View Full Version : Berlin | Marx-Engels-Forum (ehem. Marienviertel) - Neubebauung, Rekonstruktion, Vision?
The Kent April 21st, 2009, 11:04 PM Es kommt Bewegung in die Diskussion! Mit dem Bau des Stadtschlosses, soll auch nun, das Marx und Engelsforum eine neue Gestalt bekommen. Doch die Auffassungen was kommen soll divergieren. Kühn Malvezzi schlagen (wie ich vor ein paar Jahren ;) ) eine Rekonstruktion des Palastes der Republik auf dem Marx und Engels-Forum vor:
Architekt will Palast der Republik wieder aufbauen
Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) will die Bebauung des Marx-Engels-Forums in Mitte. Dieser Vorschlag sorgt nicht nur für politischen Zündstoff, sondern beflügelt auch die Fantasie der Architekten und Stadtplaner. Wie soll Berlins Mitte aussehen? Vorschläge gibt es einige.
Die vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) forcierte Debatte um die Neugestaltung des historischen Stadtkerns hat nicht nur für politischen Zündstoff gesorgt, sondern auch die Fantasie der Architekten und Stadtplaner beflügelt. Wowereit hatte sich am Montag im Kulturausschuss für eine Bebauung des Marx-Engels-Forums in Mitte ausgesprochen. Zugige und überdimensionierte Freiflächen, so der Regierende, habe Berlin schließlich schon genug.
„An dieser Stelle hat Wowereit so Recht, wie man nur Recht haben kann“, lobt der Adlon-Architekt Rüdiger Patzschke. Allerdings sei der Rahmen noch zu eng gefasst. „Die ganze Gegend muss wieder dicht bebaut werden und nicht nur diese große Brache“, sagt der bekennende Anhänger der klassischen Baukunst. Die Häuser müssten so dicht an den Fernsehturm heranreichen, wie irgend möglich, fordert der Architekt. Die Marx-Engels-Skulptur lasse sich problemlos integrieren. Er hoffe nun, so Patzschke weiter, dass mit den städtebaulichen Planungen so schnell wie möglich begonnen werde. Zwar werde die Grünfläche des Marx-Engels-Forums noch bis 2017 als Baustelleneinrichtung für den Bau des Humboldt-Forums und die U-Bahn benötigt. „Doch in Teilbereichen könnte schon ab 2013 damit begonnen werden, das städtebauliche Loch endlich wieder zu füllen“, so Patzschke.
Berlins ehemaliger Senatsbaudirektor Hans Stimmann findet Wowereits Vorstoß ebenfalls „ganz wunderbar“. Mit konkreten Vorschlägen hält sich der Vorgänger der amtierenden Baudirektorin Regula Lüscher derzeit noch bedeckt. „Wir erarbeiten für das Areal derzeit einen Entwurf, den wir in wenigen Wochen öffentlich vorstellen werden“, verrät Stimmann. Und Bernd Wendland, Architekt und Vorstand der Gesellschaft Historisches Berlin (GHB), hofft, dass der Senat „nun endlich aus dem Mustopf kommt und konkrete Planungen erarbeitet“. Er hoffe, dass im Zuge einer Neugestaltung des Marx-Engels-Forums „noch einmal neu über das drohende Verkehrschaos am künftigen Humboldt-Forum nachgedacht werde. „Jetzt wäre noch die Chance, dort eine Tiefgarage für Reisebusse unterzubringen“, so Wendland. Im Übrigen müsse sich die neue Bebauung am Zustand von vor 1945 orientieren.
Platz für einen neuen Palast
Architekt Jan Kleihues plädiert für eine städtische Parzellierung nach historischem Vorbild. „Die Qualität einer Grünfläche wird nicht dadurch gesteigert, dass sie einfach nur groß ist“, ist er überzeugt. Das Grün müsse städtebaulich gefasst werden. Die von Kulturstaatssekretär André Schmitz angedachte Bebauung mit Townhouses, wie sie auf dem Friedrichswerder errichtet wurden, hält Kleihues indes nicht für angebracht: „Das würde zwischen den Großbauten der Umgebung unangebracht wirken“, ist er überzeugt.
Das sieht Wilfried Kuehn vom Büro Kuehn Malvezzi gänzlich anders. Die Gewinner des Sonderpreises im Wettbewerb zum Bau des Humboldt-Forums plädieren dafür, am Marx-Engels-Forum gar nichts zu ändern. Falls dort gebaut werde, dränge sich jedoch eine „heilende Lösung“ auf: Die Rekonstruktion des Palasts der Republik auf dem Marx-Engels-Forum. „Dies ist aus mehreren Gründen richtig, denn nicht nur kann dadurch endlich ein zentraler Ort für die geplante Berliner Kunsthalle gefunden werden, sondern es kann der mit dem Schlossbau angetretene Beweis vollendet werden, dass sich Rekonstruktionen vordemokratischer Staatsarchitekturen in Berlin am besten für zeitgenössische Museen eignen“, so Wilfried Kuehn. „Wo stünde ein asbestfreier Palast der Republik besser als bei Marx und Engels?“ so der Architekt.
Junge Planer aufgerufen
Der Architekten- und Ingenieur-Verein (AIV) zu Berlin unterstützt die Forderung des Regierenden Bürgermeisters, den historischen Altstadtkern Berlins wieder herzustellen. „Nichts hat so viele Emotionen geweckt wie die Möglichkeit, in der Mitte der Stadt das Schloss wieder aufbauen zu können. Die Sehnsucht nach einem dazugehörigen historischen Zentrum, das man mit Leben füllen kann, ist offenbar groß. Darauf muss die Stadtentwicklung reagieren“, sagt der AIV-Vorsitzende Manfred Semmer.
Der Verein will sich aktiv um die Neugestaltung des ehemaligen Altstadtkerns bemühen und hat das gesamte Areal in den Mittelpunkt des renommierten Schinkel-Wettbewerbes für 2010 gestellt. „Damit ist die junge Planergeneration der Architekten und Ingenieure aufgefordert, sich mit einer Neubebauung am historischen Ort zu beschäftigen“, so Semmer. Das Wettbewerbsgebiet umfasst das gesamte Areal von der Spreepromenade über das Marx-Engels-Forum bis zum Bahnhof Alexanderplatz.
Als Planungsgrundlage soll der städtebauliche Grundriss mit den Straßenzügen und den alten Gebäudekanten von 1940 dienen. „Das war der zuletzt dokumentierte Originalzustand des Marienviertels vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg.“ Mitte September folgt die Auslobung des Wettbewerbs.
http://www.morgenpost.de/berlin/article1077779/Architekt_will_Palast_der_Republik_wieder_aufbauen.html
GeneratorNL April 24th, 2009, 05:01 PM Es ist meiner Meinung nach eine gute Idee das Marx-Engels-Forum neu zu bebauen, aber bitte nicht mit dem Pallast des Republik!:ohno:
Und von mir aus, darf man auch weitergehen bis zum Fernsehturm. Das Loch in der Innenstadt hat mich schon oft geärgert.
Was sind denn euere Meinungen?
Hauptstadt-Patriot April 24th, 2009, 07:24 PM Also ich muss auch sagen, dass mir diese Idee sehr gut gefällt, allerdings wäre es schwachsinn den palast oder die Häuser von vorm Krieg wieder neu zu bauen!
Ich bin sicher das dort ein sehr schönes und modernes Viertel entstehen kann.
Mann könnt ja den Spreeabschnitt um ein pa Meter Richtung Alex breiter machen, die Statuen etwas Richtung Spree ziehen, Brunnen wie in Las Vegas installieren und runtherum schicke und moderen Häuser im berliner Stil bauen.
Der Teil westlich vom Alex sollte allerdings nicht groß bebaut werden. Ein pa modernisierungen würden denke ich reichen.
mfg
Spreesurfer April 24th, 2009, 09:42 PM Ich finde die Bebaung des MEFs interessant.
Wenn es dann aber wirklich zur Bebauung kommt,sollte dabei auf keinen Fall irgendein Durchschnittskram rauskommen.Von der Rekonstruktion des PdR halte ich nichts.Was die Bebauung angeht schließe ich mich Hauptstadt-Patriot an.Insgesamt finde ich aber eine hochwertige Parkumgestaltung des MEFs viel besser.
Was ich allerdings gar nicht verstehe ist dass,sich unser werter Herr Bürgermeister auf einmal so für die Bebauung des Geländes interessiert.Er sollte mal lieber aus der Rückseite des Rathhauses schauen,denn da liegt ja der historisch viel wertvollere Molkenmarkt.Dazu gibt es dort auch schon ausgereifte Bebauungspläne.
Naja wir werden sehen...
mphillips April 24th, 2009, 11:24 PM Ich hoffe das Ihr das mir verzeiht. Es ist schon lange her das ich in Berlin wohnte, und mein Deutsch ist nicht mehr so gut. Deswegen, werde ich auf Englisch meine gedanken ausdrücken.
I am very pleased to hear that they are considering redeveloping the MEF area. It always seemed a hole in the city left over from the communist era. I cannot understand the desire to rebuild the Palast der Republik. Without getting into the political reasons why I hate it, let me just say that it is one of the ugliest buildings I've ever seen all my travels. Berlin has so much beautiful, significant architecture in its history, to select the Palast to rebuild is idiocy.
I would love to see an intimate, pedestrian friendly, urban development from the Spree to the Fernsehturm. It's time to surround the Neptune Fountain and Marienkirche with a neighborhood that would reflect Berlin's artistic, cultural and historic character.
That's just my opinion.
Oh, und es darf auch nicht vergessen den Moltkenmarkt wiederaufzubauen, genau wie Spreesurfer schon gesagt hat.
erbse April 26th, 2009, 01:20 AM Der einzig vernünftige Vorschlag für diesen Stadtraum (Marienviertel (http://de.wikipedia.org/wiki/Marienviertel_(Berlin))): Grundrisse, Straßenführung und Gebäudemaße der Vorkriegszeit anstreben :yes:
Immerhin haben wir hier die historische Keimzelle Berlins vor uns, mit der respektvoll umgegangen werden sollte. Experimentchen wie ein rekonstruierter PdR geben den Kern der Hauptstadt doch der völligen Lächerlichkeit preis.
Darum:
Der Architekten- und Ingenieur-Verein (AIV) [man glaubt es kaum!] zu Berlin unterstützt die Forderung des Regierenden Bürgermeisters, den historischen Altstadtkern Berlins wieder herzustellen. „Nichts hat so viele Emotionen geweckt wie die Möglichkeit, in der Mitte der Stadt das Schloss wieder aufbauen zu können. Die Sehnsucht nach einem dazugehörigen historischen Zentrum, das man mit Leben füllen kann, ist offenbar groß. Darauf muss die Stadtentwicklung reagieren“, sagt der AIV-Vorsitzende Manfred Semmer.
Der Verein will sich aktiv um die Neugestaltung des ehemaligen Altstadtkerns bemühen und hat das gesamte Areal in den Mittelpunkt des renommierten Schinkel-Wettbewerbes für 2010 gestellt. „Damit ist die junge Planergeneration der Architekten und Ingenieure aufgefordert, sich mit einer Neubebauung am historischen Ort zu beschäftigen“, so Semmer. Das Wettbewerbsgebiet umfasst das gesamte Areal von der Spreepromenade über das Marx-Engels-Forum bis zum Bahnhof Alexanderplatz.
Als Planungsgrundlage soll der städtebauliche Grundriss mit den Straßenzügen und den alten Gebäudekanten von 1940 dienen. „Das war der zuletzt dokumentierte Originalzustand des Marienviertels vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg.“ Mitte September folgt die Auslobung des Wettbewerbs.
Quelle: Morgenpost - Wie soll Berlins Mitte aussehen? (http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1077889/Wie_soll_Berlins_Mitte_aussehen.html?print=yes) vom 22.4.2009 (per Link gibt's den ganzen Artikel)
miau April 26th, 2009, 10:28 AM Ich finde, man sollte nicht die alten Strassenführungen hier wiederaufbauen, ganz einfach, weil diese kleinteilige Struktur zwischen den großen Gebäuden einen ziemlich merkwürdigen Kontrast machen würde. Ich sehe eigentlich auch keinen Bedarf, das MEF zuzubauen, immerhin ist der Platz ganz gut angenommen - warum will man jetzt eine zusammenhängende Grünanlage zerstören? In anderen Städten vermisst man solche Oasen. Wenn man die Umgebung aufwerten will, dann sollte man das MEF renovieren und vielleicht ein bischen mehr Struktur geben... das größte Problem isnd meiner Meinung nach die Schmuddelecken direkt am Fuß des Fernsehturms
erbse April 26th, 2009, 11:03 AM Das MEF ist die wohl verzichtbarste "Grünanlage" in Mitte überhaupt. Da gehört das urbane Zentrum, die Keimzelle dieser Stadt hin. Und kein menschenleerer, versiffter Platz mit einer albernen Statue.
Hauptstadt-Patriot April 26th, 2009, 11:49 AM Also ich kann euch garantieren, dass der Palast nicht wieder aufgebaut wird. Der Senat würde sich lächerlich machen, denn mann reißt nichts ab um es ein pa Meter weiter wieder aufzubauen. Hätte der Senat gerne einen Palast, dann würde der alte immernoch stehen. Aspest war nur die außrede für den Abriss!
Das alte Marienviertel wieder aufzubauen ist genauso lächerlich! Keine Stadt auf dieser Welt baut ganze Viertel aus vergangenen Zeiten komplet neu auf! Berlin muss sich weiterentwickeln, also moderne Bauten bauen, die trotzdem elegant sind und sowohl gut in die Umgebung des Schlosses und dem Nikoleivierel, als auch zum Alex und dem Domaquare passen.
erbse April 26th, 2009, 12:09 PM Es wurde ja auch kaum eine (Haupt)Stadt auf dieser Welt durch Krieg und Nachkriegswiederaufbau so geschunden wie Berlin.
Klar, dass du in Paris oder Rom ein solches Wiederaufbauvorhaben kaum finden wirst, dort ist ja alles erhalten.
Aber was hat Berlin? Stell dir Berlin mal ohne (teil)rekonstruierte Bauten vor. Kein Dom mehr, keine Kommandantur, kein Zeughaus, kein Kronprinzenpalais, keine Oper, kein Gendarmenmarkt, kein Nikolaiviertel, kein Brandenburger Tor, kein Reichstag, kein... Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Was bliebe dann noch von Berlin?
Niemand hat eine Komplettrekonstruktion gefordert. Die wird aufgrund der teilweise bruchstückhaften Dokumentationsgrundlage auch gar nicht möglich sein.
Es gilt aber, die historischen Maße dieses Stadtgebiets wiederherzustellen und stadtbildprägende Leitbauten zu rekonstruieren. Nochmal: Es geht hier um die Keimzelle Berlins, nicht irgendeine Grünfläche in Marzahn.
Hauptstadt-Patriot April 26th, 2009, 01:11 PM -- Deleted (s. vorletzter Beitrag auf dieser Seite) --
miau April 26th, 2009, 01:13 PM Das MEF ist die wohl verzichtbarste "Grünanlage" in Mitte überhaupt. Da gehört das urbane Zentrum, die Keimzelle dieser Stadt hin. Und kein menschenleerer, versiffter Platz mit einer albernen Statue.
Menschenleer? Wann warst du denn das letzte mal da? Dies entspricht überhaupt nicht meiner Erfahrung, eigentlich sind dort jede Menge Leute unterwegs, gerade im Sommer. Wenn du gesagt hättest, du findest diesen Ort hässlich, könnte ich das nachvollziehen, der Platz kann wirklich etwa Verschönerung gebrauchen... aber wir wollen doch nicht mit falschen Behauptungen argumentieren, oder? So was machen nur Ideologen ;) ... Ich habe durchaus den Eindruck, dass über das MEF mal wieder sehr ideologisch debattiert wird, von den Olstalgikern genauso wie von den Befürwortern eines bedingungslosen Geschichtsrevisionismus. Somit geht mal wieder das wichtigste bei dieser Debatte verloren - die Frage, was an dieser Stelle der Stadt brauchbar und machbar ist. Ich gebe zu, ein Nikolai-Viertel 2.0 ist eine interessante Idee, aber ich fürchte das dies in fürchterlicher Weise schief geht - kitschige pseudohistorische Fassaden und kitschiger Touristennepp.
Hauptstadt-Patriot April 26th, 2009, 01:17 PM http://imgpe.trivago.com/uploadimages/47/26/4726757_l.jpeg
...man sind da viele Menschen^^
miau April 26th, 2009, 01:19 PM hier ist ein Artikel aus dem Tagesspiegel, der das Pro und Kontra einer Zerstörung des MEF behandelt.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Marx-Engels-Forum-Mitte;art270,2782625
Soll zwischen Alex und Schloss ein Stadtviertel entstehen?
PRO
Freiflächen gibt es in Berlin zur Genüge: 18 Prozent Waldfläche, 2500 öffentliche Grünanlagen auf 5500 Hektar und jede Menge Brachflächen. Flächen, die, wie Wowereit sagte, „Narben und Wunden“ seien, die geheilt werden müssten. Und eine solche Heilung für das alte Zentrum, die historische Mitte Berlins, kann nur Bebauung heißen. Zu Recht spricht auch der Bund bei der Schlossplatz-Bebauung von einer „historischen Chance“, in der Mitte ein „zukunftsweisendes Signal“ zu setzen. Es gibt in Berlin genug Solitäre wie zum Beispiel den Potsdamer Platz, aber kein richtig erkennbares Zentrum, das urbane Attraktivität ausstrahlt. Genau das war das Marienviertel vor dem Zweiten Weltkrieg. Und das zur 750-Jahr-Feier „neu erbaute“ Nikolaiviertel ist zu unattraktiv, weil es den Charme einer Disneyland-Kopie inmitten „monolithischer Betonfertigbauweise“, vulgo Plattenbau, versprüht. Jetzt darf man immerhin ein Fünkchen Hoffnung haben, dass in der historischen Mitte eine dem modernen Berlin entsprechende Architektur entstehen könnte. Ob man das Marienviertel historisch werkgetreu rekonstruiert oder schicke Townhouses inmitten eines Dienstleistungszentrums mit ultramodernen Department Stores wie in Hongkong hochzieht, muss öffentlich diskutiert werden. Und für die beiden Marx-Engels-Statuen wird sich dann sicher auch noch ein schönes Plätzchen finden, um der Verfasser des Kommunistischen Manifests adäquat zu gedenken. Sabine Beikler
CONTRA
Freundliches Grün, Raum zum Durchatmen, Erholung für Augen und Sinne – oder steinerne City und kaltes Herz mit abweisenden Fassaden? Die Pläne vom einstigen Senatsbaudirektor Stimmann sind nun „ganz oben“, beim Regierenden, angekommen: Zwischen Fernsehturm und Spree soll so etwas wie die alte Stadt entstehen, das Mittelalter mit modernen „Townhouses“ im Stadtgrundriss von anno dazumal, dazwischen Cafés und, man glaubt es nicht, Hotels. Stellen wir uns diese steinerne Orgie einmal vor: Im Osten der Alex, wie er immer kräftiger und höher bebaut und damit immer geschäftiger wird, und Richtung Westen der steinerne Riegel, das Schloss. Was passt dazwischen? Natürlich ist es für die ewig klamme Stadt verlockend, den teuren Grund und Boden an reiche Investoren zu veräußern, die dann flugs ihre Kästen dort hinbauen, wo sich einst die enge Altstadt duckte.
Man kann aber auch etwas ganz anderes tun: die Wunde, die der Krieg vor über 60 Jahren hinterlassen hat, akzeptieren und die Fläche so nehmen, wie sie entstanden ist. Lasst doch die Fontänen am Fernsehturm weiter sprudeln und die Mädel vom Neptunbrunnen vorm Rathaus den Rand halten! Vor 22 Jahren kam mit dem Nikolaiviertel ein Stückchen Altstadt ins neue Berlin zurück. Das genügt. Daneben sollte unser Central-Park mit der unverstellten Marienkirche noch attraktiver gestaltet werden, blühen und gedeihen. Viele Städte beneiden uns darum! Lothar Heinke
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 26.04.2009)
erbse April 26th, 2009, 01:19 PM Menschenleer? Wann warst du denn das letzte mal da?
Ich war am Freitag da. Menschenleer. Jawohl - menschenleer!
Tiergarten, Lustgarten und Co. hingegen bis zum Rand vollgepackt. Wenig verwunderlich. Im Sommer mag es da ja voller sein, aber es ist ja nicht so, als hätte Berlin nicht mehr als genügend andere Flächen (und mit dem Tiergarten immerhin einen der größten innerstädtischen Parks Europas). An der Stelle des MEF erwartet man ein urbanes Zentrum, keine Freifläche, über die Heuballen wehen.
Und ja, auch ästhetisch ist das Forum mehr als fragwürdig.
bedingungslosen Geschichtsrevisionismus
Mit solchen Formulierungen disqualifizierst du dich schon mal für eine konstruktive Diskussion. Bauliche Rekonstruktion hat rein gar nichts mit Geschichtsrevisionismus zu tun, das habe ich dir aber auch schon an anderer Stelle lang & breit dargelegt!
erbse April 26th, 2009, 01:52 PM so würde ich mir das Gebiet vorstellen (hellgrau: Fußgangerweg; grau: Häuser; Dunkelgrau: etwas zu breit geratene Straßen; blau: Springbrunen wie in Las Vegas; die komischen Punkte auf dem Platz: das Marx-Engels-Forum)
http://i2.jappy.tv/ug/n/599289_efccf7.jpg
Hast du womöglich das falsche oder zu kleine Bild hochgeladen?
Ich kann darauf rein gar nichts erkennen, tut mir leid :(
hier ist ein Artikel aus dem Tagesspiegel, der das Pro und Kontra einer Zerstörung des MEF behandelt.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Marx-Engels-Forum-Mitte;art270,2782625
Da wird es auch ganz deutlich: Während die Pro-Fraktion in Form von Sabine Beikler nachvollziehbar und stichhaltig argumentiert, kommt der Contra-Kommentar von Lothar Heinke in unfeiner populistischer Manier daher, mit Mutmaßungen über Nutzung und Gestalt, die zum jetzigen Zeitpunkt erst noch zu diskutieren sind. Ziemlich peinlicher Vergleich insofern. Die Contra-Fraktion hat sich schon mit der Wortwahl disqualifiziert, wenn ich auch die Sorge nach einer fehlenden "Grünen Lunge" zwischen Alex und Spree zumindest teilweise nachvollziehen kann. Aber wie beim "Pro" richtig gesagt: Berlin fehlt ein richtiges, urbanes Zentrum. Hier kann es entstehen.
Damit das kein Kitsch oder banales Investoreneinerlei wird, müssen strenge Vorgaben bezüglich Materialwahl, Dachneigungen, Fensterformaten und Gebäudemaßen gemacht werden. Aber nicht mit dem Ergebnis, dass reihenweise identische reihenhausartige Gebäude entstehen, sondern immer das Ziel vor Augen habend, die größtmögliche urbane Vielfalt im historischen Maß zu erreichen. Wie das kreativ gelöst werden kann, zeigt z.B. die durch Rekonstruktionen, Postmoderne und pfiffige Detaillösungen durchsetzte Freiburger Altstadt. So in etwa stelle ich mir das vor.
Und ich habe noch nie jemanden sagen hören, die Altstadt von Freiburg wäre kitschig.
Hinzufügen möchte ich: Man sollte sich hier am System der Frankfurter Altstadt orientieren. Heißt: Investoren oder Privatleuten, die im Marienviertel ein Haus rekonstruieren möchten, wird bei der Vergabe der Vorzug ggü. Leuten mit Neubauplänen gegeben. So wird eine gesunde Mischung aus Historie und Gegenwart entstehen, die den eigentlichen Kern der Hauptstadt markiert. Wichtig ist dabei auch die Nutzungsmischung: Gewährleistet muss ein hoher Wohnanteil sein, am besten in den oberen Geschossen - gern auch mit Pensionsnutzung o.Ä., hier und da auch mit Büros. Und in der Erdgeschosszone dann (nach Möglichkeit nicht nur touristisch angehauchte) kleine Läden, Cafés und Bars. Dann steht einem lebendigen Viertel nichts mehr im Wege!
Hauptstadt-Patriot April 26th, 2009, 02:30 PM ja, etwas klein ist es echt.
wie kann ich es denn größer rein stellen?
erbse April 26th, 2009, 02:35 PM Zoom einfach mal dichter ran, mach dann einen Bildschirm-Screenshot (Druck S-Abf Taste).
Bzw. wenn du es größer da hast, dann lad es auf einen besseren Bildhoster.
Z.B. bei tinypic.com (http://www.tinypic.com) oder imageshack.us (http://imageshack.us).
In diesem Thread findest du noch mehr Anbieter & Hinweise (http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?p=30927702#post30927702). Wenn noch was unklar ist, frag einfach :)
Hauptstadt-Patriot April 26th, 2009, 02:49 PM So würde ich mir das Gebiet vorstellen (hellgrau: Fußgangerweg; grau: Häuser; Dunkelgrau: etwas zu breit geratene Straßen;
blau: Springbrunen wie in Las Vegas; die komischen Punkte auf dem Platz: das Marx-Engels-Forum)
http://i44.tinypic.com/2d2c01x.jpg
danke!
...ist es jetzt besser zu erkennen?
erbse April 26th, 2009, 02:54 PM :yes:
Danke dafür! Interessanter Vorschlag. Ich hab die Beiträge mal zusammengefasst.
ecotecture April 27th, 2009, 12:55 AM ... mit einer albernen Statue.
Tzz! Albern?
Zur versifften Grünanlage: Man kann auch schöne Grünanlagen schaffen. Auch mit architektonischen Besonderheiten, wie man es im Gaudi-Park in Barcelona bewundern kann. Eine vernachlässigte Grünanlage ist ja kein Grund um einen zentralen Platz auch noch zu bebauen.
Ich war schon enttäuscht, dass man mit dem Saturn-Gebäude den Alexanderplatz geschlossen hat. Eine Umgestaltung war sicher nötig. Aber das besondere an Berlin ist für mich die Geschichte bzw. die Geschichten, die sie zu erzählen hat. Ein besseres Mahnmal gibt es eigentlich gar nicht. So zeugen die Freiflächen ja auch von der der Zerstörung. Aber auch die unterschiedliche Bebauung von Ost und West ist spannend.
Ich höre auch immer von ausländischen Freunden/Besuchern, dass sie die freien Flächen so angenehm finden. Klar, dadurch wirkt Berlin nicht ganz so "busy" und metropolig wie andere Großstädte oder Metropolen, aber es macht Berlin auch besonders. Andere Städte wünschten sich solche Flächen im Zentrum. Wir müssen ja jetzt nicht alles so schnell wie möglich bebauen.
Ich wiederhole mich beim Fernsehturm nur zu gerne! Ich möchte ihn nicht zugebaut haben, weil ich den Fernsehturm als DAS Wahrzeichen von Berlin ansehe.
ecotecture April 27th, 2009, 01:03 AM http://imgpe.trivago.com/uploadimages/47/26/4726757_l.jpeg
...man sind da viele Menschen^^
1. Miau sprach vom Sommer. Das Foto sieht nicht sommerliche aus! (siehe Bäume)
2. Weiß man, von wann das Foto ist? Alter? Der Tourismus hat in den letzten Jahren extrem zugenommen. Ausserdem wurde der ganze Raum drumherum erneuert und belebt. Ich hatte den Platz auch immer als unbelebt in Erinnerung. Letzten Sommer war ich dort und hörte Sprachen aus aller Welt.
ecotecture April 27th, 2009, 01:17 AM Bauliche Rekonstruktion hat rein gar nichts mit Geschichtsrevisionismus zu tun, das habe ich dir aber auch schon an anderer Stelle lang & breit dargelegt!
Ich glaube nicht, dass man da durchaus geteilter Meinung sein kann! Besonders in diesem Fall, wo man durch "bauliche Rekonstruktion" mehrere andere Geschichten aus dem Stadtbild entfernt.
1. Diese Freifläche entstand durch den Krieg.
2. Dieser Platz erinnert an die DDR.
3. Hier haben Menschen demonstriert ... kurz bevor die Mauer gefallen ist.
Wenn dieser Platz bebaut wird, dann würde ich wirklich nur für den Palast der Republik stimmen. Alles andere würde sich für mich falsch anfühlen. Und ich bin weder Ostdeutscher noch Ur-Berliner.
Hauptstadt-Patriot April 27th, 2009, 02:41 PM hehe...und wie willst du das den Berlinern erklären?
der palast wurde mit Steuergeldern abgerissen, es wurde mit Steuergeldern ein Schloss gebaut und nun entscheidet man sich den Palast mit Steuergeldern doch wieder aufzubauen^^...Berlin hat's ja flüssig...die pa milliaren € Schulden sind ja nicht so schlimm oder was?
...natürlich hat Berlin viel Geschichte zu erzählen, aber das bedeutet nicht das die Stadt sich nicht entwickeln darf, denn irgendwie muss ja auch wieder neue Geschichte geschrieben werden...
siehe z.B. Paris: die Stadt ist noch älter und dort wurde noch viel mehr Geschichte geschrieben und trotzdem findet sich dort keine Freifläche, die an irgend ein ereigniss erinnert. Dafür gibt es viele Museen, Munumente, Statuen, historische Gebäude und und und!!
...ich bin übrigens Berliner und öfters in der Innenstadt und es tut mir leid, aber am mef sind kaum leute zu sehen!
...ich kann ja mal ein pa Fotos machen
erbse April 27th, 2009, 03:09 PM ...natürlich hat Berlin viel Geschichte zu erzählen, aber das bedeutet nicht das die Stadt sich nicht entwickeln darf, denn irgendwie muss ja auch wieder neue Geschichte geschrieben werden...
