View Full Version : Das alte Dresden - Historische Ansichten, verschwundene Gebäude, Bildvergleiche usw.
Dakir@DD April 22nd, 2009, 09:58 AM Info von Moderator Erbse:
Dieser Themenstrang dient der Information und Diskussion rund um das alte Dreden (http://de.wikipedia.org/wiki/Dresden).
Historische Fotos und Vorkriegsansichten, Postkarten, zerstörte oder abgerissene Gebäude, (entstellte) historische Bauten, gründerzeitliche und frühmoderne Abrisse und Durchbrüche, Bombardierung der Stadt Dresden (http://de.wikipedia.org/wiki/Luftangriffe_auf_Dresden) im 2. Weltkrieg, der Wiederaufbau der Innenstadt in der Nachkriegszeit (mit Stalinismus (http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistischer_Klassizismus), DDR-Moderne, Wiederaufbau von Semperoper und Zwinger etc.), Abrisse von Nachkriegsbauten, Sanierung und Rekonstruktion historischer Bauten und Ensembles.
Hier können sowohl Rekonstruktionswünsche, Abrisspläne mit anschließend historischer/historisierender Neubebauung, Visionen für das Zentrum von Dresden als auch besondere Einzelbauten und noch vorhandene oder bereits wiederaufgebaute Altstadtreste (wie am Neumarkt) besprochen werden.
Hier wird es sicher viele historische Einblicke, gute Ideen und spannende Diskussionen geben.
----------------------------------------------
Dakir sagt:
Ich habe lang überlegt, ob ich diesen Thread eröffne, ob es überhaupt Leute da draußen gibt, die sich dafür interessieren.
In diesem Thread möchte ich euch historische Gebäude vorstellen bzw. zeigen, die es mal im alten Dresden gab. Um halbwegs zu begreifen, wie schön Dresden einmal war und was uns genommen worden ist.
Aufmerksam machte mich darauf die "Sächsische Zeitung" (mal wieder - kann mich nur wiederholen, echt tolle Zeitung), die gelegentlich Artikel veröffentlicht zu diesem Thema.
Dakir@DD April 22nd, 2009, 10:05 AM 1. Hotel Bellevue
Aller Anfang ist schwer. Diese Erfahrungen machten im Jahre 1852 auch der 32-jährige Kellner Emil Kayser und sein Geschäftspartner Hugo Francke. Gemeinsam wollten sie in den leer stehenden Gebäuden der ehemaligen Calberlaschen Zuckerfabrik ein besonders vornehmes Hotel errichten. Ihre Investitionen orientierten sich an der Ausstattung und dem Komfort anderer Spitzenhotels europäischer Großstädte. Zu Recht stellten sie fest, dass eine solche gastronomische Einrichtung für das zahlungskräftigste Reisepublikum in Dresden fehlt.
Erste Eröffnung 1853
Zunächst galt es, die erforderlichen behördlichen Genehmigungen zu erhalten. Als besonderes Problem stellten sich die Einsprüche der bestehenden Dresdner Hotel- und Gasthofbesitzer dar. In den Akten des Stadtarchivs sind die Protestbriefe nachlesbar. Insbesondere amüsierte sich Bernhard Kayser über folgenden Vergleich: Dresden besitze 22 Gasthäuser ersten Ranges, Wien nur über etwa acht und Prag über sechs oder sieben derartiger Einrichtungen. Ein Bedürfnis sei also nicht gegeben. Er konnte sich in seinem Antwortschreiben die Frage nicht verkneifen, nach welchen Kriterien die hiesigen Hotels und Gasthöfe eingeteilt werden. Argumente, die schließlich auch die kommunalen Behörden überzeugten. 1853 konnte er das „Hotel Bellevue“ eröffnen.
Gekrönte Häupter zu Gast
Von Anfang an war Hotelgründer Emil Kayser darauf bedacht, den besonders vornehmen und reichen Gästen ein angenehmes Heim für ihren Aufenthalt zu geben. Das für damalige Zeit luxuriös ausgestattete Haus und sein international geschultes Personal zog eine Vielzahl gekrönter Häupter, Vertreter des Hochadels und andere zeitgenössische Persönlichkeiten an.
So konnte im Jahre 1866 der König Wilhelm von Preußen, der spätere deutsche Kaiser, als Gast begrüßt werden. Im August 1871 nahm hier der Kaiser von Brasilien Quartier. Zu seinen Ehren ließ der Hotelier Kayser die beiden am Portal befindlichen Gaskandelaber anzünden. Die Dresdner reagierten darauf mit ihrem ganz eigenen Humor und stellten fest: „Drüben hat ein Kaiser dem anderen ein Licht angesteckt.“ Unvergesslich war auch der Besuch des abgedankten deutschen Reichskanzlers Fürst Bismarck am 18. Juni 1892. Er nahm vom Hotelbalkon die „Huldigung der Dresdner Bürgerschaft in Gestalt eines Fackel- und Lampionumzugs“ entgegen. Zahlreiche Ansprachen und Serenaden würdigten seine Leistungen.
Bereits 1872 wurde das Hotelunternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die gute Geschäftslage gestattete 1910 die Modernisierung des gesamten Hotelkomplexes. Seit 1898 leitet Richard Ronnefeld die gastronomischen Geschicke des Hauses. Er ist es auch, der den bekannten Architekten und Professor an der Königl. Technischen Hochschule Martin Düfler (1859–1942) mit dem Umbau beauftragte. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Der Mittelbau des Hauses wurde um zwei Stockwerke erhöht. Das neue rote Ziegeldach umgab eine zierliche Galerie. Von dieser neu geschaffenen Plattform hatte man eine tolle Aussicht auf die Alt- und Neustadt. Weiterhin entstanden zahlreiche neue Balkons nach der Elbe hin. Eine weitere wesentliche äußere Änderung war die Verlegung des Haupteinganges. Ein prachtvolles Portal gegenüber der Semperoper wurde geschaffen.
Ende Mai 1911 war es dann soweit. Pünktlich zum Beginn der Ersten Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden konnten die ersten Gäste empfangen werden. Durch eine große Drehtür betraten sie die Empfangshalle. Der neue Fußboden bestand aus Marmorplatten. Die Wände und Decken waren ebenfalls mit teuren Materialien ausgestattet. „Konversation=, Schreib=, Lese=, Restaurations= und Garderobe=Räume“ befanden sich in unmittelbarer Nähe. Die frühere offene Gartenterrasse wurde zum Teil in einen „beheizbaren“ Wintergarten umgebaut.
Fahrstuhl und Feuermelder
Das neue Hotel verfügt nun auch über einen Fahrstuhl. Zentralheizung und eine stetige Warmwasserversorgung für alle Zimmer waren gesichert. Die frühere „oft störende Klingelanlage“ wurde durch eine „Lichtsignalanlage“ ersetzt. Besondere Aufmerksamkeit galt dem Neubau der Kücheneinrichtungen. „Kühlräume, Kellereien und Wirtschaftsräume“ wurden neu ausgestattet. Ihre Gestaltung entsprach den neuesten Anforderungen der Hygiene. Erstmals gab es „Feuermelder“ und „Feuerlöschapparate“. Und für den Gast, der es sich leisten konnte, gab es sogar eine „Automobil-Garage“ in Einzelboxen. Das Hotel Bellevue verfügt nun über 150 Fremdenzimmer. Die Preise begannen bei fünf Mark pro Übernachtung. Für eine Vollpension in den Sommermonaten bezahlte man 16 bis 18 Mark. Billiger war es im Winter. Hier konnte man sich schon für 12,50 Mark pro Tag rundum verwöhnen lassen. Küche und Keller des Hauses boten nur das Beste. Sei es beim Gabelfrühstück, den Diners ab sechs Mark oder das Souper nach den Theatervorstellungen.
Die seit Anfang 1912 eingeführte Veranstaltung „Nachmittags-Tee“ erfreute sich zunehmender Beliebtheit. Hotelgäste, die vornehme Dresdner Gesellschaft und Vertreter der Fremdenkolonien trafen sich hier. Aus dem Hintergrund hörte man die gedämpften Klänge einer „Künstlerkapelle“.
Im Frühsommer 1914 organisierte das Hotel neben Stadtrundfahrten erstmals auch Ballonfahrten. Direktor Ronnefeld begleitete die Gäste und hatte schon längst weitere derartige Rundflüge in Planung. Doch wenige Wochen später begann der Erste Weltkrieg. Nach der überstürzten Abreise vieler internationaler Gäste änderte sich auch das Hotelpublikum. In den nächsten Jahren werden hier hohe Beamte und Vertreter befreundeter Kriegsparteien übernachten. Einige Zimmer wurden auch zur Genesung verwundeter Offiziere zur Verfügung gestellt.
Mehrsprachige Werbeprospekte
Schwierige geschäftliche Zeiten für das „Hotel Bellevue“ lassen sich bis in die Mitte der 1920er-Jahre verfolgen. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass es vor einigen Dresdner Hotels Schilder gab, die darauf hinwiesen, dass „Engländer, Franzosen und Amerikaner“ unerwünscht seien. An solchen Aktionen beteiligte sich Ronnefeld nicht. Er ließ bereits mehrsprachige Werbeprospekte drucken und konnte sich bald wieder über ein internationales Gästepublikum erfreuen. Weitere erfolgreiche Jahre folgten.
Ein hundertjähriges Jubiläum konnte das „Hotel Bellevue“ nicht begehen. Das Gebäude wurde im Februar 1945 im Bombenhagel zerstört. An einen Neuaufbau war nicht zu denken. Die letzten Ruinenreste verschwanden Anfang der 1950er-Jahre.
Sächsische Zeitung vom 20. April 2009
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2009_04/gr_2133129_1.jpg
Der Terrassensaal des Hotels Bellevue um 1920 auf einer Postkarte.
http://www.sz-online.de/bilder/2009_04/gr_2133129_2.jpg
Um 1910 suchten die Gäste des Bellevues gern die Elbterrasse auf.
http://www.sz-online.de/bilder/2009_04/gr_2133129_3.jpg
Das Hotel Bellevue auf dem Theaterplatz nach dem Umbau um 1910/1911. Das Haus wurde teilweise um zwei Etagen aufgestockt, und die Dachgeschosse wurden ebenfalls ausgebaut. Ende Mai 1911 konnten pünktlich zum Beginn der Ersten Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden die ersten Gäste empfangen werden. Fotos: Postkartensammlung Holger Naumann
Dakir@DD April 22nd, 2009, 10:33 AM 2. Belvedere auf der Brühlschen Terrasse
Es war einer der Publikumsmagnete im Dresdner Zentrum. Mit seiner unvergleichlich schönen Lage zog das Belvedere auf der Brühlschen Terrasse die Besucher magisch an. Im Parterre und in der ersten Etage gab es je einen Konzert- und Festsaal, man speiste gebackene Tauben mit Spargel, trank sächsischen Champagner aus der Niederlößnitz, die kalte Creme soll legendär gewesen sein. Das Gebäude, das der Dresdner Zeichner Wilhelm Bässler Mitte des 19. Jahrhunderts in seiner handkolorierten Lithografie verewigte, war bereits das vierte Belvedere an dieser Stelle. Wie seine Vorgänger fiel auch dieses Gebäude einem Krieg zum Opfer. Das am 5. Juni 1842 eingeweihte Haus wurde beim Bombenangriff am 13. Februar 1945 zerstört.
Sächsische Zeitung vom 22. April 2009
Bild
http://www.sz-online.de/bilder/2009_04/gr_2134872_1.jpg
Historische Dresden-Ansicht aus dem Staatsarchiv: Das vierte Belvedere auf der Brühlschen Terrasse, Lithografie von Wilhelm Bässler, nach 1862. Repro: SZ
PS.: Eine Initiative zum Wiederaufbau des Belvedere Dresden ist leider vorerst im Jahr 2008 gescheitert. Vielleicht wird es in Zukunft was mit dem Projekt.
Belotto33 April 23rd, 2009, 06:10 PM Sehr interessantes Thema, da gibt es ja in Dresden Beispiele in Hülle und Fülle. Vielen Dank für die ersten "Vorstellungen", ich freue mich auf mehr.
Zum Belvedere könnte man noch einiges sagen, ich fand ja das 2. am schönsten (man kann es jetzt leider nur noch im "Panometer" in Reick bewundern...). Aber auch das 4. als kleiner Bruder der Semperoper hatte viel Charme. Schade, dass der Freistaat hier gekniffen hat, die Baywobau hätte den Bau gern übernommen und auch historisch errichtet (damals kannte man ja das Wort "Finanzkrise" noch nicht... ;-))
Dakir@DD April 24th, 2009, 09:22 AM Hallo Belotto33,
ich hoffe natürlich, dass meine Heimatzeitung noch weitere Beispiele so detaliert vorstellt und ich euch das dann zeigen kann.
Zum Belvedere kann man nur sagen, dass es wirklich schade ist, dass der Versuch im Jahr 2008 (ich hab das glaub ich sogar vorgestellt) gescheitert ist. Vielleicht wird es ja später irgendwann mal was.
Mir gefällt, ganz ehrlich, dass vierte und letzte Belvedere am besten. Und ich hoffe, dass wenn es mal wieder errichtet wird, dass sie das 4.te dann auch als Leitbau nehmen.
Dakir@DD April 27th, 2009, 10:52 AM 3. Central-Theater
Das Central-Theater auf der Waisenhausstraße galt als eine der glanzvollsten Unterhaltungsstätten.
Kaum zu glauben, dass es eine Zeit gab, wo in Dresden die Operette gleich auf mehreren Bühnen zu Hause war. Neben dem populären Residenztheater in der Zirkusstraße bestimmte vor allen das Central-Theater auf der Waisenhausstraße 6 die Szene. Kurz vor der Jahrhundertwende hatte der Hofjuwelier Wilhelm Heinrich Mau das Grundstück erworben, auf dem sich seit etwa einhundert- fünfzig Jahren das Palais Boxberg befand. Dieser Mann war bei den Dresdnern kein Unbekannter. Sein 1892 errichtetes Viktoriahaus genoss wegen der prächtigen Fassade im Stil der Neorenaissance allgemeine Aufmerksamkeit und Bewunderung.
Ein pompöses Gebäude
Trotz energischer Einsprüche der Denkmalpflege wurde 1899 das Boxbergische Palais abgebrochen. In nur wenigen Monaten wuchs dort ein pompöses Gebäude in „rauschendem Neobarockstil” empor. Die Architekten William Lossow und Hermann Viehweger errichteten auf 7500 Quadratmetern Grundfläche einen viergeschossigen Theaterbau, dessen Mittelgiebel eine dominante Kuppel abschloss. Die Außenfassade war mit dekorativen Schmuckelementen überhäuft und übertraf an äußerem Pomp noch den Kaiserpalast am Pirnaischen Platz. Das Bauwerk wurde in den Zeitungen als „elegantestes und größtes Theater der Residenz“ empfohlen.
Ein Saal für 1 600 Besucher
Im riesigen Theatersaal konnten 1600 Gäste bequem sitzen. Für weniger finanzkräftige Besucher hatte man Stehplätze im Parkett und im zweiten Rang eingerichtet. Der im Neobarock gestaltete Saal besaß grüne Wandflächen und an der weiß-goldenen Decke befand sich ein mächtiges Kolossalgemälde. In kräftigen Farben gemalt waren Landschaften mit Flamingos, blühende Büsche mit Papageien und Szenen am Meer dargestellt. Auch das Weib mit dem Riesenpfau konnte man dort bewundern.
Im Blickpunkt der Zuschauer lag die 12,5 Meter breite Bühne. Über den Vorhang mit seinen nacktbusigen Damen empörten sich Teile des Dresdner Publikums. Dabei stand für Hans Unger, den Schöpfer des Werkes, hauptsächlich die Versinnbildlichung der „leichten Muse“ im Vordergrund. Während der Pausen sorgten Hunderte von Glühlampen im Foyer für festlichen Glanz und die großzügig gestalteten Wandelgänge mit den geschmackvollen Buffets luden zum Flanieren und Verweilen ein.
Die Akustik des Zuschauerraumes war weniger günstig. Sie genügte aber dem anfänglichen Vorhaben, Varietévorführungen zum Vier-Uhr-Tee zu bringen. Danach begann auch die Operette Fuß zu fassen. Im Sommer standen meist Lustspiele und Varietéveranstaltungen auf dem Programm und im Winter dominierten Operetten.
Unter Direktor Rotter, dem später Heinz Gordon folgte, gewann das Haus rasch an Profil. Stars wurden von auswärts herangezogen. Otto Reuter gastierte sowie in späterer Zeit auch Richard Tauber und Johannes Heesters. Über die Sylvesterveranstaltung am 31. Dezember 1908 konnte man im Dresdner Anzeiger lesen: „Im Central-Theater finden heute und bis einschließlich 6. Januar 1909 alltäglich zwei Vorstellungen statt. Nachmittags ½ 4 Uhr wird bei ermäßigten Preisen das Weihnachtsmärchen Peter und Paul reisen ins Schlaraffenland wiederholt. Donnerstagabend 7 Uhr wird bei gewöhnlichen Preisen zum siebenten Male Der tapfere Soldat, Operette in drei Akten, Musik Oscar Strauß, aufgeführt“.
1910 entzückte das „Schlierseer Bauern-Hundetheater“ die Dresdner. Vierzig dressierte Hunde führten in vier Akten eine „Hundecharakterposse“ auf. Als Höhepunkt im Spielplan galt stets die winterliche Operettensaison. Die Welterfolge der Komponisten Robert Stolz, Leo Fall, Franz Lehár, Oscar Strauß oder Eduard Künneke begeisterten das Publikum. „Der liebe Augustin“ von Leo Fall stand am 1. März 1913 bereits zum 67.Male auf dem Spielplan. Im Jahre 1915 machte sich der Erste Weltkrieg durch die Einberufung von Künstlern und Mitarbeitern bereits spürbar bemerkbar. Dennoch inszenierte man mit Bravour den „Florian Geyer“ von Gerhart Hauptmann. Die Nachkriegszeit verlangte dann wieder nach leichter Kost. Das Gastspiel der „Haller-Revue“ vom Berliner Admiralspalast traf 1925 den Geschmack der Zuschauer. Zeitweilig gab es ein „Nackttanzpaar“ und die jungen Damen vom Ballett des Central- Theaters waren immer eine Augenweide.
Rastelli im Central-Theater
1927 verwöhnte die Winterfeld- Truppe aus Berlin mit „Uschi“ und „Annemarie“ das Publikum. Danach standen „Die tolle Lola“ und „Lene, Lotte, Liese“ auf dem Programm. Die Eintrittspreise schwankten im Laufe der Zeit. Gewöhnliche Abendpreise, ermäßigte Nachmittagspreise und Sommerpreise bestimmten das Angebot. Anfang der Zwanzigerjahre war für die Orchesterloge als teuerste Sitzreihe ein „gewöhnlicher Abendpreis“ von 4,50 Mark zu entrichten. Nahm man dagegen die Stehgalerie im zweiten Rang in Kauf, so ermöglichten bereits 50 Pfennige den Eintritt. In den Dreißigerjahren zog Direktor Peter Sachse berühmte Artisten heran. Der italienische Meisterjongleur Enrico Rastelli kam ins Central-Theater und im Mai 1936 glänzte der unvergängliche „Grock“ mit seiner Kunst. Welterfolge wie „Die lustige Witwe“ oder „Der Vetter aus Dingsda“ bestimmten den Spielplan. Noch 1944 spielte man hier mit viel Erfolg die Operette „Hochzeitsnacht im Paradies“.
Gastronomischer Geheimtipp
Lossow und Viehweger hatten mit der „Central-Theater-Passage“ noch eine besondere Attraktion geschaffen. Gleich drei gastronomische Einrichtungen des Theaters warben hier um die Gunst der Passanten, denn die Passage konnte man von der Waisenhaus-, Prager- oder der Trompeterstraße aus erreichen. Neben einem Café mit Wintergarten und einem Weinrestaurant galt besonders das Tunnel-Bierrestaurant als Geheimtipp. Unter den mächtigen Tonnengewölben fanden bequem 1000 Gäste Platz. Vortreffliche Biere und reichhaltige Speisen verwöhnten das Publikum und zur Unterhaltung gab es täglich Konzerte bei freiem Eintritt. Zur letzten Vorstellung im Central- Theater vor dessen kriegsbedingter Schließung gab es die „Hochzeitsnacht im Paradies“. Die Eintrittskarten waren hochbegehrt. Star auf der Bühne war kein Geringerer als Johannes Heesters.
Das Gebäude brannte beim Bombenangriff im Februar 1945 aus und wurde später abgetragen.
Sächsische Zeitung vom 27. April 2009
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2009_04/gr_2139683_2.jpg
Das Tunnel-Bierrestaurant war sehr beliebt. Repro: Manfred Lauffer
http://farm1.static.flickr.com/144/357665078_e00ea01974.jpg?v=0
An Stelle des 1899 abgebrochenen Palais Boxberg wurde das Central-Theater errichtet mit einer pompösen, reich verzierten Schauseite, einem Saal für 1600 Besucher und drei gastronomischen Einrichtungen. Bild von flickr.com - User Leapfrog1980
erbse April 27th, 2009, 02:39 PM Vielen Dank Dakir, super Serie :)
Über das Hotel Bellevue habe ich schon öfter nachgedacht. Wieso wird das nicht als Rekonstruktionsprojekt ausgeschrieben? Ich mein, in Dresden wird ein ums andere Hotel auf den Markt geworfen. Aber an dieser perfekten Lage, zwischen Semperoper, Elbe, Kongresszentrum und Landtag - da soll sich keiner finden? Zumal etwas mehr urbane Verdichtung der Ecke wirklich gut bekommen würde und auch schön den hässlichen Anbau der Semperoper verdecken könnte ;)
Ähnlich halte ich es mit dem Belvedere. Der Wiederaufbau war ja schon fast beschlossen, aber dann :ohno: Was könnte man da für ein herrliches Café oder kleines Hotel eröffnen?
Dresden sollte solche Gelegenheiten nicht verschlafen, momentan ist das Klima für solche Rekonstruktionen noch einigermaßen günstig.
