrumsfunktionale Stadt aber 200'000 oder mehr Leute auf der grünen Wiese links und rechts des ach so romantischen Rheinkanals verteilt :(
Die Zersiedelung (und ich meine nicht nur die Suburbanisierung sondern auch die Parahotelerie) ist eines der zentralsten Probleme unseres Landes. Es gibt etwa 12-15'000 km2 bebaubares Land (inkl. Ackerflächen!) in der Schweiz. Darauf verteilt leben nicht nur 7.5mio Leute, nein, diese beanspruchen auch jedes Jahr ein paar m2 mehr Wohnfläche. Dazu kommt noch die Überalterung, was zu Folge hat, dass grossräumige Immobilien von alleinstehenden Rentnern okkupiert sind. Noch schlimmer ist der Drang zu Zweitwohnungen und Ferienhäusern, die gerade mal 5-10% im Jahr genutzt werden. Da kann eigentlich nur noch eine schlimme Rezession Einhalt gebieten!
Lake November 11th, 2008, 02:25 PM Das Problem sind nicht die Städte und vorallem nicht die Innenstädte, sondern alles drum herum.
Es ist aber im engeren Umkreis der Städte nichtmal wirklich die Zersiedelung als grosses Problem, sondern eher die kleinräumigen politischen Strukturen.
Zum Beispiel ein Vergleich:
Zürich hat auf 90 km² über 380'000 Einwohner
Frankfurt auf 250km² knapp 660'000 Einwohner
Würder man in Zürich mal ein bisschen aufräumen und entsprechend eingemeinden käme man bei einer selben Fläche wohl sogar auf mehr Einwohner als Frankfurt. Rund um Zürich ist ja bereits alles zusammengewachsen - in Basel und Genf ist es ähnlich.
Die Zersiedelung wird eigentlich frühestens im 2. Agglomerationsgürtel zum Problem.
Küsel November 11th, 2008, 02:27 PM ...und ZWISCHEN den Agglomerationen (Limmattal, La Cote, Jurasüdfuss, Wallis, Tessin... RHEINTAL!!!)
earthJoker November 11th, 2008, 02:35 PM Nun stellt sich aber auch die frage, ob man bebaubare Gebiete oder bebaute Gebiete zählt.
Interessant sind meiner meinung nach nur "bebautes Gebiet"/"Einwohnerzahl" alles andere sind Theoretische werte. Und dann kommt es noch darauf an wie dieses Gebiet gegliedert ist.
Energy2003 November 11th, 2008, 03:34 PM heutzutage was "Eingemeinden" .... das wird schwierig. will ja niemand eingemeindet werden
Lake November 11th, 2008, 03:53 PM Andernorts gehts auch...
Vielleicht wird Opfikon bald dran glauben müssen dank der Finanzkrise :lol:
steve5 November 11th, 2008, 05:36 PM Andernorts gehts auch...
Vielleicht wird Opfikon bald dran glauben müssen dank der Finanzkrise :lol:
Dafür ist Opfikon viel zu stolz, sie haben es so weit gebracht, dass werden sie sicher nicht alles aufgeben und der Stadt Zürich schenken. Wenn es in 20 Jahren wieder mal eine Eingemeindung gibt, dann eine Limmattal- oder Zürichseegemeinde, aber niemals eine Stadt im Glattal.
Energy2003 November 11th, 2008, 05:39 PM regensdorf ? erscheint verkehrstechnisch und wirtschaftlich lohnender; nicht ?!
kenne den "Katzensee" nicht, ob der ein Zugewinn wäre -> k.a.
steve5 November 11th, 2008, 05:43 PM regensdorf ? erscheint verkehrstechnisch und wirtschaftlich lohnender; nicht ?!
kenne den "Katzensee" nicht, ob der ein Zugewinn wäre -> k.a.
Ist nicht mit der Stadt Zürich zusammengebaut, also kommt auch eine Eingemeindung nicht in Frage.
Lake November 11th, 2008, 05:46 PM Dafür ist Opfikon viel zu stolz, sie haben es so weit gebracht, dass werden sie sicher nicht alles aufgeben und der Stadt Zürich schenken. Wenn es in 20 Jahren wieder mal eine Eingemeindung gibt, dann eine Limmattal- oder Zürichseegemeinde, aber niemals eine Stadt im Glattal.
Ja haben wirklich echt viel aufgebaut...Und allesamt Dinge zu welchen es nie gekommen wäre, wenn Opfikon nicht an Zürichs Stadtgrenze sondern irgendwo im Bündnerland o.ä. wäre...
Opfikon hat enorme Finanzprobleme durch die Finanzkrise und wird dies über LAAAANGE Zeit haben (>20 Jahre).
Einen Artikel gab es vor kurzer Zeit im Tagi oder der NZZ....