Danke, genau so etwas wollte ich auch gerade schreiben.
Wer sagt denn, dass über Berlin eine Käseglocke gezogen werden muss, die den aktuellen Zustand für immer konserviert? Das ist mindestens so albern wie die Forderung, jetzt den Palast der Republik um einige Meter versetzt wieder aufzubauen.
Und dann wird Befürwortern eines historisch getreuen Wiederaufbaus von Altstadtplätzen oder des Stadtschlosses Geschichtsrevisionismus vorgeworfen :lol: Wenn das mal nicht blanke Polemik ist.
Gerade an Berlin ist doch das spannende, dass es ständig sein Gesicht verändert - das höre ich ständig von Leuten, die von Berlin begeistert sind. Die Freiflächen (eher: Brachflächen) scheren kaum, wenn dann wird sich noch positiv über die großen, gepflegten Grünanlagen wie den Tiergarten oder den Lustgarten geäußert.
Wenn man mit diesem befremdlichen Konservierungsargument kommen will (zuletzt am Neuen Museum zur Perversion getrieben), dann doch bitte im Sinne des Erhalts von wirklich wertvollen Baudenkmälern der Kriegs- und Nachkriegszeit (Bunker, East Side Gallery, Philharmonie, Kongresshalle, ICC, Fernsehturm, Staatsoper-Interieur, Staatsratsgebäude etc.) - und nicht um den Erhalt zentralster Brachflächen willen.
Man stelle sich mal vor, Potsdamer Platz oder Hackescher Markt wären noch immer eine einzige Brachfläche.
erbse April 27th, 2009, 09:57 PM Passend dazu eine aktuelle Umfrage im Tagesspiegel:
Soll zwischen Alex und Schloss ein Stadtviertel entstehen?
http://www.tagesspiegel.de/meinung/umfragen/berlin/art252,2782922#ted2782922
-> Da wird selbstverständlich von euch allen mit einem begeisterten JA! abgestimmt :yes:
miau April 28th, 2009, 09:35 AM ^^ Ich habe natürlich für NEIN! gestimmt. :tongue3:
erbse April 30th, 2009, 04:45 PM Tja, damit bist du eindeutig in der Minderheit ;) Bisheriges Votum:
Soll zwischen Alex und Schloss ein Stadtviertel entstehen?
Ja [ 1161 Stimmen ] - 64,35 %
Nein [ 643 Stimmen ] - 35,65 %
erbse April 30th, 2009, 04:51 PM Auch interessant: "Argumentation" der offenkundig ostalgischen Plattformnachwuchsarchitekten (http://www.plattformnachwuchsarchitekten.de/) für das Marx-Engels-Forum:
U-Boot erreicht Marx-Engels-Forum!
Kaum war der polarisierende Senatsbaudirektor Hans Stimman aus Lübeck pensioniert und
sein Amt mit einer dialog-orientierten Baslerin neu besetzt, erhielt ein geistiger Verwandter
aus Oberhausen eine ähnliche Machtfülle wie er und heißt André Schmitz, Staatssekretär
des Regierenden Bürgermeisters. Zunächst hinter den Kulissen agierend, tritt der de facto
Kultursenator der Stadt Berlin in letzter Zeit immer selbstbewusster ins Rampenlicht der
Öffentlichkeit. Regelmäßig blitzen nun seine persönlichen Meinungen zur Rekonstruktion der
Bauakademie, der Staatsoper und nun zur „Rekonstruktion der Rückseite“ des geplanten
Schlossneubaus (dem heutigen Marx-Engels-Forum), im medialen Donner des ungewöhnlich
warmen Frühlings 2009 auf.
„Das Herz der Stadt“ möchte er auf den anschließenden Freiflächen bis hin zum Roten
Rathaus rekonstruktiv schlagen sehen und eine „bürgerliche Wiederbebauung“ rund um die
St. Marien-Kirche, soll Geld in die klammen Kassen von Berlin spülen. Die
denkmalgeschützte Kirche befindet sich an der Karl-Liebknecht-Straße am Fuße des
Fernsehturms und steht als Solitär im ehemals dicht bebauten Marienviertel. Tausende von
Passanten zwischen Hackeschem Markt und Alexander Platz überqueren an dieser Stelle
heute den reich belebten Platz rund um den Neptunbrunnen und stören sich kein bisschen
an der Großzügigkeit des Freiraums und daran, dass Neptun mit Hofstaat, Putten und
Meeresgetier ursprünglich vor dem historischen Schloss sein stilistisches Unwesen trieb.
„Nach Ansicht vieler Fachleute weist der bestehende, großzügige Freiraum hingegen
wichtige städtebauliche Qualitäten auf, die gezielt als großstädtisches Zentrum weiter
entwickelt werden sollten“, schrieb unlängst der „Rat für Stadtentwicklung“ und wendet sich
damit gegen ein voreiliges Entwickeln von renditeträchtigen Flächen an diesem Ort.
Überhaupt bekommt man den Eindruck, dass es Hans Stimmann und André Schmitz nicht
nur um die Besetzung der Mitte mit der bürgerlichen und zahlungskräftigen Klientel
ihresgleichen geht, sondern auch um das systematische Beseitigen der ostmodernen
Stadtplanung an dieser Stelle. Erst ging es dem Alexanderplatz an den Kragen, mit einem
„Masterplan“ des Backstein-Architekten Hans Kollhoff. Danach wurde der Platz in einzelne,
vermarktbare B-Pläne zerschnitten. Die unsägliche Shopping-Erlebniswelt „Alexa“ war unter
anderem die Folge und gewann dafür 2007 den Plattformpreis für die fragwürdigste
Architektur Berlins. Mit dem Bau von „Saturn“, der unlängst eröffnete, gerieten die frisch
sanierten Ikonen der Ostmoderne - das „Haus des Lehrers“ und das Kongresszentrum bcc –
in eine hinterhofartige Randlage am Alexanderplatz. In der Zwischenzeit wurde der Palast
der Republik am Schlossplatz geschliffen...
Haben wir nicht genügend andere Freiflächen in Berlin, auf die man sich stürzen könnte?
Zum Beispiel rund um den neuen Hauptbahnhof, oder direkt nördlich davon, auf dem
riesigen Entwicklungsgebiet Heidestrasse?
Nun wird der geplante U-Bahnbau der Linie U5 vorgeschoben, der die notwendige
Verbindung vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor herstellen soll. Auch archäologische
Grabungen sind am Marx-Engels-Forum geplant, 150 schöne Bäume sollen dort noch bis
Ende April gefällt werden. Das Marx-Engels-Denkmal muss an die nordwestliche Ecke des
Forums umziehen, es soll eine riesige Baustelleneinrichtung für das Neubauschloss dort
geben. Weitere U-Boote in Form von geschichtspolitischen Umdeutungen könnten bald die
Konsequenz daraus sein.
http://www.plattformnachwuchsarchitekten.de/pdf/090424eU-Boot.pdf
http://www.plattformnachwuchsarchitekten.de/pdf/080715eMitten-im-Schussfeld.pdf
http://www.plattformnachwuchsarchitekten.de/pdf/pfna-Rueckkehr-des-Neptunbrunnens-080331.pdf
http://www.plattformnachwuchsarchitekten.de/plattformpreis-2007.html
http://www.plattformnachwuchsarchitekten.de
miau May 3rd, 2009, 11:14 AM Einen wichtigen bisher vernachlässigten Punkt thematisiert die Morgenpost. (http://www.morgenpost.de/berlin/article1085356/Marx_Engels_Forum_Bebauung_kann_Millionen_kosten.html) Weil das MEF auf enteigneten Grundstücken steht, wird man es nicht einfach in Bauland umwandeln und verkaufen können. es ist zu erwarten, das die Entscädigungszahlungen den mutmaßlichen Gewinn durch Verkäufe aufzehren.
Marx-Engels-Forum - Bebauung kann Millionen kosten (http://www.morgenpost.de/berlin/article1085356/Marx_Engels_Forum_Bebauung_kann_Millionen_kosten.html)
Berlin Regierender Bürgermeister will das Marx-Engels-Forum am Nikolaiviertel bebauen lassen. Doch das könnte Millionen kosten, statt Geld einzubringen, sagt Joachim Zeller, stellvertretender Bürgermeister von Mitte. Forderungen von Alteigentümern in dreistelliger Millionenhöhe wären möglich.
Die Pläne zur Neugestaltung des Marx-Engels-Forums zwischen dem Nikolaiviertel und der Karl-Liebknecht-Straße sind ein „riesiges Luftschloss“. Das jedenfalls sagt Mittes stellvertretender Bürgermeister und Bezirksstadtrat für Wirtschaft sowie Immobilien, Joachim Zeller (CDU), und lässt Fakten sprechen: „Die Vorstellungen des Regierenden Bürgermeisters Wowereit für die Bebauung des historischen Stadtkerns sind unrealistisch. Die Grundstücke gehören bei einer Bebauung nicht mehr dem Land.“ Alte Restitutionsansprüche von Alteigentümern in dreistelliger Millionenhöhe würden aufleben, wenn aus der Grünfläche wieder Bauland wird. Mehr als 50 Grundstückseigentümer im angedachten Bereich – darunter die Deutsche Post sowie 18 jüdische, von den Nazis enteignete Besitzer – hätten bei einer Neubebauung Anspruch auf Entschädigung. Falls sich das Projekt bis rund um den Fernsehturm ausdehnen würde, wären mehr als 125 Grundstücke betroffen.
Fest steht, dass das derzeitige Planungsrecht für das Marx-Engels-Forum und das angrenzende Areal bis hinter den Fernsehturm eine Bebauung nicht zulässt. Joachim Zeller: „Nach der Vereinigung wurde das ganze Gelände zur Grünfläche, teilweise schon zu DDR-Zeiten.“ Teilweise wurden Anfang der 90er-Jahre Vermögensverluste von Alteigentümern entsprechend – nach Grünflächenpreis – vergütet. „Bei fast allen geschah das unter Vorbehalt und mit der Klausel, dass bei Umwandlung der Grundstücke in Bauland neu verhandelt würde.“
Als völlig abwegig und „blauäugig“ bezeichnet Stadtrat Zeller die Prognose von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), der die Bebauung des historischen Stadtkerns als „besonders lukrativ für das Land“ bezeichnete. „Er scheint zu verkennen, dass das Areal nicht in einem Stück an einen Investor veräußert werden kann. Bei der Kleinteiligkeit der Grundstücke wird es mit Sicherheit endlose Verhandlungen geben“, sagt Zeller.
Die Vergangenheit habe gezeigt, dass allein die Jewish Claims Conference (JCC) ein „konsequenter und unbequemer“ Gegenpart sei. „Bei der Vielzahl der zwischen 1933 und 1945 widerrechtlich enteigneten Grundstücke mit jüdischem Hintergrund innerhalb des heutigen Marx-Engels-Forums, dürfte es harte Verhandlungen geben“, sagt Zeller. Die JCC vertritt seit ihrer Gründung 1951 Entschädigungsansprüche jüdischer Opfer des Nationalsozialismus und Holocaust-Überlebender. Die Organisation hat ihren Sitz in New York und unterhält in Frankfurt/M., Wien und Tel Aviv Repräsentanzen.
Neben den Restitutionsansprüchen jüdischer Alteigentümer oder deren Nachfolger dürfte auch die Deutsche Post auf einem angemessenen Ausgleich bestehen. Schließlich stand auf dem größten Grundstück des Marx-Engels-Forum das große zentrale Postamt C2. Im alten Berlin erhielten die Postämter stets ihre Bezeichnungen nach den Himmelsrichtungen. Das „C“ stand für „Central“. Da zu DDR-Zeiten das westliche Berlin (dort gab es Nummerierungen nach Bezirken, so „9“ für Charlottenburg) kein Postamt mit einem „C“ hatte, setzte sich die DDR mit dem Buchstaben ab.
Auch am Schinkelplatz gibt es Probleme
Dass Restitutionsansprüche die Terminplanungen des Senats immer wieder beeinflussen, zeigte jüngst das Beispiel Schinkelplatz. Dort gab es kürzlich grünes Licht vom Land für die Bebauung des Innenstadtareals nördlich und östlich der Friedrichwerderschen Kirche. In dem Quartier sollen Gebäude entstehen, die für Verwaltung, Handel, Dienstleistungen, Kultur und Gastronomie, aber auch für Wohnungen genutzt werden. Allerdings stagnieren Planung und Fortführung derzeit.
Irina Dähne, die Sprecherin des Liegenschaftsfonds Berlin, sagte Morgenpost Online, dass es derzeit keinen konkreten Terminplan für die Bebauung des Schinkelplatzes gebe. Für Grundstücke des Areals wurden Restitutionsansprüche geltend gemacht. Wann es dort weitergeht, ist offen. Nach Auskunft des Liegenschaftsfonds-Chefs Holger Lippmann hofft man auf eine Klärung bis Ende dieses Jahres.
Übrigens sollte die blaue Humboldt-Box ursprünglich gegenüber dem Dom, an der Uferpromenade des Marx-Engels-Forums an der Spree, errichtet werden. Das scheiterte, weil man einen Bebauungsplan für die temporäre Kunsthalle hätte aufstellen müssen. „Sofort hätten sich in diesem Fall die Alteigentümer gemeldet“, sagt Zeller. So wurde der Plan verworfen und die Box gegenüber dem Lustgarten auf dem Schlossareal errichtet.
Zeller: Langfristige Pläne machen
Grundsätzlich wolle sich Zeller den neuen Ideen nicht verschließen, zumal das Marx-Engels-Forum durch den Bau der U-Bahn-Linie 5 auf Jahre zur Baustelle werde. „Die Zeit sollte genutzt werden, um eine politische Entscheidung zu treffen. Dabei sollte man sich im Klaren sein, dass unter den bestehenden Verhältnissen auf die Schnelle nichts passieren kann.“
Das Marx-Engels-Forum ist Bestandteil des ehemaligen Marienviertels von Alt-Berlin. Auf dem Areal zwischen Fernsehturm, Schloßplatz und Rotem Rathaus steht heute nur noch die Marienkirche als Relikt der Vergangenheit. Vor dem Zweiten Weltkrieg zählte man hier noch 140 Grundstücke, auf denen sich Wohn-, Büro-, Geschäfts- und Warenhäuser, Postamt und Markthalle in traditioneller Mischung befanden. Nach Enteignungen zur NS-Zeit folgten weitere Anfang der 50er-Jahre unter DDR-Regie, zahlreiche Gebäude wurden abgerissen. Nach dem Umdenken der Stadtplaner wurde von 1981 bis 1987 (zur 750-Jahr-Feier Berlins) das angrenzende Nikolaiviertel gebaut, die Nikolaikirche restauriert. Der damalige Architekt Günter Stahn wollte mit dem Viertel den „Bezug zum Ursprünglichen“ herstellen.
Während der Bauzeit entstand 1983 zwischen Spree und Spandauer Straße das Marx-Engels-Forum. Von 1971 bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Freifläche (nach Abriss von Stadthäusern) den Namen „Park an der Spree“. Offiziell wurde die heutige Denkmalanlage am 4. April 1986 eröffnet. Wenn die Bauarbeiten der U5 beginnen, muss ein neuer Platz für Marx und Engels gefunden werden.
Die Grundstückspreise auf diesem Filetstück dürften beträchtlich sein. Zum Vergleich: Am Pariser Platz liegen sie bei 36.000 Euro pro Quadratmeter, an der Friedrichstraße bei 17.000 Euro. „Wie es am Marx-Engels-Forum sein wird, richtet sich nach dem aufgestellten Bebauungsplan“, sagt ein Immobilienexperte. Je höher gebaut werden darf, desto höher die Grundstückspreise.
http://www.morgenpost.de/berlin/article1085356/Marx_Engels_Forum_Bebauung_kann_Millionen_kosten.html
The Kent May 3rd, 2009, 12:43 PM Wenn Denkmäler umgesetzt werden
Marx und Engels müssen auf Zeit ihr Forum verlassen, Neptun samt Brunnen vielleicht auch. Das ging anderen auch so: dem alten Fritz und der Goldelse etwa - alle wurden verrückt.
Berlin - Noch steht Friedrich, der Bärtige, und guckt starr auf den Fernsehturm, während sein Freund Karl neben ihm sitzt und ebenfalls seinen Träumen und Utopien hinterherblickt. Das Marx-Engels-Denkmal eignet sich vorzüglich als Klettergerüst, Blümchenablage und Background fürs Touristenfoto. Es ist eine der vielen kleinen und gewichtigen Attraktionen in Berlin, dieses sofort nach seiner Aufstellung 1986 umstrittene Werk des Bildhauers Ludwig Engelhardt. „Sacco und Jacketti“ lästerten die Leute, witzelten vom „Nahverkehrsdenkmal“ (einer steht immer) oder legten Engels in den Mund: „Wenn ich dir sage, was das gekostet hat, setzte dich hin.“
Bald bekommen die Herren eine andere Perspektive. Sie werden Richtung Karl-Liebknecht-Straße verschoben. Oder verrückt. Jedenfalls sind sie für einige Zeit ein Wanderdenkmal, weil die U 55 gebaut wird und das (übrigens unter Denkmalschutz stehende) Marx-Engels-Forum zum Materialablageplatz verkommt. Werktätige Bauarbeiter verdrängen Marx und Engels. Und eines fernen Tages soll, wenn es nach den Schlossbefürwortern ginge, Nachbar Neptun mit seinem Brunnengefolge wieder da hin, wo er schon mal war: auf den südlichen Schlossplatz. Ganz in der Nähe lauerten früher beim Nationaldenkmal Kaiser Wilhelms I. zwei gewaltige Löwenpaare – sie sind in den fünfziger Jahren nach Friedrichsfelde gezogen und seitdem im Tierpark zu Hause. Und der Große Kurfürst stand einst an der Rathausbrücke, von wo er 1951 vors Schloß Charlottenburg kam.
Der jüngste Fall künftiger Denkmalschieberei mit Marx und Engels ist nur einer von vielen. Der bekannteste spielt zwischen den Tatorten Reichstag und Großer Stern. Die Siegessäule wurde 1873 als Symbol für das siegreiche Preußen nach den Kriegen gegen Dänemark (1864), Österreich (1866) und Frankreich (1870/71) auf dem damaligen Königsplatz, dem heutigen Platz der Republik, vor dem Reichstag errichtet. Johann Heinrich Strack verwendete dabei Beutestücke und vergoldete Geschützrohre. Obenauf thront die Siegesgöttin Victoria, acht Meter hoch, 35 Tonnen schwer, mit bürgerlichem Namen Margarete Otten, ein Modell, das die Leute bis heute „Goldelse“ nennen. 65 Jahre nach ihrer Errichtung wurde der Gedächtnisschornstein mit Dame abgebaut, in Einzelteile zerlegt und in einem umgebauten BVG-Bus zum Großen Stern gefahren. Der sollte zum Fixpunkt für die von Adolf Hitler und seinem Großbaumeister Albert Speer geplante Ost-West-Achse der „Welthauptstadt Germania“ werden, vor dem Reichstag war ein großer Aufmarschplatz geplant, also fuhr Else im Bus zum Stern und wurde etwas gestreckt – statt 51 Meter maß sie nun 67, die Säule bekam eine weitere Etage, und das ist ihren Proportionen gut bekommen. Ein Glück, dass die Idee der Alliierten, die Säule zu sprengen, im Sande verlief. So holen wir heute tief Luft, nehmen 285 Stufen, freuen uns am Tiergarten und am Potsdamer Platz und gucken der Goldelse unter den Rock.
Friedrich II., der große König, reitet wieder unbehelligt die „Linden“ entlang, ist Teil der Avenue, gehört zum Forum Fridericianum. Keinem kommt in den Sinn, was vor mehr als 150 Jahren Theodor Fontane Sr. Majestät da oben hoch zu Ross zurief: „Bist endlich da! Gott sei’s geklagt, / Hast lange warten lassen; / Nun lehr uns wieder, unverzagt / Den Feind beim Schopfe fassen / Den Feind in Ost, den Feind in West, / Die Feinde drauß und drinnen, / Zerreiß die Netze dicht und fest, womit sie uns umspinnen“. Des Alten Fritz’ Reise durch die Nacht begann im Zweiten Weltkrieg. Da wurde er eingemauert. Die DDR konnte und wollte mit Majestät nichts anfangen, baute ihr Denkmal ab und schaffte es ins Hippodrom vom Park von Sanssouci. Dann dämmerte eine leichte Preußen-Renaissance durch die DDR. Man meinte, dass gewisse preußische Tugenden dem sozialistischen Aufbau durchaus förderlich sein könnten, außerdem wollte man sich den großen Friedrich nicht vom Westen abspenstig machen lassen. Motto: Fritz ist unser! 1980 stand er plötzlich wieder da, und in den neunziger Jahren wurde er noch einmal um sechs Meter an seinen ursprünglichen Standort verrückt.
Innerhalb Berlins auf Wanderschaft war der Reichsfreiherr vom und zum Stein. Das Denkmal von Hermann Schievelbein stand ursprünglich seit 1875 auf dem Dönhoffplatz, weil Kaiser Wilhelm I. den unbequemen Reformer nicht in der Nähe seines Palais Unter den Linden haben wollte. 1981 kam Stein dann aber doch ans östliche Ende der Prachtstraße. Dort musste er wegen des Neubaus der Kommandantur umziehen. Nun blickt er vor dem Abgeordnetenhaus auf Berlins Parlamentarier, wenn die, vielleicht sogar mit reformerischem Eifer, in ihr Abgeordnetenhaus eilen.
Der andere Reformer, Karl August Fürst von Hardenberg, wird einmal am Gropius-Bau aufgestellt, die beiden Preußen-Politiker sind dann nur eine Straßenbreite voneinander entfernt. Dicht beieinander stehen die preußischen Generäle Bülow von Dennewitz und Scharnhorst im vorderen Teil des Gartens am Opernpalais. Sie waren ursprünglich genau gegenüber, beiderseits der Neuen Wache. Die Erben von Käthe Kollwitz hätten dem Plan, die trauernde Mutter für das Mahnmal zu vergrößern, nicht zugestimmt, wenn sie sich in der Nähe preußische Generäle befände. 2012 läuft der Vertrag mit den Kollwitz-Erben aus. Dann wandern die Generäle wieder zurück zur Neuen Wache.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 03.05.2009)
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Neptunbrunnen-Goldelse-Mitte;art270,2787663
paderwan May 3rd, 2009, 09:54 PM Bilder vom Freitag!
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(eigene Bilder)
The Kent May 4th, 2009, 11:42 AM Es kommt Bewegung in die Diskussion! Nun macht Ingeborg Junge-Reyer ein paar Vorschläge. Sie wünscht sich eine moderne Blockbebauung des Forums. In diesen Blöcken sollen verschiedene Nutzungen untergebracht werden:
Interview
„Für die Mitte der Stadt gibt es kein Denkverbot"
Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer schlägt für das Marx-Engels-Forum eine Kunsthalle oder Bibliothek vor
Das Gespräch führten Thomas Rogalla und Ulrich Paul
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mischt sich immer wieder in die Arbeit von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) ein: Er kritisierte die Gestaltung des Einkaufszentrums Alexa, fädelte den Vertrag mit der Modemesse Bread and Butter für den Flughafen Tempelhof ein und stärkte jüngst Kulturstaatssekretär André Schmitz den Rücken, der sich für eine Bebauung des Marx-Engels-Forums aussprach – entgegen den Plänen Junge-Reyers. Grund genug, die Senatorin zu befragen.
Frau Junge-Reyer, wer ist im Senat eigentlich für Stadtentwicklung zuständig: Sie oder Klaus Wowereit?
Stadtentwicklungspolitische Themen bewegen weit über die Ressortzuständigkeit hinaus die ganze Stadt. Ich freue mich über ein reges Interesse und halte Kontroversen vor einer Entscheidung für normal, ja sogar für wichtig.
Wir haben den Eindruck, der Regierende Bürgermeister hält sich für den besseren Stadtentwicklungssenator – nachdem er den Mietvertrag mit der Modemesse Bread and Butter für den Flughafen Tempelhof eingefädelt hat, nach seiner Kritik am Einkaufszentrum Alexa und seinen jüngsten Äußerungen zur Gestaltung des Marx-Engels-Forums.
Wir sind erst am Beginn der Diskussion, deshalb gibt es noch keine Ergebnisse und keine Entscheidungen. Der Regierende Bürgermeister hat zur Zukunft des Marx-Engels-Forums gesagt, er wisse sehr wohl, dass mit der Errichtung des Humboldt-Forums und mit dem Bau der U-Bahn-Linie 5 Erkenntnisse gewonnen werden, die erst in ein paar Jahren konkretisiert werden können. Es ist richtig auf einen solchen Prozess zu verweisen.
Nach der Kritik am Alexa und der massiven Einmischung Wowereits am Flughafen Tempelhof fragt man sich schon, ob Sie noch die Bauherrin sind?
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Ich bin nicht Bauherrin bei privaten Eigentümern. Damals wurde zum Alexa gesagt, dass hier Investoren aus Portugal ein vollständig anderes Einkaufszentrum errichten wollen. Jugendstil sollte wieder entstehen, von der Farbe der Außenfassade war damals offensichtlich nicht die Rede.
Sie haben mit dem „Call for Ideas“ für Tempelhof Vorschläge für eine Nutzung des Gebäudes gesammelt – gleichzeitig bekommen Sie mit, dass Klaus Wowereit den Mietvertrag mit der Modemesse eingefädelt hat. Er desavouiert Sie doch damit.
Schauen wir uns Tempelhof nochmal an. Hier ist mit einem möglichen Investor verhandelt worden. Der Regierende Bürgermeister hat nachdrücklich eine Initialzündung zur Vermarktung des Gebäudes unterstützt. Das entspricht meinem Vorhaben, über den „Call for Ideas“ Vorschläge zu sammeln. Beide Verfahren passen zusammen. Dass sie unterschiedliche, aber sich ja trotzdem ergänzende Ergebnisse haben, ist wichtig.
Reden Sie denn eigentlich auch mal miteinander?
Wir sprechen sehr häufig miteinander, wir stimmen uns natürlich ab. Trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass gerade zu schwierigen städtebaulichen Prozessen der Streit gehört. Solche Auseinandersetzungen müssen geführt werden. Und ich führe sie gerne.
Wie bewerten Sie Wowereits Äußerungen, der Überlegungen zur Umgestaltung des Marx-Engels-Forums und des Platzes vor dem Roten Rathaus als legitim bezeichnet hat?
Es ist ein Beitrag zur Unterstützung des Planungsprozesses.
Der Stadtentwicklungsausschuss hat gerade beschlossen, dass der Senat Grundsätze zur Gestaltung des grüngeprägten Stadtraumes zwischen Spree und Alexanderplatz vorlegen soll. Er unterstützt Sie damit im Bemühen, das Grün auf dem Marx-Engels-Forum zu erhalten. Warum ist das Grün nötig?
Wir dürfen uns an diesem Ort nicht nur mit dem Marx-Engels-Forum auseinandersetzen. Wir müssen den gesamten Bereich der historischen Stadt sehen. Es geht auch um den Molkenmarkt und die Leipziger Straße, das Nikolaiviertel und den Schinkelplatz. Der Molkenmarkt wird zu einem neuen innerstädtischen Wohngebiet und als Geschäftsadresse entwickelt werden. Das gilt auch für den Schinkelplatz. Diese Gebiete brauchen attraktive Grünflächen als Markenzeichen der städtischen Lebensqualität.
Diese Grünflächen wollen Sie anders als Wowereits Kulturstaatssekretär auf dem Marx-Engels-Forum haben. Heißt das, dass dort gar nicht gebaut werden darf?
Ich kann mir zum Beispiel an der Karl-Liebknecht-Straße sehr gut den Bau von Solitären vorstellen, also den Bau von herausragenden einzelnen Gebäuden. Aber in einer modernen Architektur. Das pure Nachbauen einer Altstadtsituation des 18. Jahrhunderts ist mit Sicherheit nicht die richtige Antwort. Sie weist nicht in die Zukunft. Wir sind doch auch sonst stolz auf das neue Berlin!
Soll es Solitäre nur an der Karl-Liebknecht-Straße geben?
Wir befinden uns erst am Beginn eines Prozesses, aus dem sich die Gestaltung und mögliche Baufelder ergeben werden. Die Entscheidung, wie es konkret aussehen soll, muss bis zum Jahr 2012 getroffen werden. Dann werden wir die Wettbewerbe zur Gestaltung dieser Räume ausloben. Wir werden mit der konkreten Planung bis zum Jahr 2017 fertig sein, wenn der U-Bahnbau beendet und die Baustellen geräumt sind.
Nehmen wir an, dass Sie 2012 noch mit der Linken in einer Koalition sind. Wie viel Freiraum haben sie dann noch zum Planen? Der Stadtentwicklungsexperte der Linken, Thomas Flierl, lehnt eine Bebauung der Freiflächen an der Karl-Liebknecht-Straße ab.
Für eine lebendige grüne Stadt, und damit für das Planen und Bauen muss es klare Zielsetzungen geben. Deswegen sage ich: Hier können Solitäre mit einer herausragenden, auch internationalen Nutzung entstehen. Hier kann ich mir vieles vorstellen, zum Beispiel eine Kunsthalle oder man könnte sich zum Beispiel überlegen, ob eine Zentral- und Landesbibliothek dort hinpassen würde, obwohl sie eine große Baumasse benötigt. Solche Vorstellungen einer öffentlichen Nutzung sind notwendig.