Wurden der Kaiserpalast, das Viktoriahaus oder die Feuerversicherung an der Prager Straße schon vorgestellt? Da würd mich noch mal einiges zu interessieren.
Und besonders auch die Elbfront der Johannstadt, wenn da mal was auftaucht!
Dakir@DD April 27th, 2009, 02:50 PM Hey Erbse,...
...ich werde mich bemühen, auch zu deinen Wunschobjekten was zu finden. Auch aus dem Grund, weil es ein Thema ist, was mir selber viel bedeutet und für was ich mich sehr interessiere.
Mit dem Hotel Bellevue seh ich das genauso. Erstens würde es dort super hinpassen, zweitens wie du schon sagtest den häßlichen Anbau der Semperoper verstecken und drittens, würde der Theaterplatz (gen Landtag) etwas enger richtig Geil aussehen.
Mit dem Belvedere ist das eigentlich das gleiche. Dieses Gebäude muss eigentlich gebaut werden. Nicht nur, dass die Brühl'sche Terrasse dann einen würdigen Abschluss hätte, nein auch ein gutes Cafè würde sich dort anbieten. Mal schauen, vielleicht kommt es ja doch irgendwann mal.
Was mir aber auch wichtig wäre, dass man gegenüber vom Zwinger keinen modernen Neubau hinklatscht, sondern den Herzögin Gartin original wieder herrichtet. Zur Zeit ruht ja die Planung zum Neubau, kann man nur beten und hoffen.
Dakir@DD May 4th, 2009, 11:07 PM Die letzten Tage der Sophienkirche
Gudrun Groß-Hensling dokumentierte den Abriss der ältesten Dresdner Kirche in Fotografien.
Mit einer Handbewegung entfernte 1960 Walter Ulbricht, damals Vorsitzender des Staatsrates der DDR, die Sophienkirche aus dem Bild der Stadt. Die Ruine der ältesten Dresdner Kirche passte nicht in die Vorstellungen von einem sozialistischen Stadtzentrum. Den Abriss des gotischen Bauwerkes fotografierte Gudrun Groß.
Wie viele andere Dresdner war die damals 20-Jährige entsetzt über diese Entscheidung. Die gelernte Fotografin, die nach ihrer Lehre bei Heckmann in Meißen im Amt für Denkmalpflege in Dresden Arbeit fand, wollte vielmehr dokumentieren, was wieder aufgebaut werden sollte: die Katholische Hofkirche Dresden, die Thomaskirche Leipzig, das Kloster St. Mariental in Ostritz. Auf ihrem Weg als Fotografin ist der Auftrag, den Abriss der Sophienkirche zu fotografieren, wie ein Stolperstein – man weiß, dass es ihn gibt und verletzt sich doch immer wieder daran. „Bevor es richtig los ging, habe ich noch einmal ein Foto mit Blick vom Schauspielhaus gemacht“, erzählt Gudrun Groß. Ein unwiederbringliches Zeitzeugnis entstand.
Abriss hinterm Zaun
Von da an war Gudrun Groß, wie sie damals noch hieß, wöchentlich beim Abriss, hielt die Arbeiten mit ihrer Kamera bei Wind und Wetter fest. „Alles war irgendwie geheim, man durfte nicht mehr darüber reden, ein Zaun schirmte die Arbeiten vor den Augen der Dresdner ab. Ich erhielt extra einen Ausweis, um hineinzukommen“, erinnert sich Gudrun Groß-Hensling. „Auch die Zeitungen brachten nichts.“
Zwar gab es Demonstrationen gegen den Abriss und Flugblätter, verfasst und verteilt von Jürgen Schieferdecker, Gerhard Glaser, Hermann Krüger und Claudia Schrader. Die vier jungen Architekten wollten noch Anfang Juli 1962 die Sophienkirche vor dem Abriss bewahren. Doch gegen alle Widerstände begann im Oktober 1962 der Abbruch der Kirche. Am Vorabend des 1.Mai 1963 war auch der letzte Stein verschwunden.
Zurück zum Ursprung
Etwa 250 ihrer Aufnahmen vom Abriss der ältesten Dresdner Kirche werden heute im Landesamt für Denkmalpflege verwahrt. Zu DDR-Zeiten sollte die Dokumentation totgeschwiegen werden, sagt die Fotografin. Keines der Bilder sei je öffentlich gezeigt worden. Einige Fotos hat sie ganz für sich selbst gemacht, lange verwahrt und nun wieder hervorgeholt.
Den Anstoß gab eine Meldung in der Mitteldeutschen Zeitung Halle. Hier las sie im Februar, dass der Grundstein für das Mahnmal der Sophienkirche, die Busmannkapelle, gelegt wurde. Daraufhin hat sie einen Bekannten angerufen, ihm ihr Wissen mitgeteilt und schließlich wanderte die ganze Geschichte dorthin, wo sie ihren Ursprung hat – nach Dresden.
Der Liebe wegen zog Gudrun Groß 1965 nach Halle, heiratete Frank Hensling und fotografierte fortan mit Erfolg Häuser, Menschen, Tiere und Pflanzen unter anderem ganz wissenschaftlich für die Martin-Luther-Universität. Von 1994 bis 2002 war sie die Stadtfotografin in der über 1200-jährigen Händel-Stadt Halle. Besondere Erinnerungen verbindet sie mit den Jahreszahlen 1975 bis 1990. Damals war sie auch als Filmfotografin tätig und so gelegentlich wieder in „ihrem“ Dresden.
Mit Hans Nadler in der Ruine
Da ihre Schwestern noch in Weixdorf leben, zieht es sie bis heute immer wieder hierher zurück. Dann kommen Erinnerungen auf. „Eine so bewegende Geschichte wie die Dokumentation zur Sophienkirche hatte ich nie mehr vor der Kamera“, erzählt die 67-Jährige. „Mir blutete das Herz, als anstelle der Kirche der sogenannte Fresswürfel gebaut wurde. Das tut auch heute noch weh. Dann denke ich, die Kirche würde auch in das heutige Bild hineinpassen. Mehr als der heutige Postplatz.“
Gern erinnert sie sich an die Anfänge ihrer Laufbahn. Kurz bevor sie nach Halle zog, kroch sie mit Hans Nadler in der Ruine der Semperoper herum. Die ersten Aufnahmen vom zerstörten Dresdner Schloss hat sie gemacht, hat dort später für Gerhard Glasers Diplomarbeit fotografiert. Und: „Ich durfte Otto Dix bei seiner Arbeit in Dresden und für meine Meisterprüfung als Modell fotografieren.“
Sächsische Zeitung vom 14. April 2009
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2009_04/gr_2127150_4.jpg
Ein Blick auf die Ruine der Sophienkirche vom Schauspielhaus aus, aufgenommen im Sommer 1962. Links der Zwinger, rechts hinten eine Hauszeile der Wilsdruffer Straße. Foto: Gudrun Groß-Hensling
http://www.sz-online.de/bilder/2009_04/gr_2127150_1.jpg
Weil die Sophienkirche nicht ins sozialistische Stadtbild passte, nahm der damalige Staatsratsvorsitzende der DDR Walter Ulbricht (links) sie eigenhändig aus dem Modell (Kreis).Foto: Deutsche Fotothek/SLUB
http://www.sz-online.de/bilder/2009_04/gr_2127150_2.jpg
Mit jedem Tag verschwand 1962/63 ein Stück der Sophienkirche aus dem Bild der Stadt. Foto: Gudrun Groß-Hensling
http://www.sz-online.de/bilder/2009_04/gr_2127150_3.jpg
Als Gedenkstätte für die abgerissene Sophienkirche entsteht am Postplatz die Busmannkapelle (hier das Modell). Der Grundstein dafür wurde im Februar gelegt. Quelle: S. Lungwitz, Architekt
Dakir@DD May 4th, 2009, 11:16 PM Als die Sophienkirche ein Kloster war - Teil 1
Am nordwestlichen Ausgang der Großen und Kleinen Brüdergasse hatte sich um 1272 an der Dresdner Stadtmauer ein Franziskanerorden niedergelassen. Die Mönche, benannt nach ihrem Gründer Franz von Assisi, hatten das Gelübde der Armut abgelegt und lebten hauptsächlich von Spenden und milden Gaben. Innerhalb der Klosteranlage entstand eine schlichte einschiffige Saalkirche ohne Turm. Sie hatte die beachtliche Länge von dreiundvierzig Meter und war etwa elf Meter breit.
Im 14. Jahrhundert baute man das Gebäude zu einer zweischiffigen Hallenkirche mit zwei gleichartigen Chorabschlüssen aus. Markgraf Friedrich der Strenge soll diesen Umbau 1351 veranlasst haben. Die Bauarbeiten kamen jedoch nur langsam voran. Ihr Abschluss wird durch den Brand 1407 weiter verzögert. Erst 1421 sind die drei westlichen Joche mit ihren Achteckpfeilern sowie der westliche Giebel fertiggestellt. Eine um 1400 an dem Südchor angefügte kleine Kapelle bildete das architektonische Glanzstück der Dresdner Franziskanerkirche. Dieser Bau entstand durch eine Stiftung der angesehenen Familie Busmann und diente ihr als Begräbnisstätte.
Klostergut wird aufgelöst
Der 6. Juli 1539 war für die Dresdner ein denkwürdiger Tag. Mit einem feierlichen Festgottesdienst in der Kreuzkirche erfolgte die Einführung der Reformation in der herzoglichen Residenz. Neben der Gottesdienstreform äußerte sich der Traditionsbruch in der rigorosen Beseitigung von Gegenständen, die der Heiligen- und Marienverehrung dienten. Nach einer Instruktion von Herzog Heinrich wurde das Klostergut erfasst. Auf Beschluss des Landtages traten Regelungen für das bewegliche Klostergut in Kraft. Die Kleinodien sollten auf das Schloss in Dresden gebracht, Wein und Fruchterträge mussten verkauft werden. Am Ende des Jahres 1539 befanden sich noch fünf Mönche und vier Laienbrüder im Kloster, die das Ordensgewand gegen die Zusicherung eines Unterhaltes auf Lebenszeit ablegten. Im Februar 1541 wurde das Franziskanerkloster von Herzog Heinrich dem Frommen der Stadt übereignet. Obwohl die Gebäude vom Rat der Stadt für wohltätige Zwecke genutzt werde sollte, beanspruchte sein Nachfolger das Areal für sich. Im Februar 1542 forderte Herzog Moritz den Rat auf, die Schlüssel zu übergeben. Danach nutzte der Landesherr die Klosterkirche als Getreidespeicher und Zeughaus. Die übrigen Klostergebäude wurden in der Folgezeit größtenteils abgetragen. Der Mangel an Begräbnisplätzen im Einzugsbereich der Frauenkirche bildete die eigentliche Ursache, das Gebäude wieder als Gotteshaus zu nutzen. Bereits 1555 bat der Rat den Kurfürsten August die „Kirche und ein Vorhöfchen“ an die Stadt zurückzugeben. Aber erst 1597 erfolgt die endgültige kurfürstliche Bestätigung, sodass auf dem ehemaligen Klostergelände wieder ein Gotteshaus eingerichtet werden konnte. Auf Betreiben von Sophie, Witwe des Kurfürsten Christian I., wird 1599 das Bauwerk instand gesetzt. 1602 weiht der Hofprediger Polycarp Leyser das ehemalige Gotteshaus der Franziskaner auf den Namen St. Sophien.
Fortan trat Sophie in sehr enge Beziehung zum Gotteshaus und mehrte das Kirchenvermögen durch reiche Stiftungen und Zuwendungen. 1603 lässt sie unter dem Altar der Kirche eine Fürstengruft anlegen, in der später Angehörige des Hauses Wettin ihre letzte Ruhestatt fanden. Drei Jahre später bekommt die Kirche von ihr einen neuen Hauptaltar aus Marmor und Alabaster gestiftet. Seitdem bildete das von Giovanni Maria Nosseni entworfene Kunstwerk bis zur Zerstörung des Gebäudes den Hauptschmuck des Gotteshauses.
Die mit Kunstwerken bald reich versehene Sophienkirche erhält 1720 die erste Silbermannorgel in Dresden mit einem Prospekt von George Bähr. An ihr spielte Johann Sebastian Bach, wenn er in Dresden weilte. Sein Sohn Wilhelm Friedemann Bach versah von 1733 bis 1747 das Amt des Organisten. Mit der Anlage des Zwingers und dem Bau des Taschenbergpalais verschwinden auch die letzten Klosterbauten um die Kirche. Das Bauwerk mit dem hohen Dach und den drei Reihen von Schleppgauben dominiert bald die Räume der Umgebung und gewinnt in städtebaulicher Hinsicht an Bedeutung. Eine weitere Aufwertung erfährt die Sophienkirche, als 1737 der protestantische Hofgottesdienst von der Schlosskapelle in sie verlegt wird. Sie ist fortan die Hauptkirche des lutherischen Sachsens.
Bauarbeiten verändern vieles
Im gleichen Jahr entwirft Johann Christoph Knöffel für die Südfront des Gebäudes einen Glockenturm, der die Glocken der Schlosskapelle aufnehmen soll. Die Ausführung übernimmt George Bähr. Knöffel besorgt auch den Umbau der inneren Einrichtung, bei der die Erweiterung der Emporen und die Umwandlung der Busmannkapelle in eine Sakristei erfolgt. Der Altar der Schlosskapelle mit dem Taufstein und den Kirchengeräten wird in die Busmannkapelle überführt.
1864 beginnen Bauarbeiten, die das Äußere der Kirche wesentlich veränderten. Der Architekt Christian Friedrich Arnold, ein Schüler Gottfried Sempers, hatte dem alten nackten Westgiebel eine Doppelturmfront vorgeblendet. Am Ende ist der ursprüngliche Bau fast vollständig umkleidet und derart verändert, dass die alten erhaltenen Reste im Außenbau kaum noch in Erscheinung treten. So ging in der Folgezeit der kunsthistorische Wert des Gebäudes im öffentlichen Bewusstsein weitgehend verloren.
Mit dem Ende der Monarchie hatte auch das Gotteshaus als Hofkirche ausgedient. Die Stadt Dresden übereignete die Sophienkirche der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Als Domkirche war sie ab 1926 Bischofskirche und damit die Wirkstätte des ersten sächsischen Landesbischofs Ludwig Ihmels. 1933 erfolgte der Umbau der witterungsanfälligen durchbrochenen Turmspitzen. Die beiden Turmspitzen wurden nun mit kupfernen Helmen versehen. Bis zur Zerstörung 1945 versah die Sophienkirche als eine der vier Hauptkirchen in der inneren Altstadt ihren Dienst.
Untergang im Bombenhagel
In der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 teilte die Sophienkirche das verhängnisvolle Schicksal der Stadt und brannte nach dem Bombenangriff aus. Die fünf Brandbomben, die beim ersten Luftangriff den Dachstuhl des Gebäudes durchschlugen, hatte der Kirchner Johannes Heeger noch löschen können. Dem Feuersturm des zweiten Angriffs stand Heeger jedoch machtlos gegenüber und es grenzt fast an ein Wunder, dass er im Luftschutzkeller der Kirche überlebte.
Der erste Dresdner Aufbauplan von 1946 sah den Wiederaufbau der kulturell wertvollen Gebiete um Schloss und Zwinger vor, eingeschlossen die „Sophienkirche aus dem 13. Jahrhundert“. Bereits im März 1945 erfolgten erste Bergungsarbeiten. Unter Leitung von Landeskonservator Hentschel fand dann im August des gleichen Jahres die Sicherstellung wichtiger in der Ruine erhalten gebliebener Ausstattungsstücke statt, darunter Teile des Epitaphs des Hofbildhauers Nosseni und drei Konsolbüsten aus der Busmannkapelle.
Sächsische Zeitung vom 16. Mai 2007
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2007_05/gr_1492201_1.jpg
Die Konsolbüsten des Stifterehepaares Busmann.
http://www.sz-online.de/bilder/2007_05/gr_1492201_2.jpg
Die Sophienkirche nach einem Kupferstich um 1800.
http://www.sz-online.de/bilder/2007_05/gr_1492201_3.jpg
Das Innere der Sophienkirche mit dem Nosseni-Altar. Repros: Manfred Lauffer
Dakir@DD May 4th, 2009, 11:21 PM Mit dem Abriss 1962 ist das Ende des Gotteshaus besiegelt - Teil 2
Nach der Gründung der DDR im Jahre 1949 bestimmten politisch-ideologische Fragen immer mehr das Geschehen. Im August 1950 fällt der kupferne Helm des Südturmes der Sophienkirche einer Sprengung zum Opfer. Das Kupferblech wird für das Dach der Kreuzkirche benötigt. In der Auseinandersetzung um den Altmarkt als „sozialistische Magistrale“ stand die Sophienkirche am Rande der Aufmerksamkeit. In einem Entwurf des Stadtplanungsamtes vom September 1950 trat an die Stelle der Sophienkirche ein Kino. Drei Wochen später hatten die Planer dort einen großen Baublock vorgesehen.
Im März 1951 wies das Landesamt für Denkmalpflege auf noch vorhandenes Kunstgut bei einer möglichen Beräumung der Sophienkirche hin. Landeskonservator Hans Nadler machte am 22. Juni 1951 die Stadt und die Landeskirche auf die Baugeschichte und die kunsthistorische Bedeutung der Sophienkirche aufmerksam. Die Kirchenruine bleibt dann tatsächlich von der Großberäumung des Postplatzes ausgenommen.
Noch auf der Denkmalliste
Am 10. Mai 1951 wird der Antrag der CDU-Fraktion von der Stadtverordnetenversammlung einstimmig angenommen, Baudenkmale erst nach ausdrücklicher Beschlussfassung durch die Stadtverordneten zum Abriss freizugeben. Zwei Monate später erschien eine vierzig Positionen umfassende Liste der unter Denkmalschutz stehenden Ruinen. An zweiter Stelle stand die Sophienkirche.
Der im November 1553 veranstaltete städtebauliche Wettbewerb zur Gestaltung der West-Ost-Magistrale empfahl „Rücksicht auf die geplante Wiederherstellung der Sophienkirche“. Obwohl Oberbürgermeister Walter Weidauer auf der Versammlung von Architekten ganz Deutschlands zur Beratung des Planes zum Neuaufbau von Dresden im Dezember 1953 versicherte, dass „der Rat der Stadt den Wiederaufbau wertvoller historischer Bauwerke jede nur mögliche Unterstützung angedeihen lassen will“, war im Entwurf zur Stadtkomposition vom 7. April 1954 die Sophienkirche nicht mehr enthalten. Die Auseinandersetzungen um Erhalt oder Abriss der Sophienkirche verschärften sich mit der Einmischung Walter Ulbrichts. Er nahm am 11.August 1956 an der Stadtleitungssitzung der SED teil, stellte die Sophienkirche zur Disposition. Mit der Parteinahme Ulbrichts geriet die Frage nach dem Bestand der Kirche zum Politikum. Ein Eintreten für deren Erhalt kam einer Kritik am Staat und seinen Funktionären gleich.
Der Abriss der Kirche beginnt
Als auf dem Parteitag der SED 1958 der Beschluss gefasst wurde, die sichtbarsten Kriegsspuren in den Städten bis 1962 zu beseitigen. Damit war auch der Abriss der Sophienkirche nicht mehr aufzuhalten. „Die Gestaltung des Postplatzes macht den Abriss der Sophienkirche notwendig“, hieß es in der Politbürovorlage vom 13. November 1958. Daraufhin verschärfte sich noch einmal der Widerstand. Denkmalschützer, Kirchenvertreter, namhafte Persönlichkeiten aus Kunst und Architektur sowie engagierte Bürger setzten sich für den Erhalt ein. Doch Walter Ulbricht entfernt 1960 eigenhändig das Modell der Sophienkirche aus dem Stadtmodell.
Das Finale im Drama um das Gotteshaus begann mit der städtischen Vorlage zum Abbruch der Sophienkirche aus dem Jahre 1962. Stadtarchitekt Ullrich informierte am 26. Juni 1962 das Landeskirchenamt, dass das Grundstück der Sophienkirche zum Aufbaugebiet für den Neubau des Hauses der Gastronomie erklärt worden sei. Im Januar 1963 hatte man die Mauern der Ruine bis zur Oberkante des Geländes abgetragen. 1964 begann man mit den Bauarbeiten zur Errichtung einer Großgaststätte, die im Volksmund der „Fresswürfel“ genannt wurde. Als beim Ausheben der Baugrube die Baggerschaufeln Reste der Gebeine Verstorbener aus den Grüften zerteilten, erhob sich erneut Empörung. Die Proteste der Dresdner bewirkten zeitweise ein Aussetzen der Bauarbeiten. Doch die älteste Kirche der Stadt war für immer verloren.
1995 organisierte die Stadt einen Wettbewerb zur Gestaltung einer Gedenkstätte für die Sophienkirche. Den ersten Preis erhielt das Dresdner Büro Gustavs und Lungwitz. Der Entwurf wird von der Nachbildung der historischen Netzgewölbe sowie den aufgehenden Wand- und Fensterelementen der ehemaligen Busmannkapelle bestimmt. Die Reste der Sophienkirche sollen in einem durchsichtigen Quader präsentiert werden und ein begehbarer und belebter Gedenkort sein. Am 31. Januar 1998 gründete sich unter dem Vorsitz von Hilde Herrmann die „Gesellschaft zur Förderung einer Gedenkstätte für die Sophienkirche Dresden e.V.“ Als Hauptziel wurde der Bau einer Gedenkstätte formuliert.
Eine Gedenkstätte entsteht
Ursprünglich war am 24. Juni 2002 die Grundsteinlegung vorgesehen. An diesem Tag jährte sich die Weihe der einstigen Franziskanerkirche zur evangelischen St. Sophien Kirche zum 400. Mal. Doch der Termin musste mehrmals verschoben werden. Jetzt scheint wieder Bewegung in die Sache gekommen zu sein. Nach den Angaben von Peter Schumann, Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung einer Gedenkstätte für die Sophienkirche Dresden e.V., ist mit dem Bau der Gedenkstätte im Jahre 2009 zu rechnen (die SZ berichtete).