Edit: Stolz ist ein gutes Stichwort...Eines der dämlichsten Argumente in der Politik, Siedlungs- und Verkehrspolitik. Wegen solch dämlichen Dingen ist z.B.die Endstation der Linie 7 immernoch in Wollishofen....)
Küsel November 11th, 2008, 05:51 PM Da sind uns die Basler und Genfer voraus...
Aber Opfikon hat innert kurzer Zeit etwa 40% mehr Bevölkerung und deshalb auch etliche Probleme. Sollte deshalb schon eingemeindet werden - wie Schlieren, Küsnacht, Zollikon, Kilchberg, Wallisellen, Dübendorf etc etc. Eine Stadt hat einfach mindestens 250km2 Fläche aufzuweisen und basta!
The other Dude December 31st, 2008, 02:02 AM Alte Fabriken für 85'000 Wohnungen nutzen
Von Beat Bühlmann. Aktualisiert um 19:46 Uhr
Weil das Bauen im Grünen nach wie vor günstiger ist, werden leer stehende Industrieanlagen gar nicht genutzt. Das neue Raumplanungsgesetz will das ändern.
Brachenbank
Die Architekten Jacques Herzog und Marcel Meili warnen vor der monotonen Zersiedlung der Schweiz und plädieren für ein verdichtetes Bauen. Möglich wäre dies zum Beispiel auf den Industriebachen. Denn die halbe Schweiz wird nicht mehr gebraucht: Färbi, Alte Bürsti, Zementfabrik, Zeughaus, Schlachthof, Lagerhäuser, Gaswerk, Bahnhof Mels, Gare de Chêne-Bourg, diverse Brauereien, sechs stillgelegte Flugplätze – auf der neu erstellten «Brachenbank» sind 348 ausgediente Industrie-, Militär- und Bahnareale aufgelistet. Alle mindestens so gross wie ein Fussballfeld. Das Zürcher Beratungsbüro Wüest & Partner hat für das Bundesamt für Raumentwicklung dieses gewaltige Umnutzungspotenzial neu erfasst.
Platz für 450'000 Arbeitsplätze
Rund die Hälfte dieser ungenutzten Fläche entfällt auf Industriebrachen (54 Prozent). Das sind in aller Regel Fabrikgelände, die für die Produktion nicht mehr gebraucht werden. Aber auch die Bahn (12 Prozent) und das Militär (5 Prozent) wissen mit einem Teil ihrer Liegenschaften nichts mehr anzufangen. Dazu kommen sechs stillgelegte Flugplätze (unter ihnen Dübendorf), die allein 434 Hektaren umfassen. Insgesamt machen die 350 Brachen eine Arealfläche von 1820 Hektaren aus, das ergäbe ein Flächenpotenzial von elf Millionen Quadratmeter Geschossfläche.
Auf diesem ungenutzten Raum könnten 85'000 Wohnungen gebaut werden – die Jahresproduktion von zweieinhalb Jahren – oder 450'000 Büroarbeitsplätze. Wüest & Partner schätzt das hier schlummernde Investitionsvolumen auf 27 Milliarden Franken. Es könnte umso lukrativer sein, als viele dieser Brachen «zentrale und gut erschlossene Landreserven in dicht besiedelten Gebieten» sind, wie es im Brachenreporting 2008 heisst. Die Hälfte liegt in einer der fünf Grossstädte oder in einer der 22 Mittelstädte. Zwar wurden in jüngster Zeit an verschiedenen Orten Umnutzungsprojekte an die Hand genommen. Doch insgesamt nahmen die Industriebrachen innert fünf Jahren um eine Million Quadratmeter zu.
Lieber im Grünen bauen
Warum wird dieses Potenzial nicht besser genutzt? «Das Bauen im Grünen ist oft günstiger als die Umnutzung einer Industriebrache», sagt Martin Vinzens, zuständig für Ländliche Räume und Landschaft beim Bundesamt für Raumentwicklung. Es gebe weniger Einsprachen, es drohten keine Altlasten, und es brauche keine Verhandlungen mit Eigentümern und diversen Nutzern, bestätigt Lukas Bühlmann, Direktor der Schweizerischen Vereinigung für Landesplanung (VLP). So geht das Ausscheiden von neuen Bauzonen den Gemeinden einfacher von der Hand als die anspruchsvolle Umnutzung von Fabriken.
Der verschwenderische Bodenverbrauch geht allerdings auf Kosten der Landschaft. Seit den achtziger Jahren hat die Siedlungsfläche in der Schweiz um mehr als einen Achtel zugenommen; pro Sekunde wird ein Quadratmeter Boden verbraucht. Noch schlimmer: Fast ein Viertel der bereits ausgeschiedenen Bauzonen sind in der Schweiz noch gar nicht überbaut. Sie würden Platz bieten für weitere zwei Millionen Einwohner. Mit der Raumplanungsrevision will der Bundesrat der grassierenden Zersiedelung Einhalt bieten. Er will die Siedlungsentwicklung verstärkt nach innen lenken und «der verstärkten Nutzung von Bracheflächen besondere Bedeutung» zumessen, wie es in der Botschaft heisst.