Das überrascht uns. Der Regierende Bürgermeister hat doch gerade erst verkündet, dass der Neubau für die Zentral- und Landesbibliothek in Tempelhof entstehen soll. Wie ernsthaft ist Ihre Anregung, das Marx-Engels-Forum für die Bibliothek zu nutzen?
Wir untersuchen intensiv seit zwei Monaten den Standort Tempelhof für eine Zentral- und Landesbibliothek. Aber wir sollten für das Nachdenken über viele Ideen für eine zukünftige, auch solitäre Nutzung am Marx-Engels-Forum offen sein. Und wir sollten dem Ergebnis dieses Prozesses nicht vorgreifen.
Darf das nur eine öffentliche Nutzung sein oder können Sie sich auch vorstellen, dass dort Wohn- und Geschäftshäuser entstehen?
Für die Mitte der Stadt gibt es kein Denkverbot. Die beliebige Mischung von Wohn- und Geschäftshäusern wäre an diesem Ort nicht richtig – und eine Planung, die sich an dem Ziel des höchstmöglichen Gewinns für die Landeskasse ausrichtet wird es nicht geben.
Muss man auch Respekt vor der Stadtplanung der DDR haben oder darf man das Gelände zwischen Spree und Bahnhof Alexanderplatz frei überplanen?
Wir müssen Respekt vor der Geschichte haben, die hier in vielen Schichten vorhanden ist. Wir brauchen zunächst eine Befassung durch die Archäologen, um etwa zu sehen, wo früher Straßen verliefen oder Gebäude standen. Die Geschichte der DDR ist in gleicher Weise bedeutend wie andere historische Epochen in der Mitte Berlins. Der Respekt vor der Geschichte heißt nicht, dass man die Geschichte nachbauen soll, das heißt aber auch nicht, dass man die Geschichte der DDR auf ewig zementiert.
Wollen sie mit dem Beginn der Umgestaltung bis 2017 warten?
Zwischen Alexanderplatz und der Marienkirche haben wir mit dem Bezirksamt Mitte begonnen zu planen, wie trotz der U-Bahn-Bauarbeiten eine bessere Qualität schon jetzt entstehen kann.
Berliner Zeitung, 04.05.2009
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/126886/index.php
Hauptstadt-Patriot May 4th, 2009, 04:52 PM @ paderwan: das ist nicht das mef ;)
...es wäre schön wenn das so voll wäre!
The Kent May 4th, 2009, 10:51 PM Wie Stararchitekt Kleihues Mitte umgestalten wollte
Die Diskussion um die Gestaltung von Berlins historischer Mitte hat nicht erst mit Klaus Wowereits Vorschlag begonnen, das Marx-Engels-Forum zu bebauen. Schon lange beschäftigen sich namhafte Architekten mit der zentralen Fläche. Morgenpost Online stellt einige ihrer Pläne vor.
In Berlins Mitte klafft ein enormes Loch, seit der Palast der Republik Anfang des Jahres endgültig dem Erdboden gleich gemacht wurde. Bis der Neubau des Humboldt-Forums in Gestalt des Stadtschlosses ab 2010 in die Höhe wächst, weht der Wind ungehindert vom abgeräumten Schloßplatz über das Marx-Engels-Forum bis zum gut anderthalb Kilometer entfernten Fernsehturm am Alexanderplatz. Über eine Neugestaltung des Geländes rund um das Marx-Engels-Forum soll der Senat deshalb bis Ende Juni seine langfristigen Vorstellungen präsentieren, hat am Montag der Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses auf Antrag der rot-roten Koalitionsfraktionen beschlossen.
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Namhafte Architekten, Historiker und Stadtplaner haben sich indes schon viel früher mit dem im Krieg stark zerstörten und zu DDR-Zeiten vollends abgeräumten Herz der Stadt beschäftigt. Ihre Ideen beflügeln nun die Debatte um Berlins neue Mitte und zeigen, wie vielfältig die Visionen für ein zeitgemäßes Stadtzentrum sind – und wie notwendig ein Konsens darüber, was dort eigentlich geschehen soll.
„Kurz nach dem Fall der Mauer habe ich mit Studenten ein städtebauliches Seminar über das Gebiet zwischen Bahnhof Alexanderplatz und Spree, dem Roten Rathaus und der Karl-Liebknecht-Straße durchgeführt“, schreibt etwa der renommierte Architekturprofessor Josef Paul Kleihues. Kurz vor seinem Tod im Sommer 2004 hatte der Architekt, nach dessen Plänen das HO-Centrum-Warenhaus auf dem Alexanderplatz zur Galeria Kaufhof umgestaltet wurde, seine bauliche Vision für das Marx-Engels-Forum weiter entwickelt.
„Die architektonische Studie wurde deshalb nie veröffentlicht“, sagt sein Sohn Jan Kleihues, der das Architekturbüro Kleihues+Kleihues weiterführt. Auch wenn er selbst eine kleinteilige Struktur bevorzuge, so der Sohn, biete der Entwurf seines Vaters jedoch eine ganze Menge Antworten auf offene stadtplanerische Fragen.
Eine Plaza Mayor für Berlin
Vorbild seines Entwurfs, so schreibt Josef Paul Kleihues, sei die Gestaltung anderer europäische Stadtplätze gewesen, wie etwa die Plaza Mayor in Madrid oder die Place des Vosges und das Palais Royal in Paris. Der mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse ausgezeichnete Baumeister nannte seine Planungsidee „Hofgarten am Schlossufer“. In Anlehnung an die europäische Architekturtradition schlägt Kleihues an den vier Außenseiten der Grünfläche eine massive, geschlossene Bebauung vor, die sich lediglich zur beabsichtigten Rekonstruktion des Berliner Schlosses öffnet. „Aus städtebaulichen, aber auch aus psychologischen Gründen“, so der Architekturprofessor, „schien es mir geboten, den Grünraum des Marx-Engels-Forums im Zentrum der Stadt zu erhalten“. Die Figuren von Marx und Engels blieben an ihrem angestammten Platz stehen und könnten – quasi als augenzwinkernde Neuinterpretation königlicher und kaiserlicher Reiterstandbilder – gedeutet werden.
Den wesentlichen Forderungen der Linksfraktion, die laut ihrem stadtentwicklungspolitischen Sprecher Thomas Flierl auf einer weitgehenden Freihaltung der Grünfläche bestehen, wäre mit dem Entwurf von Kleihues Genüge getan. Auch über die Nutzung des vierflügeligen Gebäudes hatte sich Kleihues bereits Gedanken gemacht: „Wie in Madrid und Paris sollten in den offenen Gängen hinter den Pfeilerarkaden Geschäfte, Galerien und Cafés angesiedelt werden“. In dem Zwischengeschoss darüber sei Platz für kleine Büros und Arztpraxen. In den oberen vier Etagen hat Kleihues insgesamt 180 Wohnungen unterschiedlicher Größe untergebracht. „Die gereihten Bögen nehmen Bezug auf das im Rundbogenstil errichtete Berliner Rathaus und die Arkaden des Nikolaiviertels und binden den Hofgarten auch formal in den urbanen Kontext ein“, wirbt Kleihues für seinen städtebaulichen Entwurf.
Einen radikal anderen Weg beschreitet dagegen der Bundestags-Architekt Stephan Braunfels. Braunfels lieferte bereits 2001 Pläne für eine städtebauliche Neugestaltung des historischen Berliner Stadtkerns. Das Thema lag quasi in der Luft, seit Bundesregierung und Berliner Senat im Jahr 2000 die Kommission Historische Mitte Berlin eingesetzt hatten, die schließlich einen Neubau in der Kubatur des Schlosses auf dem originalen Standort aus ästhetischen wie urbanen Gesichtspunkten anstelle des Palastes der Republik vorschlugen.
Braunfels Vision: Als Pendant zu der Straße Unter den Linden soll ein neu zu schaffender gesamtstädtischer Boulevard vom Schloss quer durch das Marx-Engels-Forum bis zum Fernsehturm führen. Die Grünfläche des Forums genauso wie die unbenannte Freifläche vor dem Fernsehturm mit dem Neptunbrunnen würden überbaut, rechts und links der „neuen Linden“ sieht Braunfels Wohn- und Geschäftshäuser im typischen gründerzeitlichen Berliner Blockmaß vor. Vom Spreeufer aus über Marx-Engels-Forum und durch das ehemalige Marienviertel bis zum Alexanderplatz könnten Flaneure demnach über die neue baumbestandene Allee flanieren. Lediglich vor dem Roten Rathaus bliebe in der südlichen Reihe der neu angesiedelten Stadtquartiere ein großer Platz ausgespart. Damit entstünde vor dem Berliner Rathaus erstmals ein angemessener Vorplatz.
Quartier nach historischem Vorbild
Für die von Braunfels vorgeschlagene Bebauung, die die sogenannte Ost-Moderne gänzlich verdrängt, wird es in den Reihen der Linksfraktion allerdings kaum Befürworter geben. Auch dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und seinem Kulturstaatssekretär André Schmitz, die sich in jüngster Zeit wiederholt für eine Neugestaltung des historischen Stadtkerns von Alt-Berlin in ausgesprochen und eine öffentliche Debatte dazu angeregt hatten, dürfte ein anderes Stadtbild vorgeschwebt haben. Schmitz plädiert zwar für eine komplette Umgestaltung des Marx-Engels-Forums, da die jetzige Situation mit einer Brach- und Grünfläche nicht mehr als zeitgemäß anzusehen sei, wenn das Stadtschloss 2013/14 fertiggestellt ist. Diese sollte sich aber auf den kleinteiligen historischen Grundriss beziehen. Der Kulturstaatssekretär präferiert deshalb eher eine Bebauung mit Townhouses, wie sie auf dem Friedrichswerder errichtet wurden.
Ähnlich argumentiert auch Hans Stimmann. „Ich glaube nicht, dass das Schloss vor dem Marx-Engels-Forum stehen kann“ hatte der immer noch einflussreiche frühere Senatsbaudirektor bereits kurz nach der Wettbewerbsentscheidung im November vergangenen Jahres verkündet. Stimmann will in den kommenden Wochen ein Buch über die künftige Gestaltung des „Marienviertels“ vorlegen und hält sich deshalb mit Details zu seinen Bebauungsvorschlägen noch zurück. Klar ist jedoch, dass auch Stimmann die Rekonstruktion des gesamten Quartiers zwischen Marienkirche und Rotem Rathaus im Sinn hat.
Junge Architekten gegen Bebauung
Doch nicht alle Stadtplaner und Architekten befürworten eine Bebauung der Freiflächen zwischen dem Bahnhof Alexanderplatz und dem Schloßplatz. Vor allem bei den jungen Architekten stoßen solche „geschichtspolitischen Umdeutungen“ im Zentrum der Stadt auf massiven Protest. Auf der Internetseite www.plattformnachwuchsarchitekten.de formulieren die Nachwuchsplaner ihren Widerstand. „Tausende von Passanten zwischen dem Hackeschen Markt und Alexanderplatz überqueren an dieser Stelle den reich belebten Platz rund um den Neptunbrunnen und stören sich kein bisschen an der Großzügigkeit des Freiraums“, schreiben sie. Die „unsägliche“ Neubebauung des Alexanderplatzes lasse zudem wenig Gutes erwarten.
Gegen die „leichtfertige Aufgabe des baulichen DDR-Erbes“ plädiert auch Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD). Die Wasserkaskaden und auch der Neptunbrunnen vor dem Rathaus, den viele wieder auf seinen alten Platz auf dem Schlossplatz zurück verfrachten wollen, hätten durchaus ihre Qualitäten.
„Es ist klar, dass die derzeitige Gestaltung ihre Defizite hat“, sagt der Baustadtrat. So sei der Versuch, auf der Freifläche vor dem Rathaus einen klassischen Wochenmarkt zu etablieren unter anderem an der mangelnden Platzatmosphäre gescheitert.
Der Stadtentwicklungsausschuss des Bezirks wird sich deshalb heute mit dem Thema befassen. „Wir müssen die Zeit bis 2017 nutzen, um uns über die städtebaulichen Veränderungen zu einigen“, plädiert Gothe. Bis dahin werde das Marx-Engels-Forum ohnehin noch für die Baustelleneinrichtungen für den Bau der U-Bahn benötigt.
Immerhin: Auch Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hatte am Montag angesichts der seit Wochen andauernden Debatte in der Ausschusssitzung Handlungsbedarf eingeräumt. Zuvor hatte sich die Senatorin, genau wie Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, auf die geltende Koalitionsvereinbarung zurückgezogen, die für das Marx-Engels-Forum einen Freiraum vorsieht, der mit einem laufenden Wettbewerbsverfahren lediglich neu gestaltet werden sollte. Es müsse jetzt auch die Frage diskutiert werden: „Welche Art von Platz braucht das Berliner Rathaus?“, räumte die Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer ein.
http://www.morgenpost.de/berlin/article1082784/Wie_Stararchitekt_Kleihues_Mitte_umgestalten_wollte.html
nightscraper May 6th, 2009, 06:43 PM http://img139.imageshack.us/img139/9214/copiadeberlinmitte.jpg
Hauptstadt-Patriot May 6th, 2009, 08:10 PM Mensch Leute...gewöhnt euch doch einmal an etwas zu euren Bildern zu schreiben!
Steve87 May 7th, 2009, 03:28 AM http://img139.imageshack.us/img139/9214/copiadeberlinmitte.jpg
Gute Idee. Lässt sich eine Menge Leben unterbringen auf diesem Strich Ödland mitten in der Stadt.
DiggerD21 May 11th, 2009, 12:16 AM Der gebannte Kent hat mich angefleht diesen Artikel für euch Nulpen zu posten!
Weg mit der Leere zwischen Schloss und Alex
Der Krieg und die sozialistischen Hauptstadtpläne der DDR-Stadtplaner haben tiefe Wunden im Herzen Berlins hinterlassen. Berlins historisches Zentrum ist geprägt durch namenlose Leere und breite Autoschneisen. Das muss sich ändern, fordert der ehemalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann.
Das Thema "Berlin und sein historisches Zentrum" ist mit der Entscheidung für Franco Stellas Schloss-Entwurf am 28. November 2008 keineswegs abgeschlossen. Im Gegenteil: Das ambitionierte Projekt zur Einrichtung eines "Humboldt-Forums" hinter den rekonstruierten Fassaden des Berliner Stadtschlosses markiert den Beginn einer neuen Etappe in der schwierigen Beziehung der Stadt zu ihren Geburtsorten zwischen St. Marien, Rathaus, dem Molkenmarkt, St. Petri, der Werderschen Kirche und - darin eingeschlossen - dem Schloss.
Staatszentrum statt Stadtzentrum
Die problematische Wahrnehmung dieser ältesten Teile Berlins beginnt bei der Bezeichnung. In jeder anderen europäischen Metropole redete man voller Stolz über die Altstadt: Barcelona, Lissabon, London, Madrid, Mailand, Paris, Prag, Rom, Wien. Dies galt auch für Berlin, allerdings nur bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts und danach nur sehr verhalten bis zu ihrer physischen Zerstörung durch die Bomben des Kampfs um Berlin und die darauf folgende weit radikalere "zweite Zerstörung" durch Politik und Planung in den Jahren nach 1945.
Ging es schon in den Zwanziger- und Dreißigerjahren nicht mehr nur um die verkehrsgerechte Modernisierung der Altstadt, sondern um eine radikale City-Bildung der "neuen Weltstadt", machte man sich nach 1945 an die verbale, planerische und physische Abschaffung der Altstadt. An ihre Stelle trat nun das Zentrum der "Stadt von morgen", das nach der Gründung der DDR die Gestalt eines neuen Staatszentrums annahm.
Um dieses Ziel zu erreichen, wurden nicht nur das Schloss, Kirchen, Klöster und Synagogen abgerissen, sondern die Plätze und Bauten für das politische Zentrum der DDR lösten die Altstadt mit ihrem traditionsreichen, im Stadtbild deutlich sichtbaren Stadtgrundriss ab und verwandelte sie in den zentralen Raum des neuen Staats. Auch nach dem Untergang der DDR und dem Rückzug des demokratischen Staats aus diesem ursprünglich städtischen Ort blieb es bei der aus der DDR-Zeit übernommenen Bezeichnung der Altstadt als "Zentrum" oder abstrakter "Mitte" bzw. aus der wiedervereinigten Planerperspektive als "City Ost".
Diese begriffliche Unsicherheit ist allerdings nur ein Ausdruck für die tatsächlichen Schwierigkeiten im Umgang mit dem historischen Erbe dieses Orts, dessen städtebauliche Merkmale durch den raumgreifend umbauten Fernsehturm, die freigelegte St. Marienkirche, eine große namenlose Leere mit einem Denkmal von Marx und Engels und breite Autoschneisen gekennzeichnet sind. Eine Altstadt mit Markt und Straßen existiert nicht, weder im Bewusstsein ihrer heutigen Bewohner und Besucher, noch in der Wirklichkeit.
Stadt ohne Altstadt
Die Hauptstadt der Deutschen, die sich inzwischen wieder bewusst in die Tradition und Kultur der europäischen Stadt einreiht, ist als polyzentrales Gebilde ohne Altstadt allenfalls ein Kuriosum. Die trotz der starken Kriegszerstörungen bis weit in die Nachkriegszeit gut erhaltenen Stadtgrundrisse von Alt-Berlin (mit dem Neuen Markt, St. Marien, St. Nikolai), der Parochialkirche und der Alten Synagoge, Cölln (mit St. Petri), dem Friedrichswerder und der Friedrichswerderschen Kirche am Markt wurden unmittelbar nach Kriegsende durch den "Kollektivplan" zunächst planerisch ausgelöscht, um Teil einer gänzlich neuen Idee einer Stadtlandschaft mit einer "grünen Mitte" nach dem Bild von Hans Scharoun zu werden, um dann nach 1950 programmatisch zum politischen und architektonischen Zentrum des neu gegründeten DDR-Staats ausgebaut zu werden.
Aus den Trümmern der schon durch die Nazis schwer angeschlagenen Stadtmitte wurde nach weiteren rücksichtslosen Abrissen, Enteignungen der Grundstückseigentümer und den Mustern schnell wechselnder, radikaler Planungen schließlich die funktionale und räumliche Mitte des DDR-Staats und ihrer sozialistischen Einheitspartei (SED). Dazu gehörten Aufmarschplätze, das Staatsratsgebäude, das Außenministerium, der Palast der Republik, das Haus des ZK der SED in der ehemaligen Reichsbank, zuletzt der Fernsehturm, das Marx-Engels-Forum und begleitende breite Autoschneisen. Besonders brutal geschah dies mit der Verbreiterung der Gertraudenstraße u.a. über das St.-Petri-Kirchengrundstück und den Petriplatz sowie mit dem Durchbruch zwischen Molkenmarkt und Grunerstraße vorbei an dem zum "Haus des Ministerrats" umgebauten Stadthaus. Die Planungen für die Hauptstadt der DDR sind Musterbeispiel einer kulturellen "Ostintegration" des Stadtzentrums im ehemals sowjetisch besetzten Teil von Berlin.
Nach dem abrupten Ende des DDR-Staats und der damit verbundenen Auflösung der Volkskammer, des Staats- und Ministerrats der DDR, der herrschenden Einheitspartei der SED und der von ihr kontrollierten Ministerien hat sich die Staatsmitte des wiedervereinigten Deutschlands funktional wieder auf die früheren Standorte entlang der Wilhelmstraße und auf das Gebiet rund um den alten Reichstag am Platz der Republik verlagert. Lediglich das Außenministerium im Gebäude der ehemaligen Reichsbank bzw. des ZKs der SED erinnert noch an die Verstaatlichung der Berliner Altstadt. In direkter Nachbarschaft dieses mächtigen Regierungsgebäudes werden inzwischen mit den individuellen "Townhouses" die deutlichsten Anzeichen einer Reurbanisierung sichtbar. Ansonsten wartet die "Staatsbrache" auf dem Areal der früheren Altstadt wie eine aufgegebene Industriefläche auf eine neue städtische Nutzung.
Was liegt näher, als gerade hier und heute eine Verstädterung mit bürgerlichen Wohn- und Geschäftshäusern auf der Grundlage des jahrhundertealten Stadtgrundrisses anzustreben, um den erhaltenen Kirchen wieder einen Sinn und einen städtebaulichen Rahmen und Maßstab zu geben und schließlich die räumliche Isolierung des Humboldt-Forums aufzuheben?
Entsprechende Vorschläge im Rahmen der Debatten über das von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung aufgestellte Planwerk Innenstadt sind in den Jahren 1996 bis 1999 als scharf kritisierter Versuch, die gesellschaftlichen Verhältnisse in die Zeit vor der DDR-Gründung zurückzudrehen, politisch und fachlich teilweise auf der Strecke geblieben. Soweit mit dem Planwerksbeschluss des Berliner Senats von 1999 im Bereich Molkenmarkt/Großer Jüdenhof/Graues Kloster Teile davon akzeptiert wurden, blieben sie bis heute ohne praktische bauliche Folgen. Die ältesten Teile Berlins verharren so weiter in dem Zustand von 1989.
Geburtsorten wieder Form geben
Annähernd zwei Jahrzehnte nach dem Ende der DDR und der von ihr gewaltsam besorgten Transformation der Altstadt in das Staatszentrum der DDR wird es Zeit, den Geburtsorten Berlins wieder Inhalt und Form zu geben, die über den heutigen Zustand von "Ost-Berlin" nach dem Palastabriss hinausweisen. Der derzeitige politische Stillstand muss aufgehoben werden, damit in einigen Jahren das historische Zentrum Berlins mit Kirchen, Rathaus, Schulen, Bürgerhäusern, Straßen und Plätzen wieder zu dem Ort wird, von dem aus sich für alle Berliner die aus den Mauern der Altstadt über Jahrhunderte gewachsene Metropole Berlin erklärt.
Dabei geht es gar nicht hauptsächlich um das Schloss, sondern um den Umgang mit der Stadt der Handwerker, Bürger und Kaufleute, also um Alt-Berlin, Cölln und den Friedrichswerder. Während in Alt-Cölln die Kirche, das Rathaus, Straßen und Plätze und damit die architektonischen Bedeutungs- und Erinnerungsträger komplett fehlen, sieht es im Quartier von Alt-Berlin nur auf den ersten Blick besser aus. Hier stehen zwar die St. Marienkirche und das Rathaus, und es fehlen "lediglich" die Bürgerhäuser an den alten Adressen: Neuer Markt, Heilig-Geist-Straße, Bischofstraße, Hoher Steinweg, Neuer Markt, Kleine Poststraße, Burgstraße. Erst mit einer Rekonstruktion des Stadtgrundrisses und der Bebauung mit Häusern, die den Maßstab der Altstadt aufnehmen, erhielten das isolierte Rathaus und St. Marien ihre Rolle als herausragende Bauten der Kirche bzw. der Kommune im historischen Zentrum der europäischen Stadt Berlin zurück.
Was so einfach klingt, ist in der Praxis trotz des regierungsoffiziell proklamierten Trends zur gemischten Nutzung der Innenstadt offensichtlich planungspolitisch schwer zu machen, da eine kritische Rekonstruktion des Stadtgrundrisses und der Bau von Stadthäusern nur als Generalrevision der Verstaatlichungsplanung der DDR möglich ist. Dies war 1999, also zehn Jahre nach dem Fall der Mauer, noch nicht möglich. Im Planwerksbeschluss des Senats von 1999 wurde für dieses Gebiet der Status quo als politische Zielvorgabe fixiert. Diese Position wurde bis heute nicht revidiert.
Neu ist lediglich die Planfeststellung der U-Bahn-Linie U5 mit einem neuen Bahnhof vor dem Rathaus. Für den Bau der U-Bahn ist allerdings (mindestens vorübergehend) der Abbau des Marx-Engels-Denkmals notwendig. Vielleicht animiert diese technisch notwendige Maßnahme eine größere Berliner Öffentlichkeit zur Zustimmung zum überfälligen Abschied von der politischen und ästhetischen Zumutung des DDR-Staatsraums und zur Wiedergewinnung des gebauten Stadtgedächtnisses als Voraussetzung für ein gemeinsames stadtbürgerliches Selbstverständnis.
Zur Vorgehensweise der kritischen Rekonstruktion gehört gerade in der verstaatlichten Altstadt die Wiederherstellung des Parzellenmusters für individuelle Häuser und damit der Respekt für und die Erinnerung an ehemalige Eigentümer und Nutzer. Erst beides zusammen ermöglicht es, diesen Teil der Berliner Altstadt als ein Dokument ihrer Entwicklung als europäische Stadt wieder lesbar zu machen.
Quelle: Berliner Morgenpost (http://www.morgenpost.de/berlin/article1089876/Weg_mit_der_Leere_zwischen_Schloss_und_Alex.html)
erbse May 17th, 2009, 12:56 PM ^ Super Artikel! :applause: Stimmann trifft genau den Kern der Diskussion.
Schade, dass er jetzt nicht mehr als Stadtplaner im Senat sitzt. Sein Planwerk Innenstadt (http://de.wikipedia.org/wiki/Planwerk_(Berlin)#Planwerk_Innenstadt) ist eine gute Sache, schön auch, dass er sich noch immer für die Hauptstadt engagiert.
Hier, am (bald ehemaligen) MEF könnte wirklich etwas fantastisches entstehen. Die zentrale Altstadt dieses Landes, das lebendigste Viertel Berlins, eine geschlossene Wunde in der Berliner Stadtlandschaft. Sehr aufregend alles!
miau June 11th, 2009, 11:46 AM Ein sehr lesenwerter Artikel aus dem Tagesspiegel zur allegmeinen Debatte um Rekonstruktionen und im Speziellen zur möglichen Bebauung des MEF.
http://www.tagesspiegel.de/kultur/Wolfgang-Pehnt-Mitte;art772,2819096
In der Mischung liegt die Mitte
Städtebau des ästhetischen Scheins: Der Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt spricht mit dem Tagesspiegel über die Debatte um Berlins Zentrum.
Herr Pehnt, welche Architektur braucht Berlins historisches Zentrum: eine Bebauung auf mittelalterlichem Stadtgrundriss oder ein großstädtisches Forum?
Mich verwundert, wie schnell sich in der öffentlichen Diskussion die Positionen ändern. Als das „Planwerk Innenstadt“ 1999 vom Senat verabschiedet wurde, blieben die Flächen östlich des ehemaligen Schlosses noch ausgespart. Nun sollen nicht nur die drei barocken Schlossfassaden rekonstruiert werden, es wird auch noch eine Altstadt dazufantasiert. Überall, in Dresden, Potsdam, Frankfurt oder Mainz, macht die Historisierung der Innenstädte rasante Fortschritte. In Berlins Fall ist besondere Wachsamkeit geboten.
Wieso denn das?
Weil gleich drei maßgebliche Stadtpolitiker aus ihren Amtsfenstern auf den Tatort blicken: Kulturstaatssekretär André Schmitz, der die „Keimzelle“ Berlins wiedergewinnen will, zweitens der Finanzsenator, der sich vom Verkauf der wertvollen Baugrundstücke Einnahmen für das Land Berlin erhofft, und drittens der Regierende Bürgermeister, der das Ganze wohlwollend abnicken möchte. Der Blick aus dem eigenen Fenster hat für die Mächtigen immer etwas Verführerisches. Tagein, tagaus betreibt man frustrierende Realpolitik, aber hier kann man sich als der große Zauberer fühlen.
Mit einem Blick aus dem Fenster fand sich auch der Standort für das Kanzleramt.
Nicht ganz. Bundeskanzler Helmut Kohl entschied vor der Wende per Fingerzeig aus dem Reichstag, dort bitte solle der Neubau für das Deutsche Historische Museum hin. Nach der Wende wurde es aber das Kanzleramt. Wenn Politiker auf Balkons stehen und sich umblicken, ist immer Gefahr im Verzug.
Beides hat seine Berechtigung: der Verweis auf die offenen Wunden Berlins, aber auch die Sehnsucht der Bürger nach Heilung, nach einem homogenen Stadtbild. Wie kann man mit dieser Widersprüchlichkeit produktiv umgehen?
Mich stört nicht zuletzt die Beliebigkeit in der Wahl historischer Vorbilder. Mit dem Schloss will man das historische Barock von Schlüter wiederhaben, auf dem jetzigen Marx-Engels-Forum sowie im Klosterviertel will man den mittelalterlichen Grundriss. Dann hätte man auch gleich die alte Ostseite des Schlosses mit Kapellenturm und Herzoginbau rekonstruieren können. Gemeint ist natürlich ein keimfreies Mittelalter und nicht das im Lauf der Jahrhunderte überkommene, unendlich verwinkelte, geruchsintensive Mittelalter, wie es aus den Parzellenplänen des 19. und noch des frühen 20. Jahrhunderts ersichtlich ist. Man möchte eine gereinigte Version, die mit Geschichtsbewusstsein und Authentizität nichts zu tun hat, sondern lediglich mit der Willkür des gerade herrschenden Geschmacks.
Welche Leitbilder sollten den Planungen für Berlins Mitte denn zugrunde liegen?
Man sollte von der Gegenwart ausgehen und weiterentwickeln, was uns die Geschichte an die Hand gegeben hat. Das ist in Berlins Mitte zum Beispiel die größere Weite, die seit dem 19. Jahrhundert und vor allem durch die DDR-Planungen zwischen Schloss und Alexanderplatz entstanden ist. Diese Weite gilt es zu domestizieren, dort wo sie die Stadt kaputt gemacht hat – etwa beim Straßenzug Gertraudenstraße/Grunerstraße. Aber man soll sie auch nicht durch „stille Winkel“ ersetzen. Denn die Enge stammt aus einer Zeit, in der die Doppelstadt Berlin-Cölln gerade mal 5000 Einwohner hatte, die sich innerhalb der schützenden Stadtmauer arrangieren mussten.