Von August bis Anfang Oktober 1998 fanden archäologischer Untersuchungen am ehemaligen Standort der Sophienkirche statt, bevor nach Versiegelung dort der neue Bürokomplex entstand. Dabei wurden Reste der Grundmauern des alten Franziskanerklosters, Mauerreste der Nordwand mit den einstigen Betstuben und mehrere aufgebrochene Grüfte sichtbar.
Sächsische Zeitung vom 24. Mai 2007
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2007_05/gr_1498378_1.jpg
Im April 1999 wurde die Gedenktafel für die Sophienkirche enthüllt.
http://www.sz-online.de/bilder/2007_05/gr_1498378_3.jpg
Die Reste der Sophienkirche nach dem Einsturz der Gewölbe im Februar 1946. Repro: Manfred Lauffer
Dakir@DD May 4th, 2009, 11:28 PM Bei der Sophienkirche merkt man, dass die Dresdner diese Kirche nicht vergessen können und wollen. Viele Dresdner haben in den 50iger Jahren versucht, die Sophienkirche zu retten, vergebens. Und dies wird eigentlich der Grund sein, weswegen die Sophienkirche nach wie vor in Dresden so einen hohen Stellenwert besitzt.
Ich träume ja von einer Rekonstruktion der Sophienkirche, dass wäre echt fantastisch.
Bilder der Sophienkirche
http://www.sonntag-sachsen.de/wp-photos/2006_januar/769px-Dresden_Zwinger_Kronentor_Sophienkirche_1880.jpg
Quelle: www.sonntag-sachsen.de
http://www.nicole1982.de/sophienkirche_dresden/sophki_1940.jpg
Quelle: www.nicole1982.de
http://www.herberts-home.de/bilder/Dresden/sophienkirche.jpg
Quelle: www.herberts-home.de
http://www.herberts-home.de/bilder/Dresden/postplatz.jpg
Quelle: www.herberts-home.de
http://www.herberts-home.de/bilder/Dresden/postpl.m.Soph.jpg
Quelle: www.herberts-home.de
erbse May 5th, 2009, 06:32 PM Die Sophienkirche war für Dresden auch so untypisch, gerade deshalb muss sie rekonstruiert werden! Immerhin ein gotisches Original, von dem wir hier sprechen.
Leider absolut unwürdig durch den ollen Advanta-Riegel überbaut :ohno:
Wahrscheinlich wäre sie schon längst wiederaufgebaut, wäre es eine barocke Kirche gewesen :|
Dakir@DD May 5th, 2009, 10:52 PM Da stimme ich dir zu, durch das Schiff (Advanta-Riegel) und dem Wilsdruffer Kubus ist der Platz der Sophienkirche wirklich unmöglich bebaut wurden :wallbash:
Das glaub ich nicht, es gibt in Dresden nach wie vor eine sehr große Lobby, die sich für die Sophienkirche einsetzen und wenn das Geld da wäre, würde die Kirche sicherlich irgendwann wieder stehen. Jetzt wird ja erstmal ein Denkmal gebaut, nämlich die Busmannkapelle! Mal schauen, vielleicht finden sich dadurch auch wieder Leute.
Frauenkirche ist da das beste Beispiel, erst ein Mahnmal, dann ein Denkmal und dann viele Freunde der Kirche und jetzt steht sie wieder.
erbse May 6th, 2009, 10:17 PM Probleme der Sophienkirche ggü. der Frauenkirche:
In 1. Linie, wie gesagt, ist sie nicht barock. Das passt nicht zur Barockstadt Dresden und wird von daher weder so viel Zuspruch noch so ein großes Medienecho ernten, zumal sie architektonisch nicht unbedingt einzigartig ist, im Gegensatz zur "Fetten Henne".
Weiterhin ist keine Ruine mehr vorhanden, wie bei der FK. Die Sophienkirche ist vollständig aus dem baulichen, sichtbaren Gedächtnis der Stadt gelöscht. Da hat Uns-Ulbricht ganze Arbeit geleistet. Zudem ist der Bauplatz überbaut - und das erst vor relativ kurzer Zeit. Ein Abriss in den nächsten 10-20 Jahren ist schwer vorstellbar.
Überdies ist das Klima für Rekonstruktionen in Dresden zunehmend schlechter.
Tut mir leid, so sehr ich sonst auch Optimist bin, aber für die Sophienkirche sehe ich in den nächsten Jahrzehnten kaum eine realistische Chance :( Bei der Frauenkirche war das völlig anders, da hegte ich schon in den 80ern große Hoffnungen.
Dakir@DD May 6th, 2009, 10:56 PM Du sag mal, nenn die Frauenkirche nie wieder "Fette Henne", ansonsten gibt's haue aus Dresden :bash:
Leider wirst du wohl recht haben, trotzdem wäre es Traum die Sophienkirche und den ganzen Postplatz zu Rekonstruieren.
miau May 9th, 2009, 11:49 AM ^^ Wieso? Manche Kirchen sehen wirklich aus wie Hühner. Eine der Kirchen von Greifswald sieht z.B. aus wie eine fette Glucke :)
http://farm1.static.flickr.com/117/298824242_330f5fe3a5.jpg
http://farm1.static.flickr.com/117/298824242_330f5fe3a5.jpg
Dakir@DD May 16th, 2009, 06:23 PM Zwar kein historisches Gebäude, aber auch ein sehr interessantes Thema bzw. Artikel!
Vor 80 Jahren ging die „Leipzig“ auf große Fahrt
Am 12. Mai 1929 sticht der Salondampfer „Leipzig“ der Sächsisch-Böhmischen Dampfschifffahrtsgesellschaft zu seiner Jungfernfahrt in die Elbe. Das auf der Laubegaster Werft gebaute Schiff kann 1400 Personen aufnehmen und verfügt über eine Innenausstattung der Deutschen Werkstätten Hellerau. Der 70 Meter lange Dampfer wird von einer 350-PS-Maschine der Waggon- und Maschinenbau AG Übigau angetrieben. Am 3. März 1945 wird das Schiff durch einen Bombentreffer schwer beschädigt und zwei Jahre später wieder in Dienst gestellt. Bei der Generalreparatur 1976/78 werden u.a. das Maschinen- und Kesselhaus sowie der gesamte Innenausbau erneuert. Die Dampfturbinen werden durch Dieselmotoren ersetzt. 1992/93 folgen erneut Umbau und Modernisierung des Schiffes.
Sächsische Zeitung vom 11. Mai 2009
Bild
http://www.sz-online.de/bilder/2009_05/gr_2151331_1.jpg
Der Dampfer „Leipzig“ wurde 1929 in Dienst gestellt. Foto: Sammlung HN
Dakir@DD May 18th, 2009, 10:48 AM Fremdenzimmer und bayerisches Bier
Dresden im Jahre 1841. Die Hoteliers und Gastwirte der Stadt freuten sich über zunehmende Fremdenverkehrszahlen. Das Gastgewerbe entwickelte sich zu einem lukrativen Geschäft. Nicht wenige Hauseigentümer rings um den Dresdner Neumarkt versuchten, in ihren Gebäuden ein Hotelgeschäft zu errichten. Zwei Dinge passierten: Einerseits gab es ein Überangebot. Andererseits stellten altehrwürdige Gasthöfe ihren Geschäftsbetrieb ein. Sie entsprachen nicht mehr den Anforderungen der Zeit.
Das British-Hotel entsteht
Auch Carl Friedrich Moritz Schelcher musste erst einmal den Stadtrat von seiner Idee überzeugen. Sechs Jahre zuvor hatte er das ehemalige „Fürstlich Reußische Palais“ an der inneren Pirnaischen Gasse (heute Landhausstraße) gekauft. Es verfügte über eine stattliche Anzahl herrschaftlicher Zimmer, eine große Toreinfahrt, ausreichende Stallungen und einen Festsaal. Mit dem im Oktober 1841 abgeschlossenen Kauf des benachbarten Grundstückes „Zur Goldenen Krone“ konnte er seine Hotelpläne verwirklichen. Er besaß nun das Recht zur Führung eines Gasthofes, legte beide Häuser zusammen und erhielt wenige Monate später die Erlaubnis, den Namen „Englischer Hof“ zu führen.
Oberkellner wird neuer Chef
In einem „Taschenbuch für Reisende“ aus dem Jahre 1852 wird das neue Unternehmen bereits „British-Hotel“ genannt. Ein Besuch wurde empfohlen. Sechs Jahre später übernahm Otto Adolph die gastronomische Leitung. Seine Idee zukünftig mit dem „französischen Spruch „HÔTEL D’ANGLETERRE“ zu werben, fand nur wenig Zustimmung. So überraschte es niemanden, dass im Jahre 1860 der neue Pächter J. Gambel wieder unter dem Namen „British-Hotel“ warb.
Nach gründlichem Umbau und Renovierung der Innenräume empfiehlt er auch der einheimischen Bevölkerung einen Besuch in seinem „Café-Restaurant“. Die gemeinsame Mittagstafel „Table d’hôte“ begann stets pünktlich um ein Uhr mittags. Und ein „stets vorzügliches bairisches Bier“ wurde auf Eis gelagert und kühl serviert.
Einige neue Hoteliers werden in den kommenden zwei Jahrzehnten die gastronomischen Geschicke des Hauses leiten. Durch viele neue Ideen gelang es, das „British-Hotel“ weiterhin in der Reihe der ersten Gasthäuser zu halten. Im Jahre 1885 übernahm es Richard Eduard Gerdes. Ein Fachmann, der über umfangreiche gastronomische Berufserfahrungen verfügte.
Bevor er 1865 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, war er als Oberkellner im vornehmen „Victoria-Hotel“ tätig. Später bewirtschaftete er das „Hotel de Russie“ (Wilsdruffer Straße) und über zwölf Jahre das „Hotel zum goldenen Ring“ am Postplatz. Über 15 Jahre wird die Bewirtschaftung des Hotels an der Landhausstraße mit seinem Familiennamen verbunden bleiben.
1889 warb er in der örtlichen Tagespresse für seine schönen, hohen und geräumigen Fremdenzimmer. Im Gegensatz zu den anderen Hotels sind sie mit „vortrefflich breiten Betten“ ausgestattet. Neben auserlesenen Weinen wurden beliebte Biersorten angeboten. „Echt Kulmbacher“ und „Münchner Löwenbräu“ zählten dazu. Im Jahre 1902 kam dann das „Fürstenberg-Bräu“ hinzu.
Neue Pächter folgten in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Vermutlich ist auch hier der Zeitpunkt zu suchen, dass die Vermietung von Fremdenzimmern eingestellt wurde. Die Anforderungen der Übernachtungsgäste hatten sich geändert. Die Ausstattung entsprach nicht mehr der Neuzeit. Umbauten oder Renovierungen hätten sich in dem alten Gebäude nicht mehr rentiert. In den Reiseführern jener Zeit fand es keine Erwähnung mehr. Die Restauranträume wurden mit mehr oder weniger Erfolg weiter unter dem alten Namen bewirtschaftet. Im Jahre 1907 konnte schließlich eine Erfolg versprechende Idee verwirklicht werden. Seit fast zwanzig Jahren bestand im „Palais de Saxe – das benachbarte Grundstück zur Moritzstraße – das Bierrestaurant „Münchner Löwenbräu“. Der früher zusammengehörende Gebäudekomplex wurde wieder mit den anderen Lokalitäten vereinigt. Eine Erweiterung, die sich rechnete. Das bekannte Lokal war nun von der Moritz- und der Landhausstraße erreichbar. Hier wurde das Bier noch vom Fass ausgeschenkt. Die Ausstattung der neuen Wirtschaft ermöglichte preiswerte Speisen.
Pächter bewahren Tradition
Der langjährige Pächter vom „Münchner Löwenbräu“ konnte sich nur drei Jahre über diese Erweiterung freuen. Mit 57 Jahren verstarb er im September 1910. Zahlreiche zeitgenössische Nachrufe würdigten die Leistungen von Johann Heinrich Hustedt. Seine Witwe und später die Kinder werden das gastronomische Unternehmen durch die folgenden schweren Kriegsjahre führen. Neue Pächter versuchten in den 1920er- und 1930er-Jahren die Traditionen des altehrwürdigen Bierlokals zu bewahren.
Im Februar 1945 wurden beide Stadtpalais’ beim Bombenangriff auf Dresden zerstört. Der Neuaufbau des Gebäudes des ehemaligen „British-Hotel“ hat vor wenigen Monaten begonnen. Vielleicht ist das ja der Anfang für ein neues Stück Geschichte in der Gastronomie der Elbestadt.
Sächsische Zeitung vom 18. Mai 2009
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2009_05/gr_2157727_1.jpg
http://www.sz-online.de/bilder/2009_05/gr_2157727_2.jpg
Die Gaststätte „Löwenbräu“ im Palais de Saxe an der Moritzstraße auf einer Postkarte um 1907. Eine aufwendige Fassade und prunkvolle Räume sind ihr Markenzeichen. Die Gaststätte und ihr bayerisches Bier waren stets gefragt. Foto: Sammlung Holger Naumann
erbse May 18th, 2009, 09:39 PM Das ist wirklich eine interessante Reihe! Bin jedes Mal gespannt, was in diesem Thread diesmal für ein Gebäude dabei ist :)
Übrigens: Bei Wikipedia gibt es die Kategorie Ehemaliges Bauwerk in Dresden (http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Ehemaliges_Bauwerk_in_Dresden) - ein guter Überblick zum Thema dieses Threads. Mal sehen, wie viele Gebäude aus dieser Liste die SZ noch vorstellt. Wie viele Bauten folgen denn noch in der Serie?
Dakir@DD May 19th, 2009, 07:37 AM Mal sehen, wie viele Gebäude aus dieser Liste die SZ noch vorstellt. Wie viele Bauten folgen denn noch in der Serie?
Moin erbse, dass kann dir glaub ich keiner so direkt sagen. Manchmal ist in einer Woche gleich zweimal was in der Zeitung und dann wieder über Monate nichts mehr.
Ich kann dir aber nur zustimmen, ich finde diese Serie auch sehr spannend.
Dakir@DD June 10th, 2009, 03:11 PM Kaffee, Schach und Bismarck gucken - Cafè König
Ein gutes Dresdner Kaffeehaus hatte im 19. Jahrhundert nicht nur Kaffee auszuschenken. Es zeichnete sich auch durch ein qualitativ hochwertiges Angebot an Konditoreiwaren und Kaffeespezialitäten aus sowie eine reichliche Auswahl an aktuellen Tageszeitungen und Journalen. Schließlich dienten die Einrichtungen nicht nur der Erholung, sondern auch als Informationsbörse. Wenn es die Inneneinrichtung der Räumlichkeiten gestattete, war auch ein Billardtisch unentbehrlich und es gab separate Vereinszimmer.
Domizil für den Schachverein
Alle diese Voraussetzungen erfüllte das 1875 gegründete „Café König“. Seinen Namen verdankt es nicht der Verehrung für den sächsischen Landesherrn. Nein, der Gründer hieß Hermann König. In zwei angemieteten Etagen konnten zahlreiche Gäste bewirtet werden. Bereits die ersten Besucher waren begeistert von dem Angebot und der Ausstattung des neuen Kaffeehauses. Nur wenige Jahre später wurde es in den damaligen Reiseführern sehr positiv erwähnt. Seinen schnellen Bekanntheitsgrad verdankt es aber dem 1876 gegründeten „Dresdner Schachverein“. Fast 40 Jahre werden sich hier die Freunde dieses Sports treffen. Und der schachbegeisterte Hermann König ließ sich in ruhigeren Stunden gern zu einer Partie überreden.
Im Sommer des Jahres 1900 konnte das 25-jährige Geschäftsjubiläum begangen werden. Der Kaffeehausgründer war vor wenigen Jahren verstorben. Sein Vetter Otto König leitete nun die gastronomischen Geschicke des Hauses. Selbstbewusst bezeichnet er das Unternehmen als das „älteste Kaffeehaus der Residenz“. Auch wenn diese Behauptung nicht stimmte, tat es dem Ansehen keinen Abbruch.
Zunehmenden Bekanntheitsgrad erhielt das Kaffeehaus König ab dem Jahre 1903. In unmittelbarer Nähe wurde das von Robert Dietz (1844–1922) geschaffene Bismarck-Denkmal eingeweiht. Dresdner und Touristen verbanden die Besichtigung des Denkmals mit einem Besuch im „Café König“. Bei Kaffee und Spezialitäten der hauseigenen Konditorei ließ man es sich gut gehen. Verständlicherweise waren die Fensterplätze besonders begehrt. Schließlich bot sich hier ein herrlicher Blick auf das Bismarck-Denkmal von einer anderen Perspektive. Neben der täglichen Laufkundschaft, den Freunden des Schachsports gehörten auch viele Dresdner Billardfreunde zu den Stammgästen. 1913 waren in einem Saal „9 erstklassige Billards“ vorhanden.
Blick auf Bismarck-Denkmal
Ein Jahr später begann der Erste Weltkrieg. Stück für Stück verschwand ein Hauch der bisher üblichen Kaffeehausatmosphäre. Aus dem „Café“ wurde ein deutsches „Kaffee“. Die ausgelegte internationale Zeitungsauswahl wurde auf die der Kriegsverbündeten reduziert. Der Fremdenverkehr in der sächsischen Residenz ging drastisch zurück. Viele gut ausgebildete Mitarbeiter erhielten ihre Einberufungen zur Front. Das wohlsituierte einheimische Publikum schränkte seine Besuche ein. Erste Lebensmittelrationierungen erschwerten das gastronomische Geschäft.
Vielleicht lagen darin die Gründe, dass im November 1915 die langjährigen Besitzer vom „Kaffee König“ beschlossen hatten, das Geschäft zu verkaufen. Neuer Eigentümer wird Gustav Mühlbach. Vorher bewirtschaftete er in Chemnitz das Reichskaffee. In der sächsischen Residenzhauptstadt erhoffte er sich in schwierigen Zeiten bessere Geschäfte. Dem war aber zunächst nicht so. So war er nur wenige Monate später genötigt, die eingedeckten Zuckerdosen von den Gästetischen verschwinden zu lassen. Ein gedruckter Zettel weist die Gäste auf diese Maßnahme hin. Statt der hier üblichen drei Stückchen Zucker zur Tasse Kaffee würden auch zwei reichen. Ein Jahr später freute sich der Gast, wenn er zum Kaffeeersatz nur ein Zuckerstückchen erhielt.
Nach Beendigung des Kriegshandlungen erfolgte ein vorsichtiger Neuanfang. So wurde bereits Ende 1918 erstmals wieder zum „5-Uhr-Tee“ eingeladen. Auch wurde für musikalische Unterhaltung gesorgt. Ein Stück Dresdner Kaffeehauskultur der Vorkriegszeit sollte wiederbelebt werden. In der ersten Etage vom „Kaffee König“ wurde die „Königsdiele“ eingerichtet. Doch in diesen unruhigen Nachkriegszeiten gewährte der Chef nicht jedem Zutritt. So heißt es in der örtlichen Tagespresse: „Zum Zweck der unbedingten Erhaltung von nur guten Publikums werden vom Geschäftsführer Familienkarten ausgegeben, die außerdem Sonntags zum freien Eintritt berechtigen.“ Eine strenge Maßnahme, die erst Anfang der 1920er-Jahre zurückgenommen wurde.
Ein modernes Großstadtcafé
Ende des Jahres 1924 gehörte die Inflation der Vergangenheit an. Mit viel Geschick gelang es Gustav Mühlbach, das Kaffeehaus in den schwierigen Jahren zu halten. Die Goldenen Zwanzigerjahre begannen. Durch zeitige Investitionen und Umbauarbeiten gehörte der gastronomische Betrieb zu den ersten modernen Großstadtkaffeehäusern Dresdens.
Und das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Im Erdgeschoss entstand eine neue Konditorei mit Verkaufsraum. Es gab ein Lese-Kaffee „mit allen bedeutenden Zeitungen des In- und Auslandes“. Auch eine „Nichtraucher-Abteilung“ wird erwähnt. In der ersten Etage – der „Königsdiele“ – gab es täglich Nachmittags- und Abendkonzerte. Zusätzlich gab es noch ein kleines separates Weinrestaurant, das zum abendlichen Souper einlud. So wird es in den folgenden zwei Jahrzehnten eine beliebte Lokalität in der Altstadt bleiben.
Im Februar 1945 endet die gastronomische Geschichte des beliebten Kaffeehauses. Das Gebäude wurde im Bombenhagel zerstört. Nur wenige Zeit später verschwand auch das Bismarck-Denkmal. Es wurde vermutlich eingeschmolzen.
Sächsische Zeitung vom 8. Juni 2009
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2009_06/gr_2175300_1.jpg
http://www.sz-online.de/bilder/2009_06/gr_2175300_2.jpg
In der Altstadt luden bis zum Februar 1945 das Café König und die Königsdiele ein. Hier eine Ansicht auf einer Postkarte um 1908. In beiden Cafés legte man Wert auf gediegenes Publikum. Foto: Sammlung Holger Naumann
Dakir@DD July 6th, 2009, 10:31 AM Das Zirkustheater der Fünftausend - Zirkus Sarrasani
Als am 24. März 1902 der Zirkus Sarrasani von Radebeul aus mit einem Riesenzelt auf Tournee ging, stand noch lange nicht fest, dass dieser Name sich mit dem Namen der Stadt Dresden untrennbar verbinden sollte. Nach einigen wenig erfolgreichen Versuchen unter anderem in Berlin und München kam es im Mai 1910 zum Grundstückskauf am Jägerhof in der Dresdner Neustadt. Hans Stosch (1873–1934), der ursprünglich als Dressurclown „Sarrasani“ aufgetreten war, wollte für seinen Wanderzirkus hier ein festes Haus errichten. Den Neubau des damals modernsten Zirkustheaters übernahm die Münchner Firma Heilmann & Littmann.