Gemeinden müssen über die Bücher
Wird das funktionieren? Wenn das Parlament den Gesetzesentwurf so umsetze wie vom Bundesrat vorgeschlagen, werde sich die Praxis markant verändern, glaubt Lukas Bühlmann, dessen VLP die Kantone berät. «Die Gemeinden müssen über die Bücher gehen und die Bauzonen anpassen.» Rückzonungen wären unvermeidlich. Künftig sollen überschüssige Bauzonen entschädigungslos in die Reservebauzone verschoben und die Hortung von Bauland durch ein Kaufrecht der Gemeinden unterbunden werden. «Wird das Bauland knapp, gewinnen die Industriebrachen an Attraktivität», sagt Bühlmann.
Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, sieht das auch so – vorausgesetzt, dem neuen Raumplanungsgesetz werden nicht alle Zähne bereits im Voraus gezogen. «Wenn die neuen Bestimmungen griffig sind, müssen zuerst die brach liegenden Areale überbaut werden, bevor neues Kulturland eingezont wird.» Doch der Widerstand gegen ein schärferes Raumplanungsgesetz ist programmiert. Mit den «unverhältnismässigen Massnahmen» werde eine dynamische Entwicklung abgewürgt und das Fuder überladen, kritisierte der Schweizerische Gewerbeverband umgehend den bundesrätlichen Entwurf. Die Schweiz sei «Hightech-, nicht Heidiland».
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.12.2008, 19:43 Uhr
Kolja@ZH April 8th, 2010, 05:49 PM Amüsanter Artikel des Stadtwanderers, mir bleibt aber das Lachen im Halse stecken bei der schweizerischen Doppelmoral bezüglich ihren Ansprüchen an die Politik und Gesellschaft bei gleichzeitiger Zelebrierung ihres hedonistischen Lebensstils.
Wir sind alle Rüdisülis
Oder warum die Zersiedelung eine Erfolgsstory ist – ökonomisch, sozial und als Naturgenuss: eine Rede von Architekturkritiker Benedikt Loderer.
«Ich muss Ihnen ein Geständnis machen: Ich halte die ganze Empörung über die Zersiedelung für ein Lippenbekenntnis. Einfache Frage: Wie viele Quadratmeter Wohnraum beanspruchen Sie pro Kopf? Ich 90, und ich liege damit weit über dem Durchschnitt von rund 50. Dass dies in der Bieler Altstadt geschieht, ist nur ein mildernder Umstand, aber kein Freispruch. Vor einer Generation waren es noch 30. Diese Differenz entspricht ziemlich genau der Zersiedelung.
Worauf will ich hinaus? Auf den fundamentalen Unterschied zwischen Produktion und Konsum. Angewendet und dargestellt an jenem Stück Erdoberfläche, das die Schweizerische Eidgenossenschaft verkörpert. Als noch 85 Prozent der Schweizer von der Landwirtschaft lebten, das übrigens kärglich und von Hunger bedroht, da war es klar: Der Bauer brauchte Land, keine Landschaft. Das Land war neben seiner Arbeitskraft das entscheidende Produktionsmittel. Darum hat er zum Land Sorge getragen, hat zum Beispiel seine Siedlung auf das Minimum reduziert, weil ihn das Land reute, das er nicht bebauen konnte. Ob Streusiedlung oder Haufendorf, nie hat er das Land vergeudet. Dafür war es zu wertvoll.
Opium der Normalos
Wer heute auf dem Lande lebt, braucht wenig Land, aber will viel Landschaft. Die Landschaft ist zum Genussmittel geworden, zur Droge des Mittelstands, zum Opium der Normalos. Ein herrenloses Gut, wer will eines, das uns allen gehört, obwohl der Zugang dazu doch sehr undemokratisch organisiert ist. Das Stichwort Seeanstoss erklärt, was ich meine.
Das Land hingegen, die wenigen Hundert Quadratmeter fürs Hüsli, die werden konsumiert. Die Leute, die heute auf dem Land und nicht vom Land leben, sind Konsumenten, Landkonsumenten. Wie wir alle wissen, zerstört der Konsum das, was er konsumiert. Drastisch ausgedrückt: Der Kuchen wird Kacke. Ein Naturgesetz. Zwar ist der Dünger auch wertvoll, leider auf einem viel tieferen Niveau. Das Produktionsmittel wird zum Konsumgut. Dieser Übergang ist die Zersiedelung. Zusammenfassend: Zersiedelung ist Konsum.