Der frühere Senatsbaudirektor Hans Stimmann will ja keine mittelalterlichen Fassaden, sondern den mittelalterlichen Stadtplan als Planungsgrundlage.
Aber es werden weitergehende Stimmen laut. In Stimmans Buch „Berliner Altstadt“ gibt es eine Planung, die den Fernsehturm, dieses stadtbildprägende Faktum, derart in Häuserblöcke eingepackt, als schäme man sich für ihn. Warum sich nicht auf das beziehen, was vorhanden ist, zum Beispiel die starken Parallelen mit den Randbebauungen an der Karl-Liebknecht- und der Rathausstraße? Man kann die spitzen Beton-Ausläufer des Fernsehturms kappen. Oder Schwachstellen beheben und die Marienkirche, heute ein solitäres Ausstellungsstück, mit dem Roten Rathaus in Beziehung setzen. Die Devise sollte lauten: mit dem wirtschaften, was da ist, die Geschichte nicht leugnen und die eigene Zeitschicht hinzufügen.
Woher rührt die Sehnsucht nach Altstadt und Marktplatz, nicht nur in Berlin?
Zum einen vom Unbehagen an der zeitgenössischen Architektur, die viele Chancen verpasst hat. Zum anderen hat die Sehnsucht nach Harmonie mit der viel zitierten, von Globalisierung und Wirtschaftskrisen verursachten allgemeinen Verunsicherung zu tun – das ist ein Allgemeinplatz, aber er ist deshalb nicht falsch. Auch das Ergebnis der Europawahl deutet darauf hin: In Krisenzeiten sammelt man sich im konservativen Lager. Ebenso möchte man es in der unmittelbaren räumlichen Umgebung behaglich haben, möchte sich weniger gefordert fühlen.
Wann schlägt das Pendel zwischen Erneuerungsfuror und Historismus in der Architektur eigentlich in welche Richtung?
Um sich Nostalgie leisten zu können, muss es einem wirtschaftlich gut gehen. Ein Schloss ist teuer. Früher baute man für einen konkreten oder ideellen Nutzen, auch zur Selbstdarstellung: Der Berliner Kurfürst errichtete das Schloss schon vor der Erlangung der Königswürde, um seinen Machtanspruch anzumelden. Aus diesen praktischen und ideologischen Notwendigkeiten und den eingespielten Verhaltensregeln ergab sich dann Stadt. Heute wird oft gebaut, um ästhetische Wirkungen zu erzielen. Das ist ein schwaches Motiv für die Architektur. Die Hauptbegründung für die Rekonstruktion des Berliner Schlosses war eine stadtästhetische: Es soll eine Lücke füllen und einen optischen Abschluss für den Boulevard Unter den Linden bilden. Erst dann wurde mit dem Humboldt-Forum eine Nutzung nachgereicht. Das geht jetzt weiter: Ausgerechnet in Zeiten des Kirchen-Leerstands wird über einen Kirchen-Neubau nachgedacht. Die Pfarrkirche von Alt-Cölln soll die Straßenachse Leipziger/ Gertraudenstraße unterbrechen und einen vertikalen Akzent bilden. Das nenne ich Städtebau des ästhetischen Scheins.
Früher war das Stadtzentrum der Marktplatz, das Rathaus, die Kirche. Heute protestieren die Karstadt-Mitarbeiter: Ohne Karstadt keine Innenstadt. Was charakterisiert im 21. Jahrhundert die Stadtmitte?
Im Städtebau wird gerne mit großen Begriffen operiert. Klaus Hartung schreibt, die Residenzstadt Berlin müsse durch die Bürgerstadt ergänzt werden (Tagesspiegel vom 28. 5.). Aber mit solchen Zuschreibungen betreibt man eben jene funktionalistische Aufteilung der Stadt, die der Moderne oft vorgeworfen wurde. Die historische Stadt war eine gemischte Stadt. Wenn der König aus dem Schloss guckte, blickte er auf die Konditorei Mahr & Jaeger und auf Leisegangs Photo-Antiquariat. Umgekehrt war die mittelalterliche „Bürgerstadt“ mit Funktionen der höfischen Residenz durchsetzt. An der Klosterstraße stand das Hohe Haus, Sitz der Markgrafen und der Kurfürsten, bevor sie sich das Schloss leisteten. Die Königstraße durchschnitt das bürgerliche Alt-Berlin und war die preußische Via triumphalis, wenn auch eine sehr bescheidene. Das war durchmischte Stadt.
Was bedeutet das für heutige Stadtplaner?
Wohnen in der Innenstadt trägt zur Belebung der Stadt bei, klar. Aber man sollte auf den alten Terrains nicht Pseudo-Mittelalter spielen, mit 6,5 Meter breiten Eigentumshäusern – also fünf bis sechs Stockwerken auf minimalen Grundflächen –, sondern sich auf weniger zappelige Haus-Typologien besinnen. Und man sollte neben dem Wohnen neue öffentliche Nutzungen für das Areal erwägen.
Welche können das sein?
Zum Beispiel wird in Berlin ein Neubau für die Zentral- und Landesbibliothek auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof diskutiert. Was soll denn eine „Metropolenbibliothek“ auf dem Tempelhofer Feld, die gehört doch in die Innenstadt! Und bitte auf keinen Fall ein zweites Nicolaiviertel; bei dieser Plattenbau-Idylle hört man doch noch im Hochsommer die Glöckchen vom Weihnachtsmarkt klingeln!
Das Museumsviertel, das Regierungsviertel, das Einkaufszentrum und das Börsenviertel: Gibt es in den Metropolen der Gegenwart überhaupt noch Stadtzentren im klassischen Sinne?
Es liegt im Wesen der modernen Großstadt, dass sie mehrere Zentren ausbildet und die Mischungen grobkörniger werden. Aber man kann auch gegensteuern. Ich war kürzlich in Hamburg, es hat mich beeindruckt, wie dort bei der Stadterweiterung mit der Hafen-City eine attraktive Mischung von Angeboten angestrebt wird, von der Elbphilharmonie über Kreuzfahrt-Terminals und Bildungseinrichtungen bis zu Wohnquartieren. Eine funktionierende Innenstadt braucht die Mischnutzung. Dafür können wir auf die Qualitäten der europäischen Stadt zurückgreifen – ohne Nostalgie.
– Das Gespräch führte Christiane Peitz.
Wolfgang Pehnt, 1931 in Kassel geboren, lebt als Architekturhistoriker und -kritiker in Köln. Er lehrt Kunstgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum, kuratiert Ausstellungen, publiziert und arbeitet vor allem zur Baugeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Pehnt ist ein leidenschaftlicher Experte in Sachen Rekonstruktion. Auch in der Berliner Schlossdebatte
meldete er sich kritisch zu Wort.
Seiner Website www.pehnt.de hat er ein Motto von Walter Gropius vorangestellt: Kein Dogma, sondern vermehrte Lebendigkeit. Zuletzt erschien von ihm „Deutsche Architektur seit 1900“ (DVA, 2005). Seine jüngsten Vorträge über den Umgang mit historischer Bausubstanz sind auf www.schlossdebatte.de nachzulesen.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 10.06.2009)
erbse June 11th, 2009, 02:48 PM Was für ein polemischer Stumpfsinn der da vom Wolfgang kommt, mit Verlaub.
Trotzdem danke für's Einstellen Katz, wenigstens weiß ich jetzt, dass die "Gegenseite" nur mit leeren Worthülsen um sich werfen kann.. :|
miau June 11th, 2009, 09:57 PM Ich finde du machst es dir ein bischen zu bequem, wenn du die 'Gegenseite' als stumpfsinnig und polemisch abstempelst (eigentlich machst du damit genau dasselbe, aber lassen wir das). Die Argumente die Hr Pehnt vorbringt entsprechen nun einmal der Meinung eines Teils der Bevölkerung und gehören genauso beachtet wie die Ideen der Rekonstruktion-Fans.
erbse June 12th, 2009, 04:49 AM Er bringt eben kein einziges objektiv begründetes Argument vor, was gegen den historischen Grundriss und kleinteilige Bebauung an dieser Stelle spräche. Würde er das tun, könnte ich mich damit arrangieren und darauf eingehen. Allerdings tut Herr Peint nichts weiter, als diese Ideen als Spinnereien zu verurteilen und sich der Diskussion solcher Leitgedanken zu verweigern. Und das macht ihn für mich zu einem Polemiker, der der Architektenkaste und dem linken Spektrum zum Munde redet. Ganz einfach.
miau June 13th, 2009, 09:54 AM Er bringt eben kein einziges objektiv begründetes Argument vor, was gegen den historischen Grundriss und kleinteilige Bebauung an dieser Stelle spräche. Würde er das tun, könnte ich mich damit arrangieren und darauf eingehen. Allerdings tut Herr Peint nichts weiter, als diese Ideen als Spinnereien zu verurteilen und sich der Diskussion solcher Leitgedanken zu verweigern. Und das macht ihn für mich zu einem Polemiker, der der Architektenkaste und dem linken Spektrum zum Munde redet. Ganz einfach.
Ich kann das echt nicht mehr ernst nehmen, Erbse.
erbse June 14th, 2009, 09:34 AM Achso. Und kannst du das auch begründen? :dunno:
Es ist doch offensichtlich, dass der Mann hier ein gewisses Publikum erreichen und mobilisieren will. Wenn das nicht polemisch ist, was dann?
ecotecture June 17th, 2009, 04:32 AM ...natürlich hat Berlin viel Geschichte zu erzählen, aber das bedeutet nicht das die Stadt sich nicht entwickeln darf, denn irgendwie muss ja auch wieder neue Geschichte geschrieben werden...
Es geht nicht darum, keine Geschichte mehr zu schreiben. Das ist doch albern.
Nur habe ich das Gefühl, dass man so schnell wie möglich alles bebauen möchte. Zum Teil sehr unüberlegt. Zum Teil auch ohne jegliches Taktgefühl gegenüber der Nachbarschaft.
Eines meiner aktuellen Lieblingsbeispiele ist der Admiralspalast. Gerade erst neu eröffnet. Von aussen sehr ansprechend. Und das was ich von innen bislang gesehen habe, ist auch sehr schön geworden.
Jetzt sieht man auf Tafeln, wie die Gebäude zwischen Admiralspalast und S-Bahn-Linie aussehen sollen. Gruselig. Einfallslos. Einfach unwürdig. Wie man diese Entwürfe genehmigen konnte, ist mir ein Rätsel.
So schreibt man keine Geschichte. Höchstens eine sehr schlechte und beschämende Geschichte. Die Geschichte von neumodischen Bausünden.
Oder der Hauptbahnhof. Wieviel Geld darin investiert wurde. Wie stolz man darauf ist. Und was setzen sie jetzt nur wenige Meter daneben? Ein hässliches 2-Sterne Hotel für Backpacker! Dieses unüberlegte Bauprojekt versperrt die Sicht auf den Schlauch des Bahnhofs. Da hätte man doch lieber den Schlauch in der anderen Richtung verlängern sollen, wie ursprünglich geplant, wenn ein hässliches Hotel den Schlauch in die andere Richtung ohnehin verstecken wird.
Ich finde prominente/historische Plätze sollten nicht so unüberlegt bebaut werden, nur weil da zufällig gerade Platz ist.
Es gibt ja noch genug Freiflächen in Berlin, die weniger prominent und historisch sind. Zumindest für die Schnellschüsse! Wenn man dann wirklich Geschichte schreiben will, dann darf man auch gerne die prominenten Plätze bebauen. Da habe ich nichts dagegen.
Prominente Plätze sollten nicht so unüberlegt zerstört werden. Ich wohne jetzt 10 Jahre in Berlin. Ich bin nicht wie viele Ur-Berliner gegen jegliche Neubauten. Aber ich habe in den letzten 10 Jahren auch viel Schrott entstehen sehen. Da wünsche ich mir wesentlich mehr Ästhetik und Feingefühl!
Bauer-Ewald October 5th, 2009, 09:31 PM Berlin I Neuer Markt - Aufbruch in die Vergangenheit: Für und wieder der Rekonstruktion historischer Plätze in Berlins Zentrum
Schlossterrassen, Molkenmarkt oder Petriplatz – viele Ortsmarken des historischen Stadtgrundrisses sind durch Krieg und DDR-Kahlschlag verschwunden. Berlin läuft Gefahr, dass Politik und Stadtentwicklung die historische Chance verspielen, diese zentralen Orte wiederherzustellen.
Wer sich in Hamburg oder München auf dem Rathausplatz, in Köln auf dem Alten Markt oder sagen wir mal in Stuttgart auf dem Schlossplatz verabredet, der braucht keinen wissenschaftlich ausgebildeten Stadtführer, um den Ort zu finden. In Berlin ist bekanntlich alles anders. Sucht man die Plätze in den (ehemaligen) Altstädten samt dem Schloss, wird es kompliziert. Diese Plätze sind nach der Teilung Berlins samt Schloss, Bauakademie und Petri-Kirche verschwunden. Auch als Einheimischer braucht man einen Stadtplan aus der Zeit vor 1945, um etwa den Schlossplatz am Rande der neu angelegten „Berliner Wiese“ zu verorten. Dies gilt auch für den Petriplatz, den Neuen Markt vor St. Marien oder den Molkenmarkt in der Nähe des Stadthauses.
Wenn es nach dem Willen des Senats geht, soll es bei diesem gleichermaßen erinnerungs- wie platzlosen Zustand in der Altstadt bleiben. In einer Mitteilung an das Abgeordnetenhaus vom Juli dieses Jahres heißt es dazu unter der Überschrift „Stadtentwicklungspolitische Grundsätze zur Gestaltung des grüngeprägten öffentlichen Stadtraums zwischen Spree und Alexanderplatz“: „ Berlin verfügt im Stadtzentrum zwischen Spree und Alexanderplatz über einen großen Freiraum, der zwar räumlich klar definiert wird durch die Rathaus- und die Karl-Liebknecht-Straße sowie durch die Stadtbahn und das zukünftige Humboldtforum, der aber keinen gängigen Namen besitzt. Er wird in den folgenden Darstellungen als ’Rathausforum’ bezeichnet. Der Namenvorschlag soll anklingen lassen, dass der Freiraum zwar vor fast zwanzig Jahren seine Bedeutung als Zentrumsbereich der Hauptstadt der DDR verloren hat, aber seither als Stadtraum am Roten Rathaus eine neue Bedeutung für Berlin als Bundesland und Kommune übernommen hat.“
Das namenlose Fragment des ehemaligen DDR-Staatsraumes wird aber auch durch diese neuerliche reformatorische Umtaufe in ein „Rathausforum“ nicht zu „dem Ort im Zentrum Berlins“, auch wenn hier angeblich ein „Panoramablick auf Zeugnisse aus 750 Jahren Stadtgeschichte möglich ist“. Angesichts der Tatsache, dass hier mit Ausnahme der einsamen St. Marienkirche lediglich das hilflose Arrangement der DDR eines Marx-Engels-Forums und der Neptunbrunnen zu sehen sind, wünscht man sich zwanzig Jahre nach dem Mauerfall weniger verquastes Planerdeutsch und klarere politische Aussagen über den Umgang mit einem Kernbereich der Berliner Altstadt. Immerhin waren selbst nach der Fertigstellung des Fernsehturms (1969) der Neue Markt, die Heiligegeist-Straße etc. noch gut erkennbar und etliche gut erhaltene Gebäude warteten auf den Abriss. Vierzig Jahre später stellt sich die Frage, ob Martin Luther wirklich für alle Zeiten auf dem Nordteil des Marienkirchhofes verbleiben soll oder nicht doch, wie die Gemeinde es wünscht, wieder auf seinem angestammten Platz auf dem Neuen Markt vor der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Pfarrkiche St. Marien aufgestellt werden sollte? Und was würde dann mit dem Neptun-Brunnen passieren ? Ermöglichte das Nebeneinander von Schlossbrunnen, Luther-Denkmal und dem schräg gegenüberliegenden Marx-Engels-Denkmal dann immer noch einen qualitätsvollen „Panoramablick auf Zeugnisse 750 Jahre Stadtgeschichte“ oder würde das Ergebnis nicht eher ein Blick in die Gruselkammer jüngster Berliner Stadtbaugeschichte sein? Sprachlich eleganter verglich Kurt W. Forster diesen Stadtraum bereits 1993 mit den frühen Raumdarstellungen Giorgio de Chiricos. „Wie die Bilder de Chiricos versetzt auch diese städtische Bühne alle ihre Objekte in eine Art historischen Stillstand.“ Zur Attraktivität des Bildes sollen nach dem Willen des Senats schließlich noch „archäologische Fenster“ mit Blick auf die Fundamente besonders bedeutender ausgegrabener Bürgerhäuser beitragen. Dabei geht es an dieser Stelle nicht um Archäologie, sondern um eine entwurfliche Auseinandersetzung mit den Brüchen und Zerstörungen seit der Mitte der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts an deren Ende, wenn es gut geht, so etwas wie ein Ensemble schöner Plätze und Straßen mit zeitgenössischer Architektur entstehen könnte.
Wenn die Aussicht auf eine Zukunft des historischen Zentrums Berlins als Rathausforum mit archäologischem Fenster nicht so deprimierend wäre, könnte man einen solchen „Panoramablick“ den Besuchern des Humboldtforums vielleicht als Berliner Open-Air-Beitrag zum Thema „Kulturen der Welt“ anbieten. Was außer einer geistig-politischen Blockade spricht eigentlich gegen eine Rekonstruktion des in der Mitte des 13. Jahrhundert angelegten, zuletzt begrünten Neuen Marktes mit Luther-Denkmal? Und warum entschließt sich der Senat nicht zur erstmaligen Anlage eines angemessen dimensionierten Rathausplatzes mit den beiden optimistischen Bauarbeiterplastiken sowie mit schönen und vielleicht sogar etwas repräsentativen U-Bahneingängen? Und ist es nicht naheliegend, den Schlossbrunnen wieder auf den Schlossplatz zu positionieren, um so dem Humboldtforum von Franco Stella einen attraktiven Blickpunkt zu verschaffen? Und ist nicht eigentlich die Rekonstruktion der Schlossterrassen auf der Lustgartenseite mit den Rossbändigern (Peter Jacob Cloth) logischer Teil des Schlossbauprogrammes?
Stattdessen wird für den Schlossplatz und das weitere Umfeld derzeit ein Wettbewerb vorbereitet, wahrscheinlich mit der unausgesprochenen Begründung, wenigstens bei der Platzgestaltung der architektonischen Sprache unserer Zeit eine Chance zu geben. Was spricht eigentlich gegen eine Art Kritische Rekonstruktion der Schlossaußenräume nach dem Vorbild des Schinkel-Platzes?
Gut, dass wenigstens der Schinkelplatz vor der Bauakademie wieder entsteht. Dieser für eine Altstadt relativ junge, d. h. 1860 nach den Plänen von P. J. Lenné angelegte dreieckige Platz wird von der Gartendenkmalpflege samt seinen drei Denkmälern (Schinkel, Beuth, Thaer) gerade rekonstruiert. Seit Errichtung von Schinkels Bauakademie (1831– 1836) war der Platz am Spreekanal bis zum Abriss im Jahr des Mauerbaus 1961 Teil einer raffinierten Platzfolge auf dem (1662) innerhalb der Stadtbefestigung angelegten Friedrichswerder.
Den Mittelpunkt dieser ersten Stadterweiterung bildete der Werdersche Markt mit der ebenfalls von Schinkel gebauten Kirche, der 1799 von Gentz errichteten Münze und dem 1849 von Hermann Gerson erbauten ersten Berliner Kaufhaus. Vom Werderschen Markt gelangte man über die Schleusenbrücke und die Straße „An der Stechbahn“ zum Schlossplatz und von hier aus über die Brüderstraße vorbei am Nicolaihaus zum Petriplatz.
Die durch die Bauten Schinkels dominierte Platzfolge überstand auch die Zerstörungen am Ende des Zweiten Weltkrieges, nicht aber die Planungen für Berlin als „Hauptstadt der DDR“. Obwohl der Wiederaufbau der Bauakademie 1952 nach den Plänen von R. Paulick bereits begonnen hatte, wird sie ab 1961 für den Bau des Außenministerium der DDR abgebrochen. Mit der Bauakademie als geometrischem Drehpunkt verschwanden aber auch die beiden Plätze.
Der programmatisch als Marx-Engels-Platz bezeichnete „zentrale Platz“ zwischen dem Alten Museum und Staatsratsgebäude hatte entsprechend den 1950 in der DDR verabschiedeten Grundsätzen des Städtebaus ausdrücklich keine städtische Funktion, sondern war als Ort für „politische Demonstrationen und Aufmärsche“ des autoritären Einheitsparteienstaats angelegt. Auch wenn diese Geste eines totalitären Herrschaftsanspruches zuletzt in der profanen Nutzung eines Busparkplatzes vor dem „Palast der Republik“ endete, verschlang sie doch drei Plätze sehr unterschiedlichen Charakters: den Werderschen Markt, den Schinkelplatz, den Schlossplatz, die Schlossterrassen und dem Kleinen Platz vor dem Apothekerflügel, auf der anderen Seite den Lustgarten und zum Nachtisch noch die Bauakademie. Nur die Friedrichwerdersche Kirche blieb erhalten, verkam jedoch zum isolierten Objekt an der Rückseite des DDR-Außenministeriums. Opfer dieses von Bruno Flierl „Staatsforum der DDR“ genannten Raumes wurde auch der störende 1891 auf dem Schlossplatz aufgestellte Neptunbrunnen (R. Begas). Der Mittelpunkt des Marx-Engels-Platzes sollte auf keinen Fall die in Anlehnung an Berninis Vierströmebrunnen in Rom von R. Begas entworfene und 1891 als Geschenk der Stadt enthüllte neobarocke Brunnenkomposition, sondern ein Marx-Engels-Denkmal bilden.
Gedacht war an eine Aufstellung im Bereich des Kaiser-Wilhelm-Denkmals. Auf den Bau dieses Marx-Engels-Denkmals, das dem Staatsforum der DDR immerhin einen postwilhelminischen Sinn gegeben hätte, wurde jedoch später zugunsten der Aufstellung im sog. Marx-Engels-Forum auf der Altstadtseite verzichtet. Seit 1986 bildete das Denkmal als Mittelpunkt eines „in Riesendimensionen aufgeblasenen Kleinbürgerparks“ zusammen mit dem 1969 aufgestellten Neptunbrunnen eine Art Staatsachse zwischen dem Palast der Republik und dem Fernsehturm mit der geradezu dekonstruktivistisch eingestellten und leicht abgesenkten Kirche von St. Marien. Auf diesen namenlosen Raum konzentriert sich nach der Entscheidung für das Humboldtforum die aktuelle politische Debatte mit der Fragestellung Rekonstruktion „Neuer Markt“ und Wiederaufstellung des Luther-Denkmals oder Weiterentwicklung der Staatsachse zu einem „Rathausforum“.
Doch zurück zum Marx-Engels-Platz, der nach dem Fall der Mauer offenbar ohne Blick auf einen alten Stadtplan in Schlossplatz unbenannt wurde. Immerhin erinnerte diese falsche Namensgebung daran, dass auf dem neuesten Schlossplatz bis 1950 das Schloss gestanden hat. Auch solche Namensgebungen sind letztlich ein Zeichen für den Zustand fortgeschrittener Amnesie.
Zu den von den Verteidigern der Anlage des „Staatsforums“ der DDR gerne übersehenen Folgen gehört nicht nur die Abriegelung der auf den Schlossplatz einmündenden Brüderstraße durch das Staatsratsgebäude, sondern die Auslöschung des Stadtgrundrisses von Cölln mit dem Bau einer stadtautobahnähnlichen Hauptverkehrsstraße. Die Straße begräbt die alte Gertraudenstraße, den Petri-Kirchplatz und Cöllnischen Fischmarkt unter einem achtspurigen Asphaltband, so dass von der ursprünglichen Platzgestaltung in Cölln, der beiderseitigen Bebauung der Gertraudenstraße und der platzartigen Erweiterung vor dem Mühlendamm nichts mehr zu erkennen ist.
Natürlich ist diese brutale Stadtzerstörung zur äußeren Erschließung des Staatsforums der DDR als ein Teil der straßenplanerischen DDR-Moderne auch Geschichte in einer Form, wie sie sich auf der anderen Seite der Mauer abspielte. Aber ist dieser Teil der Geschichte jenseits seiner straßenverkehrlichen Funktion als großzügige Ost-West-Durchquerung durch die beiden Altstadtkerne stadtbaukulturell so bedeutsam, dass man auf jede Art von Vergegenwärtigung des ehemaligen Stadtgrundrisses verzichten soll? Die Frage stellt sich um so dringender, als inzwischen der Gemeindekirchenrat von St.Petri/St. Marien den Bau eines neuen Kirchengebäudes am historischen Standort Petriplatz beschlossen hat.
Mit der Auslöschung der genannten Plätze für das Staatsforum der DDR im näheren Umfeld des Schlosses war der Prozess der Transformation der Stadt in einem Raum des Staates und damit das Verschwinden weiterer Stadtplätze leider noch nicht abgeschlossen. Im Gegenteil, in Altberlin stand das eigentliche Drama mit dem Durchbruch der Grunerstraße durch Altberlin in Richtung Molkenmarkt und die Anlage des Marx-Engels-Forums zwischen Fernsehturm und Spree noch aus. Geopfert wurden für diese Maßnahmen nicht nur die von den Bomben des Krieges verschonte Bebauung, sondern der älteste Platz Berlins: der Molkenmarkt.
Zugegeben, der Molkenmarkt war auch schon im Mittelalter eine Art Verkehrsknoten. Hier teilten sich von Cölln kommend die Wege zum Spandauer und zum Stralauer Tor. Trotz gewaltiger Veränderung der Bebauung und wachsendem Verkehr blieb der Platz jedoch als Raum bis in die frühe NS-Zeit erhalten. Erst nach den Plänen des Generalbauinspektors sollte vor dem Stadthaus auf Kosten eines Baublockes ein neuer Molkenmarkt und das die Altstadt sprengende Verwaltungszentrum Berlins entstehen. Als Teil der Bauvorbereitung wurden dazu große Teile der Bebauung zwischen Molkenmarkt und Jüdenstraße abgerissen. Der Grundriss des Platzes blieb jedoch bis in die sechziger Jahre erhalten. Seitdem (also seit der NS-Zeit) befindet sich das Stadthaus gut sichtbar in einer stadträumlichen Position, als sei es vom Architekten Ludwig Hoffmann wie ein auf eine Achse ausgerichtetes Schloss geplant.
Dieser Eindruck hat sich besonders nach weiteren „Freilegungen“ im Zuge der DDR-Straßenplanung, die auch den Platz selber unterpflügte, verstärkt. Die Versuche, mit dem Planwerk von 1996/99 den alten Platz und die irreführende stadträumliche Ausrichtung zugunsten einer Wiederaufnahme der Jüdenstraße wieder zu beseitigen, scheiterte am Widerstand der Straßenverkehrslobbyisten im Senat. Erst fünf Jahre nach der Beschlussfassung zum Planwerk wurde im April 2004 ein Konzept vorgelegt, das diese durch rücksichtslose Enteignungen und Abrisse erfolgte Freilegung wieder rückgängig zu machen versuchte. Auch der Molkenmarkt sollte als Stadtraum wieder sichtbar werden. Der Gründungsort Berlins hätte so zwar nicht als Marktplatz, aber doch als großstädtischer dreieckiger Verkehrsplatz mit dem Namen Molkenmarkt die Stadtgeschichte vergegenwärtigt.
Die Hoffnung, dass nach dem Ende der Großen Koalition in einer rot-roten Stadtregierung die kritische Rekonstruktion dieses Platzes möglich sei, erfüllte sich leider nicht. Zwar wurde ein teilweiser Rückbau der Grunerstraße beschlossen, der Molkenmarkt bleibt aber auch in der neuen Koalition unter dem Asphalt verschwunden. Und es kommt noch schlimmer. Der Koalitionspartner – Die Linke – beharrte zunächst darauf, den in der NS-Zeit abgeräumten Block zwischen Jüdenstraße und Molkenmarkt gänzlich unbebaut zu lassen. Schließlich einigten sich die Koalitionäre im Juli 2009 auf Druck der Linken auf die Anlage eines noch namenlosen Platzes vor dem Stadthaus.
Dabei ist der jetzt verabredete Straßenverlauf mit seinen verkehrsdynamischen Rundungen trotz anderslautender Aussagen eine völlig aus der Zeit gefallene tiefe Verbeugung vor dem Straßenverkehr. Einer Stadt aber, die sich nach dem Fall der Mauer wieder in die Tradition europäischen Städtebaues gestellt hat, sollte die Wiedergewinnung seiner historischen Plätze als Orte ihrer besonders im 20. Jahrhundert dramatischen Geschichte ein besonderes Anliegen sein. Nach dem Abriss der Häuser erzählen schließlich nur noch die Plätze mit ihren unterschiedlichen Dimensionen, Formen, Namen, Denkmälern und Brunnen von den gesellschaftlichen Verhältnissen Berlins vor der Überformung der Altstädte zum Staatsraum der DDR.
Wer Befürchtungen hegt, die Planungspolitik dieser gerne DDR-Moderne genannten Periode sei nach der Wiedergewinnung der Plätze von nachfolgenden Generationen nicht mehr erlebbar, dem empfehle ich einen Blick auf die unübersehbare architektonische Prägung dieses Raumes durch die Bebauung an der Rathaus- und Karl-Liebknecht-Straße sowie durch den die Stadtsilhouette auch zukünftig dominierenden „Turm der Signale“ (H. Henselmann). Seine Wirkung entfaltet der Fernsehturm zur räumlichen Fixierung des Zentrums von Berlin, in der Fernsicht auch der Wiedergewinnung der Altstadtplätze. Im historischen Zentrum angekommen, träfe man sich dann in ein paar Jahren wie in Hamburg, München, Köln oder Stuttgart auf den Plätzen und Märkten, die die Stadt über Jahrhunderte prägten. Sehen wir uns am Neuen Markt?