Im Mai 1911 begannen die Bauarbeiten. Am 12. Dezember 1912 erfolgte die Einweihung des Zirkustheaters in Anwesenheit des Königs Friedrich August III., Angehörigen des Hofes, Vertretern der Stadt und weiteren prominenten Bürgern. Die äußere Gestalt des Rundbaues bestimmte eine dominante freitragende Kuppel mit wahrhaft gigantischen Ausmaßen. Sie befand sich neunundzwanzig Meter über der Manege und ihr Durchmesser betrug siebenundvierzig Meter. Mit der bekrönenden Laterne erreichte das Gebäude eine Gesamthöhe von fast sechsunddreißig Metern.
Wasserspiele und Trocadero
An die Arena schlossen sich vier mehrgeschossige Treppenhäuser an. Der auf Eckpfeiler und vier Säulen gestellte Eingangsbau wurde durch einen akzentsetzenden großen Dreiecksgiebel betont. Das Gebäude war für 3860 Zuschauer zugelassen und hatte in der Manege den zentralen Mittelpunkt für das „Circus–Theater der 5000“. Unter dieser Bezeichnung schrieb das Haus Zirkusgeschichte. Für die beliebten Wasserspiele konnte die Manege mit Wasser gefüllt und abgesenkt werden. Mehrere gastronomische Einrichtungen und Büfetts zur Pausenversorgung, wie die volkstümliche Tunnelschänke, das Trocadero-Kabarett sowie ein Speiserestaurant mit Künstlerklause standen den Besuchern zur Verfügung. Drohende Kostenüberschreitungen beim Bau sorgten für Abstriche, die wahrscheinlich zu den akustischen Problemen führten. Erst später konnte dieser Mangel durch eine elektroakustische Übertragungsanlage einigermaßen ausgeglichen werden.
In den Kellerräumen gab es Platz für mehr als hundert Tiere, die in den Pausen besucht werden konnten. Eine Hauptattraktion des Zirkus waren die Elefanten. Hans Stosch-Sarrasani führte sie im Kostüm eines indischen Maharadschas vor, und viele Anekdoten ranken sich um ihn und seine Lieblinge. Der Prinzipal verstand seinen Zirkus als ein Volkstheater. Viele bedeutende Artisten engagierte er für sein Unternehmen. Besonders die effektvoll inszenierten Darstellungen großer Gruppen von Menschen und Tieren begeisterten ein Massenpublikum. Während die Staatstheater Zuschüsse bekamen, klagte Stosch-Sarrasani über beträchtliche Steuerabgaben. Aus Protest ließ er schon Mal auf der Kuppel seines Hauses „Der tot gesteuerte Zirkus“ schreiben.
Im Sommer mit Zelt auf Reisen
In den Sommermonaten ging es mit einem Riesenzelt auf Reisen. Der Fuhrpark mit mehr als hundert Lastzügen bestand aus über vierzig Wohn- und Bürowagen, mehreren Werkstattwagen sowie diversen Geräte-, Toiletten- und Reklamewagen. Fünfzehn Raubtier-Spezialtransporter und ein für den Transport von Nilpferden hergerichtetes Fahrzeug ergänzten den Fuhrpark. Neben verschiedenen Personenkraftwagen und Omnibussen wurde ein Eindecker-Flugzeuggeschwader zum schnellen Reisen und zur Reklame eingesetzt. Für die maurische Märchenfassade leuchteten am Chapiteau fast 17000 Glühlampen. Während der Tournee verpachtete man das Haus am Carolaplatz für Variete-Vorstellungen, Sportveranstaltungen oder Großkundgebungen. Aber auch Theateraufführungen, wie der „Oedipus“ unter der Regie von Max Reinhardt fanden darin statt.
Durch volkstümliche Eintrittspreise sollte jede Person in die Lage versetzt werden, die „Schönste Schau zweier Welten“ zu sehen. Nach dem Tode von Hans Stosch-Sarrasani während der zweiten Südamerika-Tournee übernahm sein Sohn Hans (1897-1941) die Geschäfte. Nach seinem frühen Tod übernahm dessen Ehefrau Trude die Führung des traditionsreichen Hauses. Sie war mit achtundzwanzig Jahren die jüngste Zirkusdirektorin Europas. Trude Stosch-Sarrasani (1913–2009) begründete einen neuen, der Revue verpflichteten Stil, der neben der Tradition auch dem Zeitgeschmack entgegenkam. Am 2. April 1944 hat das erste Zirkusmusical der Welt Premiere.
Der Film erobert den Zirkus
Auch der Film eroberte den Zirkusbau. Der Filmstreifen „Artisten“ entstand 1935 im Stammhaus am Carolaplatz. Kein geringerer als der Sensationsdarsteller Harry Piel spielte die Hauptrolle. Im Dezember 1938 wird der Film „Menschen, Tiere, Sensationen“ in Königsberg zum ersten Mal aufgeführt. Drei Monate später ist er auch im Dresdner Prinzess-Theater zu sehen. Die Handlung spielt im Zirkus Sarrasani und zeigt Piel als unerschrockenen Raubtierdompteur.
Zwei Jahre vor Kriegsende ist der Dresdner Rundbau erneut Drehort. Die „Große Nummer“ der Tobis- Filmkunst GmbH hat mit Harry Piel in der Hauptrolle großen Erfolg. Nach der kriegsbedingten Schließung aller Dresdner Theater spielte der Zirkus mit Ausnahmegenehmigung weiter. Auch am Abend des 13. Februar 1945 war der Rundbau gut besucht. Gegen 21.45 Uhr unterbrach Clown „August“ im Auftrag der Direktion die Vorstellung. Das letzte Bild musste wegen Fliegeralarms ausfallen. Zögernd erhob sich die Menge und strebte durch die beiden Hauptausgänge ins Freie. Zum Teil waren die Besucher noch auf dem Nachhauseweg, als die ersten Bomben fielen.
Nach einigen Treffern begann auch die große Kuppel des Zirkus zu brennen und setzte den gesamten Bau in Flammen. Das ausgebrannte Gebäude wurde in den fünfziger-Jahren abgebrochen. Nach dem Krieg emigrierte Trude Stosch-Sarrasani nach Argentinien. Dort gründete sie mit ihrem Lebenspartner Gabor Nemedi erneut einen Zirkus, der aber in Brasilien einem Brandanschlag zum Opfer fällt. Nach weiteren Versuchen löste Frau Trude 1972 überraschend ihr Unternehmen auf.
Neugründung in Mannheim
Nachfolger wurde der 1956 von Fritz Mey in Mannheim eröffnete Zirkus, welcher im Juni 1990 wieder in Dresden gastierte. In den Jahren danach gab Sarrasani weitere Gastspiele in der Landeshauptstadt. Doch Projekte für einen dauerhaften und festen Zirkusbau wurden bisher nicht verwirklicht. In Anwesenheit von Trude Stosch-Sarrasani erfolgte im April 1996 unweit des ehemaligen Zirkusgebäudes die Enthüllung einer bronzenen Gedenktafel. Die Gestaltung erinnert an ein Unternehmen mit langjähriger Dresdner Tradition. Elf Jahre später wird dem Zirkus mit dem Brunnen an der Sarrasanistraße ein beeindruckendes Denkmal gesetzt. Der Bildhauer Vincent Wanitschke schuf den Entwurf in Anlehnung an eine Episode aus dem Zirkusleben.
Sächsische Zeitung vom 6. Juli 2009
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2009_07/gr_2200240_1.jpg
Werbung aus dem letzten Dresdner Adressbuch von 1943/1944.
http://www.sz-online.de/bilder/2009_07/gr_2200240_2.jpg
Die Wasserspiele galten jahrzehntelang als ein Höhepunkt im Programm des Zirkus Sarrasani.
http://www.sz-online.de/bilder/2009_07/gr_2200240_3.jpg
Das Stammhaus des Zirkus Sarrasani auf dem Gelände am Carolaplatz. Heute erinnert an der Sarrasanistraße ein Brunnen von Vincent Wanitschke an die Zirkustradition der sächsischen Metropole und die Erfolge einer Dynastie Zirkusdirektoren. Repros: Manfred Lauffer
Dakir@DD July 13th, 2009, 10:24 PM Mit Rundfunkzimmer und Billardsalon - Café Hülfert
Zahlreiche Konditoreien hatten sich im 19. Jahrhundert in der königlich-sächsischen Residenzhauptstadt etabliert. Berühmte Konditoren wie Kreutzkamm, Torniamenti, Trepp oder Beyer seien nur stellvertretend erwähnt. Ein idealer Standort für ein Konditoreigeschäft war die Prager Straße. In den neu entstandenen Gebäuden siedelte sich eine Vielzahl von Geschäften und Warenhäusern an. So dachte wohl auch der junge Richard Hülfert am Anfang des Jahres 1881. Er erlernte das Bäckerei- und Konditorhandwerk. Seit April 1877 war er als Geschäftsführer beim Bäckermeister Kuntzsch an der Hauptstraße 12 tätig. Kuntzsch unterstützte die Pläne seines Schützlings. Finanziell half er bei der Anmietung der Räumlichkeiten.
Eröffnung im Februar 1881
Am 1.Februar 1881 erfolgte dann die feierliche Eröffnung „Conditorei und Café von Richard Hülfert“. Das Geschäft befand sich im Eckhaus Prager Straße/Sidonienstraße. Neben auserlesenen Konditoreierzeugnissen gab es auch einen Ausschank für Kaffee, Schokolade, Punsch, Grog, Likör und Wein. Auch ein Bestellservice war schon am Gründungstag eingerichtet. Dieses tolle Angebot las auch der Stadtbezirksinspektor im Dresdner Anzeiger. Und stellte in seinen Unterlagen sofort fest, dass vom Gewerbeamt der Stadt Dresden noch kein Konzessionsschein vorlag. Er inspizierte noch am gleichen Tag das neue Geschäft und registrierte, dass es auch schon eine kleine Auswahl von Likören gab. Jene Tatsache nutzte er dann zur Bekräftigung seiner Anzeige. Ein Strafbefehl über zehn Mark folgte prompt.
Wenige Tage später hatte aber Richard Hülfert die erforderlichen Genehmigungen. Auch zum Branntweinschank. Im Sommer des gleichen Jahres war es ihm dann auch möglich, einige Biersorten anzubieten. Er folgte damit dem Trend der Zeit. Um den Charakter seiner Konditorei nicht zu zerstören, wurde es jedoch nur im Parterreraum zur Sidonienstraße ausgeschenkt.
Wesentliche Erweiterungen der Konditorei folgten dann im Jahre 1898. In der ersten Etage entstand ein separater Billardsaal. In jenen Jahren gehörten Kaffeehauskultur und Billardspiel einfach zusammen. Genauso wie eine reichliche Zeitungsauswahl. Geöffnet waren diese Räume bis 12Uhr nachts. Auch das eigentliche Konditoreigeschäft lief sehr gut. Längst war der Name des Hauses weit über die Grenzen Sachsens bekannt. Das von Beginn an erstklassig organisierte Bestell- und Versandgeschäft hatte zahlreiche ausländische Kunden. Vergaßen sie die Adresse des Konditoreigeschäftes, kamen ihre Bestellungen auch unter der Anschrift „Hülfert-Ecke in Dresden“ an. Geschätzt wurden neben den Dresdner Christstollen vor allem die Baumkuchenspezialitäten. Richard Hülfert war nach der Jahrhundertwende schon längst der Obermeister der Konditorei-Kreis-innung.
Musterbetrieb mit Lärmquote
Ein Musterbetrieb wurde geschaffen. Schon längst gab es elektrische Motoren, welche die großen Schlagmaschinen in der Bäckerei antrieben. Nicht immer zur Freude der unmittelbaren Nachbarschaft. So beschwerten sich im Jahre 1904 zwei benachbarte Geschäftsinhaber über den störenden Lärm. Auch der zuständige Bezirksinspektor begutachtete die Situation. Richard Hülfert bekam die Auflage, Maschinen seiner Bäckerei umzusetzen. Dies war aus technischen Gründen jedoch kaum möglich. Eine Tatsache, welche wenige Monate später auch das Dresdner Gewerbeamt akzeptierte. Hier ging es um die Rühr-, Reib- und Eismaschine. Weiterhin wurde von den neuen elektrischen Motoren auch noch ein „Baumkuchenaggregat“ und eine Kaffeemühle angetrieben. Seine Begründung, dass die Geräusche vom vibrierenden Boden herrührten, wurde akzeptiert.
Im Jahre 1908 wurden die Räume in der ersten Etage erweitert. Zwei neue kamen hinzu. Das Gleiche wird in der Endphase des Ersten Weltkrieges erfolgen. Das dazu erforderliche Gesuch richtete Hülfert am 21.September 1918 an das Dresdner Gewerbeamt. Ein Jahr später beendete er seine geschäftliche Tätigkeit. Sein Sohn Paul Hülfert übernahm den väterlichen Betrieb. Umfangreiche Umgestaltungen erfolgten. So entstanden „im ersten Stockwerk moderne, überaus behagliche Salons mit Balkonen nach der Prager und Sidonienstraße, die schönste Aussicht auf den Dresdner Hauptverkehr der Prager Straße bietend, erweiterte Lese-, Spiel- und Billardzimmer“.
Investitionen für die Zukunft, die sich als richtig erwiesen. „Kaffee macht mich frisch, gibt mir Hoffnungen“, schrieb Victor Klemperer im Jahre 1923 in sein Tagebuch. Im April des darauf folgenden Jahres genoss er nach den Inflationsjahren bei Hülfert erstmals wieder „Caféhaus-Zeitungslectüre“. Weniger konnte er sich im September 1924 mit dem neueingerichteten „Rundfunkzimmer“ anfreunden. Die Geräusche aus dem Lautsprecher irritierten ihn. „Das schlechteste Grammophon bringt mir bessere und deutlichere Musik“, war sein Fazit.
Über fehlendes zahlungskräftiges Publikum war auch in den folgenden Jahrzehnten nicht zu klagen. Das „Café Hülfert“ gehörte zu den ersten Kaffeehäusern in der belebten Prager Straße. Schon längst hatte sich der Ruf über Sachsens Landesgrenzen verbreitet. Dazu trug das sich vergrößernde Stollen- und Baumkuchen-Versandgeschäft wesentlich bei. Letztendlich wird die bekannte Konditorei das Schicksal vieler anderer bedeutender gleichartiger Unternehmen teilen. Das Gebäude wurde beim Bombenangriff im Februar 1945 komplett zerstört. An einen Neubeginn war nicht mehr zu denken.
Sächsische Zeitung vom 13. Juli 2009
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2009_07/gr_2206111_1.jpg
Ein Blick in das Café Hülfert, in dem auch Klemperer verkehrte.
http://www.sz-online.de/bilder/2009_07/gr_2206111_2.jpg
Konditorei und Café Hülfert an der Prager Straße 48/Ecke Sidonienstraße luden bis zum Februar 1945 ein. Gegründet hatte sie der junge Bäcker und KonditorRichard Hülfert 1881. Fotos: Sammlung Holger Naumann
Dakir@DD August 5th, 2009, 09:55 AM Schiller logierte im Zimmer Nummer 4 - Zum goldenen Engel
Bereits zu Zeiten August des Starken war der Gasthof „Zum goldenen Engel“ eine vornehme Herbergsadresse. Vermutlich wurde das ursprüngliche Gebäude an der damaligen Wilsdruffer Gasse um 1715 errichtet. Der Chronist Johann Christian Hasche erwähnt es in seiner „Umständliche Beschreibung Dresdens mit allen seinen äußeren und inneren Merckwürdigkeiten“ 1781 nur als ehemaliges Wirtshaus. Es ist anzunehmen, dass in jenen Jahren das Gasthofgebäude neu errichtet wurde. Dieses bestätigt ein Jahrzehnt später Johann Gottlieb August Kläbe. Er verfasste einen neuen „Dresdner Wegweiser für Fremde und Einheimische“. In seiner Aufzählung der großen und kleinen Gasthöfe heißt es an erster Stelle: „Der goldene Engel, auf der Wilsdruffer Gasse, seit 1782 errichtet. Jeder Fremde wird mit der hier herrschenden Einrichtung und Bedienung vollkommen zufrieden sein.“
Goethe empfahl es dem Sohn
Zu den berühmtesten Gästen im neuen Gebäude zählte Friedrich Schiller. Als er am 11. September 1785 in den späten Abendstunden eintraf, ließ er seinem Freund Körner ausrichten: „Goldener Engel, Nr. 4, eine Treppe hoch“. Weitere bekannte Literaten werden folgen. So am Anfang des neunzehnten Jahrhunderts Heinrich von Kleist, der hier mit seinem Verleger Varnhagen von Ense eine wichtige Unterredung hatte. Und auch Johann Wolfgang Goethe zählte zu den Gästen. Bei seinem vierten Besuch der sächsischen Residenzhauptstadt mietete er sich hier im September 1810 ein.
Anscheinend war er mit den ausgestatteten Fremdenzimmern und dem Service des Gasthauses sehr zufrieden. Er empfahl diese Unterkunft seinem Sohn August und dessen junger Gattin Ottilie. Jene nahmen neun Jahre später hier Quartier. Tagebuchnotizen berichten von den gemeinsamen Mittags- und Abendtafeln im Hotel. So erwähnt er einen besonders gesprächigen Tischnachbarn seiner Frau, welcher mit einem gegenübersitzenden Engländer „muntere Konversation“ führte. Überhaupt stellte er fest, dass an dieser „Table d’hôte“ viel Französisch gesprochen wurde.
Verkaufslokale der Händler
Im Jahre 1820 gab es hier 24 herrschaftlich eingerichtete Fremdenzimmer. Auch für eine ausreichende Stallung der Pferde und Abstellplätze der Kutschen war gesorgt. Erste Erweiterungen folgten. Die oberen Etagen des Gebäudes wurden zu Hotelzwecken umgebaut. Neun neue Hotelzimmer kamen hinzu. Das Gastgewerbe Dresden rüstete sich für den steigenden Fremdenverkehr. Die gastronomische Bewirtschaftung des Gasthauses lag damals in den Händen von Martin Ludwig Wiesner.
Ein Zeitsprung in die 1850er-Jahre sei gestattet. In jenem Jahrzehnt versuchten reisende Handelsleute die Gasthofbetriebe zu Verkaufslokalen zu nutzen. In der örtlichen Tagespresse wurde eifrig inseriert. „Nur noch heute bis morgen Mittag werden ausverkauft (...) 500 Stück schwerste seidene Regenschirme à 15 Thlr. bis 3 ½ Thlr. 1000 Stück eleganteste Knicker und Sonnenschirme à 20 Ngr.“ und so weiter. Natürlich gab es dieses Angebot nur in einem Fremdenzimmer im Gasthof zum goldenen Engel. Im gegenüberliegenden „Hôtel de France“ gab es gerade eine Ausstellung einer Frau Johanna Wauer aus Berlin. Zwei Bilder, an welchen sie über achtzehn Jahre gestickt hatte, waren zu besichtigen. Fünf Neugroschen betrug der Eintritt.
Im Jahre 1859 wurde der bisherige Hauptsaal im Parterre in ein „Verkaufsgewölbe“ umgewandelt. Hotelier Hoffmann hatte „an dessen Stelle in den Räumen des mit einem Glasdach versehenen Hofes einen neuen, höchst eleganten Speisesaal“ errichten lassen.
Weiterhin zählte der Gasthof zu einer beliebten Übernachtungsstätte. Es wird wohl auch in jenen Jahren erstmals unter der Bezeichnung „Hotel zum goldenen Engel“ geworben. Heinrich Hoffmann hieß der damalige Eigentümer und im Jahre 1864 erweiterte er den gastronomischen Betrieb mit einem Nachbarhaus. Er gehörte zu den letzten Vertretern, welche über mehrere Jahrzehnte die gastronomische Bewirtschaftung leiteten. Viele verschiedene Besitzer werden folgen.
Eine nicht vollständige Aufzählung soll im Jahre 1879 beginnen. Der 45-jährige kaufmännische Agent Carl Engell versuchte sich als Gastwirt. Eine der wenigen aussagekräftigen Inserate ermöglichen einen Blick in das „Hotel zum goldenen Engel in Dresden“. So heißt es unter anderem: „Auf Wunsch vieler geehrter Gäste meines Hôtels habe ich die Einrichtung getroffen, das von 6 Uhr abends ab Erlanger und Pilsner Bier vom Fass in Caraffen, sowie billigere Weine, im Nebensaale auch ab kleinen Tischen verabreicht werden... Nachdem nun der Neubau des Nebensaales, sowie die Renovation des Hauptsaales beendet ist, nehme ich Veranlassung, die angenehmen und eleganten Räumlichkeiten, mit Wasserheizung und Ventilation versehen, auch einem hochgeehrten hiesigen Publikum, besonders Familien, bestens zu empfehlen... Ich werde bemüht sein, das langjährige gute Renommé der Küche zu erhalten und gestützt auf dasselbe, erlaube ich mir die Table d’hôte um 1 Uhr, sowie die obengenannten 2 Säle, ebenso einen kleineren in der ersten Etage zur Abhaltung von Diners und Soupers bis zu 50 Gedecken in geneigte Erinnerung zu bringen.“
Im Jahre 1892 versuchte kurzzeitig der ehemalige „Oeconom der Harmonie-Gesellschaft“ Paul Adolph Balthruszatis sein Glück. Damals gab es schon 50 Hotelzimmer. Bereits im April des darauffolgenden Jahres übergab er es an Franz Meyer, der in Böhmen bereits Hotelbetriebe führte. Als es im Jahre 1910 Carl Beier übernahm, war nur noch von einer „guten Verpflegung“ und „aufmerksamster Bedienung“ die Rede. Weiterhin verfügte es bereits über einen Fahrstuhl. Die Fremdenzimmer waren mit modernen Möbeln ausgestattet. Elektrisches Licht und Zentralheizung zählten bereits zum Standard.
Geschlossen und abgerissen
Doch das historische Gasthaus hatte schon längst seinen ehemals hervorragenden Ruf verloren. Es gehörte zur Mittelklasse, und die Übernachtungspreise waren erschwinglich. Schon längst übernachteten hier nicht mehr die zahlungskräftigsten Besucher der Stadt Dresden. Es entsprach einfach nicht mehr den Anforderungen der Neuzeit. Kostspielige Renovierungen lohnten sich nicht.