Ich bin überzeugt, dass der Konsum das Subjekt der Geschichte ist. Nicht Gott oder der legitime Herrscher, weder der Zeitgeist noch das Volk oder das Proletariat sind die Beweger der Geschichte, nein, es ist der Konsum. Die Welt wird von der Gefrässigkeit regiert. Das meine bescheidene Einsicht in den Lauf der Welt. Und es gilt das Grundgesetz: Der Hunger kommt vom Fressen, und der Durst kommt vom Trinken.
Die Verehrung führt zur Verheerung
Ist das Land kein Produktionsmittel mehr, sondern ein Konsumgut, tritt an die Stelle der Arbeit der Genuss. Naturgenuss ist nach dem Alkoholismus die am weitesten verbreitete Volkskrankheit in der Schweiz. Vermutlich sind auch Sie vom Morbus Naturae sentimentalis befallen, von der heutigen Form der Lustseuche.
Wenn man das verstanden hat, dann ist die Zersiedelung keine moralische Frage mehr. Das glaubten nur die Naturschützer der alten Sorte. Die Unberührtheit der Natur, namentlich der Berge, die, wie wir wissen, heilig sind, ist längst durch Massenvergewaltigung aufgerieben worden. Heute muss man den Grundwiderspruch unserer Naturseligkeit anerkennen: Die Verehrung führt zur Verheerung. Jede Erstbesteigung endet mit einem Skilift.
Wer die Natur wirklich bewahren will, muss sie in Ruhe lassen, der Stubenhocker ist der beste Naturschützer. Im Umkehrschluss heisst das: Wer es mit Naturschutz ernst meint, wiederum in den Alpen als Beispiel, der stellt als Erstes die Skilifte und Bergbahnen ab. Der Tourismus ist reiner Konsumismus, das Kaufen von Naturgenuss, das Ausleben der Volksseuche. So viel zur Illustration.
Konsumfähiges Land
Wer verstanden hat, dass der Konsum das Subjekt der Geschichte ist, der hat mit dem Prozess der Zersiedelung keine Mühe. Es geht um das Einkassieren des Mehrwerts, Pardon, um die Realisierung von Chancen, genauer um die Verwirklichung des Konsums. Ein Stück Land, das nicht in einer Bauzone liegt, ist für den Konsum wertlos. Nur eingezontes Land ist wirklich konsumfähig. Alles Land gehört in die Bauzone, erst dann ist der Konsum wirklich frei.
Darum muss man unter anderem darauf hinarbeiten, dass das bäuerliche Bodenrecht zuerst durchlöchert und später abgeschafft wird, zumindest in den vielversprechenden Lagen. Der ganze Genferseebogen mit diesen putzigen Weinbergen zum Beispiel ist reine Verschwendung. Ich nenne Ihnen nur ein einziges Stichwort: Goldküste. Wer von Konsum etwas versteht, versteht.
Doch werden wir konkret und beispielhaft. Ich nehme den landläufigen Fall eines Einfamilienhauses in der Gemeinde Hintergiglen, um Ihnen die Verhältnisse zu verdeutlichen. Es war einmal ein Acker am Rand des Dorfes. Dem wackeren Eigentümer, dem rechtschaffenen Bauern Johann Rüdisüli, der damals auch sparsamer Gemeinderat war, gelang es, den Blätz Land in die Bauzone zu bringen. Dies erreicht, verkaufte Bauer Rüdisüli an den aufgeweckten Architekten Friedrich Findig. Der fand den soliden Gymnasiallehrer Ulrich Merk, der lange schon von einem ehrlichen Hüsli träumte.
Gewinn an Sozialprestige
Die Kettenreaktion, die dieses Zusammentreffen auslöste, kennen Sie. Ich beschränke mich darauf, einige Leute aufzuzählen, die daran verdienten: Bauer Rüdisüli am Land, der Notar Gotthelf Ehrsam am Grundbucheintrag, der Architekt Findig am Architektenauftrag, Baumeister Ehrlich, Sanitärunternehmer Rohrer, Maler Farbig und alle andern Bauhandwerker und Zulieferer bis hin zur Vorhangstoffweberei.
Die Gemeinde Hintergiglen kassierte die Gebühren und später die Steuern, und nicht zuletzt profitierte der Gymnasiallehrer Ulrich Merk und seine Familie, die nun doppelt so viel Wohnraum hatte, in einer jugofreien Gegend wohnte, einen Gewinn an Sozialprestige einstrich und weniger Steuern zahlte und noch von der Wertsteigerung des Grundstücks profitierte.
Merk bewohnt seither sein Sparschweinchen. Der Verwandlungsprozess von Produktions- in Konsumland befriedigte alle Beteiligten tief und brachte allen einen Profit. Zusammenfassend: Die FdP, die «Fédération des Profiteurs», hatte sich bewährt. Die Zersiedelung ist eine Erfolgsgeschichte, ökonomisch, sozial und als Naturgenuss.