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 05.10.2009)
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Molkenmarkt-Schlossterrassen-Stadtplanung;art270,2915806
Kampflamm December 18th, 2009, 07:06 PM Nice...
http://www.tagesspiegel.de/storage/scl/fotostrecken/berlin/rathausforum/314672_m0w700h465q80s1v46497.jpg
http://www.tagesspiegel.de/storage/scl/fotostrecken/berlin/rathausforum/314671_m0w700h465q80s1v439.jpg
erbse December 18th, 2009, 07:25 PM :?
Klimakatastrophe? Spreeumleitung? Tretboothafen?
tanosmile December 20th, 2009, 08:58 PM Nice...
http://www.tagesspiegel.de/storage/scl/fotostrecken/berlin/rathausforum/314672_m0w700h465q80s1v46497.jpg
http://www.tagesspiegel.de/storage/scl/fotostrecken/berlin/rathausforum/314671_m0w700h465q80s1v439.jpg
:rock::^^^:rock:
Deadeye Reloaded December 20th, 2009, 09:15 PM Sieht aus wie die Binnenalster in Hamburg.
Gute Idee. Approved.
Knuddel Knutsch December 20th, 2009, 09:46 PM sehr sehr geiler Entwurf.
Bitte bauen---sofort.
d.henney December 21st, 2009, 01:05 AM Platz für nen schwimmenden Weihnachtsmarkt. ;)
Ne coole Idee ists ja, aber diese glatten, weissen Treppen passen net … Ausserdem bin ich irgendwie skeptisch. Das da passt da auch hin …
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/de/Berlin_stadtansicht_mit_schloss_1891.jpg
hmmmmm …
Leine1977 December 21st, 2009, 04:50 PM ^^ Sim City für Erwachsene - so kommt es mir vor.
(Den Flußarm find ich trotzdem cool. Das Rathaus kommt gut zur Geltung.)
erbse December 21st, 2009, 04:56 PM Die Idee ist so gut, dass ich beginne, an der Sinnhaftigkeit einer Altstadtrekonstruktion zu zweifeln. Und das geschieht schon verdammt selten. Aber die Berliner Altstadt war zumindest in diesem Kernbereich leider auch sehr unbedeutend.
Hauptstadt-Patriot December 21st, 2009, 05:11 PM sieht verdammt geil aus!!!
bitte baut es sofort!!
...die konkrete planung soll schnellstmöglich los gehen, denn sonst ist es möglicherweise zu spät (wegen der geplanten u-bahnlinie)..
iRobert December 22nd, 2009, 03:06 AM Hier 2 Links zu Artikeln der Morgenpost.
http://www.morgenpost.de/berlin/article1224771/Fuenf-Vorschlaege-fuer-Berlins-Geburtsort.html
http://www.morgenpost.de/kultur/berlin-kultur/article1227370/Wie-Stadtplaner-die-Identitaet-Berlins-verleugnen.html
Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, als Herrscher im Roten Rathaus selbst Anlieger und mit den aktuellen Schwächen des Viertels vertraut, hatte schon im Sommer deutlich gemacht, dass er für eine Wiederbebauung der einstigen Altstadt ist, genauso wie sein Kulturstaatssekretär André Schmitz, der die Pläne Lüschers bereits als „geschichtslos“ abgelehnt hat.
Sehe ich genauso... diese Ausnutzung der Freiflächen erschüttert mich. Man füllt diese Leere mit Leere!
Visualisierungen sehen auf den ersten Blick immer schön und verlockend aus. Es ist für mich persönlich allerdings immer wichtig, altes dagewesenes in neue Ideen und Inspirationen mit einzufliesen zu lassen.
http://www.tagesspiegel.de/storage/scl/fotostrecken/berlin/historischemitte/277940_m0w700h465q80v37939.jpg
http://www.tagesspiegel.de/storage/scl/fotostrecken/berlin/historischemitte/277938_m0w700h465q80v36403.jpg
http://www.tagesspiegel.de/storage/scl/fotostrecken/berlin/historischemitte/277937_m0w700h465q80v1296.jpg
http://www.tagesspiegel.de/storage/scl/fotostrecken/berlin/historischemitte/277936_m0w700h465q80v43122.jpg
Grüßle :grouphug:
Robert Marschelewski
Hauptstadt-Patriot December 22nd, 2009, 03:57 AM so ein quatsch...es reicht schon wenn das schloss wiederaufgebaut wird...man muss es aber mit dem wiederaufbauen nicht übertreiben!
man könnte ja vielleicht sone art mahnmal in die mitte des gewässers setzen (da wo heute das MEF ist) und das nachts schön beleuchten...
..dann wären alle zufrieden..
Skyline_FFM December 22nd, 2009, 09:27 AM Wieso eigentlich immer überall Wasser? Ich finde Berlin braucht nicht nur Freiflächen. Die Stadt ist ja bereits sehr grün, hat ihre Wasseläufe; was eben noch zu wenig vorhanden, ist gute und sehenswerte Architektur - zumindest im Vergleich zur Größe der Stadt. Ich finde allein schon die Größe dieser Wasserfläche maßlos übertrieben und es sieht ehrlich gesagt gar nicht so toll aus.
Wer sich für sowas ausspricht, sollte dann andererseits nicht über Dubais "Aufgesetztheit" lästern....
erbse December 22nd, 2009, 05:38 PM Bevor solche banalen Allerweltsinvestorenkisten wie jene gezeigten in die historische Mitte gepflanzt werden, bevorzuge ich tatsächlich die Wasserfläche. Diese zwar akzeptable, aber belanglose Architektur hat Berlin zur Genüge zu bieten. Ich finde auch nicht, dass die Wasserfläche künstlich wirken muss. Wirkt die Hamburger Innenalster künstlich? Letztlich auch elbgespeist. In Berlin dann eben durch die Spree. Das könnte sehr gut werden.
An eine zufriedenstellende Altstadtrekonstruktion glaube ich schon gar nicht. Die Initiative dazu schläft schon jahrelang. Da erwarte ich mir keine großen Resultate.
Das muss das erste Mal sein, dass ich vom Gedanken der Wiederaufnahme historischer Stadtstrukturen abgebracht wurde.
Die Wasserfläche bietet gegenüber einer vorschnellen Bebauung mit Flachdachkisten (s. oben) natürlich auch die Zukunftsoption auf eine Altstadtrekonstruktion. Letztlich Win-Win, nicht?
youngwoerth December 22nd, 2009, 06:09 PM Bevor solche banalen Allerweltsinvestorenkisten wie jene gezeigten in die historische Mitte gepflanzt werden, bevorzuge ich tatsächlich die Wasserfläche.
Ganz meine Meinung. Komisch, daß das im APH niemand so sieht. Ist doch selbstverständlich, daß es dort kein Rekoviertel à la Neumarkt geben wird. Da werden maximal die alten Straßenverläufe wiederhergestellt, flankiert von der üblichen Belanglosigkeit. Wie traumhaft dagegen solch eine noble Binnenalster!
schum-ho December 23rd, 2009, 12:37 AM Ich weiß nicht so recht. So eine Wasserfläche wie die Binnenalster erscheint ja schon recht reizvoll. Aber ausgerechnet anstelle der historischen Mitte? Statt einer lebendigen, urbanen Altstadt?
Es geht ja noch einige Zeit ins Land, bevor es da überhaupt mal losgehen kann.
Dieser (fantastische!!) Artikel liefert einige gute Denkanstöße und kritisiert die neue Senatsbaudirektorin Lüscher für ihren Nihilismus im Umgang mit Berlins Historie:
(Nehmt an der Umfrage teil!)
HISTORISCHE MITTE
Wie Stadtplaner die Identität Berlins verleugnen
VON RAINER HAUBRICH 21. Dezember 2009, 17:24 Uhr
Die Mitte ist leer: Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher legt Visionen für das historische Zentrum vor. Lange ist nicht mehr so gegen die Identität der Stadt geplant worden. Eine Idee erinnert sogar an Dimensionen, die in der Geschichte des Städtebaus eigentlich nur Faschisten und Sozialisten in Entzücken versetzten.
http://www.welt.de/multimedia/archive/1261045980000/00979/Spreeufer4_becken_D_979308g.jpg
Boot fahren vor dem Roten Rathaus: So sieht eine Architekten-Vision für die Mitte Berlins aus.
Wahrscheinlich ist es die letzte große Debatte, die um das Zentrum der Hauptstadt geführt wird. Überall sonst zeichnen sich die Konturen des neuen Berlin inzwischen deutlich ab: rund um den Gendarmenmarkt, am Potsdamer Platz, im Spreebogen, rings um den neuen Hauptbahnhof und am Alexanderplatz. Auch das Humboldt-Forum in Gestalt des ehemaligen Stadtschlosses geht in die konkrete Planungsphase.
Nur eine große Wunde klafft noch in der Innenstadt: die begrünte Freifläche zwischen Alexanderplatz und Schloss. Hier standen einst die ältesten Quartiere Berlins, bis sie im Krieg schwer getroffen und von der DDR abgeräumt wurden, um alle Spuren des bürgerlichen Berlin zu tilgen und stattdessen das Ideal einer sozialistischen Stadt zu bauen – mit dem Fernsehturm als Siegessäule.
Die Debatte um die Zukunft dieses Areals ist nicht neu. Schon im Mai war sie wieder aufgebrochen, als der seit drei Jahren pensionierte ehemalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann ein Buch über die Geschichte der Berliner Altstadt vorlegte, das auch Vorschläge für eine kleinteilige, dichte Wiederbebauung der Freifläche entlang der historischen Straßenzüge enthielt.
Jetzt aber erhält der Streit neue Nahrung und neue Dramatik, weil die Nachfolgerin Stimmanns, die bisher eher blasse Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, drei Architekturbüros beauftragt hat, spektakuläre Visionen zu entwerfen. Diese sollen jetzt öffentlich diskutiert werden, damit noch vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl des Jahres 2011 Beschlüsse gefasst werden können.
Wobei „spektakulär“ eher ein Euphemismus ist: Einer dieser Entwürfe zählt zum Absurdesten, was seit Jahrzehnten in Berlin von offizieller Seite vorgeschlagen wurde: Das gesamte Areal soll planiert werden zu einem gigantischen steinernen Forum.
Berlin fehle ein zentraler Ort für Großveranstaltungen, findet die Schweizer Stadtplanerin, die zuvor in der Bauverwaltung von Zürich gearbeitet hatte. Und den kann sie sich ausgerechnet zwischen den beiden ältesten Kirchen der Stadt vorstellen.
Wer soll das ernst nehmen? Wenn auf diesem überdimensionierten Kasernenhof nicht gerade ein Demonstrationszug zur Abschlusskundgebung aufläuft oder ein Popkonzert stattfindet, wird man diese zementierte Ödnis die meiste Zeit des Jahres bei Hitze, Regen oder Wind so hastig durchqueren, wie man es einst beim Parkplatz vor dem Palast der Republik tat.
Man muss sich die Größenverhältnisse vor Augen führen, um den Irrsinn dieser Idee zu erkennen: Es geht um die Fläche von rund 20 Fußballfeldern, hier könnte man die gesamte neue Potsdamer-Platz-Bebauung unterbringen oder mehr als ein Dutzend der Häuserblocks rund um den Gendarmenmarkt.
Der fantasierte Platz wäre um einiges größer als der Rote Platz in Moskau und nochmal um die Hälfte größer als Albert Speers Zeppelinfeld auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg – was deutlich macht, dass wir uns hier in Dimensionen bewegen, die in der Geschichte des Städtebaus eigentlich nur Faschisten und Sozialisten in Entzücken versetzten.
Freude kam aber offensichtlich auch bei den Büros auf, die Lüscher für ihren Coup ausgesucht hat: der Brite David Chipperfield (er restaurierte das Neue Museum auf der Museumsinsel), die „Brad-Pitt-Architekten“ des deutschen Büros Graft, dazu die Landschaftsarchitekten Kiefer.
Es ist nicht nachvollziehbar, wie drei Büros, die Berlin-Erfahrung haben und deren Architekten die noch erhaltenen Altstadtquartiere schätzen und selber nutzen, für die ältesten Teile Berlins solch einen Jahrmarkt der Visionen präsentieren können.
Denn auch die anderen Entwürfe sind von einer Stadtfeindschaft, die man längst überwunden glaubte. Einer sieht vor, das gesamte Areal bis zur Marienkirche auszuschachten und mit dem vorbeifließenden Spreewasser zu einem Hafenbecken zu fluten – nach dem Vorbild der Hamburger Binnenalster.
Aber liegt diese zwischen den beiden ältesten Kirchen der Stadt, direkt vor dem Rathaus, wie das nun für Berlin vorgeschlagen wird? Der Rest ist gängige Stadtflucht ins Grüne: Mal soll ein Urwald die gesamte Fläche überwuchern, mal könnten zwischen dem Grün historische Straßenzüge angedeutet und Kellerreste zerstörter Häuser freigelegt werden.
Der Gegensatz zu Stimmanns Vorschlägen könnte größer nicht sein, auch in der Terminologie. Während der gebürtige Lübecker von der „Altstadt“ oder dem „Marienviertel“ spricht, heißt das heute namenlose Areal bei Lüscher „Rathausforum“. Wo Stimmann von konkreten Straßenzügen, Häusern und Bewohnern schreibt, geht es bei Lüscher um einen „Raum der kreativen Visionen“.
Was in diesem Raum offenbar überhaupt keinen Platz beanspruchen darf, ist die Tradition der europäischen Stadt, die ja bis heute nichts von ihrer Faszination und Popularität eingebüßt hat. Es geht um jenes halb zufällige, halb geplante Muster von Straßen und Plätzen, jene spannungsvolle Abfolge von Enge und Weite, die man erlebt, wenn man eine Weile durch Gassen gelaufen ist und sich der Korridor plötzlich öffnet auf einen Platz, einen kleinen Park oder einen Fluss. Es geht um lebendige, dichte Quartiere, in denen gearbeitet, gewohnt und eingekauft wird, die Ruhepunkte bieten und Abwechslung, mit Kinos und Theatern, Museen und Kirchen.
Dieses Kontinuum zeichnete auch Berlin bis zum Zweiten Weltkrieg aus, bevor die Bomben und die Abrissbagger kamen. Nach dem Fall der Mauer gelang es unter der Ägide Hans Stimmanns, an vielen Orten des Zentrums dieses Stadtgefühl wiederherzustellen.
Die Friedrichstraße ist wieder ein belebter Korridor geworden, besonders um die Kreuzung zur Allee Unter den Linden, die durch behutsame Ergänzungen wieder einen großartigen Zug erhalten hat vom Brandenburger Tor bis zum Schlossplatz. Das Karree des Gendarmenmarktes ist wieder komplett, der Hackesche Markt mit Häuserzeilen neu gefasst, der Schinkelplatz nach alten Plänen neu angelegt. Auch der bisher ausfransende Alexanderplatz hat durch erste Ergänzungen mehr Halt bekommen.
Dieses staunenswerte Aufbauwerk bliebe unvollendet, wenn ausgerechnet im Herzen Berlins, wo alle Wege der Stadt zusammenlaufen, die stadtfeindliche Moderne der Nachkriegszeit triumphierte. Deshalb ist es so wichtig, mit dem gewaltigen Kubus des Stadtschlosses den Dreh- und Angelpunkt des Zentrums wiederherzustellen, und deshalb ist es nicht weniger wichtig, auch dem heute gähnend leeren Gründungsort Berlins wieder Gestalt zu geben, auf den sich das Schloss einst bezog.
GESCHICHTSLOS NACH DER WIEDERVEREINIGUNG
Wie geschichtslos das Herz Berlins noch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ist, zeigt ein Vergleich mit den führenden Metropolen Europas. In Paris ist bis heute erfahrbar, wo die Wurzeln der Stadt liegen. Man spaziere von den Cluny-Thermen an der gotischen Kirche St. Severin vorbei über die Ile de la Cité mit der Kathedrale Notre Dame über die Pont Neuf bis zur spätgotischen Kirche St. Merri, dann durch die Rue St. Honoré zum Louvre hinüber.
Wäre es nach Le Corbusier gegangen, wäre dieses Viertel ähnlich ausradiert worden wie die Berliner Altstadt. Eine vergleichbare Freifläche wie an der Spree schuf man in Paris Ende der Siebzigerjahre an der Stelle der Markthallen, nicht aber, um einen Platz oder Park anzulegen, sondern für das neue Quartier Les Halles, ein missglücktes Ensemble, aber immerhin städtisch gedacht.
Selbst im teilweise kriegszerstörten und entstellten Zentrum Londons lassen sich die Anfänge der Stadtgeschichte noch heute erlaufen, von der ältesten Kirche der Stadt All Hallows am Tower über die Cannon Street, die Kathedrale St. Paul’s und die Fleet Street bis zur Temple Church aus dem 12. Jahrhundert. Was auch immer an Bausünden in der City of London entstand – eine Freifläche von Berliner Ausmaßen gehört nicht dazu.
Wo nach dem Krieg neben St. Paul’s ein Hauch von DDR in Form von Hochhauskästen entstand, am Paternoster Square, hat man diese vor Jahren beherzt abgerissen, um die historischen Straßenzüge wiederherzustellen und mit klassischen Häuserblocks zu bebauen.
VERGLEICHBARE FIXPUNKTE VORHANDEN
Vergleichbare Fixpunkte der Stadtgeschichte sind ja auch in Berlin noch vorhanden. Sie warten nur darauf, wieder in eine sinnfällige Beziehung zur sie umgebenden Stadt gesetzt zu werden. Dies wird nur gelingen mit einer verdichteten, intimeren Bebauung, wie sie schon zu DDR-Zeiten um das älteste Gotteshaus der Stadt, die Nikolaikirche, entstand.
Bei aller Kritik am architektonischen Detail zeigt das Viertel doch den richtigen Maßstab. Ein ähnlicher Rahmen könnte der verloren im Raum stehenden gotischen Marienkirche ihre Würde zurückgeben, etwa durch die Wiederherstellung der Umrisse des Neuen Marktes, den die Kirche einst dominierte.
Vor dem Roten Rathaus könnte ein – früher nicht vorhandener – neuer Platz entstehen und zur Spree ein weiterer, auf dem die Statuen von Marx und Engels besser zur Geltung kämen als auf dem heute zugigen Marx-Engels-Forum. Aus dem dichten Quartier dieser neuen Altstadt nach Westen hinaustretend, würde dann auch der Maßstabssprung des Schlossbezirks mit Lustgarten, Dom und Altem Museum viel deutlicher erfahrbar, ebenso die Öffnung des Stadtraums zum großstädtischen Alexanderplatz nach Osten.
GEWACHSENES GEFÜGE DES STADTKÖRPERS
Dieses historisch gewachsene Gefüge des Stadtkörpers – das ja keineswegs nur in Geschichtsbüchern steht, sondern bis heute für jeden einigermaßen sensiblen Betrachter sinnlich erfahrbar ist – diese DNS Berlins ist in den Visionen Lüschers nicht mehr lesbar.
Ob das in einer Stadt für Proteste sorgen wird, deren Bevölkerung seit dem Fall der Mauer zur Hälfte ausgetauscht wurde, ist schwer vorauszusagen. Noch bleibt ja Zeit. Denn die Schlossbaustelle und die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor werden Teile des Areals auf Jahre blockieren, mit einer möglichen Umgestaltung ist nicht vor 2017 zu rechnen.
Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, als Herrscher im Roten Rathaus selbst Anlieger und mit den aktuellen Schwächen des Viertels vertraut, hatte schon im Sommer deutlich gemacht, dass er für eine Wiederbebauung der einstigen Altstadt ist, genauso wie sein Kulturstaatssekretär André Schmitz, der die Pläne Lüschers bereits als „geschichtslos“ abgelehnt hat.
Vielleicht ist es auch am besten, wenn noch viele weitere Kopfgeburten den von Lüscher eröffneten „Raum der kreativen Visionen“ bevölkern. Denn neben diesen kann sich die Verführungskraft der historischen Altstadt-Ansichten umso wirkungsvoller entfalten.
So war es ja auch in der Debatte um den Wiederaufbau der Hohenzollernresidenz. Je absurder die Vorschläge zeitgenössischer Architekten wurden, umso mehr wuchs die Zustimmung zur Rekonstruktion des Schlüterschen Barock. Und gebaut wird nun das Schloss.
Die Entwürfe werden vom 7. bis 19. Januar 2010 im Lichthof der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Am Köllnischen Park 3 ausgestellt.
Literatur: Hans Stimmann (Hg.), Berliner Altstadt. Von der Staatsmitte zur Stadtmitte, DOM Publishers, 160 S., 38 Euro
von http://www.welt.de/kultur/article5603297/Wie-Stadtplaner-die-Identitaet-Berlins-verleugnen.html#vote_5559909
Unter dem Artikel gibt es noch ein Video "Überblick über Berlins historische Mitte", da lohnt auch ein Blick rein!!
youngwoerth December 24th, 2009, 02:03 PM Aber ausgerechnet anstelle der historischen Mitte? Statt einer lebendigen, urbanen Altstadt?Wie gesagt, die wird es nicht geben. Im besten Fall entsteht hier die Fortsetzung von Friedrichstraße und Townhouses. Dazwischen vielleicht drei Rekos.
gstolze December 26th, 2009, 11:37 AM Die Bebauung als Viertels mit Blockrandbebauung würde mir aber besser gefallen als diese Wasserfläche. Vor dem Roten Rathaus ein netter Stadtplatz und endlich auch eine würdige Umbaung der Marienkirche, damit wäre viel gewonnen.
Bauer-Ewald March 14th, 2010, 01:31 PM Entwürfe für die "Neue Alte Mitte" zwischen Alexanderplatz und Humboldt-Forum: Eine Ausstellung zeigt die Beiträge junger Architekten zum diesjährigen Schinkel-Wettbewerb.
Die Ausstellung stößt offenbar auf Interesse: Eine Gruppe von ein bis zwei Dutzend potenzieller Besucher harrte am Samstagnachmittag vor der alten Kunsthalle in der Budapester Straße 42 aus, um Einlass zu finden in die Schau zum diesjährigen Schinkel-Wettbewerb des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Berlin (AIV). Manche hatten mehr, manche weniger Geduld, so dass die Zusammensetzung wechselte, aber strapaziert wurde sie in beiden Fällen: Laut Plakat sollten die Entwürfe für die „Neue Alte Mitte“ zwischen Alexanderplatz und Humboldt-Forum ab 13 Uhr zu sehen sein, um 16 Uhr war die Tür noch immer dicht.
So blieben Architekturfreunde und wohl auch einige der zum Wettbewerb angetretenen Jungbaumeister von den zu Papier gebrachten Zukunftsträumen vorerst ausgesperrt. Von dem Siegerentwurf des 26-jährigen Hamburger Stefan Drese beispielsweise, der wie berichtet mit seinem Entwurf eines durch seine schiefen Fassaden überraschenden Kulturzentrums am Spreeufer das Rennen machte. Sehr Gegensätzliches wird der Schaulust geboten, vom Mini-Manhattan im Spreeformat mit nächtlich glitzernder Skyline etwa bis zu einer von Naturidylle eingekreisten Marienkirche samt Neptunbrunnen als plätschernden Mittelpunkt des neuen Berliner Dorfteichs. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt worden. Insgesamt 187 Arbeiten aus Deutschland, Österreich, Irland, Russland, Polen und der Schweiz wurden eingereicht, von mehr als 500 Teilnehmern. Rund 20 000 Euro Preisgelder stehen bereit – und die Ehre des Schinkel-Preises, der am frühen Abend im Roten Rathaus verliehen wurde. Bei dem konnte man zumindest sicher sein, dass es geöffnet sein würde. ac
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Schinkelwettbewerb;art270,3056209
Der Gewinner:
http://www.tagesspiegel.de/storage/scl/fotostrecken/kultur/architektur/schinkel-wettbewerb2010/327691_m0w700h465q80v4961.jpg
Brücke vom Schloss aus; endend in einem kleinen Amphi-Theater
http://www.tagesspiegel.de/storage/scl/fotostrecken/kultur/architektur/schinkel-wettbewerb2010/327697_m0w700h465q80v35003.jpg
http://www.tagesspiegel.de/storage/scl/fotostrecken/kultur/architektur/schinkel-wettbewerb2010/327696_m0w700h465q80v234.jpg
Bereich Marienkirche - Rathaus:
http://www.tagesspiegel.de/storage/scl/fotostrecken/kultur/architektur/schinkel-wettbewerb2010/327690_m0w700h465q80s1v6307.jpg
Umfeld des Rathauses:
http://www.tagesspiegel.de/storage/scl/fotostrecken/kultur/architektur/schinkel-wettbewerb2010/327689_m0w700h465q80s1v34679.jpg
Alexanderplatz Panorama:
http://www.tagesspiegel.de/storage/scl/fotostrecken/kultur/architektur/schinkel-wettbewerb2010/327688_m0w700h465q80v1403.jpg
MeyerB March 14th, 2010, 01:33 PM Das vorletzte Bildchen erinnert ein wenig an die Plaza Mayor in Madrid - nett, obzwar alles Andere als Berlin-typisch. Ansonsten nur Murks und Schrott allenthalben, aber hübsch dargestellt. :nuts:
youngwoerth March 14th, 2010, 01:45 PM Aaaah, Wut! :mad2:
Wie gesagt, die wird es nicht geben. Im besten Fall entsteht hier die Fortsetzung von Friedrichstraße und Townhouses. Dazwischen vielleicht drei Rekos.
Das war wohl deutlich zu optimistisch. Ich plädiere für ein Wasserbecken.
MeyerB March 14th, 2010, 01:49 PM In Darstellungslehre hatten die eifrigen Künstler bestimmt eine 1 plus; in Gestaltungslehre allerdings wohl eine 6 minus - wirklich ganz mies.
youngwoerth March 14th, 2010, 01:51 PM ^ Nö, die hatten in beidem ne 1. Genau das wird verlangt.
MeyerB March 14th, 2010, 02:05 PM ^ Nö, die hatten in beidem ne 1. Genau das wird verlangt.
Stimmt allerdings; ich vergaß. Naja, es handelt sich gottlob nur um einen läppischen Ideenaustausch der Architektenstars von morgen - die müssen sich halt profilieren - je schräger und provokanter, desto aufsehenerregender und somit besser für's Image - allerdings Luftschlösser, die hoffentlich nie die Budapester Straße verlassen werden.
miau March 14th, 2010, 07:21 PM Das zeigt mal wieder, dass man eigentlich keine Idee hat, was man mit diesem freien Raum machen soll. Die Entwürfe kann ich nicht ernst nehmen, zwar ist der Gewiinerentwurf als Solitär nicht schlecht, aber ich denke dass sowas eher ins Kulturforum passen würde. Das MEF muss entweder erhalten bleiben - ohne insulären Solitär - oder komplett zugebaut werden. Alles dazwischen geht m.E. nicht. Der Stadtraum den das bisherige MEF schafft, ist zwar nicht jedermanns Sache, aber es wirkt konsistent mit dem sonstigen Ensemble. :laugh:
d.henney March 14th, 2010, 08:02 PM Der "italienische Platz" gefällt mir! An der Stelle allerdings doof, japp. Der Rest ist ultra-ugly. Wieso muss das Forum eigentlich in irgendeiner Art erhalten werden? Genügt nicht ein "normales" Denkmal anstatt einer ganzen Anlage? Nachfolgend Kleinteiligkeit würde mir gefallen und den Menschen, die dort durchwuseln, shoppen, wohnen und essen sicherlich auch. ;)
miau March 14th, 2010, 11:05 PM ^^ Wenn du dich auf mich beziehst...
Das MEF sollte man meiner Meinung nach entweder bestehen lassen aber frisch sanieren, oder aber konsequent mit einer Blockbebauung verdichten. Die Lösungen dazwischen halte ich für falsch, also z.B. einen Solitär in die Mitte des Platzes zu bauen. Dies würde m.E. die Leere des MEF nicht füllen und stattdessen den Kontrast zum Umfeld verstärken.
d.henney March 15th, 2010, 06:04 PM Nö, das war bloß so generell gesagt. MMn genügt ein Denkmal. Dafür dann das Forum einebnen und mit was Vernünftigem bebauen, vllt sogar mit etwas, was dem Schlossrücken die Show stiehlt ;)
Bauer-Ewald January 15th, 2012, 10:54 PM Ein lebendiges Stadtquartier vor dem Roten Rathaus zu errichten, ist keine Kunst. Die Politik muss es nur wollen. Architekturkritiker Falk Jaeger plädiert für eine vollkommen neu bebaute Altstadt. Was halten Sie von seinem Vorschlag, liebe Leserinnen, liebe Leser? Diskutieren Sie mit!
Das Gerede von Berlin, das ständig im Umbruch und immer am Werden sei, führt nicht weiter, es ist ein belangloses Bonmot von gestern. Wer sich heute in der Welt umsieht, in Tokio, Sao Paulo oder Mombasa, wo sich die Städte im Zehnjahresrhythmus häuten, kann darüber nur lächeln. Berlin braucht aber gar keine Umbrüche, keine neue Gründerzeit, keinen neuen Speer, kein Tabula rasa à la Scharoun und auch keine Zaha Hadid. Nicht einmal einen Schinkel mit seinem offenen, die mittelalterlich geprägte Stadt konterkarierenden Städtebau.