Besitzer Karl Isensee empfahl es um 1924 noch als „Geschäftsreisenden- und Familienhotel“. Wenige Jahre später wurde es endgültig geschlossen. Das alte Gebäude wurde abgerissen, und ein Kaufhausneubau entstand an diesem lukrativen Standort.
Sächsische Zeitung vom 3. August 2009
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2009_08/gr_2223761_1.jpg
Ein Hotelzimmer im Stile der Jahrhundertwende.
http://www.sz-online.de/bilder/2009_08/gr_2223761_2.jpg
Treppenaufgang im „Goldenen Engel“ um 1925.
http://www.sz-online.de/bilder/2009_08/gr_2223761_3.jpg
Auf einer Postkarte wirbt um 1900 der Eigentümer des „Hotels zum Goldenen Engel“ mit zwei seiner berühmten Gäste: Friedrich Schiller und dessen Herzensfreund Christian Gottfried Körner, Vater von Theodor Körner. Fotos: Sammlung Holger Naumann
Das schreibt Wikipedia.de über das Hotel "Zum goldenen Engel"
Der Goldene Engel war ein um das Jahr 1715 erbautes Gasthaus in der Wilischen Gasse 7. Das fünfgeschossige Gebäude war im Barockstil errichtet. Namensgebend war ein Sandsteinengel von Christian Gottlieb Kühn über dem Eingang. Das Hotel mit 24 Zimmern und Stallungen für 24 Pferde zählte zu Dresdens bekanntesten Hotels. Zu den Gästen gehörten unter anderem Friedrich Schiller (11. bis 12. September 1785) und Johann Wolfgang von Goethe (16. bis 25. September 1810). Zwischen 1808 bis 1817 wohnte im Hotel der Freiberger Geologe Abraham Gottlob Werner, der am 30. Juni 1817 darin verstarb. Im Jahr 1930 wurde das Hotel abgebrochen.
erbse September 9th, 2009, 07:19 PM Tolle Beiträge, danke :applause:
Kommt auch noch was dazu? - Städtischer Ausstellungspalast in Dresden (http://de.wikipedia.org/wiki/Städtischer_Ausstellungspalast_(Dresden))
Stand vor dem Krieg am Straßburger Platz, heute steht die Gläserne Manufaktur von VW auf dem Bauplatz, oder?
Der Ausstellungspalast war ein wahrer Historismusschatz. Wie gern hätte ich ihn einmal in natura bewundert :(
Bauer-Ewald September 9th, 2009, 08:10 PM Guter Thread, gibt dem Unkundigen einen guten Überblick über die Entwicklung Dresdens! Danke!
Dakir@DD September 10th, 2009, 11:33 PM Stand vor dem Krieg am Straßburger Platz, heute steht die Gläserne Manufaktur von VW auf dem Bauplatz, oder?
Ja erbse du hast recht, der Ausstellungspalast stand bis zum II. Weltkrieg am jetzigen Straßburger Platz...genau auf dem Platz, wo jetzt die VW - Manufaktor steht. Übrigens stand dort auch das weltbekannte Kugelhaus.
Ich weiß nicht, ob meine "Hauszeitung" mal einen schönen Artikel darüber schreibt, aber wenn dann wirst du es hier lesen können, okay?
Guter Thread, gibt dem Unkundigen einen guten Überblick über die Entwicklung Dresdens! Danke!
Danke Danke, lob hört / liest man immer gerne :)
Dakir@DD September 12th, 2009, 10:49 AM Vom Mäusegift zum Neubarock am Pirnaischen Platz - Kaiserpalast
Der Apotheker Hermann Ilgen verbaute Millionen in den Kaiser-Palast am Pirnaischen Platz.
Mit der Beseitigung des östlichen Stadttores von Dresden und der dortigen Wallanlage entstand ein freier Platz, der nach 1830 als Pirnaischer Platz bezeichnet wurde. Er entwickelte sich bald zu einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führten nicht weniger als acht Straßen auf das Areal. Schon David August Taggesell notierte in seinem Tagebuch, dass bereits 1838 vom Pirnaischen Platz zum ersten Male „Omnibuswagen“ abfuhren.
Besonders mit der Anlage der König-Johann-Straße, einem Teilstück der heutigen Wilsdruffer Straße, gewann die Platzanlage an Anziehungskraft. Neue Wohn- und Geschäftshäuser, Einzelhandelsgeschäfte und gastronomische Einrichtungen ergänzten die vorhandene Bebauung. Doch an der Nordseite des Platzes, zwischen Ring- und Amalienstraße, fehlte als krönender Abschluss ein attraktives Gebäude. Doch wer sollte die enormen Kosten in Millionenhöhe aufbringen?
Pille gegen Mäuseplage
Da fand sich mit Friedrich Hermann Ilgen (1856–1940) ein Bauherr, der das Projekt finanzierte. Dieser hatte 1888 als approbierter Apotheker in Kötzschenbroda, Bahnhofstraße 19, die dortige Apotheke (heute Stadtapotheke Radebeul) erworben und brachte dort ein hochwirksames Ratten- und Mäusegift auf den Markt. In der Broschüre „Mein Lebenswerk“ steht dazu geschrieben: „Ilgen erfand ein in der ganzen Welt berühmtes und verheerendes Giftpräparat, eine Pille gegen eine gewaltige Mäuseplage, die in den 80er-Jahren fast schon biblische Dimensionen angenommen hatte und die namentlich in Baden die Bauern schier zur Verzweiflung trieb. Die Konjunktur des Mäusegiftes steigt zu schwindelnder Höhe (täglich bis 30 Zentner) und Ilgen weiß dieselbe mit genialer Kombinationsgabe noch weiter zu steigern, denn eine berauschende Atmosphäre ist in dieser Pille, der keine Maus mehr widersteht.“
Ein prunkvoller Neubau
Die Beteiligung für die Ausschreibung des Gebäudes war enorm. Bis zum 15. März 1895 gingen mehr als einhundert Angebote ein. Ein Gremium, darunter Professor Paul Wallot und Hermann Ilgen, begutachtete die eingereichten Arbeiten. Zehn Entwürfe kamen in die engere Wahl. Der Bauherr hatte verschiedene Forderungen gestellt. So sollte die erste Etage vollkommen der Gastronomie zur Verfügung stehen und über „praktische und gut ventilierte Pissoire- und Klosettanlagen“ verfügen. Lange sah es so aus, dass die Dresdner Firma Lossow & Viehweger als Sieger hervorging. Doch schließlich reichte es nur zum zweiten Platz. Den Zuschlag erhielt das Architekturbüro Schilling & Gräbner. In nur zweijähriger Bauzeit entstand ein fünfgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus im prunkvollen Neubarockstil. Die beiden unteren Geschosse waren mit Sandstein verkleidet und der von Ilgen geforderte Balkon begrenzte die erste Etage.
Als krönenden Abschluss hatte man den repräsentativen Kopfbau mit einem kleinen Turm versehen. Das als „Kaiser-Palast“ bekannte Gebäude fand wegen seines überreichen Fassadenschmuckes nicht immer den Beifall der Zeitgenossen. Dafür besaßen die Figuren von Hartmann MacLean im Giebelfeld eine besondere Qualität.
Zur Weihnachtszeit des Jahres 1897 konnte das interessierte Dresdner Publikum den Neubau erstmalig betreten. Die Innendekoration der Repräsentationsräume hatte man im Prunkstil des ausgehenden 19. Jahrhunderts gestaltet.
Neben mehreren Ladengeschäften gab es im Erdgeschoss verschiedene gastronomische Einrichtungen, wie ein elegantes bürgerliches Restaurant, ein intimes „Likör-Büffett“ sowie eine Bar. Das „Tunnel-Restaurant“ befand sich im Souterrain des Hauses und war von der Amalienstraße aus erreichbar.Als Glanzstück des Kaiser-Palastes galt der große Marmorsaal im ersten Obergeschoss. Auf der Bühne spielte täglich eine Kapelle Ohrwürmer aus dieser Zeit und eine große Anzahl von Glühlampen beleuchtete nach Einbruch der Dunkelheit den Saal. In der zweiten Etage erwartete die Gäste ein vornehmes Weinrestaurant. Feine deutsche und französische Gerichte standen auf der Speisekarte, und das Weinangebot war von erlesener Qualität. Als Pächter für die verschiedenen Gastlichkeiten im Kaiser-Palast hatte Ilgen den bekannten Dresdner Gastwirt Otto Scharfe gewonnen. Die weiteren Stockwerke dienten als Wohn- und Geschäftsräume und im Dachgeschoss dominierten Ateliers.
Unrentabel und ausgebrannt
Über zwei Jahrzehnte genoss der Kaiser-Palast einen hervorragenden Ruf. Zahlungskräftige Dresdner und Besucher der sächsischen Residenz kehrten hier ein und amüsierten sich prächtig. Aber nach 1920 schloss die gesamte Gastronomie wegen Unwirtschaftlichkeit ihre Pforten, und die Commerzbank zog in das Gebäude. Jahre später mietete die Deutsche Gasolin Aktiengesellschaft Büroräume in der dritten Etage und weitere Mietparteien, wie Rechtsanwaltskanzleien oder Fotoateliers, nutzten das Gebäude. Der Kaiser-Palast wurde im Februar 1945 beim Bombenangriff schwer beschädigt und brannte aus. Das ausgeglühte Betongerippe mit dem Skelett der Kuppel stand noch jahrelang auf dem Platz.
Als Ilgen die Architekten Rudolf Schilling und Julius Gräbner mit den Planungen für den Kaiser-Palast beauftragte, war er längst ein reicher Mann. Von Dresden aus betrieb er erfolgreich seine Immobiliengeschäfte. Doch den größten Teil seines Vermögens verwendete er für soziale und kulturelle Zwecke sowie zur Errichtung und Förderung sportlicher Einrichtungen. Er trat als Kunstmäzen und Sponsor in Erscheinung, und seine Stiftungen dienten wohltätigen Zwecken. Die Stadt Dresden verdankte ihm unter anderem die Errichtung der nach ihm benannten Ilgenkampfbahn, dem späteren Dynamostadion. Seine Verdienste um Dresden ehrte man mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft. Doch sein Wunsch, eine Dresdner Straße oder einen Platz nach ihm zu benennen, blieb bis heute unerfüllt. Hochgeehrt von vielen deutschen Städten und Gemeinden starb Ilgen im hohen Alter von vierundachtzig Jahren. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Johannisfriedhof in Dresden.
Sächsische Zeitung vom 12. September 2009
Bilder
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b4/Dresden_Kaiserpalast_Ilgenhaus_Pirnaischer_Platz_um_1910.jpg
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Dresden_Kaiserpalast_Ilgenhaus_Pirnaischer_Platz_um_1910.jpg&filetimestamp=20090827050748
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/f/ff/Kaiserpalast1905.jpg
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Kaiserpalast1905.jpg&filetimestamp=20080121174223
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/96/Bundesarchiv_Bild_183-Z0309-310%2C_Zerst%C3%B6rtes_Dresden.jpg
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Bundesarchiv_Bild_183-Z0309-310,_Zerst%C3%B6rtes_Dresden.jpg&filetimestamp=20081205202111
http://www.sz-online.de/bilder/2009_09/gr_2259365_1.jpg
Der Kaiserpalast des Bauherrn Hermann Ilgen am Pirnaischen Platz in einer Ansicht vor dem Jahre 1920. Die erste Etage war der Gastronomie vorbehalten und wurde von einem Balkon begrenzt. Krönenden Abschluss des Prachtbaus bildete ein kleiner Turm. Repro: Manfred Lauffer
http://www.sz-online.de/bilder/2009_09/gr_2259365_2.jpg
Einladung zur großen Silvesterfeier im „Dresdner Anzeiger“ zum Jahreswechsel 1908/09.Repro: Manfred Lauffer
Dakir@DD October 1st, 2009, 11:53 AM Als das Italienische Dörfchen ein großes Dorf war
Aus kleinen Wein- und Bierschenken wurde „Helbig’s Etablissement“ – heute bekannt als „Italienisches Dörfchen“.
Ende Juli 1739 wurde der Grundstein für den Bau der Katholischen Hofkirche gelegt. Mit dem italienischen Baumeister Chiaveri kamen viele Spezialisten seines Heimatlandes nach Dresden. Insbesondere Steinmetze und Bildhauer waren gefragt. Gleich neben der Baustelle entstanden in den nächsten Jahrzehnten Unterkünfte und Werkstätten in provisorischen kleinen Häusern. Das „Italienische Dörfchen“ bestand fast hundert Jahre auf dem heutigen Theaterplatz. Im Nebenerwerb entstanden zahlreiche kleine Wein- und Bierschenken.
Erst im Jahre 1838 begann man mit den Abbrucharbeiten des „Italienischen Dörfchens“. Nach den Plänen von Baumeister Gottfried Semper entstand hier sein erster Opernbau nebst Theaterplatz. Doch die gastronomische Tradition sollte nicht verloren gehen. Im Jahre 1845 waren fast alle an der Elbe stehen gebliebenen Häuser als „Restaurationen“ eingerichtet. Zu dem bekanntesten Gastwirt entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten Julius A. Helbig.
Mit Blick auf die nahe Elbe
Helbig hatte das ehemalige Wohnhaus des Malers Vogelstein gekauft und zu einem Restaurantbetrieb umgestaltet. Insbesondere in den Sommermonaten konnte er sich über zahlreiche Gäste freuen. Neben der hervorragenden Küche und einem ausgezeichneten Weinkeller wurde insbesondere der herrliche Blick auf die Elbe geschätzt. Seine Zielgruppe waren die wohlsituierten Bürger der sächsischen Residenz und die zahlungskräftigen Touristen. Die 1850er-Jahre werden von ständigen Erweiterungen zu den Nachbargebäuden gekennzeichnet. Sieben Häuser werden es einmal sein, die Helbig zu einem großen Restaurantbetrieb vereinigte. Über die Innengestaltung schreibt ein zeitgenössischer Chronist: „...welches ein interessantes Labyrinth von einigen dreißig durch Stufen, Corridore und Gänge verbundenen Zimmer, Galerien, Veranda und Sälen umschließen, auch zierlich geschnitzte und ornamentierte An- und Vorbaue schweizerischen, bald gothisch-maurischen Styls zu einem Ganzen von gefälliger Wirkung vereinigt.“
Die unmittelbare Nähe zur Elbe brachte aber auch immer wieder Probleme, wenn es zu Hochwasser kam. So auch Anfang der 1860er-Jahre. Die zur „Helbig’schen Restauration“ gehörende „Galerie“ (Terrasse) hatte so großen Schaden genommen, dass sie abgetragen werden musste. Am 10. April 1862 konnte die örtliche Tagespresse aber stolz berichten, dass eine neue Terrasse erbaut worden ist.
Auch der russische Schriftsteller Dostojewski besuchte mit seiner jungen Frau im Rahmen ihres Dresden-Aufenthaltes im Jahre 1867 das Etablissement. Sie stellten fest, dass hier die Menüs viel billiger seien, als auf der nahe liegenden Brühl’schen Terrasse. Sie saßen damals in der mit Glasfenstern und Spiegeln geschmückten Veranda. Bei einem abschließenden Kaffee genossen sie den Blick auf die Elbe.
Eine neue Sehenswürdigkeit
Helbig, der Namensgeber des Restaurantbetriebes, verstarb Anfang der 1870er-Jahre. Eine Zeit lang führte seine Witwe die Geschäfte weiter. Schließlich verkaufte sie das Unternehmen an die Dresdner Feldschlößchen-Brauerei. Diese setzte dann verschiedene Pächter zur Bewirtschaftung des bekannten Restaurants ein. Die Erlaubnis zur „Abhaltung von Tanzvergnügen“ gab es erstmals 1873. Zur gleichen Zeit ankerte vor den schmalen Terrassenanlagen ein „schwimmender Musiksalon.“. Hier spielten dann in den Sommermonaten stadtbekannte Militärkapellen auf.
Im Oktober 1881 wurde das Publikum von einer neuen Sehenswürdigkeit überrascht. Das Sandsteinrelief „Brückenmännchen“ schmückte wieder einen Pfeiler der Augustusbrücke. Bereits über zwanzig Jahre zuvor hatte Helbig eine „Nachbildung des echten, sehr verwitterten alten Bildes, wie es sich schon am vierten Bogen der Elbbrücke nach Abend befindet“ an den nahe liegenden Brückenpfeiler anbringen lassen – ist aus einer Tageschronik aus dem 19.Jahrhundert zu entnehmen. Optimaler Blick auf diese Sehenswürdigkeit versprach nur ein Besuch auf den Terrassenanlagen von „Helbig’s Etablissement“. Bereits zu diesem Zeitpunkt wird über 1500 Gästeplätze berichtet. „Schönster Sommeraufenthalt in der Residenz Dresden“ heißt es wenig später in einem Reisehandbuch.
Zahlreiche Pächter werden in den nächsten Jahrzehnten folgen. Die Adresse Theaterplatz 1b bis 7 gehörte zu den beliebtesten Restaurants im alten Dresden. „Rendezvous aller Fremden“ oder „Große, einzig in seiner Art dastehende Elbterrasse“ hießen die Werbesprüche. Die beliebten „Militär-Concerte“ konnten mittlerweile 2000 Gäste verfolgen. Seit Mitte der 1890er- Jahre wurde bereits unter dem Doppelnamen „Helbig’s Etablissement – Italienisches Dörfchen“ geworben. Einige Jahre später schmückte auch die Aufschrift „Italienisches Dörfchen“ das lang gezogene Restaurationsgebäude.
Abriss zugunsten der Bauwut
Doch die Tage waren bereits gezählt. Dresden hatte die Bauwut gepackt. Dazu gehörte auch die Neugestaltung des Theaterplatzes. Das altehrwürdige Restaurant passte nicht mehr in die Pläne zur Entwicklung einer Großstadt. Neben dem Neubau der Augustusbrücke sollte auch die Elbfront des Theaterplatzes verändert werden. Erste Abbrucharbeiten erfolgten.
Am ehemaligen Standort erreichten nun die Dresdner Straßenbahnen provisorisch die Altstadt. Eine hölzerne Brücke ermöglichte es. Baurat Professor Erlwein hatte noch einige Jahre zu warten, bis er den neuen Restaurantkomplex „Italienisches Dörfchen“ errichten konnte. Im Jahre 1913 konnten dann die ersten Gäste im neuen Gebäude begrüßt werden.
Sächsische Zeitung vom 26. September 2009
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2009_09/gr_2272253_1.jpg
Helbig’s Etablissement am Dresdner Theaterplatz auf einer Postkarte um 1897. Rund 1500 Gäste konnten in dem Restaurantkomplex bewirtet werden. An der Elbseite lud ein Sommergarten ein. Foto: Sammlung Holger Naumann
http://farm4.static.flickr.com/3299/3632780398_2a33d66098.jpg
http://farm2.static.flickr.com/1015/1048314263_314445e4e0.jpg
Dakir@DD October 20th, 2009, 08:43 PM Als Dresdner im Güntz-Bad schwitzten
Am Elbberg, in unmittelbarer Nähe der Altstädter Carolabrückenauffahrt, wurde nach dreijähriger Bauzeit am 2. Januar 1906 das modernste und größte Hallenbad Dresdens eröffnet. Die Mittel in Höhe von 1,65 Millionen Mark stellte die Güntz-Stiftung der Stadt zur Verfügung. Die Leitung des Neubaues lag in den Händen von Stadtbaurat Edmund Bräter. Da damals die meisten Wohnungen kein eigenes Bad besaßen, kam dieser Multifunktionsbau für die Dresdner gerade zur rechten Zeit. Hinter einer im Jugendstil reich geschmückten Außenfassade überraschte den Besucher ein in die Tiefe gestaffelter Bau mit getrennter Damen- und Herrenschwimmhalle. Das Schwimmbecken für Herren war mit 275 Quadratmetern großzügig bemessen und im Damenschwimmbad konnte man sich bei einer Länge von achtzehn Metern und einer Breite von neun Metern ebenfalls wohlfühlen.
Halbe Preise an „Volkstagen“
Komplettiert wurde das Ganze durch fünfzig eingebaute Wannenbäder und ein irisch-römisches Schwitzbad. Zum Hallenbad gehörten auch eine eigene Wäscherei, ein Hundebad im Untergeschoss und ein Erfrischungsraum, das spätere Bad-Café. Mit den zur damaligen Zeit modernsten Waschmaschinen konnten Besucher während der Kur- oder Badezeit ihre Kleidungsstücke waschen und bügeln lassen.
Trotz der relativ hohen Eintrittspreise von vierzig Pfennigen für Erwachsene und dreißig Pfennigen für Kinder erfreute sich das Bad regen Zuspruchs. An sogenannten „Volkstagen“ konnten die beiden Schwimmhallen zum halben Preis benutzt werden. Im Eröffnungsjahr kamen über 195000 Besucher. 1914 waren es bereits 372000 und 1926 sogar 775000 Personen.
Eine Erweiterung und Modernisierung der Einrichtung begann 1925 unter Stadtbaurat Paul Wolf mit dem Ausbau der Heil- und Kurbehandlung und endete im April 1927. In einer Werbeschrift von 1928 anlässlich des Erweiterungsbaues heißt es: „Aufgabe der öffentlichen Gesundheitspflege ist es, der Bevölkerung der Großstadt die Heilwirkung der Reinigungs- und Schwimmbäder und auch der medizinischen Bäder zugänglich zu machen. Eine universale Badeanstalt, die allen alles bietet, was auf dem Gebiet des Badewesens möglich ist, ist vornehme Pflicht eines großen Gemeinwesens.“
Durch die Erweiterung verdoppelten sich die Anzahl der Wannen- und Schwitzbäder sowie die Möglichkeiten für Heilbehandlungen durch Bestrahlungen, Packungen, und Massagen.