So viel Zersiedelung wie Geld
Da der Konsum das Subjekt der Geschichte ist, diktiert er seine Regeln. Die erste davon lautet: Wachstum ist nötig. Darüber sind wir uns stillschweigend alle einig: Ja gewiss, Wachstum ist nötig. Denn ohne verfehlen wir das unausgesprochene Staatsziel: Wir wollen reich bleiben und reicher werden. Wer kann da noch gegen die Zersiedelung sein? Wir sind es nur aus ästhetischen Gründen und immer nur auf dem Land des Nachbarn.
Selbstverständlich war Gymnasiallehrer Merk ein Grüner, einer der ersten im Dorf, der Erste auch, der im Garten ein Biotop einrichtete. Gegen den Bau weiterer Hüsli hat er sich mit Einsprachen gewehrt. Stoppt die Zersiedelung! Vergeblich, leider, und seither fühlt sich Merk in seinem Naturgenuss empfindlich gestört.
Solange der Konsum das Subjekt der Geschichte ist, gilt die zweite Hauptregel: Es gibt so viel Zersiedelung in der Schweizerischen Eidgenossenschaft, wie Geld dafür vorhanden ist. Anders herum: Man kann nicht gleichzeitig das Wachstum fördern und die Zersiedelung hindern. Alle Merks sind gegen die Zersiedelung, solange es die des Nachbarn ist, Lippenbekenntnisse eben.
Vade retro, Satanas
Doch vielleicht ist es der Neuen Helvetischen Gesellschaft mit dem Aufbruch ernst. Sie haben zwei Wege. Entweder Sie nehmen Abschied vom Wachstum und von der Staatsmaxime «reicher werden», was gegen Treu und Glauben ist, denn hierzulande gilt die Bestandesgarantie. Oder Sie schränken den Landverbrauch mit wirklich radikalen Massnahmen ein. Die erste: Das Baugebiet wird geschlossen. Mehr als heute darf nirgends mehr überbaut werden, eingezont oder nicht. Die zweite: Die Verdichtung wird verordnet. Dort nämlich, wo noch viel Platz ist, in den Villen- und Einfamilienhauszonen.
An allen Goldküsten des Landes hat es noch Platz für mindestens doppelt so viele Leute. Die dritte: Sie führen die Kostenwahrheit ein. Am besten beginnen Sie mit dem Verkehr, dem individuellen wie dem öffentlichen. Verrechnen Sie bitte auch die Folgekosten.
Ich höre hier auf, denn längst schon haben Sie erkannt: Der will unseren Konsum einschränken. Vade retro, Satanas, und wehret den Anfängen!
Gut, ich beuge mich Ihren wohlerworbenen und hart erarbeiteten Konsumansprüchen, doch bitte ich Sie: Behaupten Sie nie wieder, Sie seien gegen die Zersiedelung. Sie ist ungefähr so glaubwürdig wie der Bauer Johann Rüdisüli.» (Tages-Anzeiger (http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/architektur/Wir-sind-alle-Ruedisuelis/story/22702346))
earthJoker June 25th, 2010, 08:27 AM Die Raumplanung endlich ernster nehmen
In der Schweiz wächst die Siedlungsfläche schneller als die Bevölkerung. Die Folge sind Vorstösse wie die Landschaftsinitiative. Eine Studie von Avenir Suisse sieht das Problem bei den Kantonen: Sie kommen ihren Vollzugsaufgaben in der Raumplanung «nur bedingt» nach.
(sda) Ein Überblick über die Raumplanungs-Instrumente der Kantone zeigt grosse Unterschiede, wie der liberale Think Tank Avenir Suisse am Donnerstag mitteilte. Vor allem die städtisch geprägten Kantone (Zürich, Genf, Basel-Stadt, Bern) verfügten über griffige Instrumente, während kleinere Kantone eher Mühe bekundeten.
Die über 150 Seiten starke Avenir Suisse-Studie basiert auf Interviews mit Experten in allen Kantone und zusätzlichen Recherchen der Think Tanks. Entstanden ist eine Liste von Instrumenten, mit denen die Kantone die Siedlungsentwicklung steuern.
Schlüsselrolle der Kantone
Der Blick auf die Kantone sei wichtig, weil sie für die Umsetzung der Bundesvorgaben verantwortlich seien, schreibt Avenir Suisse. Ihnen komme die Schlüsselrolle zu, obwohl die meisten politischen Vorstösse auf Bundesebene gestellt würden. Die Folge sind Vollzugsdefizite: Die Entwicklung ist wenig nachhaltig, die Zersiedlung nimmt zu.
Die Bundesvorgaben müssten besser durchgesetzt werden, damit ein «haushälterischer Umgang mit dem Boden» gewährleistet sei, hält die Studie als Schlussfolgerung fest. Dazu empfiehlt sie verbindlichere Mindeststandards, besonders für die Bauzonenpolitik. Als gutes Beispiel nennt Avenir Suisse den Waldschutz. Gemeinden müssten besser eingebunden werden.