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Denn Berlin gehört bereits zu den attraktivsten und am besten funktionierenden Metropolen und wird von den Megastädten darum beneidet. Wer glaubt, Berlin müsse mit Megaprojekten den anderen Metropolen hinterherhecheln, lässt sich von einer Art Fortschritt blenden, der der Finanzwirtschaft dient, nicht aber dem Stadtbürger.
Es gilt, den Blick zu schärfen für die enormen Qualitäten dieser Stadt und diese zu bewahren, zu fördern und weiterzuentwickeln. Wer in Charlottenburg Hochhäuser fordert, der hat genau diesen Blick verloren. „Blinder Fortschrittsglaube“, der in den sechziger Jahren geprägte Begriff, ist hier angebracht. Man könnte es mit einem extremen Beispiel illustrieren: Warum ist es abwegig, in Venedig Hochhäuser zu bauen? Der Grund ist jedermann einsichtig.
Die Berliner Innenstadtquartiere sind zwar nicht Hinterlassenschaft vieler Jahrhunderte höchster Baukultur wie die Venedigs, aber sie sind von schützenswertem Reiz und urbaner Lebendigkeit, weil sie Aktionsfelder und Erlebnisqualitäten bieten. Das hat vor allem mit der Maßstäblichkeit zu tun, sowohl der Nutzungsstrukturen als auch der architektonischen Ausprägung. Eine Maßstäblichkeit, historisch gewachsen, die bis zu den Kriegszerstörungen und späteren Abrisskampagnen Bestand hatte. Die noch bis in die Gegenwart virtuell besteht – als Parzellengrenzen in den Akten der Grundbuchämter.
Es war der ehemalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann, der sich große Verdienste erworben hat, indem er die Rekonstruktion des historischen Straßenrasters in den vom 19. Jahrhundert geprägten Stadtvierteln betrieb. Meist wurde jedoch der Fehler begangen, die Zusammenlegung vieler Parzellen und die Bebauung ganzer Häuserblocks durch jeweils einen einzigen Investor nicht zu verhindern. So konnte die Friedrichstraße ihr vielfach heraufbeschworenes Fluidum der zwanziger Jahre nicht wiedergewinnen, das von einer unglaublichen Vielfalt, Kleinteiligkeit und Dichte geprägt war. Es war Dieter Hoffmann-Axthelm, der deshalb aus gutem Grund eindringlich auch die Tradierung der historischen Parzellenstruktur einforderte. Man sollte mehr auf ihn hören. Das würde eine entsprechende Bauleitplanung, vor allem aber eine rigide, nicht auf Ertragsmaximierung fokussierte Regelung der Grundstücksvergabe bedingen. Ob dafür die Steuerungsinstrumente zur Verfügung stehen, ist die Frage. Denn potente Investoren, die sich altruistisch solche Ziele auf die Fahnen schreiben, gibt es nicht. Man muss sie zu stadtverträglichem Handeln zwingen.
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Wie urbanes Leben räumlich organisiert wird wurde verlernt
Vielleicht aber besteht die Chance, solche Planungsziele bei der Neugestaltung der historischen Mitte Berlins auf dem heutigen Marx-Engels-Forum durchzusetzen. Hier sollte es möglich sein, die Fehler der vergangenen zwei Jahrzehnte zu vermeiden. Wenn Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sich auf dem „Rathausforum“ – so nennt sie den Ort – umschaut und von der einmaligen städtebaulichen Situation schwärmt, die ein großes Potenzial habe, so ist diese Euphorie kaum nachvollziehbar. Auf groteske Weise einsam steht die Marienkirche, die eigentlich einer Umbauung bedarf, schräg, weil mittelalterlich geostet, im Gelände. „Die freigestellte Kirche ist Geschichte“, sagt Lüscher. Aber muss eine unbefriedigende Situation so bleiben, weil sie Geschichte ist? Ein Repräsentationsbau von der Statur des roten Rathauses benötigt ein Vorfeld, aber hier herrscht ringsum gähnende Leere. Zu einem ordentlichen Park hat es auch nie gereicht. Der wäre sicherlich allgemein akzeptiert, Grün ist immer beliebt, aber wer sollte ihn bezahlen? Zudem haben die Plattenbauten beiderseits des Rathauses und gegenüber entlang der Karl-Liebknecht-Straße als Platzwand der großen Freifläche nicht die wünschenswerte Qualität. Das von Graft vorgeschlagene Hafenbecken oder ein „Central Park“ wären Attraktion und Anlass, den Ort von Bebauung freizuhalten. Aber ein ausgedehnter Stadtplatz, wie er heute existiert, wird neben dem Schlossplatz nicht gebraucht.
Der weit verbreitete Wunsch, das Marx-Engels-Forum wieder zu bebauen, hat jedenfalls viel für sich. Hans Stimmann hat vorgeschlagen, einfach das historische Straßenmuster neu aufzuführen. Doch die letzte Konsequenz scheut er, denn die Gassen werden etwas breiter und gerader, der Rathausvorplatz etwas größer, und am Spreeufer gibt es ein „Marx-Engels-Plätzchen“; irgendwo soll das Denkmal hingeschoben werden, das heute namensgebend die Mitte des Forums besetzt. Die Frage ist, weshalb man nicht über Architektenwettbewerbe ein fantasievolles Zentrum mit einer Folge abwechslungsreicher Plätze und stadträumlicher Situationen ganz neu entwickeln lässt, anstatt das Quartier nach dem recht schematischen Vorkriegsgrundriss nur irgendwie aufzufüllen.
Seit Ur und Babylon wissen Architekten und Städtebauer, wie urbanes Leben räumlich organisiert wird, nur im zwanzigsten Jahrhundert haben sie es verlernt. Ein neues Stück Stadt mit einem eigenen Gesicht ist gefragt, das aber funktioniert wie eine historische Innenstadt. Interessanterweise ist nebenan das Nikolaiviertel zum Teil in diesem Sinn entstanden. Trotz prekärer architektonischer Ausbildung mancher Häuser gehört es zu den beliebteren und lebendigeren Quartieren im Bezirk. Ein ebenso dicht bebautes Quartier vom Fernsehturm bis zum Spreeufer würde mit erlebnisreichen Stadträumen, mit spannenden Perspektiven aufwarten. Wichtige Wegebeziehungen könnte man in Straßenräume fassen. Gegenüber dem Schloss, dessen Ostansicht aus Kostengründen auf eine monotone Lochfassade reduziert wird, könnte eine malerische Partie mit Stadtplatz und Wassertreppe das gestalterische Defizit des Humboldtforums ausgleichen.
Traditioneller Städtebau und moderne Architektur sind keine Feind
Größtes Problem jeder Neuordnung des Marx-Engels-Forums ist die expressive, ausladende Fußbebauung des Fernsehturms, die zu ihrer Entfaltung das offene Terrain benötigt. Will man auf sie verzichten, würde der Zugang zum Turm wie bisher von der Gontardstraße her organisiert werden können. Bleibt sie bestehen, würde man sie in das Gassengeflecht einbeziehen müssen.
Vor der Marienkirche könnte der Neue Markt wieder erstehen, gen Süden und Osten würde man sie mit Bebauung umfangen. Vor dem Rathaus, gesäumt von kraftvollen Häusern, läge natürlich ein Rathausplatz, der diesen Namen verdient und der die richtigen Dimensionen hat. Der Platz selbst sollte einheitlicher gestaltet sein, denn er ist das Parterre des monumentalen, dominant axial geprägten Rathauses. Berühmte Platzanlagen des 18. und 19. Jahrhunderts mögen als Vorbilder dienen, die Plaza Mayor in Madrid, der Markusplatz in Venedig, oder die Piazza San Carlo in Turin. Auch Hans Kollhoffs Walter-Benjamin-Platz ist in diesem Zusammenhang von Interesse: Er hat Atmosphäre, wird von den Bürgern angenommen und ist mittlerweile ein lebendiger Stadtplatz.Es wäre wünschenswert, die das Areal in zwei Teile zerschneidende Spandauer Straße einzuengen, vielleicht, indem die Randbebauung bis an die Fahrstreifen heranrückt und für die Fußgänger Arkaden ausbildet.
Die Häuser des neuen Quartiers, als Einzelhäuser mit möglichst hochrechteckigen Formaten identifizierbar, sollten von unterschiedlichen Architekten gestaltet werden und insgesamt ein vielfältiges Straßenbild erzeugen. Dabei kommt es auf differenzierte Fassaden, plastische Relieftiefe und tektonische Kraft an.
Bei alldem geht es also nicht darum, auf Cöllner Boden wieder eine verloren gegangene Altstadt eins zu eins zu rekonstruieren. Es geht auch nicht um das historische Straßenraster, das auf diesem Gelände so gründlich getilgt wurde wie kaum sonst in der Kernstadt. Wo, wenn nicht auf diesem freien Feld in der Stadtmitte wäre es möglich das Experiment einer „neuen Altstadt“ zu wagen? Es geht um den kreativen Umgang mit dem städtebaulichen Prinzip, um traditionell bewährte Strukturen und um den menschlichen Maßstab.
Dass mit heutiger, zeitgenössischer Architektur kein attraktiver, ja schöner Städtebau zu haben sei, ist kein Naturgesetz. Die Rezepte sind durchaus bekannt. Es sind jedoch die Kräfte des Markts und die Produktionsbedingungen für Häuser als Investitionsobjekte, die dem entgegenstehen. Doch Marktmechanismen sind keine naturgegebene Gesetzmäßigkeit. Wir haben zwar nicht mehr den absolutistischen Bauherrn, der etwa den Bau einer Place Vendôme in Paris anordnete. Aber es bedarf eines starken politischen Willens, diese absolutistische Bauherrenschaft in unserem bürgerlich-demokratischen System gewissermaßen zu simulieren. Den Investoren zu Diensten sein ist der bequeme, bürgerfreundliche Strukturen durchzukämpfen der steinige, aber lohnenswerte Weg. Auf diese Weise könnte ein echtes Zentrum entstehen, mit einem Rathausplatz als Bürgerplatz, dem seine Kraft aus dem dichten Quartier ringsum zuwächst und der den Vergleich mit historischen Stadtplätzen anderer Metropolen nicht zu scheuen braucht.
Vielleicht lässt sich mit der Kombination aus traditionellem Städtebau und zeitgenössischer Architektursprache der Dauerzwist entschärfen, den Volker Hassemer eine „typische Berliner Krankheit“ nannte: die Querelen zwischen Traditionalisten und Modernisten. Der Neubau eines inneren Zentrums mit den historischen Werten der Europäischen Stadt und gleichzeitig zeitgenössischer, moderner Architektur wäre ein Novum, das international Beachtung fände.
Prof. Dr. Falk Jaeger ist Architekturhistoriker, -kritiker und Publizist in Berlin. Architekt Sergei Tchoban, Gestalter von Dom Aquarée und Cubix-Kino, hat für den Tagesspiegel dessen Idee vom zeitgemäßen Rathausplatz illustriert.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/ideen-fuer-den-rathausplatz-wie-urbanes-leben-raeumlich-organisiert-wird-wurde-verlernt/6065230-2.html
Ludi January 16th, 2012, 01:09 PM :applause:
Finde die Idee gut, vorallem brauch niemand soviele Plätze dort...
Mit dem Alex haben wir schon genug davon in der Gegend und es würde ja trotzdem ein kleiner netter Platz um den Neptunbrunnen entstehen.
Die Bauten könnten sich vielleicht dann ein Beispiel an dem Viertel in der Nähe des Hackeschen Marktes nehmen, welches sehr gelungen ist.
erbse January 16th, 2012, 01:29 PM An sich begrüßenswerte Ansätze. Ich plädiere aber dafür, auf den vormaligen Grundrissen des Viertels einige Leitbauten als Rekonstruktionen umzusetzen. Den Rest dann im neuen mondänen Berliner Klassizismus (á la Kronprinzengärten (http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?p=87379906#post87379906)), das wäre ein unendlich edles Viertel. Berlin braucht auch eine gute Stube in der Ecke.
youngwoerth January 16th, 2012, 06:27 PM Es gibt dort auch eine Kommentierungsmöglichkeit. ;)
...wo die üblichen Grabenkämpfe geführt werden. Üblich = Disneylandpolemik auf Modernistenseite, reflektierte Argumentation auf Traditionalistenseite. :lol:
Unter anderem kann man dort lernen:
Traditionalismus ist eine Verkrampfung. Es ist auch kein geklärtes Verhältnis zur Vergangenheit, sondern ein völlig ungeklärtes.
Traditionalisten können die Vergangenheit nicht dort belassen, wo sie nur existieren kann: im Vergangenen.
Also versuchen sie ihre neurotische Sehnsucht zu stillen und erschaffen sich eine Welt des Kitsches.
Zu glauben, man könnte in einer Epoche Kunstwerke einer vorangeggangenen erschaffen ist hochgradig ungebildet.
:bowtie:
Kampflamm January 16th, 2012, 07:33 PM Da muss ganz schnell was hin. Gerade das Zeugs im Erdgeschoss bzw. 1. Stock des Fernsehturms sollte man verstecken.
erbse January 17th, 2012, 12:50 AM Da muss ganz schnell was hin. Gerade das Zeugs im Erdgeschoss bzw. 1. Stock des Fernsehturms sollte man verstecken.
Als städtebaulich und architektonisch noch viel grausamer empfinde ich die sogenannten "Rathauspassagen" und diese unendliche, sinnlose Leere des Stadtraumes in seinem historischen Herzen.
krysmopompas January 22nd, 2012, 11:38 PM Kaum kommt mal wieder ein bißchen öffentlicher Raum auf den Wühltisch der Springerpresse, schon lechzen die Retros nach dem großen Ausverkauf.
Der städtebaulich einflußreichste Senat war und ist der von Diepgen und Landowski.
trance-x January 23rd, 2012, 01:35 AM Bevor solche banalen Allerweltsinvestorenkisten wie jene gezeigten in die historische Mitte gepflanzt werden, bevorzuge ich tatsächlich die Wasserfläche.
Ich bevorzug die Wasserflaeche auch vor einer Altstadtrekonstruktion sowieso vor einer Trivialbebauung.
http://www.welt.de/multimedia/archive/1261045980000/00979/Spreeufer4_becken_D_979308g.jpg
source: http://www.welt.de/multimedia/archive/1261045980000/00979/Spreeufer4_becken_D_979308g.jpg
... aus mehreren Gruenden:
1. sie macht den Bereich letztlich spannender und eleganter, erinnert zudem an einer prominenten, high-traffic-Stelle daran, dass Berlin auch eine Wasserstadt ist ...
2. Es aus verschiedenen Gruenden sinnvoll und metropolischer waere, so grosse staedtische Bereiche zu erhalten/schaffen, das bringt einen groesseren Naehrwert (schon aufgrund der nahezu Unmoeglichkeit derlei im Nachhinein noch einmal irgendwo zu tun, da derlei Areale nicht beliebig vorhanden sind bzw. die Denke und das Vorstellungsvermoegen, das konsequent woanders zu tun (etwa in Aussenbezirken), sehr gering ausgepraegt ist) ...
2. weil ich derlei ...
Ein lebendiges Stadtquartier vor dem Roten Rathaus zu errichten, ist keine Kunst. Die Politik muss es nur wollen. Architekturkritiker Falk Jaeger plädiert für eine vollkommen neu bebaute Altstadt. Was halten Sie von seinem Vorschlag, liebe Leserinnen, liebe Leser? Diskutieren Sie mit!
http://www.tagesspiegel.de/images/heprodimagesfotos83120111213tchoban-jpg/6065252/2.JPG?format=format14
source: http://www.tagesspiegel.de/images/heprodimagesfotos83120111213tchoban-jpg/6065252/2.JPG?format=format14
(...)
... lieber endlich z.B. in Marzahn, Maerkisches Viertel oder so sehen wuerde (die Plattenbauten geschickte eingebettet), damit auch endlich den Fokus redirected, dort echte neue urbane Kieze geschaffen wuerden, das tatsaechlich einen in jeder Hinsicht vorteilhaften Naehrwert bringen wuerde ...
Genau das fehlende Vorstellungsvermoegen, das auch hier so einige haben, weil sie permanent auf den Innenbereich fokussiert sind, auf Symbolismen, statt die realen Moeglichkeiten, statt genau dort wo es weit nuetzlicher wird, gilt es zu durchbrechen bzw. zu erweitern ...
trance-x January 30th, 2012, 06:10 AM http://www.tagesspiegel.de/images/stadtmitte/6122928/2.jpg?format=formatOriginal
Schlossbad Mitte: Die Flutung des Rathausforums dürfte eine Vision bleiben. Das Planspiel soll die Alternativen zu einer dichten Bebauung des Areals aufzeigen. Illustration: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
source: http://www.tagesspiegel.de/images/stadtmitte/6122928/2.jpg?format=formatOriginal
youngwoerth January 30th, 2012, 11:58 AM Da kann ich Dir sogar mal zustimmen, trance (höre ich übrigens gerne). :)
Das einzige, was mich umstimmen könnte, wäre ein regionaltypisches Quartier mit mindestens zehn Rekonstruktionen. Da das unter Regulas Modernistenklicke aber illusorisch ist, geht mein Votum an: Berlin an der Alster.
erbse January 30th, 2012, 02:22 PM Ja, meines auch, das sagte ich ja bereits. Letztlich kann Berlin sich sowas trauen und leisten.
Und wenn wir mal ehrlich sind, waren die Bauten im historischen Herzen Berlins zwar durchaus preußisch-elegant bis pittoresk, aber nichts wirklich herausragendes. Von den früheren Patrizierhäusern blieb ja kaum etwas, und derart prachtvolle Palais und Bürgerhäuser wie in der Residenzstadt Potsdam gab es auch nicht.
Bevor hier ein grausiges, totes Modernisten-Wohnquartier mit Premiumpreisen entsteht, bevorzuge ich doch eindeutig die einmalige Chance auf eine zentrale Wasserfläche.
Wie wär's als Name mit "Binnenspree"? ;)
youngwoerth January 30th, 2012, 08:45 PM Modernisten-Wohnquartier
Leider wird genau das kommen. Und man wird sich dafür rühmen, alles richtig gemacht zu haben.
Ludi January 30th, 2012, 09:40 PM ist halt immer eine Frage der Finanzierung, beim Verkauf der Bebauungsflächen für trotstlose Klötze springt halt mehr heraus, als solch eine Binnenspree auf kosten...?! des berliner Schuldenbergs?
Ansonsten finde ich die Idee sehr gut, alternativ wäre ein hochwertiges historisches Stadtviertel zu wünschen...
trance-x February 1st, 2012, 07:23 AM ich finde uebrigens das rote rathaus so wie auf dem foto auch besser inszeniert. irgendwie gefaellt mir das sonst nicht sonderlich. es hat irgendwas triviales ...
ansonsten stimmt es durchaus, dass hier ein paar funktionale bauten zunaechst konkret lukrativer sind, allerdings wertet auf dem zweiten blick so ein binnenhafen, so eine urbane binnenspree-geschichte, hafen am alex, rathaus-hafen, zille-see, city harbour oder was auch immer (hauptsache nicht karl-marx-und-friedrich-engels-see;)) die gesamte umgebung so auf, dass auf einen schlag z.b. saemtliche immobilien drumrum wertvoller werden, der gesamte bereich aufgewertet und interessanter fuer alle zukuenftigen projekte, Berlin eine neue sehr positiv belegte seite in die welt sendet ... zudem waere es als repraesentanz fuer rote-rathaus besucher, egal ob aus der politik oder showgeschaeften der welt ein gehoeriger schub, ebenso fuer die bundespolitik, insgesamt im unterschied zu vielen anderen vollmundigen projekten ohne viel essenz einfach was tatsaechlich raumgreifend und total auffaellig wirklich neues fuer alle Berliner, tatsaechlich eine totale, erfahrbare und mit groesstmoeglicher wahrscheinlichkeit von den meisten sehr positiv aufgenommene veraenderung von etwas ... sonnenklar waere zudem, dass derlei sofort ab existenz in saemtlichen touri-photos ueber Berlin, touri-guides usw. auftauchen wuerde, einfach auch deshalb, weil es an so frequentierter stelle ist, die im grunde fast jeder immer mal passiert ... saehe auch btw. gut aus der perspektive einer vorbeifahrenden s-bahn heraus aus, das stadtschloss waere noch besser inszeniert, wie schon gesagt der gesamte bereich eleganter, der alex aufgewertet ... im sommer koennte man auf einer art floss einen riesigen doppelbildschirm nach zwei seiten als freiluftkino abstellen, bars, lounges, cafe-schiffchen am ufer ... kurzum: ich denke es haette tatsaechlich massenweise positive synergieeffekte und kreative elemente, die nicht nur so dahin gesagt sind ...
erbse February 1st, 2012, 12:41 PM Ja, dem stimme ich zu. So habe ich mir das auch gedacht, die Gewinneffekte wären schon immens. Ich würde es auch nicht als tabula rasa bezeichnen - man könnte auch sagen, man erweist der historischen Mitte eine andere Form des Respektes. Indem man dort nicht modernistische Abscheulichkeiten hinklotzt, sondern etwas großartig Neues schafft.
In diesem Zuge sollten aber einige Umgestaltungsmaßnahmen vonstatten gehen. Die DDR-Klötze beiderseits gehören dann mindestens abgerissen (die Rathauspassagen wie auch die Bauten an der Karl-Liebknecht-Straße). Ebenso die wasserzugewandten Bauten des Nikolaiviertels, die zumindest eine deutliche Aufwertung oberhalb des Erdgeschosses erfahren sollten.
Was könnte so eine Maßnahme denn in etwa kosten? Und ließe sich das nicht vielleicht auch per Public-Private-Partnership realisieren? Dann bliebe die Öffentlichkeit nicht alleinig auf solchen Kosten sitzen.
Wir sollten eine Petition für die Binnenspree starten! :smug:
erbse February 1st, 2012, 01:29 PM Ich möchte an der Stelle noch einen deutlich verträglicheren, realistischeren und wohl auch städtebaulich sinnvolleren & spannenderen Vorschlag machen:
Die Binnenspree erstreckt sich nur über das bisherige Marx-Engels-Forum.
Die Spandauer Straße und die Flächen nördlich davon bleiben also erhalten (dort, wo heute der Neptunbrunnen steht).
Dies hat mehrlei Vorteile: Zunächst einmal ist noch deutlich mehr Fläche vor Marienkirche, Fernsehturm und Rotem Rathaus vorhanden. Es gäbe also die Möglichkeit einer zentralen, repräsentativen Veranstaltungsfläche direkt am Wasser.
Andererseits, und diese Variante würde ich deutlich bevorzugen, böte sich die Möglichkeit der urbanen Bebauung dieses Teils des Marienviertels an. Man könnte den Neuen Markt wiederherstellen und so der Marienkirche wieder ihren städtebaulichen Rahmen geben. Ein lebendiges Viertel an dieser Stelle wäre klasse und würde dem ganzen Quartier deutlich mehr Vielschichtigkeit geben.
Der Neue Markt (Platz an der Marienkirche) mit dem Lutherdenkmal anno 1906:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/6e/Berlin_Mitte_St._Marienkirche_Lutherdenkmal_1906.jpg/658px-Berlin_Mitte_St._Marienkirche_Lutherdenkmal_1906.jpg
Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Berlin_Mitte_St._Marienkirche_Lutherdenkmal_1906.jpg
Das ist Berlin!
erbse February 1st, 2012, 01:32 PM Eine Bebauung in Kombination mit der Binnenspree würde der ganzen Gegend deutlich mehr Lebendigkeit verleihen und die Zugigkeit und Leere rausnehmen.
Auch die Wasserfläche würde dann besser wirken.
Ich habe das mal eben visualisiert. Nördlich der Spandauer Straße denken wir uns nun mal die Bebauung hinzu.
Kartenansicht mit Binnenspree, welche die Fläche des heutigen Marx-Engels-Forums bedeckt:
http://i.imgur.com/JJpne.jpg
Quelle: Google Maps - http://g.co/maps/v5343 - Editiert
Der Bootsteg ist natürlich kein Muss, wobei das schon etwas hätte. Eine Art Museumshafen wäre da super, mit historischen Schiffen.
Odoaker February 1st, 2012, 01:46 PM n1ce
erbse February 1st, 2012, 03:02 PM Danke. Es ginge also um die urbane Rückgewinnung folgenden Stadtraumes:
http://i.imgur.com/tb61z.jpg
Quelle der historischen Aufnahme von 1920: www.berliner-historische-mitte.de (unterstützenswerter Verein!)
Siehe auch dieser Themenstrang! (http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?p=79131564#post79131564)
Da schlägt man zahllose Fliegen mit einer Klappe. Die Wasserfläche alias Binnenspree kann gut wirken, die urbane Bebauung sorgt für Belebung und die Rückgewinnung einer echten Mitte, die Schandflecke rundherum geraten aus dem Fokus und es entsteht keine zusätzliche Leere, viel mehr Raumgefühl und Vielschichtigkeit.
Mit einigen Leitbauten als Rekonstruktionen (vorallem zu den Straßen und zur Spree hin) und ergänzenden historisierenden Neubauten im typischen Berliner Stil wäre das ein Quartier der Extraklasse. Alles im Umkreis würde eine gigantische Aufwertung erfahren.
Das Marienquartier an der Binnenspree! Jetzt bin ich Feuer und Flamme dafür! :pepper:
erbse February 1st, 2012, 10:35 PM Der Stadtplanvergleich (http://www.shoothill.com/demos/public/timemapsl/) offenbart, dass meine Lösung der Teilrekonstruktion der Strukturen auch tatsächlich dort hinpassen würde.
Zwar würden die Bauten recht nah an die Rückseite des Fernsehturmes rücken, aber eine dichte Bebauung ist da ja auch zu begrüßen. Zudem bliebe der Zugang erhalten.
Offenbar hat man beim Bau des Fernsehturmes durchaus auf den historischen Stadtgrundriss Rücksicht genommen. Fein.
Hier gut zu sehen, dass es passt:
http://i.imgur.com/ImcBl.jpg
Quelle: TimeMap Berlin by ShootHill (http://www.shoothill.com/demos/public/timemapsl/)
Odoaker February 1st, 2012, 11:26 PM Also, ehrlich gesagt, in Berlin könnte man doch beinahe nicht besser als dort wohnen, natürlich immer vorausgesetzt, es waere möglich Wohneigentum von der Qualitaet der geplanten Palais bei der Friedrichswerderschen Kirche zu erwerben. Daß man auch beides verbinden könnte, und die Wohneinheiten um eine Art gefluteten Ehrenhof gruppieren könnte, muss wohl, wie jegliche Plaene einer Flutung dieses Raums, für immer im Reich der Fantastereien verortet bleiben...
Wunderknabe February 2nd, 2012, 03:56 AM Meiner Meinung nach ist eine Freifläche gleichwelcher Art an dieser Stelle fehl am Platz.
Natürlich ist sone Wasserfläche immer ganz nett. Aber abgesehen vom rein optischen Effekt
und dass man vielleicht alle paar Jahre mal Schlittschuhlaufen gehen könnte, würds doch
nicht so viel bringen.
Für mich steht es außer Frage dass man das gesamte Areal dicht bebauen sollte.
Diese Stelle zwischen S-Bahn und Spree war schließlich wirklich die Keimzelle der Stadt.
Die Mitte der Mitte. Das Zentrum.
Heute markieren weithin sichtbar das Rathaus, die Marienkirche und eben als neueste
Markierung der Fernsehturm eben dieses wichtigste Gebiet der Stadt.
Aber abgesehen von diesem Gebäuden - was gibts dort noch wichtiges? Nichts außer
gähnender Leere.
Mein Vorschlag:
Man sollte es wieder dicht bebauen und die Zentrumsfunktion damit wieder stärken.
Nicht zuletzt kann es sowohl dem Alex als auch der Friedrichstadt nur zugute kommen,
wenn zwischen ihnen kein riesenloch ist, sondern es als "ein" Zentrumsbereich funktioniert.
Das Areal würde in kleine Blocks unterteilt die eine dichte Bebauung erhalten, aber
gleichzeitig nicht abweisend wirken, weil es vergleichsweise viel Straßenraum gibt.
Das Marx-Engels-Forum als grüner Platz
würde erhalten und viel wirkungsvoller baulich direkt an der Spree eingefasst.
Vor dem Rathaus könnte man die Marktplatzidee noch aufgreifen, aber es hatte auch, fand ich,
einen enormen reiz als das Rote Rathaus noch direkt von Gebäuden umschlossen war.
http://home.arcor.de/silizium-2/pic/marx-engels.gif
Im Grunde habe ich nur früher vorhandene Straßen aufgegriffen und wieder verbunden.
Natürlich wäre das nicht exakt der Vorkriegszustand - aber es wäre ja auch nicht
in den belangen der Rekonstruktion geplant, sondern der kritischen Rekonstruktion.
Eine Reminiszenz also an die ursprüngliche Altstadt, die aber gleichzeitig die modernen
Bauten und die modernen Anforderungen berücksichtigt und integriert.
(bzgl des Verkehrs: der Kfz-Verkehr würde überwiegend wie heute verlaufen müssen
damit man nicht alle 50 m ne Ampel hat..)
Das interessante daran ist, dass die ganzen wichtigen Achsen und Straßenanlagen
fast schon existieren. z.B. haben die Architekten des Blockes neben Marx-Engelsforum
und gegenüber des Domes (Domaquaree) bereits bemerkenswert Achsen aufgegriffen
die es garnicht (mehr) gibt. (z.B. Bezug aufs Nikolaiviertel, über das M-E-Forum hinweg)
Ich habe mal in blau die Ordnungslinien markiert. Teilweise greifen ja immernoch
Straßenfluchten quasi über über den großen freien Platz hinweg ineinander.