Sonnenbaden auf dem Dach
Mit dem Aufzug ging es zur Dachterrasse zum Sonnenbaden. Dort standen Liegestühle und Turngeräte bereit, und ein Erfrischungsraum sorgte für das gastronomische Wohl der Badegäste. Zum Service des Hauses gehörte die Ausleihe von Badebekleidung und von Badetüchern sowie das Reinigen und Bügeln der Kleidung einschließlich Krawatte und Hut. Auch über einen Damen- und Herrenfriseursalon verfügte das Haus. Das damals neuartige Medium Rundfunk war über eine zentrale Anlage erlebbar. Über Kopfhörer konnte man sich in den Ruheräumen mit Musik verwöhnen lassen. Zur Ausstattung des Bades gehörte außerdem Kunstkeramik – Solnhofener Platten für Fußboden und Wände, Marmor aus Carrara und Plastiken von Professor Georg Wrba.
Das Wasser im Schwimmbecken und die Temperatur des Fußbodens betrugen durchschnittlich 22 Grad Celsius. Neben den erforderlichen Frischwasserfüllungen der beiden Becken wurde das Wasser ständig umgewälzt, gefiltert und desinfiziert. Die Städtischen Wasserwerke kontrollierten täglich die chemischen und bakteriologischen Werte des Wassers.
Zur technischen Ausrüstung zählte die Unterwasserbeleuchtung der Schwimmbecken genauso wie eine elektrische, zentral gesteuerte Uhrenanlage mit sechzig Uhren. Ein siebzehn Meter tiefer Brunnen und eine eigene Stromversorgung mit einem 160-kW-Drehstromgenerator sicherten die Wirtschaftlichkeit und die Unabhängigkeit vom Stadtnetz.
Nach Schluss der öffentlichen Badezeit um 19.30 Uhr standen die beiden Hallen den Dresdner Schwimmvereinen bis Mitternacht zur Verfügung. Schwimmfeste waren besondere Höhepunkte. Zu ihrer Ausrichtung verfügte das Güntz-Bad über die erforderlichen, leicht einzubauenden Einrichtungen wie Startbalken, Schiedsrichterturm, Stühle, Galerien und Absperrungen.
Nach der Zerstörung 1945 blieb eine aufbaufähige Ruine zurück. Das nur teilweise zerstörte Güntz- Bad war bis 1960 zum Wiederaufbau vorgesehen. Dennoch erfolgte 1964 der Abriss des Bauwerkes, das als Vorbild für nachfolgende Bauten diente.
Sächsische Zeitung vom 17. Oktober 2009
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2009_10/gr_2290395_1.jpg
Das Schwitzbad für Herren.
http://www.sz-online.de/bilder/2009_10/gr_2290395_2.jpg
Der Eingang zum Güntz-Bad.
http://www.sz-online.de/bilder/2009_10/gr_2290395_3.jpg
Herrenschwimmbad (links) und Damenschwimmbad mit der Statue der Aphrodite. Repros: Manfred Lauffer
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/a0/Dresden_G%C3%BCntzbad_Innenansicht_Bad_1906_Helas_Peltz_Bildnr._61_AJh_1906.jpg/800px-Dresden_G%C3%BCntzbad_Innenansicht_Bad_1906_Helas_Peltz_Bildnr._61_AJh_1906.jpg
Innenansischt
Weitere Informationen zum Güntzbad findet Ihr hier:
1. http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCntzbad_(Dresden)
2. http://dresden.stadtwiki.de/wiki/Güntzbad
Dakir@DD November 9th, 2009, 12:15 PM Damm’s Etablissement war Dresdens größtes Ballhaus
Dresdens größtes Ballhaus befand sich in der Neustadt. Zumindest im ausgehenden 19. Jahrhundert. Das ist einer Beschreibung der Bauten Dresdens aus dem Jahre 1878 zu entnehmen. Der Hauptsaal hatte eine Länge von 30 Metern. Die Breite betrug über zwanzig und die stattliche Höhe über zehn Meter. Weiterhin gab es zwei Nebensäle. Seinen ersten Namen verdankt es dem aufstrebenden Gastwirt Carl Adolf Damm. Über zehn Jahre hatte der aus Herzogswalde bei Wilsdruff stammende junge Mann beim sächsischen Militär gedient. Ab 1862 zählt er zu den Dresdner Gastwirten. Die Erlangung des hiesigen Bürgerrechtes machte das möglich. Der 31-jährige Damm kaufte das Grundstück Königsbrücker Straße 69. Hier wurde schon seit einigen Jahren eine bescheidene Schank- und Speisewirtschaft betrieben.
Überzeugender Bauantrag
Damm hatte Größeres vor. Drei Jahre später wendet er sich mit einem Bauantrag an die kommunalen Behörden: Seit Langem vermissen die Bewohner der sich vergrößernden Neustadt einen Tanz- und Konzertsaal. Historische Gasthöfe wie die „Grüne Tanne“ oder „Zum Schönbrunn“ entsprechen nicht mehr den „Ansprüchen der Neuzeit“. Ein Bedürfnis sei gegeben. Der geplante Neubau sei nicht als Konkurrenzunternehmen zu empfinden. Vielmehr sei der optimale Standort des neuen Unternehmens zu betrachten.
Die Kreuzung Königsbrücker Straße/Bischofsweg entwickelt sich zu einem zunehmenden stark frequentierten Verkehrsknotenpunkt Dresdens. Auch gab es in unmittelbarer Nähe eine Haltestelle der „Pferde-Omnibus-Linie“. Die fehlende Wartehalle, aber auch eine Ausspannmöglichkeit der erschöpften Pferde könnten hier geschaffen werden. So weit einige Argumente, die den Dresdner Stadtrat ohne lange Diskussionen überzeugten. „Damm’s Etablissement“ mit großem Konzert- und Ballsaal wurde errichtet. Gründer Carl Adolf Damm starb bereits Anfang Januar 1874. Ihm war es nicht mehr vergönnt, die Einweihung zu erleben. Seine Witwe Wilhelmine Henriette übernahm die gastronomischen Geschäfte. Zwei Monate später konnten die ersten Gäste empfangen werden.
Vom Tanz- zum Vereinshaus
Sehr schnell entwickelte es sich zu einem beliebten Treffpunkt in der Dresdner Neustadt. Dieses bezeugen zahlreiche zeitgenössische Berichte und Inserate. Hier ging es nicht so vornehm zu wie in den bereits bestehenden Tanzpalästen der Altstadt. Hier traf so manches schüchterne Mädchen seinen strammen Soldaten. Die Kasernen der Albertstadt waren nicht weit entfernt. Die Preise erlaubten es auch vom Unteroffizier abwärts, einem Dienstmädchen etwas zu bieten. „Damm’s Etablissement“ wollte von seiner Größe nie zur ersten Liga Dresdner Ballhäuser gehören. Hier versprach der Publikumsandrang der einfachen Leute das große Geschäft.
Bereits im Jahre 1893 trug es den Namen „Deutsche Reichskrone“. Als „schönstes und größtes Varieté-Theater der Residenz“ wurde es in den Inseraten gepriesen. Zum öffentlichen Tanz wurde nur noch an Sonn- und Montagen eingeladen. So waren damals die kommunalen Bestimmungen. Eine Erweiterung war nur für Tanzveranstaltungen geschlossener Gesellschaften möglich.
Die 1890er-Jahre waren von einer erstarkenden Sozialdemokratie geprägt. Erst wenige Jahre zuvor fiel Bismarcks Sozialistengesetz. Vorbei die Zeit, wo Arbeiterbildungsvereine Veranstaltungen angemeldet hatten. Brauereibesitzer hatten schon erste Erfahrungen eines Boykotts ihrer Produkte gemacht. Wenig später traf es auch die Dresdner Saalinhaber. Sie befanden sich in einem Zwiespalt. Einerseits befürchteten sie behördliche Sanktionen, wie das Militärverbot. Andererseits wollten sie ihr Stammpublikum nicht verprellen. Und wenn ein so großer Saal inmitten eines Arbeiterviertels lag, war die Entscheidung um so schwieriger. Der „Kampf um die Ballsäle“ bestimmte die Zeit. So war es nur folgerichtig, dass hier auch politische Versammlungen abgehalten wurden. Ruhiger wurde es dann in den Jahren des Ersten Weltkriegs. Es wurde nicht mehr öffentlich getanzt. Während die Soldaten auf ihren Fronteinsatz vorbereitet wurden, gab es gleichzeitig strenge Bestimmungen zum Besuch verwundeter Militärangehöriger in den Gastwirtschaften. Nachkriegswirren und Inflation werden die kommenden Jahre bestimmen.
Zeit der Boxkämpfe
Die plötzlich aufbrechende Tanzwut war nicht zu brechen. Bereits zum Beginn der 1920er-Jahre war das Gebäude an der Ecke Königsbrücker Straße/Bischofsweg wieder eine feste Tanzadresse. Boxkämpfe und andere Sportveranstaltungen gehörten zu den neuen Publikumsmagneten.
Das große Gebäude in der Neustadt fiel nicht dem Bombenhagel zum Opfer. Schräg gegenüber der Schauburg lud es zu vielen kulturellen Veranstaltungen ein. Unter dem Namen „Aktiv“ wird es vielen älteren Dresdnern noch bekannt sein. Tanz und Varieté gehörten weiterhin zum festen Programm. Wann und aus welchen Gründen die gastronomische Bewirtschaftung des Gebäudes eingestellt wurde, ist schwer nachvollziehbar. Später wurde der große Saal zur Turnhalle umfunktioniert.
„Damm’s Etablissement“ und auch die vielen späteren anderen Namensbezeichnungen gerieten jedoch nicht ganz in Vergessenheit. Als Anfang der 1990er-Jahre Abrisspläne bekannt wurden, regte sich der Bürgerprotest. Doch es war bereits zu spät. Ein großes Geschäfts- und Bürohaus entstand auf diesem Areal. Nichts erinnert mehr an die gastronomische Geschichte.
Sächsische Zeitung vom 07. November 2009
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2009_11/gr_2307662_1.jpg
http://www.sz-online.de/bilder/2009_11/gr_2307662_2.jpg
Das Konzert- und Ballhaus an der Königsbrücker Straße/Ecke Bischofsweg, bekannt unter dem Namen „Damm’s Etablissement“ oder „Deutsche Reichskrone“, wurde erst 1993 endgültig abgerissen. Fotos: Sammlung Naumann
Dakir@DD November 22nd, 2009, 02:21 PM Ein Glanzstück im Stil der Gründerzeit
Mit einem monumentalen Ausstellungskomplex eröffnete Dresden 1896 die II.Internationale Gartenbauausstellung.
Bereits im 19. Jahrhundert gab es in Dresden Kunst-, Industrie- und Gewerbeausstellungen. Sie hatten jedoch nur lokale Bedeutung. Doch nach und nach entwickelte sich die sächsische Residenzstadt zu einem weithin beachteten Ausstellungsstandort.
Die Idee zur Errichtung eines zentralen Ausstellungsgebäudes soll anlässlich des VI. Allgemeinen Deutschen Turnfestes im Jahre 1885 entstanden sein. Extra für dieses Ereignis wurde auf der Wiese am Großen Garten eine hölzerne Festhalle errichtet. Zwei Jahre später bestätigte die mit großem Erfolg in Dresden durchgeführte 1. Internationale Gartenbau-Ausstellung den Ruf nach großen Ausstellungsräumen. Mit Unterstützung der Kommunalverwaltung unter Oberbürgermeister Gustav Otto Beutler trieb man die Entwicklung Dresdens zu einer „Stadt der Ausstellungen“ voran.
Auf der Ostra-Allee 40 existierte bereits ein kleines Ausstellungsgebäude des Dresdner Gewerbevereins, und der Sächsische Kunstverein hatte 1883 auf der Brühlschen Terrasse entsprechende großzügige Räumlichkeiten bezogen.
König hebt Bauverbot auf
Als ein geeigneter Ort für große Ausstellungen mit ausreichender Freiflächenkapazität galt die Nordwestecke vom Großen Garten am Stübelplatz, dem heutigen Straßburger Platz. 1888 wurde der erste Wettbewerb ausgeschrieben. Den ersten Preis errang der Architekt Alfred Hauschild. Doch bis zum Baubeginn sollten noch sechs Jahre vergehen.
Erst 1894 bestätigte das Stadtverordnetenkollegium die Ausführungsplanung. Danach hob der sächsische König das auf diesem Gelände liegende Bauverbot auf. Im Juni 1894 begannen die Bauarbeiten für die Gebäude und den Ausstellungspark. Die Gebäude umfassten den städtische Ausstellungspalast, einen Verwaltungstrakt sowie den Musikpavillon. Die Bauausführung lag in der Verantwortung von Stadtbaurat Edmund Bräter und Stadtbaumeister Richard Möbius. Als Glanzstück der Anlage galt der im Gründerzeitstil errichtete monumentale Ausstellungspalast. Die repräsentative Schauseite der Sandsteinfassade zeigte zur Stübelallee und war mit ornamentalem Schmuck verkleidet. Dort befand sich auch der Haupteingang. Das Giebeldreieck des Eingangsbereiches wurde von kleinen Türmen flankiert, hinter denen sich die mit Blech gedeckte Hauptkuppel erhob. Je eine Glaskuppel begrenzte diesen Gebäudeteil, der die stattliche Länge von 177 Metern aufwies. Im Inneren befanden sich die Ausstellungshallen sowie der Kuppelsaal. Der Hauptsaal mit einer Fläche von 1260 Quadratmetern wurde ab 1908 auch für Filmvorführungen genutzt. Diverse Funktions-, Gesellschafts- und Verwaltungsräume sowie Garderoben und Toiletten ergänzten die Inneneinrichtung. Den anderen Gebäudeteil hatte man rechtwinklig angesetzt, sodass ein Grundriss in T-Form entstand.
In diesem Trakt befand sich der Hauptsaal mit der großen Musikbühne, die Raum für 100 Musiker und 150 Sänger bot. Weitere Säle und Zwischenhallen ergänzten die Ausstellungskapazität. Vom mittleren Saal führte der Weg über eine Vorhalle in den Ausstellungspark. An der südlichen Stirnseite befand sich ein Restaurant. 1901 kam als halbrunder Anbau ein kleiner Konzertsaal hinzu. Ein Jahr später folgte die Weinterrasse. Die hohen Fenster des Ausstellungspalastes ermöglichten eine gute Ausleuchtung der Innenräume. Als elektrische Beleuchtung kamen Bogenlampen und Glühlampen zum Einsatz. Im Hauptsaal sorgten acht Bogenlampen für eine ausreichende Beleuchtung. Nach zweijähriger Bauzeit wurde der Ausstellungspalast im Beisein der königlichen Familie am 2. Mai 1896 eröffnet. Dieses Ereignis bildete zugleich den Auftakt für die II. Internationale Gartenbau-Ausstellung. Dresden hatte damit im Ausstellungswesen hohe Maßstäbe gesetzt und bestimmte jahrelang das Niveau derartiger Veranstaltungen. Es begann eine jährliche, national und international ausgerichtete Ausstellungsaktivität, die mit wenigen Unterbrechungen bis 1939 anhielt. Gartenbau-, Kunst-, Hygiene- und Gewerbeausstellungen wechselten im Programm.
Einen besonderen Höhepunkt bildete zweifellos die Internationale Hygieneausstellung von 1911. Mit 5,2 Millionen Besuchern gilt sie als die bisher in Dresden am stärksten besuchte Ausstellung.
Abriss im Sommer 1949
Das Aussehen des Ausstellungspalastes veränderte sich mit den Jahren durch verschiedene Gebäudeerweiterungen. Weitere Gebäude, wie die von Hans Erlwein entworfene „Städtische Kunsthalle“ an der Lennéstraße kamen hinzu. Auch spektakuläre Bauten, wie das Kugelhaus, ein Planetarium sowie der Vergnügungspark bereicherten das Ausstellungsareal. Die Bombennacht im Februar 1945 zerstörte auch den Ausstellungspalast. Teile der Fassade waren noch jahrelang zu sehen. Nach dem Abriss im Sommer 1949 blieben ein Stadtwappen und zwei Konsolsteine übrig.
Sächsische Zeitung vom 21. November 2009
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2009_11/gr_2319864_1.jpg
http://www.sz-online.de/bilder/2009_11/gr_2319864_2.jpg
Der monumentale Ausstellungspalast mit Haupteingang an der Stübelallee auf einer Postkarte aus dem Jahre 1898. Darunter die Außenansicht des kleinen Konzertsaales mit der exotisch gestalteten Außenanlage. Repros: Manfred Lauffer
Weitere Bilder von wikipedia.de
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d2/Ausstellungspalast_dresden_app._1896.jpg/800px-Ausstellungspalast_dresden_app._1896.jpg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/df/Ausstellungspalast_dresden_1903.jpg/800px-Ausstellungspalast_dresden_1903.jpg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/02/Ausstellungspalast_dresden_1904.jpg/800px-Ausstellungspalast_dresden_1904.jpg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/5/56/Ausstellungspalast_dresden_1903%2C_garden.jpg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/19/Fotothek_df_ps_0000051_002_Tr%C3%BCmmerfrauen_beim_Ziegelputzen_an_der_Ruine_des_Auss.jpg
Dakir@DD December 6th, 2009, 11:48 PM Als das Narrenhäusel noch an der Augustusbrücke stand
In der Mitte der 1930er-Jahre wurde am Neustädter Elbufer eifrig gebaut. So auch am Eingangsbereich der Augustusbrücke, gegenüber dem Blockhaus. Damalige Stadtplaner fanden, dies sei ein idealer Platz für eine gastronomische Einrichtung. Und so bezogen sie das Areal bei der Neugestaltung des Königsufers mit ein. Schließlich konnte das Gelände – mit dem herrlichen Blick auf die Brühlsche Terrasse – auf eine langjährige gastronomische Tradition verweisen. Hier sei nur der Hotelkomplex „Stadt Wien“, „Hotel Kaiserhof“ und der in den Sommermonaten bewirtschaftete „Wiener Garten“ erwähnt. Nach dem Konkurs von Moritz Canzler im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts konnte von einer erfolgreichen Bewirtschaftung jedoch nicht mehr die Rede sein. Spätestens mit Beginn des Ersten Weltkrieges fand der Gebäudekomplex kaum noch Erwähnung.
Wohnhaus des Hofnarren
Im ehemaligen „Hotel Kaiserhof“ entstanden Büroräume. Im alten „Narrenhäusel“ war ein „Lichtspieltheater“ eingerichtet. Lediglich die äußere Fassade des alten Gebäudes erinnerte noch an die über hundertfünfzigjährige Geschichte des Gebäudes. Der Dresdner Volksmund nannte es die „Brille“.
Josef Fröhlich – der Hofnarr August des Starken und dessen Sohnes – ließ es für sich um 1755 als Wohnhaus errichten. Der Neubau grenzte unmittelbar an das Wohnhaus des bekannten Bildhauers Balthasar Permoser an. Dem berühmten Meister vieler Steinskulpturen des Dresdner Zwingers war damit die herrliche Aussicht auf die Altstädter Elbseite genommen. Hofnarr Fröhlich war es egal, und es war ein offenes Hofgeheimnis, dass sich beide nicht so recht leiden konnten. Dass insbesondere die Gebäudefront in Richtung Dresdner Residenzschloss einer Brille glich, hatte wohl auch seine Bedeutung bei dem Beruf des Mannes. Ein Schelm, wer Arges denkt.
Im Frühjahr 1936 wurde mit den umfangreichen Bauarbeiten begonnen. Ein Jahr später war vom ursprünglichen „Narrenhäusel“ nur noch wenig zu erkennen. Ein moderner gastronomisch nutzbarer Zweckbau war entstanden. Am Pfingstsonnabend 1937 konnten erstmals Gäste in dem neuen Gebäude begrüßt werden. „Es ist ganz erstaunlich, wie viel Platz in dem gar nicht geräumig anmutenden Hause vorhanden ist“, erfährt man aus der örtlichen Tagespresse.
Der Haupteingang befand sich seitens der Augustusbrücke. Ein großes schmiedeeisernes Wirtshauszeichen wies auf die neue Gaststätte hin. Eine Kutsche als Vierspänner und mehrere Lakaien konnte man darauf erkennen. Über einen kleinen „plattenbelegten Vorhof“ ging es in das Gebäude. Im Untergeschoss befanden sich die Weinstuben. Deren Zimmerdecken und auch teilweise die Wände waren mit ungebeiztem Lärchenholz ausgekleidet. Die zwei Rundräume verfügten jeweils über 14Gästeplätze. Dazwischen gab es eine etwas größere Bierstube.
Nicht unerwähnt soll die große Freiterrasse bleiben. Insbesondere zur wärmeren Jahreszeit wurde sie von Gästen gern besucht. Als besonders positiv wurde auch der Zugang vom Königsufer bewertet.
Im ersten Obergeschoss – ebenerdig von der Augustusbrücke her erreichbar – befand man sich in den gemütlich eingerichteten Kaffeeräumen. Deren Zimmerdecken zeigten Reliefdarstellungen vom ehemaligen höfischen Leben in der sächsischen Residenzhauptstadt. Damit wollten die Bauherren auch an die Entstehung des Hauses anknüpfen. Ähnlich sah es auch in der zweiten Etage aus. Etwa 60 Gäste fanden in den stilvoll eingerichteten Räumen Platz. Die Wände schmückten echte Gemälde mit alten Dresdner Motiven.
Auch für größere Gesellschaften war die neuzeitliche Gaststätte „Narrenhäusel“ vorbereitet. In der dritten Etage des Gebäudes gab es einen kleinen Festsaal für circa 35Personen. Hier wurden gelegentlich kleinere Hauskonzerte und Tanzveranstaltungen abgehalten. „Das ganze Haus hat eine Fülle von Nischen und Erkerchen, die nicht nur wie geschaffen sind zu besinnlichem Gespräch, sondern die auch zahlreich fesselnde Blicke zur Brühlschen Terrasse, zur Akademie, zum Schloss und auf das Leben und Treiben auf der Brücke gestatten“, hieß es damals.
Übrig blieb ein Flachbau
Bis weit in die Zeit des Zweiten Weltkrieges hinein konnte sich das Narrenhäusel der Publikumsgunst sicher sein. Selbst zunehmende Schwierigkeiten bei der Warenbeschaffung und die Einführung von Lebensmittelkarten verursachten keine wesentlichen Umsatzeinbußen. Erst die Zerstörung des Gebäudes beim Bombenangriff im Februar 1945 brachte das endgültige Aus.