Wirksamere Regeln
Als künftige Stossrichtung schlägt die liberale Avenir Suisse den Grundsatz «wirksamere und nicht mehr Regulierung» vor. Dies sollte in der Revision des Raumplanungsgesetzes geschehen, das als indirekter Gegenvorschlag zur Landschaftsinitiative dienen soll. Der Bundesrat hat bereits einen Vorschlag vorgelegt.
Das Kantonsmonitoring zeichne ein «differenziertes Bild», schreibt die Schweizerische Vereinigung für Landesplanung (VLP- ASPAN). Der Verein wird vom Bund und den Kantonen getragen und versteht sich als Informations- und Diskussionsplattform.
Der Vergleich aller Kantone sei zum Teil schwierig, da unterschiedliche Kulturen miteinander verglichen werden, hält die Vereinigung fest. Die Feststellung, dass Vollzugsdefizite herrschten, zieht sie aber nicht in Zweifel.
Initianten sehen sich bestätigt
Pro Natura, Mit-Initiantin der Landschaftsinitiative, sieht sich in ihrem Vorhaben bestätigt. Eine Plafonierung und Verkleinerung der Bauzonen, wie es die Initiative fordert, sei dringend notwendig, findet sie. Dazu müsse der Vollzug für die Kantone verbindlicher werden. Notiz an die Redaktion: Die Studie lässt sich auf www.avenir-suisse.ch - Publikationen herunterladen.
http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/avenir_suisse_nimmt_die_kantone_in_die_pflicht_1.6239235.html
Greg June 25th, 2010, 10:44 AM Studie hier, Studie da, passieren wird
nichts bis der letzte Flecken mit Reiheneinfamilienhäusern und
kleinen Blöcken zugepflastert ist.
trauch January 22nd, 2013, 11:30 AM Ein Stockwerk mehr schafft Platz für 100'000 Einwohner
Die Städte könnten einen guten Teil der Zuwanderung schlucken, wenn sie mehr in die Höhe bauen würden. Dies zeigt eine neue Studie.
Mehr als 8 Millionen Menschen leben heute in der Schweiz. Doch Platz hätte es für weit mehr: Ökonom Reiner Eichenberger spricht von 10 Millionen Einwohnern. Eine realistische Zahl? Heute umfassen die Bauzonen landesweit rund 230'000 Hektaren. Gegen ein Fünftel davon ist noch nicht überbaut. Der Bund schätzt, dass diese Reserven für weitere 1 bis 1,7 Millionen Einwohner reichen. Dies ist freilich nur ein theoretischer Wert, denn viele Bauzonenreserven liegen an schlecht erschlossenen, wenig attraktiven Orten und sind daher weit grösser als die vermutete künftige Nachfrage, etwa im Wallis. Das revidierte Raumplanungsgesetz, das am 3. März an die Urne kommt, will diese Mängel beheben: Grosse Bauzonen sollen verkleinert, bestehende Baulandreserven besser genutzt werden.
Grosses Potenzial liegt aber auch in bereits überbauten Gebieten der Städte brach; dies zeigte eine neue Studie der Hochschule für Wirtschaft Zürich. Obschon die Schweizer Bevölkerung seit Jahrzehnten wächst, verharren die sechs grössten Städte – Zürich, Genf, Basel, Bern, Lausanne und Luzern – seit den 80er-Jahren bei rund einer Million Einwohnern. Erst seit einigen Jahren zeichnet sich ein Trend zur Reurbanisierung ab. Entwicklungsraum in den Städten bieten heute letzte grüne Wiesen und Areale, die zuvor Gewerbe und Industrie genutzt haben. Doch auch diese Flächen würden bis in zehn Jahren ausgeschöpft sein, mahnen die Autoren und plädieren dafür, die Reserven in die Höhe auszunutzen – nicht mit dem Bau neuer Hochhäuser, sondern mit sanfter Aufstockung. Ein zusätzliches Stockwerk in viergeschossigen Wohnzonen schüfe Platz, um in den fünf untersuchten Städten gegen 100'000 neue Einwohner aufzunehmen – und dies, ohne die Altstadtkerne anzutasten.