Um aus dem ganzen Gebiet wieder einen Stadtteil zu machen und kein Sammelsurium
müsste man allerdings auch die Riegelbebauung beidseitig des Platzes abreißen.
Naja, und ein bischen von der Sockelbebauung des Fernsehturmes abzwacken :D
Odoaker February 2nd, 2012, 12:42 PM Es müsste dann nur noch der Fernsehturm weg.
Bauer-Ewald February 2nd, 2012, 10:23 PM nix da,
ich hab schon ausgeführt, warum ich das Ding mag, siehe Fernsehturmfred.
Wunderknabe February 3rd, 2012, 12:57 AM Der Fernsehturm soll natürlich nicht weg. Ist doch günstig Platziert, als Gegenstück zum Schloss.
Und schön isser ja auch ;)
Ludi February 3rd, 2012, 01:17 AM :blahblah:
Der Fernsehturm ist ja wohl nach dem Brandenburger Tor das Wahrzeichen von Berlin, außerdem höchtes Bauwerk von Ger.
Vielleicht mal in 100 Jahren, aber momentan gibts sehr wenig, was gegen ihn spricht meiner Meinung nach...
Wunderknabe February 3rd, 2012, 02:18 AM Ergänzung:
Die Straßenführung erscheint so noch deutlicher.
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/staedtebau-projekte/molkenmarkt/pix/einfuehrung/090719_radialenplan_930x600.jpg
Bild der Senatsverwaltung
erbse February 3rd, 2012, 02:22 AM Hm... Wenn ich mir das so betrachte, müsste man ja theoretisch doch ein Stück vom Fernsehturm-Podium wegnehmen, um die Bausituation um die Marienkirche wiederherzustellen (Neuer Markt)?!
Ludi February 3rd, 2012, 12:52 PM Dagegen spricht meiner Meinung nach wenig, dieser Sockelbau/ Podiumsbau kann ruhig weg.
trance-x February 4th, 2012, 12:52 AM Eine Bebauung in Kombination mit der Binnenspree würde der ganzen Gegend deutlich mehr Lebendigkeit verleihen und die Zugigkeit und Leere rausnehmen.
Auch die Wasserfläche würde dann besser wirken.
Ich habe das mal eben visualisiert. Nördlich der Spandauer Straße denken wir uns nun mal die Bebauung hinzu.
Kartenansicht mit Binnenspree, welche die Fläche des heutigen Marx-Engels-Forums bedeckt:
http://i.imgur.com/JJpne.jpg
Quelle: Google Maps - http://g.co/maps/v5343 - Editiert
ich weiss ja, dass du gerne deine alte stadtstruktur haettest und daher nach einem komprimiss fahndest, allerdings sehe ich an deiner idee (repraesentiert durch eine sehr schoene visualisierung btw.) trotzdem gravierende nachteile ...
1. der see waere zu klein und wuerde damit seine beherrschende dominanz und inszenierung verlieren ... er wuerde jetzt eher aehnlich des Engelsbecken in Kreuzberg wirken, zwar etwa andere umgebung aber ...
http://www.berlinstory.de/wp-content/uploads/old_blog/2/20080519-2008-05-19,%20Engelbecken%20von%20Michaelkirche%20bearbeitet_462.jpg
source: http://www.berlinstory.de/wp-content/uploads/old_blog/2/20080519-2008-05-19,%20Engelbecken%20von%20Michaelkirche%20bearbeitet_462.jpg
sehr schoene anlage wohlgemerkt, aber die weite fehlt, die groesse, der unterschied zwischen binnenalster und kleinen stadtteich quasi ...
2. das rathaus und vieles andere waeren nicht mehr inszeniert. der see waere gerade vom bahnhof alexanderplatz, dem ganzen high traffic area abgeschnitten ...
es waere eben kein tatsaechlich grosses neues, raumveraenderndes projekt mehr ...
Kampflamm February 4th, 2012, 11:12 AM Muss Trance zustimmen. Das kleinere Becken wirkt irgendwie ein wenig öde. Da müsste wenn etwas größeres her, das gleichzeitig dann an die anderen Bauten heranragt.
trance-x February 5th, 2012, 03:03 AM dann fuehr es doch zum thema zurueck. sag z.b. etwas dazu! ...
ich sag aber tatsaechlich noch was dazu: mir ist grad eingefallen, dass es unter umstaenden sogar sinnvoll waere den see nach dem rathaus zu verbreitern, indem man den plattenbau abreisst (wozu ich aus pragmatischen und realpolitischen gruenden sonst nicht tendiere, eher das beste draus zu machen) und bis zu den bauten am muehlendamm heranfuehrt, eventuell den bereich nahe rathaus direkt komplett durchfuehrt durch abriss (dann waere dort eine stelle, die auch ein breiteres sichtfenster ermoeglicht)
http://i.imgur.com/JJpne.jpg
vorteile:
- der see und der einsicht- und einzugsbereich des sees waere noch groesser ...
- er ist weniger symmetrisch (hat vor- und nachteile, hier aber denke ich leichte vorteile)
- der bereich ist noch weiter aesthetisiert, noch eleganter, sowohl der alexanderplatz als auch sonstiges
- das rathaus ist noch besser inszeniert, da jetzt alleingestellter und noch eleganter eingebunden ...
noisrevid February 6th, 2012, 06:28 PM Warum wollt ihr denn so wertvolle stadtfläche einfach fluten?
Viel zu schade drum. Mal eine andere Idee/Möglichkeit dazu.
Das Marx Engelsforum liegt ja direkt auf der Sichtachse vom
Theodorheussplatz bis zum Roten Rathaus. Vielleicht könnte
man das ganze einfach optisch einrahmen, indem man das Gebiet
entsprechend bebaut und eine Gasse für die Sichtachse lässt. Mal ne
15min skizze dazu:
http://s7.directupload.net/images/120206/pt8qost5.png
Quelle: Googlemaps
http://www.staedte-fotos.de/bilder/stadtansichten-1243.jpg
http://www.staedte-fotos.de/bilder/stadtansichten-1243.jpg
http://s7.directupload.net/images/120206/zj3qed65.png
Quelle: Bing
http://s1.directupload.net/images/120206/atbo4yf8.png
(mit google sketchup zusammen gezimmert)
Türme sollten denk ich nicht höher als das Rathaus sein und es Zitieren.
Zur Spree hin vieleicht abfallend auf die übliche Traufhöhe oder auf die Höhe des Schlosses
in Form von Terassen für Gastronomie oder Etwaiges.
Hat dann auch den Effekt zum Alexander Platz höher zu werden und eine Art Treppe zu den geplanten Hochhäusern zu bilden.
Der Skizzenentwurd soll einfach nur verdeutlichen worauf ich dort hinaus will.
Ich finde nemlich da gibt es noch genug andere Möglichkeiten das ganze weniger drastisch zu getalten, als einfach alles zu fluten...
trance-x February 7th, 2012, 03:54 AM Warum wollt ihr denn so wertvolle stadtfläche einfach fluten?
sie ist vor allem deshalb wertvoll, weil es eine weite flaeche ist, die es sonst praktisch an keinem so prominenten stelle mehr gibt. deshalb waere es hoechst unvernuenftig sie einfach nur zuzubauen. zubauen kann man ueberall und immer alles, eine echte weite metropolische stadtflaeche an einer so exhibitionierten stelle hingegen nicht ...
Viel zu schade drum. Mal eine andere Idee/Möglichkeit dazu.
klar, man koennte auch die Binnenalster in Hamburg zubauen, das engelsbecken zuschuetten und bebauen, den urbanhafen schliessen/verengen und haeuser hinsetzen oder diverse weite Plaetze in Paris zubauen bzw. das areal um den eiffelturm ... ist doch schade um den ganzen Platz, nae?
Das Marx Engelsforum liegt ja direkt auf der Sichtachse vom
Theodorheussplatz bis zum Roten Rathaus.
schoenes bild ...
ansonsten spraeche das ja dann eher fuer den see, da der ja wenn schon noch am wenigsten eine sichtachse stoeren wuerde ...
ferner nimmst du das Rote Rathaus als bezugspunkt. kann man machen, muss aber nicht. lauter wolkenkratzer koennten auch interessant aussehen. davon abgesehen ging es eigentlich weniger darum, zumal das eine das andere nicht einmal ausschliessen wuerde ...
Türme sollten denk ich nicht höher als das Rathaus sein und es Zitieren.
Zur Spree hin vieleicht abfallend auf die übliche Traufhöhe oder auf die Höhe des Schlosses
nein danke. das rathaus sieht so trivial aus, dass ich es lieber als kleine inszenierung zwischen wolkenkratzern sehen wuerde als umgekehrt. alternativ waere eben noch ein see gut und der plattenbau an der seite weg ... dann kaeme es schon besser ...
aber schoene entwuerfe ...
Ich finde nemlich da gibt es noch genug andere Möglichkeiten das ganze weniger drastisch zu getalten, als einfach alles zu fluten...
was hast du gegen drastik/konsequenz? nicht so zoegerlich, nicht so aengstlich! mehr mut fuer groesseres! ansonsten waere das nicht 'einfach nur geflutet'. es waere ein voellig neuer metropolischer urbaner hafen, see, aufenthaltsbereich zum traeumen, verweilen mit tausend positiven synergieeffekten. ich brauch wohl nicht extra erwaehnen, dass der bereich in jedem reisefuehrer drin waere ... eine der haeufigeren images ueber Berlin usw...
dies alles sehe ich bei deiner eher zoegerlichen, im grunde typischen allerwelts-stadtplanung nicht ..
anders ausgedrueckt: deine vorstellung "naja, ganz nett", see: WOW, COOL! erahnst du den unterschied? ;)
Wunderknabe February 7th, 2012, 03:56 AM noisrevid: die Ost-West-Achse endet ja an der Museumsinsel auf dem zukünftigen Schloss. Die Achse die eher in frage käme wäre dann Fernsehturm-mitte Schloss die genau Mittig eben durch das M-E-F geht (siehe meine Planung eine Seite zuvor).
Außerdem ist die Ost-West-Achse ja keine durchgehende "Sichtachse". Aus der Fußgängerpespektive sieht man nur Theodor-Heuss bis Siegessäule und Siegessäule bis BB-Tor.
Die Idee der kleineren Hochhäuser die zu den hoffentlich höheren am Alex (und dem Fernsehturm halt) treppenartig hinleiten finde ich gut. Allerdings müsste man auch den rest der Freifläche dann ebenso füllen. (was ich auch gut fände)
---
sie ist vor allem deshalb wertvoll, weil es eine weite flaeche ist, die es sonst praktisch an keinem so prominenten stelle mehr gibt.
Ja, in Berlin mangelt es wahrlich an Plätzen und großen Freiflächen :crazy:
mehr mut fuer groesseres!
Den Platz fluten ist überhaupt nicht groß sondern eine kleine und kurz gedachte Alibilösung die dem Gebiet überhaupt nicht gerecht wird.
Die keimzelle der Stadt einfach "verwässern" - ja das ist wirklich sehr clever! Fast genauso clever wie es von den DDR-hanseln war dort alles platt zu machen.
trance-x February 7th, 2012, 08:05 AM Ja, in Berlin mangelt es wahrlich an Plätzen und großen Freiflächen
"an so prominenter stelle"
nenn mir doch eine einzige vergleichbare, die noch baulich frei ist. na?
Den Platz fluten ist überhaupt nicht groß sondern eine kleine und kurz gedachte Alibilösung die dem Gebiet überhaupt nicht gerecht wird.
doch, sie wird dem Gebiet sogar besser gerecht. und es haette tausend vorteile mehr als alle anderen angedachten loesungen ...
du siehst nur nicht das reale gebiet, sondern eine virtuelle, laengst vergangene geschichte.
da koennte Descartes helfen: Die Landkarte ist nicht das Land ...
youngwoerth February 7th, 2012, 04:29 PM du siehst nur nicht das reale gebiet, sondern eine virtuelle, laengst vergangene geschichte.
Im Gegenzug könnte man Deinen Ansatz auch "geschichtsvergessen" nennen.
Fluten würde ich diese Stelle nur aus einem einzigen Grund: Die modernistische Lüschertruppe würde dort eine Bebauung umsetzen, die nicht in meinem Sinne wäre - somit ist die Flutung das kleinste Übel. ;)
Wunderknabe February 8th, 2012, 04:00 AM "an so prominenter stelle"
nenn mir doch eine einzige vergleichbare, die noch baulich frei ist. na?
Soll ich jetzt alle berühmten Plätze Berlins aufzählen?
Oder doch lieber alle Brachen?
Ein durchaus signifikanter Unterschied, dessen Unterscheidung deine Frage vermissen lässt. Berlin ist reich gesegnet mit schön inszenierten Plätzen an prominenten Stellen und auch an nicht prominenten Stellen. Wenn man mal genau über eine Satellitenkarte schaut liegen manchmal keine 2 Blocks zwischen Plätzen.
Man muss eher aufpassen dass es nicht zu viel wird/bleibt und die Stadt zu porös.
Brachen gibts zwar auch immernoch massig in der Stadt (tausende) aber an prominenten Stellen zum glück immer weniger.
du siehst nur nicht das reale gebiet, sondern eine virtuelle, laengst vergangene geschichte.
So? Die alten Straßenachsen sind überwiegend noch vorhanden und nur durchbrochen. Selbst viele Fundamente und Grundmauern
alter Gebäude sind noch im Boden vorhanden. Das soll alles Einbildung sein?
Vergleich: in New York stand es nie außer Frage, dass das Gebiet des WTC wieder bebaut wird. Dabei gabs doch da ein paar Jahre so eine schöne Freifläche! Sollte man die nicht erhalten oder neu inszenieren? Dort hat man es richtig gemacht und beide Facetten dieses Areals berücksichtigt. Die Bebauung wird wiederhergestellt und die jüngere Geschichte mit dem Memorial gleichzeitig berücksichtigt.
Nichts anderes fordere ich auch. Wieder bebauen, aber modern interpretiert. Auch unter berücksichtigung des Marx-Engels-Denkmales, der Dominanz des Fernsehturmes usw.
Der Unterschied ist nur, dass nicht 10 Jahre zwischen Zerstörung und Neubau liegen, sondern eben 40-60. Man sollte nicht so schnell die Geschichte vergessen.
Die Landkarte ist nicht das Land ...
Und wer Visionen hat sollte zum Arzt gehen ;)
GEwinnen February 9th, 2012, 11:35 AM Wo soll denn Hertha BSC die künftigen Meisterschaften und Pokalsiege vor dem Roten Rathaus feiern, wenn alles zugebaut oder geflutet wird?? :tongue:
krysmopompas February 10th, 2012, 02:25 AM Wäre denn der Bebauungsdruck ähnlich hoch, wenn der Platz nach Milton Friedman benannt wäre?
Ludi February 10th, 2012, 02:32 PM Wo soll denn Hertha BSC die künftigen Meisterschaften und Pokalsiege vor dem Roten Rathaus feiern, wenn alles zugebaut oder geflutet wird?? :tongue:
Dazu wirds wohl in diesem Jahrhundert nicht mehr kommen... :lol:
LordiHard February 11th, 2012, 12:10 AM Dank für die Fotos
erbse February 14th, 2012, 05:45 PM Schluss mit den themenfremden politischen Diskussionen hier, danke.
Honk March 25th, 2012, 09:02 AM http://s7.directupload.net/images/120206/zj3qed65.png
Quelle: Bing
http://s1.directupload.net/images/120206/atbo4yf8.png
(mit google sketchup zusammen gezimmert)
Diese Türme und die großen Blöcke erscheinen mir für die Nachbarschaft des Fernsehturm besser geeignet als die geplanten Hutzelhäuschen. Natürlich befriedigt dieses Konzept nicht den Wunsch nach einer heimeligen 'Altstadt', den ich auich nachvollziehen kann. Es stellt sich für mich aber die Frage, ob man am diesen Ort überhaupt eine kleinteilige Struktur bauen sollte und damit den Bruch zu den östlichen Viertel hinnimmt, oder ob man das Viertel am Alexanderplatz nach Westen erweitert und einen Übergang City Ost macht indem man zwischen die großen Blöcke wie Stadtschloss und Dom auf der einen Seite und Alexanderplatz auf der anderen Seite etwas vergleichbares setzt. Ich selbst halte das Zweite für die bessere Lösung. Kleine Parzellen mit Hutzelhäuschen sollte man sich vielleicht besser für die Revitalisierung des Klosterviertels und der Fischerinsel aufheben, wo eben solche Häuser erst zu DDR-Zeiten abgerissen worden sind.
Echter Berliner March 31st, 2012, 03:52 PM Wo soll denn Hertha BSC die künftigen Meisterschaften und Pokalsiege vor dem Roten Rathaus feiern, wenn alles zugebaut oder geflutet wird?? :tongue:
Der Platz wird nicht zugebaut, sondern entsteht erst durch eine Neubebauung. Guck dir mal die alten Bilder an. Dadurch entsteht erst eine lokale Identität, ein Rahmen.
Hertha kann also wieder Meister werden.
@ Wunderknabe aus Schloß-Thread:
Woher soll ich wissen, daß man hier über's Mariendrittel labert? Das kann man genauso gut beim Alex oder beim Schloß.
Also ich bin für einen Umbau des Fernsehturmpodiums. Man kann durchaus den Fernsehturm einrahmen und trotzdem eine angemessene Lösung finden.
Es kommt doch eigentlich auch bei vielen anderen Sachen meist immer auf das Wie an, auf die Kreativität, die geniale Idee.
Ich fürchte aber, daß Frau Lüscher das Marienviertel nicht wieder aufbauen will.
Ich kann es ja verstehen, daß man das jetzt nicht will. Die Frage wird sich aber nach den ersten Hochhäusern und dem Schloßbau stellen. Also ab 2020.
Die Häuser direkt um den Fernsehturm müßten architektonisch darauf bezugnehmen. Man könnte sich dort gut modernistische Glasarchitektur vorstellen.
Wenn man sich den Rest historisierend vorstellt ist ein schöner Kontrast hergestellt und eine gute Einbettung des Fernsehturms.
Es ist doch gerade das Reizvolle, auch für Touristen, wenn man solche Gegensätze und Widersprüche erzeugt. Dadurch wirkt das historische Marienviertel noch mehr und die Modernität des Fernsehturms kommt auch zur Geltung.
Die Gegend darf auf keinen Fall leer bleiben.
Echter Berliner March 31st, 2012, 04:04 PM Kleine Parzellen mit Hutzelhäuschen sollte man sich vielleicht besser für die Revitalisierung des Klosterviertels und der Fischerinsel aufheben, wo eben solche Häuser erst zu DDR-Zeiten abgerissen worden sind.
Was ist das denn für ein Argument? Das Marienviertel wurde auch zu DDR-Zeiten abgerissen.
Man kann über etwas erhöhte Häuser direkt am Fernsehturm reden, insgesamt muss aber eine kleinteilige Struktur her.
Diese ist geradezu ein schöner komplementärer Gegensatz zum Alex, stellt eine schöne Verbindung zum Schloß dar.
Was soll der Hinweis auf die DDR-Strukturen in der Ostcity?
Die gesamten Plattenbauten dort werden früher oder später weg sein.
Diese Plattenbauten sind kein sinnvoller Bezugspunkt für städtebauliches Planen. Sie müssen als Altlast verstanden werden, die früher oder später entsorgt wird.
Ich verstehe immer diese beliebigen Argumentationen nicht.
Wie hältst du denn den "Bruch" der Memhardt- und Rosa-Luxemburgstraße zu den östlichen Vierteln aus?
In Schloßnähe verbieten sich solche hohen Häuser von selbst.
Das sähe arg künstlich und respektlos aus, quasi banausenhaft.
Wunderknabe April 1st, 2012, 03:09 AM @ Wunderknabe aus Schloß-Thread:
Woher soll ich wissen, daß man hier über's Mariendrittel labert?
Deshalb ja mein Hinweis, dass man hier weitermachen sollte.
Die Häuser direkt um den Fernsehturm müßten architektonisch darauf bezugnehmen. Man könnte sich dort gut modernistische Glasarchitektur vorstellen.
Wenn man sich den Rest historisierend vorstellt ist ein schöner Kontrast hergestellt und eine gute Einbettung des Fernsehturms.
Es ist doch gerade das Reizvolle, auch für Touristen
Man baut aber nicht um Touristen ein hübsches Bild zu liefern. Das machen Sie dann mit den Kopien in Las Vegas, Dubai oder China.
In den Straßenfluchten kann und sollte man sich meiner Meinung nach an den historischen Vorbildern orientieren - angepasst
an die heutige Situation die ja sowieso keine 100%-Reko der Straßen erlauben würde, siehe mein Vorschlag vorletzte Seite.
Die Gebäude an sich sollten keine Rekonstruktionen sein (die Ursprungsbauten hatten überwiegend ohnehin keinen (bau)historischen Wert).
Ich stelle mir vielfältige moderne, hoffentlich hochwertige Gebäude vor, wie die Townhouses nur wenige hundert Meter weiter. Kein vorgeschriebener Stil.
Nur nicht ganz so kleinteilig.
Ich könnte mir aber auch dort Hochhausbebauung vorstellten, allerdings ist das wohl eh keine Alternative die in Frage käme.
Echter Berliner April 1st, 2012, 11:46 PM ^^
Das ist auch nicht meine Position, für Touristen etwas Tolles zu machen.
Aber es gibt nun mal diese Ebene. Es sähe auch für uns natürlich schön aus.
Natürlich sollten wir und Berlin der Maßstab sein, aber wenn's sonst noch schön aussieht, umso besser.
Also wenn ich mir die alten Bilder anschaue, finde ich es ein Muß, dort wieder historisch zu bauen. Aber das ist doch sowieso etwas müßig, oder wie schätzt du die Situation ein?
Ich denke, gerade eine grundsätzlich historisierende Richtung wäre dort gut. Am Fernsehturm direkt muß man dann noch mal schauen.
Kann Erbse mal dafür sorgen, daß bei diesem Fred noch der Zusatz "Marienviertel" hinzu kommt? Dann ist es eindeutig.
Sprengt denn dieses Alea 101 schon den Planungsvorschlag der Wiederbebauung? Ich verstehe das nicht. Bei so einem Viertel müßte man mehr Sorgfalt anlegen und einen Gesamtplan erstellen.
Wunderknabe April 2nd, 2012, 01:02 AM Also wenn ich mir die alten Bilder anschaue, finde ich es ein Muß, dort wieder historisch zu bauen.
Warum?
Mit dieser Aussage sprichst du ja heutiger Architektur jede Möglichkeit ab, ansprechende Bauten produzieren
zu können? Eine ziemlich traurige Ansicht, angesichts der manigfaltigen Möglichkeiten die es gibt.
Freilich muss und darf nicht alles gemacht werden was möglich ist, aber eine angenehme Atmosphäre und
hohe Qualität kann selbstverständlich auch moderne Architektur erzeugen. Aber hallo.
Außerdem ist die Frische ja etwas abhanden gekommen. Ist ja nicht so, dass der Krieg und die Abrisse erst vor 2 Jahren
waren.
Insofern finde ich es gut, den Bezug auf die Vergangenheit in Form der Straßenzüge und Kubaturen zu belassen,
so wie es Berlin doch erfolgreich schon an vielen Stellen gemacht hat.
Ich bin kein Fan von Rekonstruktionen. Bei bedeutsamen Einzelprojekten wie der Dresdner Frauenkirche oder unseren Berlin-Potsdamerischen Stadtschlösschen
von mir aus, aber nicht das ordinäre Gebäude. Da wäre in der Tat das Wort rückwärtsgewandt mal angebracht, das T-X so inflationär gebraucht.
Alea 101: dieses Grundstück und dieser Standort wurden schon vor langer Zeit festgelegt, als über Planungen bzgl.
des Marienviertels noch garnicht nachgedacht wurde. Man wollte offenbar etwas kurzsichtig eine Symetrie beidseitig des Fernsehturmes herstellen.
Echter Berliner April 2nd, 2012, 06:58 PM ^^
Ich bin ja auch kein Experte, was diese Fragen anbelangt. Ich sehe nur die alten Bilder und denke dann, "sowas" muß da wieder hin.
Ich habe neulich gerade einen interessanten Begriff gelesen, als ich hier zurückblätterte und eure schauderhaften Äußerungen über ein Schwimmbecken vor dem Rathaus zur Kenntnis nehmen mußte. Irgendwas mit Leit. Leitgebäude oder so.
So hatte ich mir das auch vorgestellt. Ich würde dort alles Mögliche unterbringen von modern bis mehr oder weniger historisierend und eben ein paar Anker oder Leitgebäude an markanten Stellen.
Tut mir leid, aber eine feinteilige Struktur muß einfach her. Es ist so ein Genuß, sich das vorzustellen. Das ganze muß sich natürlich entwickeln, es muß "geboren" werden.
Das ist das, was ich häufig mit dem Wort "Stadtpsychologie" meine. Diese Sache muß erst mal langsam gedanklich gerinnen und wachsen.
Also mit "muß" meinte ich nicht, daß da nichts Modernes hin darf. Man sollte wie so häufig einen historischen Bezug herstellen und unser Bedürfnis nach aktuellen Ausdrucksformen befriedigen.
Aus meiner Sicht ist es einfach ein Muß, dort eine quasi Altstadt-Fußgängerzone zu errichten. Mir fehlt so etwas einfach sehr in dieser postatomaren sozialistischen Wüste.
Es wäre auch eine tolle Ergänzung zur Weltstadtatmosphäre am Alex.
leperd August 13th, 2012, 10:26 AM http://www.abload.de/img/picture060c1j0.jpg (http://www.abload.de/image.php?img=picture060c1j0.jpg)
(eigene Bilder)
Hmmm... hab mir noch mal dieses Bild von 2009 angeschaut und ich finde das eigentlich eine sehr angenehme Öde.
Vielleicht nur das M-E-Forum bebauen..?
erbse November 11th, 2012, 07:44 AM Um die Diskussion mal wieder anzuschieben, möchte ich einen DAF-Beitrag vom Nutzer Baukunst zitieren, der den Unort Marx-Engels-Forum samt Umgebung (Rathausforum etc.) treffend umreißt:
Aus einem gewichtigen aber in der Diskussion fast untergegangenen Grund ist RF/MEF/Alex, kurz "Scheißgegend", in seiner jetzigen Form nicht zukunftsfähig: Die Bewohner Berlins.
Fragt euch dochmal jenseits von allen Theorien und intellektuellen Gedankenspielen mal ganz ehrlich:
Wann geht ihr dahin? Mal ein Paar typische Gründe eines Stadtbewohners für eine Fahrt ins ZENTRUM seiner Metropole:
1: Ein Theaterbesuch? Eher alter Westen und Friedrichstraße
2: Kino mit anschließend Bar? Kann man woanders in Berlin wesentlich besser.
3: Schick mit der Frau/ Freunden/Kollegen/Kunden essen gehen? Gibt Grillwalker und Burger King, wer´s authentisch mag. Ansonsten kulinarisches Sibirien.
4: Gästen die Stadt zeigen? Ein Hauch Bewohnerstolz reicht aus, um das möglichst nach hinten auf der Liste zu verschieben. Außer ich bin Architekt und hab meine Architektenfreunde da
5: Im Sommer "berlinmäßig" auf der Wiese liegen? Dann doch lieber Lustgarten, Monbijoupark, Victoriapark..bla als diese Brache.
6: Wochenendbummel mit Café und Kumpels/ Familie? Bleibt man doch lieber im Kiez. Aber solange statt "Kiez" Brachfläche ist, bleibt auch keiner.
7: Oder sogar zur Arbeit gehen? Wohl eher in der Friedrichstraße, am Potsdamer Platz, Kudamm oder Spandauer Vorstadt
8: Einkaufen. Ok, das wäre ein halber Punkt, wenn die Schlosstraße, Kudamm oder Wilmersdorfer zu weit weg sind. Aber von Einkaufs-"Gegend" keine Spur. Nur dieser fette stetige Passantenstrom zwischen Bhf und Alexa-Mall.
Um die Punkte 1 bis 7 jemals ansatzweise auf die ex-sozialistische Mitte anwenden zu können, muss gebaut werden. Häuser, wo überhaupt Galerien, Läden und Cafés die Erdgeschosse säumen könnten. Straßenzüge jenseits von Autoahnbreite, wo man überhaupt bummeln könnte. Bürogebäude, in denen man überhaupt arbeiten könnte. Usw...
Die sozialistische Mitte war ja als reine Repräsentationsfläche gebaut. Und die schließt innerstädtisches Leben aus.
Günter Stahn hat das schon vor 25 Jahren gewusst... Wer ist also da und bleibt, wenn die Denkmalpfleger verrückt spielen? Touris, Schulklassen-Touris, Tram-Umsteiger, der fette stetige Alexa-Passantenstrom und Asis. Geiles ZENTRUM.
Die "Scheißgegend" geht in anbetracht ihrer Bedeutung (verkehrsmäßig, historisch, "mystisch", literarisch) völlig an den Berlinern vorbei - alles ist woanders in der Stadt besser als hier. Täglich 100.000e Umsteiger im Untergrund, aber oben das reinste Vakuum....
siehe (http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showthread.php?p=357822#post357822)
Ich stimme dem weitgehend zu. Die Urbanität muss in die Mitte Berlins zurück.
Allerdings sollte man beim Marienviertel / MEF da sehr vorsichtig vorgehen. Unter den aktuellen Bedingungen, vorallem wegen dem Lüscher-Ungeheuer und der modernistischen Stella-Schlossfassade, würde ich von einer Bebauung dringend abraten.
erbse March 11th, 2013, 11:09 AM Hatten wir hier schon den Entwurf von Stephan Braunfels Architekten diskutiert?
http://www.braunfels-architekten.de/en/competitions/chronological/2008/stadtschloss-berlin/
Seine "Vision" für das Marienviertel macht mich nun nicht sonderlich an.