Doch dieses Stück Dresdner Gastronomiegeschichte geriet nur teilweise in Vergessenheit. Zu DDR-Zeiten befand sich hier ein provisorischer Flachbau, der eine Gaststätte Namens „Narrenhäusel“ beherbergte. Gegen Ende der 1990er-Jahre wurde der Betrieb eingestellt und wenig später das Gebäude abgerissen. Am Standort erfolgt heute die Bewirtschaftung des Gästegartens durch ein weiteres Provisorium. Zumindest erinnert der äußere Umriss des Holzbaues an das ehemalige Narrenhäusel.
Sächsische Zeitung vom 05. Dezember 2009
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2009_12/gr_2331471_1.jpg
http://www.sz-online.de/bilder/2009_12/gr_2331471_2.jpg
Am Fuße der Augustusbrücke thronte am rechten Elbufer, Blickrichtung Goldener Reiter, der mehrgeschossige Bau des Narrenhäusels. Vom Sommergarten hatte man einen schönen Blick auf die andere Elbseite. Fotos: Sammlung Holger Naumann
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e1/Dresden_Narrenh%C3%A4usel_Augustusbr%C3%BCcke_Neustadt_Markt_1900.jpg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/5f/Apel_hofnarr.JPG/450px-Apel_hofnarr.JPG
Bronzeplastik des Hofnarren Joseph Fröhlich am Elbufer
Dakir@DD December 8th, 2009, 10:53 AM Hier jetzt mal kein neuer Artikel, sondern Dresden in bewegten Bildern. Ist immer wieder traurig, wenn man das alte Dresden sieht und den Vergleich zu jetzt hat :cry:
Eine 10-Minütige "Stadtrundfahrt" mit der Straßenbahn. Bis auf den Namen des heute eher bekannten Theaterplatzes, könnte ruhig alles wieder so aussehen wie früher.
-XMmLw2-4UI
http://www.youtube.com/watch?v=-XMmLw2-4UI&feature=related
youngwoerth December 8th, 2009, 12:04 PM Das Narrenhäusel hat mir nie so recht gefallen. Dieser dresdenuntypische Bau würde besser ins Allemannische passen. Hier in Freiburg findet man fast exakt dasselbe Gebäude am Ufer der Dreisam - und da passt es stilistisch auch hin.
Dakir@DD December 8th, 2009, 12:09 PM Besser das Narrenhäusel wieder aufbauen, anstatt so einen häßlichen Musiktempel dorthin zu bekommen. Dann ist mir ein untypischer Dresdner Bau lieber, als dieses Betonteil!
erbse December 8th, 2009, 12:45 PM Gerade wegen seiner atypischen Bauweise, dem offenbar gewollten Widersetzen gegen Dresdner Baukonventionen, ja die fast schon ironisch scheinende Kontrastsetzung durch das Narrenhäusel scheint wie für seinen Zweck geschaffen und gehört an diese Stelle. Ich find es absolut großartig.
Das wäre auch einer der wenigen Bauten wo ich sage: Der kann auch mit Betonfertigteilen rekonstruiert werden. Hauptsache, es steht wieder! Ein Café dort wäre ideal.
PS: Dakir, ich hab dir das Video eingefügt. Schau mal unter Edit. Einfach den Code, der im Youtube-Link hinter "v=" kommt, zwischen die Codezeile einfügen, dann erscheint es dort :)
Dakir@DD December 8th, 2009, 12:52 PM Danke erbse...muss man erstmal wissen, aber jetzt weiß ich ja wie es funktioniert! *Thanks*
Wäre traumhaft, der Ausblick rüber zur historischen Front und dazu ein Bier *Sabber*! Okay, dass kann man jetzt auch schon im Biergarten genießen, aber paar Etagen höher, wo die Luft dünner ist, sieht das sicherlich gleich viel Geiler aus :lol:
youngwoerth December 8th, 2009, 01:01 PM Besser das Narrenhäusel wieder aufbauen, anstatt so einen häßlichen Musiktempel dorthin zu bekommen.
Selbstverständlich wäre das besser. Die Reko wäre die für mich einzig denkbare Alternative zur freien Fläche (die ich an dieser Stelle nicht als schlecht empfinde). Ein Betonkomplex inmitten des Weltstadtensembles wäre nach der WSB der zweite Supergau fürs Dresdener Elbtal und den "bezauberten Akkord" Erich Kästners.
Dakir@DD December 8th, 2009, 01:05 PM Dritte...denk bitte an den riesigen Telefonmast der unbedingt auf die Elbwiese muss. Furchtbar! Und Dresden kann noch nicht mal was tun, wurde ja gleich von der deutschen Telefonbehörde abgeschmettert :ohno:
Du findest also die Freifläche, wie sie jetzt ist besser? Sprich, würdest du an dieser Stelle alles so belassen?
youngwoerth December 8th, 2009, 01:10 PM Telefonmast
Habe ich was verpasst? :shocked:
Ich sehe die Stelle des Narrenhäusels zumindest nicht als vorrangig an, empfinde den jetzigen Zustand der beiden innerstädtischen Elbseiten als recht harmonisch. Viel wichtiger wären mir der Rückbau der Platten an Carolabrücke und Neustädter Markt. (Was ist denn jetzt eigentlich mit dem Hotel am Terrassenufer los - bleibt es uns letztlich doch erhalten?)
Dakir@DD December 10th, 2009, 11:00 PM Ein sehr schönes Video von 1936
pjM1BdOXeH4
http://www.youtube.com/watch?v=pjM1BdOXeH4
Dakir@DD December 20th, 2009, 11:59 AM Der Europäische Hof war die erste Adresse Dresdens
Dresden im Jahre 1919. Das einheimische Gastgewerbe hatte unter den Folgen des Ersten Weltkrieges zu leiden. In der Altstadt erinnerte nichts mehr an die zahlreichen internationalen Touristen der Vorkriegszeit. Drastisch waren in den letzten Jahren die Besucherzahlen in den führenden Hotelbetrieben der Stadt gesunken. Die gastronomischen Unternehmen waren kaum noch rentabel zu bewirtschaften. Neue Wege wurden gesucht. Ähnlich dem „Palasthotel Weber“ am Postplatz begann so auch das altbekannte „Hotel Europäischer Hof“ in der Prager Straße, lukrative Räume zu verpachten.
Lob für neues Kaffeehaus
Hoteldirektor Rücker stand vor der schwierigen Entscheidung, den geeigneten Pächter auszuwählen. Letztendlich bekam das „vornehme Konditorei-Großunternehmen Rumpelmayer“ den Zuschlag. Die 1881 gegründete Firma etablierte sich auch in Baden-Baden, Frankfurt am Main und in Berlin. Bereits wenige Monate nach der Eröffnung wird das neue Kaffeehaus lobend im „Dresdner Salonblatt“ erwähnt: „Der Name ,Rumpelmayer‘ garantiert Ihnen einen vornehmen Aufenthalt und erstklassige Verpflegung.“ Man erinnerte sich an die Kaffeehauskultur der Vorkriegszeit und hoffte auf einen „belebenden Hauch internationalen Lebens“.
Schon am Haupteingang der neu geschaffenen Konditorei war das Gedränge groß. Lange hatten die Dresdner eine solche Fülle von Backwaren und Meisterwerken der Konditoreikunst nicht mehr gesehen. Bis Ende 1919 herrschte sogar ein offizielles Stollenbackverbot, um eine Hortung der Zutaten zu vermeiden. Auch die großzügige Gestaltung des neuen Unternehmens überraschte. Weiter ging es in den „Palmenhof“, dem ehemaligen Wintergarten vom Hotel „Europäischer Hof“. Hier konnte man Platz nehmen und sich verwöhnen lassen. Torten und Gebäck wurden herumgefahren. Kaffee und Tee galten als erstklassig. Erstmals wurde wieder auf feinem Porzellan und Silbergeschirr serviert. Über zwei Eingänge konnten die Kunden und Gäste die Geschäftsräume erreichen.
Der Eingang Sidonienstraße führte direkt in die „aparten rauchfreien Konditoreiräume“. Von der Prager Straße aus ging es direkt zum Palmenhof, zum großen Konzertsaal, zur Holländischen Frühstücksstube und zum Lesezimmer. Für das weibliche Publikum gab es den diskreten Damensalon. Die Herren trafen sich meistens im kleinen „Rauchsalon“. Die Wände hatten dort eine „sattlila“ Farbe, und grüne Stehlampen beleuchteten den Raum. Doch beide Geschlechter zog es eher gemeinsam in den ehemaligen großen Wintergarten des Hotels „Europäischer Hof“. Hier befand sich der Hauptraum vom „Café Rumpelmayer“. Es sollte ein neuer vornehmer „Treffpunkt der Dresdner Gesellschaft“ geschaffen werden. Eine engagierte Kapelle spielte in den Nachmittags- und Abendstunden auf. Im Unterschied zu vielen anderen vergleichbaren Einrichtungen wurde nicht getanzt. Dezente und „einschmeichelnde Weisen“ wurden gespielt. Musik galt als eine festliche Umrahmung eines Kaffeehausbesuches. Auch Victor Klemperer war hier zu Gast. „... Sehr hübsche Musik, Korbsessel, seidene Lampenschirme, Eis u. große Preise ...“ schrieb er in einer Tagebucheintragung im September 1922.
In der zweiten Hälfte des Jahres 1923 kam es auch in Dresden zu Teuerungsunruhen und vereinzelten Plünderungen von Lebensmittelläden. Die Konditoreien oder Bäckereien waren davon nicht ausgenommen. So wurde es für das „Café Rumpelmayer“ zunehmend schwieriger, den gastronomischen Betrieb in gewohnter Weise fortzuführen. Es war jenes Jahr, in dem die sächsische Landesregierung den Bäckern und Konditoren verbieten musste, mit prachtvollen Schaustücken der Konditoreikunst in den Verkaufsfenstern zu werben. Als „Maßnahme gegen die Schlemmerei“ waren die Anordnungen deklariert und sollten die Volksmassen beruhigen, die bei der zunehmenden Inflation schon Probleme hatten, das notwendige Brot zu erwerben.
Anfang 1924 stabilisierte sich die geschäftliche Lage wieder. Die goldenen Zwanzigerjahre begannen auch für das „Café Rumpelmayer“. Neben den altbekannten Kaffeehäusern „Hülfert“ und „Limberg“ zählte es bereits zu den ersten Adressen in der Prager Straße. In Auslagen konnte die reichliche Auswahl von „Konditorei-Gebäck“ und Torten wieder zur Schau gestellt werden. Die hauseigene Pralinenproduktion vervollständigte das Angebot. Dresden hatte in jenen Jahren zwar noch nicht die Touristenzahlen der Vorkriegszeit erreicht, aber immer mehr einheimisches Publikum konnte sich nun wieder einen Besuch in diesem vornehmen Kaffeehaus leisten.
Mit Ausblick auf die Straße
Zu einer kompletten Umgestaltung vom „Café Rumpelmayer“ kam es in den Herbstmonaten 1929. Unter anderem gab es die gastronomische Bewirtschaftung des ehemaligen Wintergartens vom „Hotel Europäischer Hof“ auf. Das Kaffeehaus verkleinerte sich. Ob es erste Reaktionen auf der Weltwirtschaftskrise waren, ist nur zu vermuten.
Andere gemietete Räumlichkeiten wurden weiterhin bewirtschaftet. Und so heißt es in der örtlichen Tagespresse: „... Freunde beschaulicher Betrachtung des Großstadtverkehrs werden in der Konditorei Rumpelmayer auf die Kosten kommen, weil sie in gleicher Höhe mit der Straße das Auf und Nieder der Fußgänger und Wagen an sich vorüberfluten lassen ...“
Sächsische Zeitung vom 18. Dezember 2009
Anmerkung von mir: Wie die gesammte Prager Straße, wurde auch der Europäische Hof im zweiten Weltkrieg völlig zerstört.
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2009_12/gr_2343591_1.jpg
http://www.sz-online.de/bilder/2009_12/gr_2343591_2.jpg
Das Hotel „Europäischer Hof“ an der Prager Straße auf einer Postkarte um 1912. Es beherbergte in den 1920er-Jahren im Erdgeschoss das „Café Rumpelmayer“ Fotos: Sammlung Naumann
Elbtaler December 20th, 2009, 08:03 PM „... Freunde beschaulicher Betrachtung des Großstadtverkehrs werden in der Konditorei Rumpelmayer auf die Kosten kommen, weil sie in gleicher Höhe mit der Straße das Auf und Nieder der Fußgänger und Wagen an sich vorüberfluten lassen ...“
:lol: Daran kann man sehen: Wer gegen Verkehrslärm empfindlich ist, sollte die Schwärmereien von der Vorkriegs-Prager Straße mit Vorsicht geniessen.
d.henney December 20th, 2009, 10:59 PM Mein Lieblingsthread hier. :) ALLE Gebäude hier müsste man kompromisslos wieder aufbauen. In München würden sich Mieter drum prügeln, in solchen Häusern Cafes/Boutiquen/Läden, Wohnungen unterm Dach oder Büros zu haben … Vermieter würden nicht schlecht leben.
Allein das Cafebild zwei über mir … Dort drin ne tolle Kaffeeauswahl, sexy Bedienungen und wlan und die Leutchens würden Starbucks den Rücken kehren. :|
Dakir@DD December 21st, 2009, 09:46 AM Mein Lieblingsthread hier
Danke dir für dein Lob! Aber eigentlich müssten wir uns bei der erbse bedanken, den er hat mich eigentlich auf die Thread Idee gebracht.
würden Starbucks den Rücken kehren
Und nix gegen Starbucks :bash:
youngwoerth December 22nd, 2009, 11:03 PM Historismus in Dresden ist und bleibt einzigartig:
http://www.architekturforum.net/viewtopic.php?p=101842#p101842
Dakir@DD January 13th, 2010, 01:12 PM Als das „Stadt Berlin“ auf dem Neumarkt stand
Im Siebenjährigen Krieg wurde ein großer Teil der alten Bausubstanz am Dresdner Neumarkt zerstört. Anfang der 1770er-Jahre ließ Bürgermeister Bormann das Gebäude Neumarkt 1 errichten. Ein idealer Standort für einen Gastbetrieb. Bereits im Jahre 1781 lobt der Chronist Hasche „Lindenbergs Gasthof“. Er verweist auf das alte Gebäude, das 1760 abbrannte. Über der Eingangsfront befand sich damals ein Relief eines Kopfes, „der nach dem Merksteine des Jüdenhofes hinsah, wo bey Kanzlers Krells Enthauptung das Schafott gestanden.“ Bürgermeister Bormann wohnte in der „runden Ecke“ des Gebäudes in der zweiten Etage.
Der alte Gasthofname entsprach schließlich nicht mehr dem Zeitgeist, um ein besonders vornehmes Publikum anzuziehen. Friedrich August Bormann junior richtete deshalb ein Gesuch an den Dresdner Stadtrat. Er wollte den geerbten Gasthof zukünftig „Zum Chur-Prinz“ nennen. Ein solcher Name versprach eine weitere zahlungskräftige Kundschaft und natürlich auch eine gewisse Aufwertung. Die kommunalen Behörden verweigerten ihm aber ein solches Gasthausschild. Nach längerem Briefwechsel einigte man sich schließlich 1803 auf den Namen „Stadt Berlin“.
Bewegte Zeiten folgten. Noch suchten viele adlige Franzosen ihr Exil am sächsischen Hof. Wenige Jahre später zählte der sächsische König zu den Verbündeten Napoleons. Nichts erinnert mehr an die Zeit, als Kunstinteressierte Dresden besuchten. Erst Anfang der 1820er-Jahre kam es wieder zu einer Belebung des Fremdenverkehrs.
Einkehr für Weltkünstler
Der junge Frederic Chopin übernachtete hier während seiner Konzerttourneen 1829 und 1834. Er schien mit der damaligen Bewirtung sehr zufrieden gewesen zu sein. Den Tagebucheintragungen der jungen Ehefrau des russischen Schriftstellers Fjodor Michailowitsch Dostojewski verdanken wir folgende Schilderungen aus dem Jahre 1867: Ein russischer Freund hatte ihnen den Gasthof Stadt Berlin am Dresdner Neumarkt als Unterkunft empfohlen. Ihrem Wunsch, ein „möglichst einfaches Zimmer“ zu mieten, wurde entsprochen.
Das Zimmer 29 war ein sehr enges und langes Zimmer mit zwei Fenstern. Lediglich der Blick auf den belebten Dresdner Neumarkt entschädigte den recht hohen Übernachtungspreis. Dostojewskis blieben erst einmal und bestellten sich einen Tee. Mit diesem dünnen Gebräu, wie er in der sächsischen Residenz zelebriert wurde, konnten sie jedoch überhaupt nichts anfangen.
Sehr schnell war klar, dass ein längerer Hotelaufenthalt für die Dostojewskis nicht finanzierbar war. So gingen sie schon am ersten Tage auf die Suche nach einer anderen Unterkunft. Schließlich ist ihnen bei ihrem ersten Stadtrundgang nicht entgangen, dass an zahlreichen Häusern mit der Vermietung von möblierten Zimmern geworben wurde. Und sie fanden ein preiswerteres Quartier in der Dresdner Johannesstraße. Es waren „zwei Zimmer mit Schlafkabinett“. Nachdem sie sich eingerichtet hatten, begannen sie gemeinsam, die sächsische Residenzhauptstadt zu erkunden.
Bis heute ein besonderes Haus
Das „Stadt Berlin“ am Neumarkt gehörte zu den festen Hoteladressen in Dresden. Negative Meinungen riefen kein großes Erschrecken hervor. Eine fast hundertjährige Historie gab zusätzliche Sicherheit. Dies beweisen zahlreiche Inserate in den folgenden Jahrzehnten. So wirbt 1894 der Pächter Otto Weber mit Zimmerpreisen ab zwei Mark, „inklusive Licht und Service“. Das „Stadt Berlin“ teilte nicht das Schicksal vieler altehrwürdiger Gasthäuser am Dresdner Neumarkt, die bereits früher aufgegeben hatten. Im Jahre 1924 zählte es als Haus für Geschäftsreisende und Familien. Es wurde im Dresdner Stadtbuch unter der Kategorie: „Gutbürgerliche Hotels“ aufgeführt. Und das blieb es auch bis zur Zerstörung des Gebäudes im Februar 1945.
Heute steht an der Stelle des Hotels „Stadt Berlin“ das QF-Hotel mit 96 Zimmern und Suiten. Markenzeichen auch des neuen Hotels ist seine „runde Ecke“.
Sächsische Zeitung vom 09. Januar 2010
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2010_01/gr_2357150_1.jpg
Der Dresdner Neumarkt mit Frauenkirche (Mitte), dem Hotel Stadt Berlin mit seiner typischen Rundung (links), dem Johanneum (heute Verkehrsmuseum, ganz links) und dem Lutherdenkmal (rechts) auf einer Postkarte etwa um 1920. Foto: Sammlung Holger Naumann
http://farm3.static.flickr.com/2613/3895577809_f8ab59e442.jpg
http://www.flickr.com/photos/7sky/3895577809/sizes/l/
http://farm4.static.flickr.com/3619/3366751026_95437f93ef.jpg
http://www.flickr.com/photos/7sky/3366751026/sizes/l/
http://farm3.static.flickr.com/2563/3902694257_5859f93c5d.jpg
http://www.flickr.com/photos/arnimschulz/3902694257/sizes/o/
http://farm4.static.flickr.com/3352/3575576605_d3ae6ee262.jpg
http://www.flickr.com/photos/anauhu/3575576605/sizes/o/
Dakir@DD February 7th, 2010, 09:17 PM Wo einst der König seine Medikamente holte
Nach dem plötzlichen Tod des Kurfürsten Moritz kam 1553 sein jüngerer Bruder auf den Thron: Kurfürst August von Sachsen (1526–1586). Er brachte von Weißenfels seinen Hofapotheker Hanns unter den Linden mit nach Dresden. Und damit beginnt die Geschichte der Löwen-Apotheke zu Dresden. Sieben Jahre später bat der Apotheker seinen kurfürstlichen Herrn um die Genehmigung, in seinem Haus am Markt eine Apotheke einrichten zu dürfen. Mit Urkunde vom 3.Februar1560 erteilte der Kurfürst seinem Getreuen das Privileg zur Errichtung einer zweiten Apotheke am Markt, obwohl es fast nebenan seit 93 Jahren die Marien-Apotheke gab. Er muss dem Kurfürsten gut gedient haben, denn die Apotheke ging auf seine Nachkommen über, bis 1600 Zacharias Hertel die Folge unterbrach.
Apotheke an der Vogelecke
Von Bedeutung für die Geschichte der Apotheke ist auch ein anderer Besitzer – Jodokus Müller der Ältere. In seinen Besitz ging sie am 25.September1623 über. Müller besaß ein Haus Ecke Altmarkt/Wilsdruffer Straße, an der sogenannten Vogelecke. Sie hieß so, weil dort zu Marktzeiten die Vogelhändler ihren Platz hatten. Als ihm auf das Grundstück in bester Geschäftslage am 31.August1631 ein Sonderrecht, das Privileg, übertragen wurde, nannte er sich künftig „Apotheker an der Vogelecke“.
Bei einem Brand, den ein betrunkener Soldat verursacht haben soll, fiel am 23.Februar1707 die Apotheke an der Vogelecke, die inzwischen Jodokus Müller dem Jüngeren gehörte, in Schutt und Asche. Innerhalb von zwei Jahren baute Maurermeister Johann Gottfried Fehre das Eckhaus neu auf. Das Äußere, in dem es sich bis zu seinem Abriss 1913 präsentierte, erhielt es jedoch erst 1725. Weit ragte der prächtige Barockbau in die Wilsdruffer Straße hinein. Über der Eingangstür thronte majestätisch ein Löwe. Auch das Privileg des Jüngeren Jodokus Müller wurde vererbt. Erst an seine Witwe und nach deren Tod an die beiden Töchter. Ab 1740 heißt die Apotheke an der Vogelecke Löwen-Apotheke.