Grosse Skepsis in den Städten
Vom TA befragte Städteplaner halten die Studie für ein spannendes Denkmodell – das aber nicht umsetzbar ist. Rainer Volman vom Stadtbasler Planungsamt warnt vor «städtebaulich unschönen Ergebnissen», wenn etwa in einer Häuserreihe sich nur ein Hausbesitzer dazu entschlösse, ein Stockwerk höher zu bauen. Das Hauptproblem ortet er in den Besitzverhältnissen: Viele Gebiete der Stadt hätten sehr kleine Parzellen, die auf eine dichte Bebauung mit Reiheneinfamilienhäusern zugeschnitten seien. Ein Wechsel zu grösseren Mehrfamilienhäusern erfordere dann in der Regel die Zusammenarbeit mehrerer Eigentümer. «Ein erfahrungsgemäss schwieriges, langwieriges Unterfangen», so Volman. Auch in den urbaneren Stadtteilen mit geeigneten Parzellengrössen gibts Hürden: Dort setzen laut Volman oft Mindeststandards zur Belichtung von Wohnungen eine Grenze für die weitere Aufstockung der Gebäude. Die Berner Stadtplaner sehen das gleich und regen an, bei Ersatzneubauten die Geschossflächenreserven besser auszunutzen.
Skepsis herrscht auch in Zürich. Der Stadtrat lehnt es ab, alle zweigeschossigen Wohnzonen aufzustocken, wie dies die Grünliberalen vorgeschlagen haben. Generell aufzustocken, widerspreche der Idee einer sanften Verdichtung, sagt Stadtrat André Odermatt (SP) und verweist auf die Bau- und Zonenordnung, die Reserven für mehr als 100'000 zusätzliche Einwohner bietet. Odermatt strebt quartierspezifische Lösungen an, welche die charakteristischen Bau- und Freiraumstrukturen erhalten. «Sonst verlieren wir genau das, warum so viele Menschen nach Zürich ziehen wollen: die Wohn- und Aufenthaltsqualität.»
Quelle: http://bazonline.ch/schweiz/standard/Ein-Stockwerk-mehr-schafft-Platz-fuer-100-000-Einwohner/story/23931721
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Interessant auch die zahlreichen Kommentare gegen die Personenfreizügigkeit. Statt auf den Artikel einzugehen, belassen es die Wutbürger leider immer bei einem Kommentar gegen die Zuwanderung. Dumm nur, dass die Schweiz diese braucht...
suisse-toto February 15th, 2013, 02:06 PM Luzern ist definitiv NICHT die dichteste Stadt der Schweiz! Hier ein paar ausgewählte Städte in der Schweiz:
Genf: 11710 Einwohner pro KM^2
Basel: 7187
Zürich: 4137
Lausanne: 2515
Bern: 2498
Luzern: 2358
Neuchatel: 1794
Wintherthur: 1469
Einwohnerzahl/Fläche der Stadtgemeinde
Gute Zahlen findest du hier, zumindest für die deutschschweizer Städte Basel, Bern, Luzern, St.Gallen, Winterthur und Zürich: Städtevergleich Mobilität 2012,
www.bs.ch/mm/staedtevergleich_mobilitaet_2012.pdf (http://www.bs.ch/mm/staedtevergleich_mobilitaet_2012.pdf)
Ich habe hier mal einige Zahlen rausgeschrieben:
Bevölkerungsdichte (Einwohner pro km2 Gesamtfläche)
6815 Basel
4242 Zürich
2666 Luzern
2411 Bern
1856 St.Gallen
1487 Winterthur
Siedlungsdichte (Einwohner pro km2 Siedlungsfläche)
7896 Basel
6848 Zürich
5595 Luzern
5350 Bern
4549 St.Gallen
4430 Winterthur
Bevölkerung: Stand 2010, Flächen Stand 2009 (die auf 1. Januar 2010 erfolgte Fusion Littaus mit Luzern ist bei beiden Werten bereits inbegriffen), vgl. S. 4
Ich frage mich, ob die relativ geringe Siedlungsdichte in Winterthur auf die radikale Eingemeindung praktisch aller Vorortsgemeinden zurückgeht (die Dichte nimmt innerhalb einer Agglomeration vermutlich von innen nach aussen ab), oder aber mit dem Gartenstadtkonzept zusammenhängt. Wie sieht das in St.Gallen aus?
steve5 February 15th, 2013, 02:18 PM Ich frage mich, ob die relativ geringe Siedlungsdichte in Winterthur auf die radikale Eingemeindung praktisch aller Vorortsgemeinden zurückgeht (die Dichte nimmt innerhalb einer Agglomeration vermutlich von innen nach aussen ab), oder aber mit dem Gartenstadtkonzept zusammenhängt.