Sehr interessant finde ich aber, dass er meine Auffassung teilt, dass ein offenes Humboldt-Forum die angenehmste Lösung wäre:
http://www.braunfels-architekten.de/uploads/pics/braunfels_stadtschloss_berlin_03.jpg
http://www.braunfels-architekten.de/uploads/pics/braunfels_stadtschloss_berlin_04.jpg
http://www.braunfels-architekten.de/uploads/pics/braunfels_stadtschloss_berlin_05.jpg
http://www.braunfels-architekten.de/uploads/pics/braunfels_stadtschloss_berlin_08.jpg
http://www.braunfels-architekten.de/uploads/pics/braunfels_stadtschloss_berlin_01.jpg
http://www.braunfels-architekten.de/uploads/pics/braunfels_stadtschloss_berlin_02.jpg
http://www.braunfels-architekten.de/uploads/pics/braunfels_stadtschloss_berlin_06.jpg
http://www.braunfels-architekten.de/uploads/pics/braunfels_stadtschloss_berlin_07.jpg
http://www.braunfels-architekten.de/uploads/pics/braunfels_stadtschloss_berlin_09.jpg
Sicher nicht optimal, aber schon deutlich attraktiver als Stella! :okay:
Schaps March 11th, 2013, 11:39 AM So eine Promenade wäre dort super! Nur wärs mal interessant zu sehen wie das Schloss mit der modernen Fassade dann am Ende dieser Passage aussehen würde
MattSid March 11th, 2013, 04:28 PM http://www.braunfels-architekten.de/uploads/pics/braunfels_stadtschloss_berlin_02.jpg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/0d/Roma_Via_della_Conciliazione_BW_1.JPG/640px-Roma_Via_della_Conciliazione_BW_1.JPG
Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Roma_Via_della_Conciliazione_BW_1.JPG
Via della Conciliazione ohne Autos.
extrawelt March 11th, 2013, 07:26 PM Ich würde das große Bassin, oder besser den Spreeanstich favorisieren, im selben Zuge die hässlichen Randplatten entfernen bzw. neubebauen und die Längsränder des Bassins jeweils mit Abstufungen versehen. Ähnlich wie in der existierenden Visualisierung.
Nachts würde sich der Fernsehturm atemberaubend im Wasser spiegeln.
:cool::yes:
erbse March 11th, 2013, 08:02 PM Ja, die Idee der "Innenspree" hat auch ihre Reize, das betone ich auch immer wieder.
Andererseits ist das die historische Kernzone Berlins und die Urbanität würde unter einem so großen Bassin doch erheblich leiden, zumal gerade Unter den Linden und Umgebung nie einen wirklich quirligen Altstadtbereich abbilden werden.
Doch wenn die Lüscher wieder rumwurschtelt, wird das Marienviertel auch zum vergessen... Eine Innenspree wäre zumindest eine tolle Lösung für dieses Jahrhundert, bis eine Generation von Architekten und Planern herangewachsen ist, die mit solchen Aufgaben umgehen kann. :)
Man könnte eben nur den vorderen Bereich zur Innenspree machen, also das Marx-Engels-Forum bis zur Spandauer Straße.
Ludi March 11th, 2013, 08:10 PM Hm, hab da aber meine Zweifel an der "Innenspree".
Man muss sich nur mal den Verlauf des neuen U5 Tunnels angucken, knapp unter der Erde und genau dort entlang, wenn man dort also eine Innenspree plänen würde, käme der U5 Tunnel ganz schnell zum Vorschein. ;)
Würde eher eine Bebauung bevorzugen, käme der Gegend zugute. Reurbanisieren, freiflächen haben wir in der Gegend viel zu viele meiner Ansicht nach.
erbse March 11th, 2013, 08:18 PM Begebenheiten wie die U-Bahntunnel mal außer Acht gelassen. Da fänden sich schon Möglichkeiten.
Wasser ist im Grunde keine Freifläche. Berlin feiert sein Wasser (im Innenstadtbereich) viel zu wenig. Zeigt sich auch an den idiotisch kleingeistigen Planungen am Humboldthafen.
Daher hier mein grobes Konzept zur Innenspree (von mir auch schon mal einige Seiten zuvor als Satellitenbild vorgestellt):
http://i.imgur.com/RDxdR6k.png
Von: Bing (http://binged.it/Wi090E)
Hier reicht das Wasser nicht direkt bis an Marienkirche und Rotes Rathaus, was enorm ahistorisch wirken und jedwede Urbanität nehmen würde.
Stattdessen entsteht im Grunde eine "Altstadt" am Wasser. Im Marienviertel nördlich der Spandauer Straße werden einige prägende Leitbauten rekonstruiert und sich daran anlehnende Neuschöpfungen gebaut. Dies auf den historischen Grundrissen (die hier nicht völlig korrekt abgebildet sind).
Berlin 1902 mit seinen Straßenverläufen (Pharus-Plan):
http://i.imgur.com/Ts7aXSP.jpg
Wiki (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Berlin_Zentrum_Pharus_Plan_1902.jpg)
Auf den Fernsehturm führt die neu zu schaffende Bischofstraße, die bis vor dem Krieg bestand. Sie würde auch in historisch korrekter Ausführung geradezu perfekt gerade auf den Turm des Fernsehturms zuführen.
Die Bischofstraße wird dabei zum begrünten Boulevard (entsprechend markiert). Entlang der Spandauer Straße entsteht ebenfalls ein Grünzug und 2 markante Brunnen am Scheitelpunkt zur Bischofstraße. So ist ein imposanter Rahmen für Altstadt, Innenspree, Rathaus, Marienkirche und Fernsehturm geschaffen.
Das Beste aus 2 Welten: Großzügiger, zeitgeistiger Städtebau - und altstädtische, dem altehrwürdigen Zentrum Berlins gerecht werdende Urbanität.
Das nimmt dem Areal die Zugigkeit und gibt ihm zugleich mehr Weite und Exklusivität.
Kurzum: Es wäre supergeil. :cool:
Was meint ihr?
erbse March 11th, 2013, 08:29 PM Ich glaube nicht, dass der U5-Tunnel ein Hindernis wäre. Schließlich verläuft dieser ja ohnehin unter der Spree und muss in diesem Bereich schon deshalb entsprechend tief verlaufen, damit es keine Probleme gibt. Das wird nicht erheblich stören.
http://www.morgenpost.de/img/berlin/crop100669799/2820698667-ci3x2l-h307/sei-Bahn-Karte-BM-Berlin-Berlin.jpg
von (http://www.morgenpost.de/berlin/article1531702/Neue-U5-faehrt-fruehestens-2018-Unter-den-Linden.html)
erbse March 11th, 2013, 08:44 PM Zur Auffrischung nochmal: Die enorme Dichte des Marienviertels vor dem Krieg.
http://i51.tinypic.com/11v3d7b.jpg
Von: http://www.berliner-historische-mitte.de/
Ludi March 11th, 2013, 09:02 PM Ich könnte mit einer Innenspree leben, im U5-Thread sieht man auf meinen Bildern:
http://www.skyscrapercity.com/showpost.php?p=100063392&postcount=9
Wie weit oben der Tunnel verläuft, wundert mich auch ein wenig, zur SPree hin müsste dieser ja ein Stück abfallen.
Egal wie, ich wünsche mir, dass die Gegen wieder deutlich urbaner wird und enger bebaut wird.
Ein nettes Viertel um die Marienkirche wäre wünschenswert.
Mit Schloss und dem Fernsehturm+ vielleicht eines Tages einer kleinen Skyline könnte die Gegend dort mal sehr interessant werden. :yes:
Wahnsinn, wie eng dort alles bebaut war, wenn man sich heute mal die Gegend vorm Rathaus und hin zum Alex anguckt... :ohno:
yourrulez March 11th, 2013, 09:19 PM Der Fokus lag nach dem Krieg und der Wende leider woanders, Thema Friedrichstadt. Die enge Bebauung damals findet man ausserhalb des zerstörten Zentrums ja noch in jedem Gründerzeitviertel, man schau einfach mal wie Urban Fhain, Kreuzberg, Spandauer Vorstadt, Prenzlauer Berg, Schöneberg, Wilmersdorf, Charlottenburg, Neukölln, Tempelhof etc. sind.
extrawelt March 11th, 2013, 09:21 PM Nochmal zur Innenspree:
Eine Bassintiefe von max. 1,50 m würde ja vollkommen ausreichen.
Die Auskleidung der Wanne mit beispielsweise blauem Anstrich im Zusammenspiel mit der geringen Tiefe, ergäbe einen zusätzlichen optischen Reiz. Den entstehenden Niveauunterschied der Wasseroberflächen [Spree - Bassin] müsste man natürlich technisch berücksichtigen. Eine Art Pumpenmechanismus, welcher in Intervallen das Becken befüllt und entleert, käme hierbei als Lösung in Frage.
Effekt: Schönes blaues Wasser.
extrawelt March 12th, 2013, 01:34 AM Nachtrag #139, um Missverständnisse zu entgehen:
Das Bassin läge also oberhalb der Spree.
Zur Reinigung des Bassins könnte man neben Filtern einen Rechen installieren, welcher die Wasseroberfläche regelmäßig von groben Verunreinigungen befreit.
Fehlt dann nur noch ein ansprechendes Beleuchtungskonzept.
erbse March 12th, 2013, 07:03 AM Vergleichen wir nochmal das Antlitz v. Marienviertel vor und nach dem Krieg:
http://www.abload.de/img/mv19254cs2.jpg
http://www.abload.de/img/mv1945hcpk.jpg
Von: Time Magazine
Wäre der politische Wille da gewesen... Verdammte SED! :(
Und sowas wählt Berlin heute wieder ins "Rote" Rathaus, unfassbar...
Ludi April 20th, 2013, 02:02 AM Es kommt wieder neuer Wind in die Diskussion, Frau Lüscher verwaltet nurnoch, wird dabei auch kritisiert. Vermutlich ist auch die CDU für eine Bebauung, wenn nun auch die SPD nachzieht, wäre eine Mehrheit gegeben.
Machtvoll in die Mitte
Mit seinen Plänen für das historische Zentrum wagt Berlins SPD-Chef Jan Stöß eine Kraftprobe mit Bausenator Michael Müller - erneut.
Auch dieses Mal hat Stöß gute Chancen, sich mit seinen Vorschlägen zur Rückgewinnung des historischen Zentrums durchzusetzen. Die Brache zwischen Fernsehturm und geplantem Schlossneubau ist aus der Zeit gefallen: Sie ist nicht mehr die symbolisch aufgeladene städtebauliche Achse der erloschenen „Hauptstadt der DDR“ – und noch nicht Teil des neuen Berlins. Das Kampftrinken von Jugendgruppen fand am Rande des Rathausforums statt, und hier lag auch der Tatort der für Jonny K. tödlich endenden Prügelorgie – und nicht am Alexanderplatz, wie es hieß.
Wo die Stadt von den Menschen verlassen ist, da sinkt die Schwelle zur Gewalt und wächst die (kulturelle) Wüste. Der frühere Senatsbaudirektor Hans Stimmann hatte das erkannt und die Wiederherstellung von Straßen und Plätzen auf der Blaupause der historischen Stadt gefordert. Seine Nachfolgerin Regula Lüscher, die sich mit ihrem Baukollegium durchaus verdient macht im Kampf um qualitätsvolle Architektur in der Stadt, griff dieses Thema nicht auf. Ein Fehler, wie sich nun zeigen wird.
Denn wer die Gestaltung Berlins verantwortet, darf keinen Bogen um die ganz großen Themen machen – er wird sonst angreifbar. Schon in der Debatte um den Alexanderplatz reagierte Lüscher nur noch, statt das Thema frühzeitig zu erkennen und Akzente zu setzen. Stöß zeigt, wie es geht: Eine Internationale Bauausstellung (IBA) im historischen Zentrum – die internationale Architektenschaft wird sich darum reißen, an diesem Ort ihre Fußspuren zu hinterlassen.
http://www.tagesspiegel.de/meinung/berliner-spd-machtvoll-in-die-mitte/8095540.html
erbse April 20th, 2013, 02:31 PM Bleibt weg mit der IBA! Tobt euch da meinetwegen auf dem Tempelhofer Feld aus.
Aber doch nicht auf Kosten der historischen Keimzelle Berlins! Was für eine Scheißidee, mit Verlaub! :ohno: :no:
Ludi April 20th, 2013, 07:50 PM Nunja, immerhin wird überhaupt die Diskussion wieder angeregt.
Die SPD hat ja in dem Bereich keine klare Linie.
Ich muss Herrn Stöß teilweise Recht geben, diese DDR-Plätze sind nicht mehr zeitgemäß, sie haben keinerlei Funktion und sind überflüssig.
IBA hin oder her, er vertritt immerhin auch die Ansicht, dass dieses Gebiet wieder dichter bebaut werden sollte.
Wunderknabe April 21st, 2013, 12:42 AM Aber doch nicht auf Kosten der historischen Keimzelle Berlins! Was für eine Scheißidee, mit Verlaub! :ohno: :no:
Was für eine historische Keimzelle denn?
Dort gibt es doch nichts mehr!
Du erwartest doch nicht ernsthaft Rekonstruktionen? Ich mein, es waren ja nichtmal architektonisch wertvolle Gebäude die dort mal standen.
erbse April 21st, 2013, 01:59 AM Sei doch gütig und zeig uns Bilder vom Viertel, danke. :)
Ludi April 21st, 2013, 12:22 PM ja, gibt es denn Nahaufnahmen vom Viertel?
Echter Berliner April 21st, 2013, 05:33 PM Dort gibt es doch nichts mehr!
Du erwartest doch nicht ernsthaft Rekonstruktionen? Ich mein, es waren ja nichtmal architektonisch wertvolle Gebäude die dort mal standen.
Immer mit der Ruhe, Wunderknabe. Ihr Modernisten seid schon ein merkwürdiges Volk. Ihr lauft immer mit der gleichen Paranoia rum: Die böse "1912er-Bande" will alles rekonstruieren und Etagenklos wieder einführen.
Lerne einfach mal zwei Wörter: Grundriß, Proportionen.
Darum geht es uns. Da kann man sich vielfältig kreativ betätigen - auch modern.
Schon mal was von Marienkirche und Panoramahaus gehört? Guck die mal Bilder aus den 60ern an. Da stand noch 'ne ganze Menge. Und jetzt ab nach Brasilia. :)
yourrulez April 22nd, 2013, 12:59 PM Wuerde es nicht schlecht heissen wenn da zur IBA was passiert. Dann geht es wenigstens schnell und mit Konzept und nicht so nach und nach mal nen Kleckerchen. Das so ein Quartier auch etwas moderner bzw mit modernen Elemeten erschlossen werden kann, kann ich mir gut vorstellen. Lieber ein paar pfiffige Gebeaude mit denen man auch was anfangen kann als nen Altbau Kiez der auch in Schoeneberg sein koennte. Wenn man es naemlich historisch macht hat man genau das, wie in Paris, wo Innenstadt und Wohnviertel alle gleich aussehen. Dann lieber mit einmaligen Bauten die man nicht nochmal finden wird in der Stadt oder sonstwo und dafuer ist eine IBA genau das richtige. Ausserdem hat es denn grossen Vorteil des Zeitfeldes, hier muss die Politik bis 2020 ein Ergebnis gebaut haben und koennen nicht noch 10 Jahre Diskutieren wie z.B. am Alex.
Wunderknabe April 22nd, 2013, 11:30 PM Komischer Berliner: in was für ne Ecke stellst du mich denn hier auf einmal?
Ich sage Rekonstruktionen (schlag mal nach was das wort heißt) wird es kaum geben, und sollte
es auch garnicht, weil es keinen triftigen Grund dafür gibt und fordere deshalb ja NICHT gleichzeitig
das Gegenteil (was du mit Brasilia betitelst).
Gebäude die sich GROB am Grundriss und Kubatur mit den Originalen vergleichen lassen wären
in etwa was ich mir vorstelle. Dies sollten aber keineswegs Rekonstruktionen sein.
erbse April 23rd, 2013, 07:48 AM Yourrulez: Bauten, die überall stehen? Wo stehen denn in Berlin noch so Altstadtquartiere in der Innenstadt herum? :dunno: Jetzt bitte nicht das Nikolaiviertel nennen... Der Vergleich mit Paris ist zudem vollkommen abwegig, da es eine Massenüberformung der Stadt wie durch Haussmann in Berlin nie gegeben hat. Zumal Paris ja gerade deswegen so monoton ist, weil es kaum noch Altstadt gibt. Berlin hat hier ganz andere Möglichkeiten als Paris, kann sich vielschichtiger präsentieren.
Ich will ja auch nicht das ganze Quartier rekonstruiert sehen. Aber es sollte einige Leitbauten geben. Das heißt, an bestimmten Stellen rekonstruierte historisch bedeutsame oder architektonisch prägende Bauten (ja, auch der schlichte preußische Barock bzw. der spätere gründerzeitliche Pomp war durchaus nicht unbedeutend, der in dem Viertel zu finden war).
Das heißt in Summe vielleicht 10, max. 20 Rekos. Auf dem Gebiet standen ja etliche Häuser. Die Grundrisse des Quartiers sollte man versuchen in etwa wieder so herzurichten wie vor '45, damit wieder ein kleinteiliges urbanes Quartier entsteht.
Aber ja, auch ich will da Neuschöpfungen sehen, Berliner Verrücktheit, etwas, was die Welt nur von Berlin kennen dürfte. ;)
erbse April 23rd, 2013, 07:57 AM Zur Ergänzung noch mal Einblicke ins Viertel:
http://farm8.staticflickr.com/7114/7549191998_a2c988b771_b.jpg (http://www.flickr.com/photos/glenhsparky/7549191998/)
Berliner Dom (http://www.flickr.com/photos/glenhsparky/7549191998/) por glen.h (http://www.flickr.com/people/glenhsparky/), en Flickr
Gerade die Spreeseite gegenüber des Schlosses war eine sehenswerte Ergänzung zur elaborierten Pracht der Spreeinsel. Da sollte es ein paar Rekonstruktionen geben.
http://farm9.staticflickr.com/8162/7566039730_9a039667d3_b.jpg (http://www.flickr.com/photos/glenhsparky/7566039730/)
Filmstadt Berlin 1920 (http://www.flickr.com/photos/glenhsparky/7566039730/) por glen.h (http://www.flickr.com/people/glenhsparky/), en Flickr
erbse April 23rd, 2013, 08:04 AM Und auch solche Altstadtromantik gab's im alten Berlin:
Der Krögel (http://de.wikipedia.org/wiki/Kr%C3%B6gel) war eine Gasse südöstlich von Marienviertel und Nikolaiviertel, fast am Molkenmarkt.
http://farm8.staticflickr.com/7259/7549190486_3da95d0c0b_b.jpg (http://www.flickr.com/photos/glenhsparky/7549190486/)
Der Krogel (http://www.flickr.com/photos/glenhsparky/7549190486/) von glen.h (http://www.flickr.com/people/glenhsparky/) auf Flickr
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/a/a0/Kroegel4.jpg/431px-Kroegel4.jpg
http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Kroegel4.jpg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/66/Michael_Adam%2C_Berlin%2C_Der_Kr%C3%B6gel.jpg/712px-Michael_Adam%2C_Berlin%2C_Der_Kr%C3%B6gel.jpg
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Michael_Adam,_Berlin,_Der_Kr%C3%B6gel.jpg
(Michael Adam: Der „Krögel“ in Berlin. 101 × 70 cm, Öl auf Leinwand. 1901.)
yourrulez April 23rd, 2013, 01:03 PM Ich wollt damit sagen, dass da am Ende kein 2. Prenzlauer Berg raus werden sollte, erbse. Ansonsten stimm ich der Meinung zu, wenn es solche Rekos werden wie du nanntest ist es okay, gemischt mit dem was man nur in Berlin erwartet und findet (schoen gesagt, sowas meinte ich auch). Hoffentlich is bis zur IBA 2020 Luescher weg, sonst gibts sicher keine guten Rekos und die modernen Bauten sind langweilige Kloetze.
Ludi April 23rd, 2013, 08:16 PM Die SPD streitet am Rathaus Stadtplaner sehen das Fernsehturm-Viertel verwahrlosen
Fachpolitiker sind gegen die Initiative des Parteichefs Stöß, der den Stadtkern rekonstruieren will. Doch die Zeit eilt, meinen Stadtplaner. Sie sehen das Viertel unterm Fernsehturm verwahrlosen.
Der Vorstand der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus bereitet einen Beschlussentwurf für die Koalition zur Gestaltung der historischen Mitte vor. Wie berichtet, hatte SPD-Chef Jan Stöß gefordert, die „seelenlose“ Brache zwischen Fernsehturm und geplantem Schlossneubau im Rahmen einer IBA mit Wohnungen zu bebauen. Die CDU erkennt darin „große Schnittmengen“ zum eigenen Beschluss, wonach das Areal auf Grundlage der historischen Parzellen mit zeitgenössischer Architektur als Stadtkern zurückgewonnen werden soll.
Die Vorschläge der SPD-Spitze greife man auf.
„Wir hoffen, dass diese Initiative in der SPD-Fraktion eine Mehrheit findet“, sagte CDU-Fraktionsvize Stefan Evers, der die Beschlussvorlage zügig auf den Weg zum politischen Partner bringen will. Fraktionschef Raed Saleh hatte in dieser Zeitung die Vorschläge von Parteichef Stöß unterstützt. Der Fraktionschef würde damit allerdings abrücken von der bisherigen Beschlusslage der SPD zur Zukunft des Rathausforums. Demnach soll dieses Areal zunächst als von „Grün geprägter Freiraum“ in der heutigen Form erhalten bleiben.
Bausenator Müller, der sich am Wochenende in die Debatte eingeschaltet hatte, möchte das Areal bis zur Fertigstellung des Humboldtforums unbebaut lassen. Auch die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Ellen Haußdörfer, sagte auf Anfrage: „Dem Rathausforum muss man noch Zeit geben, rund um die historische Mitte entstehen viele andere Projekte“. Diese hätten Priorität. Ähnlich äußerte sich auch der Chef des Arbeitskreises Stadtentwicklung der SPD, Daniel Buchholz.
Wegen der vor dem Vorstoß des SPD-Chefs noch klar verlaufenen Fronten zwischen SPD und CDU in dieser Frage war im Koalitionsvertrag eine fast schon widersprüchliche Formulierung aufgenommen worden. Diese würde sowohl eine Bebauung auf dem historischen Grundriss als auch einen von Grün geprägten Freiraum im Rathausforum zulassen. Unklar ist allerdings weiterhin, ob sich Saleh als Chef in seiner eigenen Fraktion durchsetzen kann – oder ob erstmals ein im Gleichschritt mit Stöß initiierter politischer Vorstoß aufgrund interner Widerstände von Fachpolitikern im Sande verläuft. Zumal der Riss quer durch die Fraktion verläuft. Kulturstaatssekretär André Schmitz etwa begrüßte die Initiative von Stöß.
Die Vize-Fraktionschefin der Linken, Katrin Lompscher, nannte einen „qualifizierten öffentlichen Raum mit Rathausforum und viel Grün“ weiterhin „eine tragfähige Vision“.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/die-spd-streitet-am-rathaus-stadtplaner-sehen-das-fernsehturm-viertel-verwahrlosen/8105568.html
yourrulez April 23rd, 2013, 11:17 PM Die linken gehen mir so auf den Sack. Bloß nicht viel verändern, man könnte ja Wohnraum schaffen...
Schaps April 24th, 2013, 12:49 PM Aber dass das Gebiet unter dem Fernsehturm "auf einmal" verwahrlost und nur noch ganz wenig Zeit bleibt dort zu bauen ist doch auch kompletter Blödsinn.
yourrulez April 24th, 2013, 12:57 PM Naja es passt bei dem was drumherum geschieht einfch nichtmehr ins Bild, auf der einen Seite gehts mit Wolkenkratzern los, auf der anderen mit dem Molkenmarkt und auf der 3. mit historischem Berlin inkl Schloss, da is die Fläche der Zeit einfach etwad hinterher. Ich frag mich warum man auf den Humboldthafen warten will, was hat der damit zu tun ausser das er auch ma im Zuge der IBA genannt wurde, allerdings faengt man da ja jetzt schon an. Wenn man sagt man will erst den Molkenmarkt fertig machen und das Schlossgebiet, okay, nachvollziehbar wegen der Baubelastung auch fuer den Verkehr, aber der Humboldthafen hat damit doch herzlich wenig zu tun! Weiss eigentlich einer was zur IBA 2020 noch so geplant ist oder was die Bestandteile sind falls das schon feststeht? Wuerd mich ma interessieren! :)
erbse April 24th, 2013, 01:01 PM Sagen wir: Rathausforum und Marx-Engels-Forum sind verwahrlost. ;)
Gerade im Zuge der Rekonstruktion des Stadtschlosses, Bebauung des Molkenmarktes und der Fortschritte rund um den Alex drängt sich die Frage nach diesem Areal eben zunehmend auf.
Im Moment bin ich noch für Nichtbebauung. Unter Lüscher und den derzeit gegebenen Voraussetzungen ist Berlin nicht bereit, hier ein wirklich überzeugendes Quartier zu erschaffen. Eine Chance wäre auf Jahrzehnte, vielleicht Jahrhundert vergeben.
Dann lieber warten! :)
Schaps April 24th, 2013, 01:11 PM Das Marx und Engelsforum kann ruhig bebaut werden, der Platz am Fernsehturm sollte freibleiben. Der wird als Platz dann sicherlich auch belebter werden, sollte der Süden bebaut werden. Ein wenig Freiraum braucht der Turm aber. Man könnte jedenfalls erstmal von Süden her beginnen. Die Fußbebauung des Fernsehturm sollte definitiv erhalten bleiben.
erbse April 24th, 2013, 01:34 PM Ein wenig Freiraum braucht der Turm aber. Man könnte jedenfalls erstmal von Süden her beginnen. Die Fußbebauung des Fernsehturm sollte definitiv erhalten bleiben.
Dem stimme ich grundsätzlich zu, jedenfalls, was die mittelfristige Zukunft betrifft. In 20 Jahren können wir uns ggf. noch mal über weitreichendere Lösungen unterhalten.
Unabhängig davon denke ich, dass man aber zumindest die Platzkante um die Marienkirche wieder herstellen sollte. Die älteste noch bestehende Kirche Berlins steht sonst einfach verlassen und unwürdig ohne angemessenen Rahmen in der Gegend.
Auf deutsch: Ich will den Neuen Markt (http://de.wikipedia.org/wiki/Neuer_Markt_%28Berlin%29) (bzw. Platz an der Marienkirche) und das Arrangement des Lutherdenkmals aus der Gründerzeit wieder sehen (die vormalige Verbauung (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Johann_Heinrich_Hintze_-_Berlin,_Neuer_Markt_mit_Marienkirche.jpg) gefiele mir hingegen nicht sonderlich).
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/6e/Berlin_Mitte_St._Marienkirche_Lutherdenkmal_1906.jpg/658px-Berlin_Mitte_St._Marienkirche_Lutherdenkmal_1906.jpg
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Berlin_Mitte_St._Marienkirche_Lutherdenkmal_1906.jpg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/f/fd/Postkarte-lutherdenkmal-neuer-markt-berlin.jpg
http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Postkarte-lutherdenkmal-neuer-markt-berlin.jpg
GEwinnen April 26th, 2013, 08:56 AM Die Fußbebauung des Fernsehturm sollte definitiv erhalten bleiben.
Apropos Fernsehturm, wie lange hält der eigentlich noch? Das dürfte doch analog zum Hamburger Turm zu sehen sein, dem man ja anscheinend nur noch eine Lebensdauer von max. 30 Jahren gibt.
Die Türme sind ja ungefähr zu selben Zeit errichtet worden.
Wunderknabe April 27th, 2013, 12:50 AM Der Turm ansicht? Der hält unbegrenzt bei entsprechender Pflege. Und die wird ihm garantiert zuteil.
Den Fernsehturm abzureißen wäre ungefähr so durchsetzungsfähig wie den Eiffelturm in Paris wieder abzubauen.
GEwinnen April 27th, 2013, 12:00 PM Über den Hamburger Turm ist zu lesen, dass die Konstruktion in spätestens 30 Jahren "ausgehärtet" ist und der Turm deshalb nicht mehr die auftretenden Schwingungen auffangen kann, das dürfte doch beim Berliner nicht anders sein, oder?
Wunderknabe April 27th, 2013, 11:12 PM Ziemlicher Schwachsinn würd ich meinen. Die Zylinderförmigen Segmente des Schaftes sind ja aus Stahlbeton gefertigt und im Grunde ideal um jede art von Belastung aufzunehmen.
Der Stahl im Stahlbeton sorgt für dessen Elastizität, da er die Zugkräfte aufnimmt.
Mir fällt kein Gebäude dieser Größenordnung ein (bzw jeder Größenordnung) das aufgrund solcher Gründe abgerissen werden musste.
extrawelt April 28th, 2013, 12:12 AM Aufgrund der tellerförmigen Aussichts- und Technikebenen unterliegt der Hertzturm höheren Belastungen (Wind=Querkräfte), als es beispielsweise in Berlin der Fall ist. Zudem ist die Fertigungsqualität des Stahlbetons ein entscheidener Faktor.
GEwinnen April 28th, 2013, 11:33 AM Gut, denn die "Skyline" wäre ja ohne den Fernsehturm kaum denkbar!
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