Beides trifft zu. Winterthur hat Dörfer eingemeindet, die damals noch nicht mit der Stadt zusammengebaut waren und auch heute erst schwach mit der Stadt verbunden sind. Dann gibt es noch mehrere Weiler ausserhalb der Stadt, z.B. Reutlingen (http://maps.google.ch/maps?q=reutlingen,+winterthur&hl=de&ie=UTF8&sll=47.529025,8.797131&sspn=0.096668,0.264187&t=h&gl=ch&hnear=Reutlingen,+Winterthur,+Z%C3%BCrich&z=15), Stadel (http://maps.google.ch/maps?q=stadel,+winterthur&hl=de&ie=UTF8&ll=47.53453,8.761425&spn=0.024164,0.066047&sll=47.52797,8.75141&sspn=0.024167,0.066047&t=h&gl=ch&hnear=Stadel,+Winterthur,+Z%C3%BCrich&z=15), Riketwil (http://maps.google.ch/maps?q=riketwil,+winterthur&hl=de&ie=UTF8&sll=47.488557,8.785543&sspn=0.048371,0.132093&t=h&gl=ch&hnear=Riketwil,+Winterthur,+Z%C3%BCrich&z=15) und Neuburg (http://maps.google.ch/maps?q=neuburg,+winterthur&hl=de&ie=UTF8&ll=47.496763,8.678126&spn=0.024182,0.066047&sll=47.497923,8.685937&sspn=0.024181,0.066047&t=h&gl=ch&hnear=Neuburg,+Winterthur,+Z%C3%BCrich&z=15)
suisse-toto February 27th, 2013, 01:37 PM Ich habe mir mal die Mühe gemacht, die Siedlungsdichte für ein fusioniertes Luzern auszurechnen, wie es aus dem 2012 gescheiterten Projekt „Starke Stadtregion“ (www.starkestadtregionluzern.ch (http://www.starkestadtregionluzern.ch/)) hätte hervorgehen können (wohlgemerkt, bei den Abstimmungen 2011 und 2012 ging es nicht um eine Fusion, sondern erst um die Ausarbeitung eines konkreten Fusionprojektes – welches dann wiederum an der Urne zu bestehen gehabt hätte).
Zur Diskussion stand die Fusion der luzerner Nachbargemeinden Adligenswil, Ebikon, Emmen, Kriens und Horw (Meggen wurde ausgelassen). Deren Siedlungsdichte errechnete ich mit den Angaben auf LUSTAT (www.lustat.ch (http://www.lustat.ch/)), Stand der Bevölkerung Ende 2010:
Einwohner pro km2 Siedlungsfläche:
5600 Luzern
4838 Kriens
3732 Ebikon
3654 Horw
3608 Emmen
3316 Adligenswil
Bei einer Fusion all dieser Gemeinden hätte Luzern (Stand 2010) neu eine Bevölkerung von 162'897 erreicht, die Siedlungsdichte jedoch wäre von 5600 auf 4606 gefallen, womit die Siedlungsdichte vergleichbar mit derjenigen Winterthurs (Stand 2010) wäre (4430). Wäre also die Agglomeration Luzern so wie Winterthur zu einem grossen Teil fusioniert, braucht man für eine tiefere Siedlungsdichte kein Gartenstadtkonzept :)
Die Siedlungsdichte-Rangliste sähe dann folgendermassen aus:
7896 Basel
6848 Zürich
5350 Bern
4606 Luzern
4549 St.Gallen
4430 Winterthur
steve5 February 27th, 2013, 03:05 PM Die Siedlungsdichte geht natürlich schnell runter, wenn man ein paar bewaldete Hügel eingemeindet: Wolfesberg, Eichwald, Höhwald, Schicklerholz, Brüelwald, Hardholz usw. (http://maps.google.ch/maps?q=winterthur&hl=de&ie=UTF8&ll=47.497372,8.734474&spn=0.096726,0.264187&safe=off&hnear=Winterthur,+Z%C3%BCrich&gl=ch&t=h&z=13)
suisse-toto February 27th, 2013, 03:51 PM Naja, die bewaldeten Hügel werden doch wohl nicht wie Weiler als Siedlungsgebiet ausgeschieden sein, nicht? Sonst hätte Luzern mit seinen bewaldeten Kuppeln einen viel schlechteren Wert: Gemäss LUSTAT werden in der Stadt Luzern (nur) 47.6% des Gemeindegebiets als Siedlungfläche ausgeschieden. Zumindest definiert als Einwohner pro km2 Siedlungsfläche (nicht pro Gesamtfläche der Gemeinde) sollte die Siedlungsdichte mit Wäldern, Seen etc. nicht sinken...
steve5 February 27th, 2013, 08:08 PM Luzern hat so einen schlechten Wert, weil ein Grossteil der Stadtfläche hügelig ist. Die Ebene ist sehr dicht überbaut mit durchschnittlich sechs Stockwerken, ein Stockwerk mehr als in den meisten anderen grossen Schweizer Städten. An den Hängen sind es nur noch durchschnittlich 3½ Stockwerke, das ist durchschnittlich viel.
Awzm March 22nd, 2013, 11:14 AM Auf Zentral+ gibt es einen Architekturblog der sich u.a. dem Thema Zersiedelung widmet.
Heute ein Beitrag zu Aufstockungen:
http://blogs.zentralplus.ch/de/blogs/architekturblog/16572/Krone-ohne-Glanz.htm
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