Apotheker, die wussten, was sie wollten, führten fortan hier das Regime. Ab 1778 leitete Karl Gottfried Bünger als Pächter die Apotheke. Er erfand 1804 die Thermolampe für Apotheker. Heinrich von Kleist dichtete 1809 im Dachgeschoss des Hauses die Ode „Germania an ihre Kinder“. Fast 100 Jahre später gelangte die Stadt in den Besitz des Grundstückes.
Ein neuer Abschnitt beginnt
Die geringe Breite der Wilsdruffer Straße beschäftigte die Stadtverwaltung. Der Zugang vom Altmarkt her wurde eng. Kurz, das Grundstück der Löwen-Apotheke erwies sich als Verkehrshindernis. Man entschloss sich, die Apotheke wegzureißen und an ihrer Stelle einen Neubau zu errichten, der um einiges weiter zurückstehen sollte. Mit Ottomar Heinsius von Mayenburg hatte die Stadt einen Pächter, der ihre Pläne unterstützte. Mayenburg hatte die Apotheke am 1.Januar1907 übernommen und nahm alle Unbilden der einstweiligen Unterbringung im alten Rathaus auf sich. Außerdem verband er das städtische Vorhaben geschickt mit der Entwicklung seines Unternehmens, der Leo-Werke, benannt nach seiner eigentlichen Berufung als Pächter der Löwen-Apotheke.
Die erste Chlorodontpaste wurde 1909 in den Dachräumen der Löwen-Apotheke mit Porzellanmörser und einer Handfüllmaschine hergestellt. Am 31.Dezember1924 gab von Mayenburg die Leitung der Apotheke ab an Otto Roitzsch. Mayenburg widmete sich fortan ganz seinen Leo-Werken und der Herstellung des Zahnpflegemittels „Chlorodont“, das bis heute gewissermaßen in aller Munde ist.
Wrba formt den Jodokus
Doch zurück zu den Abrissplänen der Stadt. Die Dresdner liebten das über die Jahre unveränderte Marktbild. Die schöne Fassade über vier Stockwerke, den emporführenden Erker mit dem goldenen Löwen im ersten und mit dem Flügel spannenden Vogel im dritten Stockwerk, den Éckbalkon und die Krönungen der Fenster. Das alles sollte einer breiteren Straße weichen. Im Januar 1913 begann der Umzug der Löwen-Apotheke ins alte Rathaus.
Wie heute, stritten damals die Dresdner um das Aussehen des Neubaus und wie er sich in die Symmetrie des Altmarktes einfügen würde. Die Debatte endete in einem Kompromiss. Der Laubengang wurde geplant, die Straße verbreitert, die Ecke und Front zur Wilsdruffer Straße vermittelte Geschlossenheit zum Markt hin.
Georg Wrba schuf die Plastik unter dem Erker: Den Apotheker Jodokus Müller zwischen zwei sitzenden Löwen, dem er die Gesichtszüge seines Freundes, des Dresdner Malers Otto Gußmann, verlieh.
In der Bombennacht im Februar 1945 wurde das Haus zerstört. Am 7.September1959 wurde die Löwen-Apotheke am jetzigen Standort auf der Wilsdruffer Straße errichtet. Seit 1.Mai2000 leitet Katrin Borkenhagen die Apotheke und seit 2005 ist sie Eigentümerin.
Sächsische Zeitung vom 06. Februar 2010
Bilder
http://www.sz-online.de/bilder/2010_02/gr_2381214_1.jpg
Die Löwen-Apotheke an der Ecke Altmarkt/Wilsdruffer Straße. Über der Tür der Löwe. Der prächtige Bau ragte weit in die Wilsdruffer Straße hinein.
http://www.sz-online.de/bilder/2010_02/gr_2381214_2.jpg
Vor der heutigen Löwen-Apotheke zeigt Katrin Borkenhagen ein Standgefäß für Spinnersches Zahnpulver. Es ist eines der letzten Stücke der historischen Apotheke. Foto: Andre Wirsig
http://www.sz-online.de/bilder/2010_02/gr_2381214_3.jpg
Blick auf den Altmarkt. Das linke Eckgebäude in der Bildmitte ist die Löwen-Apotheke nach dem Neubau des Hauses nach Plänen des Stadtbaurates Hans Erlwein. Zu DDR-Zeiten war dort dasIntecta drin. Fotos: Stadtarchiv
MeyerB February 15th, 2010, 05:22 PM Gibt es eigentlich Pläne, den Wettinobelisk
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1082.jpg
zu rekonstruieren? Er mag vielleicht kein herausragendes Meisterwerk gewesen sein, trug aber sehr zur Verschönerung des Platzes zwischen Schloss und Taschenbergpalais bei - eine Kopie dürfte eigentlich nicht unerschwinglich teuer sein.
Elbtaler February 15th, 2010, 05:44 PM Wenn einer der heutigen Wettiner eine Ruhmestat beginge, die den Bund zwischen Sachsenvolk und Herrscherhaus erneuerte, so ließe sich darüber reden.
MeyerB February 15th, 2010, 06:05 PM Das erstaunt mich aber, dass die erlauchten Herrschaften nicht längst auf diese Idee gekommen sind - mehr Wettin (außer Fürstenzug) geht ja nun wirklich nicht - wäre meine Familie durch einen Obelisken gewürdigt, wüsste ich, was zu tun ist..
Dakir@DD February 15th, 2010, 07:41 PM Gibt es eigentlich Pläne, den Wettinobelisk zu rekonstruieren?
Nein, gibt es leider nicht. Im übrigen wäre ich eher für das Germania-Denkmal auf dem Altmarkt, wie für den Wettinobelisk. Wenn aber ein reicher Mann kommen würde und beides bezahlen würde, wäre das umso schöner. Mal in Weimar nachfragen :lol:
MeyerB February 15th, 2010, 07:49 PM Wunderbare Idee - einige besonders engagierte Mitbürger aus der Klassikerstadt sind geradezu für Stadtverschönerung prädestiniert - im Vergleich zu ihren sonstigen Prachtbauten sollte dieser popelige Obelisk eigentlich kein Problem sein - der gutherzige Mäzen N. wird sich da bestimmt nicht lumpen lassen..
youngwoerth February 15th, 2010, 08:11 PM Aber es gibt doch inzwischen einen vollwertigen und zeitgemäßen Ersatz auf dem Altmarkt! :lol:
Dakir@DD February 15th, 2010, 09:09 PM Aber es gibt doch inzwischen einen vollwertigen und zeitgemäßen Ersatz auf dem Altmarkt!
youngi...du bekommst gleich Prügel :lol:! Boar, wenn ich nur an diesen häßlichen Lichtmast denke, kommt mir schon die ...
d.henney February 16th, 2010, 09:17 PM Also der Mast steht ja schon schief. Würde er richtig fallen, wenn man nachts mal Flexgeräusche vernimmt? :)
Das Germaniadenkmal wäre wirklich ein weiteres Highlight in Städteansichten. Es würde obendrein eine Bildhauerfirma nen guten Job bringen und einfach Dresden ein weiteres Stück zu dem machen, was es eigentlich ist.
PS: In Dresden fehlen überall diese geilen, alten Strassenlaternen. Masten sind scheiße, auch die grossen!
Dakir@DD February 16th, 2010, 09:26 PM Will die Germania auch wieder haben...so ein schönes und geiles Denkmal, und keinen interessiert es, traurig!
erbse February 16th, 2010, 10:20 PM Die Germania ist leider recht negativ besetzt. Vielleicht würde es klappen, wenn man es als 'Altmarktdenkmal' in Angriff nimmt?
Dakir@DD February 16th, 2010, 10:25 PM Oder als Dresdenia oder Saxonia (wie die Lok), dass wären doch auch schöne Namen. Mir geht es im Enddefekt ja nicht um unsere Rasse, sondern um das schöne Denkmal :)
MeyerB February 16th, 2010, 10:45 PM Hab da gerade etwas gefunden..
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1096-1.jpg
Mir ist allerdings schleierhaft, wo die vielen Bäume herkommen.. man beachte auch den goldigen Kinderwagen.
Dakir@DD February 16th, 2010, 10:47 PM Mir ist allerdings schleierhaft, wo die vielen Bäume herkommen.. man beachte auch den goldigen Kinderwagen.
Hä...auf dem Altmarkt Bäume, also irgendwas stimmt an diesem Bild nicht.
MeyerB February 16th, 2010, 10:48 PM War vielleicht 'ne Weihnachts Deko - damals hat man sich noch Mühe gegeben..
Dakir@DD February 17th, 2010, 08:26 AM Na ja, ein bißchen breit für einen Weihnachtsbaum, wa? Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir das wirklich nicht erklären kann, wie dort Bäume hinkommen :ohno:
Stefanius February 17th, 2010, 08:57 AM Na ja, ein bißchen breit für einen Weihnachtsbaum, wa? Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir das wirklich nicht erklären kann, wie dort Bäume hinkommen :ohno:
wenn ich mir die Leute so ansehe, müßten das auch ziemlich warme Dezembertage gewesen sein :-))
Dakir@DD February 17th, 2010, 09:39 AM wenn ich mir die Leute so ansehe, müßten das auch ziemlich warme Dezembertage gewesen sein :-))
:lol:...ich kann mir aber dieses Bild nicht erklären!
Ich kenne die Germania eigentlich nur so:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/27/Dresden_Kreuzkirche_1900.jpg/800px-Dresden_Kreuzkirche_1900.jpg
http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Dresden_Kreuzkirche_1900.jpg
MeyerB February 17th, 2010, 11:51 AM Ich kann mir die Ansicht auch nicht erklären - vielleicht war die Fotograf ein Scherzkeks und hat die Bäume reinkopiert - vielleicht 'ne Faschingskarte.. Bestimmt ist sie total einmalig und ein Vermögen wert - da würde dann bestimmt auch etwas Geld für einen Scanner abfallen..
Dakir@DD February 17th, 2010, 11:59 AM Ich kann mir die Ansicht auch nicht erklären - vielleicht war die Fotograf ein Scherzkeks und hat die Bäume reinkopiert - vielleicht 'ne Faschingskarte.. Bestimmt ist sie total einmalig und ein Vermögen wert - da würde dann bestimmt auch etwas Geld für einen Scanner abfallen..
Dann geh mal los und lass die Karte schätzen. Vielleicht hast du eine einmalige Postkarte in deinem Besitz. Und der Erlös kommt dann nach Dresden, und wir bauen die Hauptstraße ordentlich wieder auf, wa :)
MeyerB February 17th, 2010, 12:11 PM Die ist wahrscheinlich so kostbar, dass von dem Erlös auch noch die Ritterakademie, der Zirkus Sarrasani, die Große Meißner Straße,.. wiederaufgebaut werden könnten - sollte echt gleich zum Schätzer rennen.
erbse February 17th, 2010, 12:39 PM :D
Moment - Ritterakademie? Hab ich da eine Wissenslücke?
(Du hast den Kaiserpalast vergessen!)
MeyerB February 17th, 2010, 12:44 PM Damit ist Knöffel's edles Palais Wackerbarth gemeint. Also der Kaiserpalast würde sich angesichts der umgebenden Trostlosigkeit wie ein gestrandeter UFO ausnehmen - dafür würde ich lieber den heute noch fehlenden Trakt des Landhauses wiederaufbauen (da, wo jetzt das Stahlmonstrum seine hässlichen Tentakel in die Fassade bohrt).
erbse February 17th, 2010, 12:56 PM Bzgl. Landhaus - da würde mich mal eine historische Ansicht des fehlenden Traktes interessieren. Diese Feuertreppe kann und darf sowieso nicht von Dauer sein.
MeyerB February 17th, 2010, 01:03 PM Leider habe ich auch keine Komplettansicht des Anbaus - auf der Postkartenansicht sieht man ihn angeschnitten, neben dem Schlossturm links.
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1098.jpg
erbse February 17th, 2010, 01:06 PM Vielen Dank. Wahnsinn, diese Urbanität. Heute - Wüste... Es ist doch zum Krokodilstränen vergießen. :cry:
MeyerB February 17th, 2010, 01:12 PM Ja, man kann youngwoerth schon verstehen, dass er sich die König Johann Straße zurückwünscht - mir wäre sie auch lieber als die Aufmarschstraße.
Dakir@DD February 17th, 2010, 02:41 PM Absoluter Wahnsinn...:)
MeyerB February 17th, 2010, 05:58 PM Na dann warte nur ab, bis Du das
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1099.jpg
gesehen hast - die Fotomontage finde ich herzerwärmend - der Verlust der Neorenaissance Kleinodien ist allerdings herzzerreißend..
Dakir@DD February 17th, 2010, 08:50 PM Die Fotomontage ist mir aber wirklich als erstes aufgefallen. Aber für damalige Verhältnisse genial gemacht.
Wahnsinn, diese Urbanität...ich könnt jedesmal wieder heulen :cry: Was würde ich geben, um mal eine Woche in den 20iger, eventuell 30iger Jahren zu leben.
MeyerB February 17th, 2010, 09:07 PM Derartige Gedanken habe ich ziemlich oft - wenigstens einmal durch Alt-Dresden, Alt-Frankfurt, Alt-Berlin, Alt-Potsdam,... schlendern - vielleicht ist es doch keine gute Idee, da einen die Gegenwart ja doch wieder einholt.
Wie tief der Verlust von Dresden viele Menschen getroffen hat, verdeutlicht mir eine Erzählung meiner Großmutter: sie war nur einmal vor 1945 in Dresden - als sie von der Zerstörung erfuhr, befand sie sich gerade auf der Flucht aus Ost-Brandenburg - Elend, Angst um das eigene Überleben, das ihrer Kinder und das meines Großvaters - trotzdem brach sie bei der Nachricht von der Zerstörung von DD in Tränen aus - das muss man sich mal vorstellen.
Dakir@DD February 17th, 2010, 09:33 PM Was soll ich sagen, mein Ur-Großvater war Feuerwehrmann im zweiten Weltkrieg und musste das ganze Elend über sich ergehen lassen. Du konntest nie mit Ihm darüber sprechen. Er hat sofort das Gespräch abgebrochen. Anderes Beispiel meine Oma, damals 15 Jahre alt. Wohnhaft in Dresden Zschachwitz. Wo jetzt die Fähre nach Pillnitz ist, standen damals einige Raddampfer die Mütter und Kinder wegbringen wollten und Sie sagte, dass Flieger im Tiefflug die Menschen beschossen haben. Laut Experten gab es das aber niemals...sprich, meine Oma hat sich das also ausgedacht, und viele weitere Augenzeugen. Wenn du Sie darüber fragst, kommen jetzt 65 Jahre danach Ihr noch die Tränen.
MeyerB February 17th, 2010, 09:55 PM Ja, das war eine fürchterliche Zeit und zu verdanken ist es im Endeffekt der braunen Mordbande. A propos - habe gerade ein Gebäude entdeckt, das aus dieser Zeit stammt - wer es errät, bekommt 100 Punkte - sieht sehr nach Speer, Troost oder Kreis aus - womöglich eine Kombination der 3 (kleiner Tipp: es ist nicht der Runde Platz in Germania **hust** Berlin).
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1101.jpg
Dakir@DD February 18th, 2010, 08:55 AM Also es hat schon mal was mit der DNN zu tun...aber wenn man bei Wiki nach der Geschichte schaut, gibt es die erst seit 1990! Sprich die Geschichte, die DNN gab es natürlich schon viel eher.
Sag mal bitte...?
MeyerB February 18th, 2010, 12:45 PM Die DNN gibt es m.W. schon ziemlich lange - meine Oma las immer die 'Union' - kurz nach der Wende fand die wundersame Um-(Rück-)benennung in DNN statt und sie veröffentlichten am Anfang der 90er eine Jubiläumsausgabe - glaube, es waren 100 Jahre.
Das Kleinod stand übrigens am Ferdinandplatz - war sicherlich nur der Umbau eines Neorenaissance Hauses.
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1105.jpg
Stefanius February 18th, 2010, 01:09 PM Die DNN gibt es m.W. schon ziemlich lange - meine Oma las immer die 'Union' - kurz nach der Wende fand die wundersame Um-(Rück-)benennung in DNN statt und sie veröffentlichten am Anfang der 90er eine Jubiläumsausgabe - glaube, es waren 100 Jahre.
Das Kleinod stand übrigens am Ferdinandplatz - war sicherlich nur der Umbau eines Neorenaissance Hauses.
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1105.jpg
Mmh. Also kein Stahlbeton ?
MeyerB February 18th, 2010, 01:12 PM Womöglich war es doch ein Neubau, der die alten Proportionen aufnahm - habe auf einem Foto nach der Zerstörung selbiges Gebäude als Einziges am Ferdinandplatz aufrecht stehend gesehen - muss dann wohl ein Stahlbetonbau gewesen sein.
MeyerB February 18th, 2010, 02:23 PM Nach dem sensationellen Erfolg der Pilotsendung gibt es nun die Fortsetzung der populären Quiz Show "Wo stand ich?" - auch das folgende Etablissement zierte ehemals die schöne Residenzstadt - wer errät, wo es sich befand, erhält diesmal 200 Punkte - viel Spaß beim Knobeln!
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1106.jpg
Stefanius February 18th, 2010, 02:34 PM ^
auf der Bautzner?
MeyerB February 18th, 2010, 02:42 PM Knapp verfehlt - kleiner Tipp: die Gasthäuser "Trompeterschlösschen", "Drei Raben" und "Café König" befanden sich ebenfalls in dem Viertel - bildet man ein Dreieck mit den genannten Lokalen als Eckpunkten, ergibt sich für Müller's ungefähr die Mitte.
Der Jackpot bleibt leider auch dieses Mal ungeknackt - die 200 Punkte warten somit weiter auf einen glücklichen Gewinner!
Dakir@DD February 18th, 2010, 08:50 PM Sind wir alle peinlich...:ohno:
MeyerB February 18th, 2010, 09:14 PM Nein, natürlich seid Ihr das nicht - hatte auch ewig geknobelt und bin zu keinem schlüssigen Ergebnis gelangt - alte Gaststättenverzeichnisse halfen mir auch nicht - irgendwann entdeckte ich das Restaurant durch Zufall auf folgender Postkarte - musste allerdings fast eine Lupe nehmen - es ist im Hintergrund, an der Marienstraße, zu sehen.
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1109.jpg
Dakir@DD February 18th, 2010, 09:29 PM Die Autos sehen ja mal niedlich aus...das muss schon eine geile Zeit gewesen sein, ich meine die goldenen 20iger Jahre :)
MeyerB February 18th, 2010, 09:43 PM Auf mich wirkt die Szenerie schon verblüffend modern - würde man die Autos weglassen, müsste man bei Nichtkenntnis der Örtlichkeit echt zweimal hinsehen, um sich nicht in den 50ern zu wähnen.
Unser Rätselspaß führt uns nun in weiter entlegene Zeiten. Wir bleiben auf linkselbischer Seite und bewundern einen Bau von fast Klenze'scher Schönheit. Das edle Juwel musste allerdings schon am Anfang des 20. Jahrhunderts weichen. Wer weiß es?
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1110.jpg
Dakir@DD February 18th, 2010, 09:48 PM Kein Plan...:dunno:...gib mal mehr Tipps bitte?
MeyerB February 18th, 2010, 09:50 PM An der Stelle wurde ein großes Bauwerk samt Goldenem Mann mit Füllhorn gebaut - steht heute noch und beherbergt eine verirrte, blonde Lausitzerin..
Dakir@DD February 18th, 2010, 09:58 PM steht heute noch und beherbergt eine verirrte, blonde Lausitzerin..
Der war ja mal Geil :applause:
MeyerB February 18th, 2010, 10:06 PM Vielleicht sollte man sie statt des Rathausmannes auf der Haube aufspießen - da könnte sie weniger Unfug treiben... die Königl. Superintendentur dürfte nur eine Minderheit in diesem Forum noch live erlebt haben - bin auch erst knapp danach geboren.
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1113.jpg
Dakir@DD February 18th, 2010, 10:09 PM Superintendentur...kannte ich bis dato heute auch noch nicht :ohno:
Vielleicht sollte man sie statt des Rathausmannes auf der Haube aufspießen
Aber vergoldet wird sie nicht...das Geld wäre mir zu schade :lol:
bin auch erst knapp danach geboren.
Das du da noch schreiben kannst...*Respekt*...aus welchem Altersheim kontaktierst du uns den da?
MeyerB February 18th, 2010, 10:14 PM Aus dem Dibeliusstift - meine 105 Jahre merkt man mir alllerdings kaum an..
Dakir@DD February 18th, 2010, 10:23 PM Also ist das bei dir noch ein Passbild...:lol:
MeyerB February 18th, 2010, 10:32 PM Ja, allerdings noch jung und fesch.. wegen großer Nachfrage heißt es nun mal wieder: "Wo stand ich?" - kleiner Zwischenstand: 400 Punkte - also ran an den Jackpot!!!
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1115.jpg
erbse February 19th, 2010, 01:05 PM ^ Rein stilistisch passte dies ganz gut in die Albertstadt oder das Romanische Forum von Berlin.
Wahrscheinlich aber eher ein gehobenes Arbeiterviertel etwas außerhalb.
die Königl. Superintendentur dürfte nur eine Minderheit in diesem Forum noch live erlebt haben
:lol:
Guter Mann. Danke für die tollen Ansichten und die kniffligen Rätsel! Weiter so!
MeyerB February 19th, 2010, 01:59 PM @erbse - für mich sieht das auch aus wie eine Mélange aus Romanischem Café und Posener Schloss - ob Schwechten für das Dresdner Gebäude ebenfalls verantwortlich zeichnete, weiß ich leider nicht - Löffler konnte mir da nicht weiterhelfen.
Nun ja, soweit außerhalb lag die neoromanische Trutzburg dann doch nicht; die Kreuzkirche war direkte Nachbarin - passte ja auch zur Bestimmung des Gebäudes..
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1116.jpg
Das freut mich natürlich, dass die alten Schinken nicht nur allgemeine Langeweile hervorrufen - werde also weiterhin ein wenig in der Mottenkiste kramen, damit es bald wieder heißt: "Wo stand ich?".
MeyerB February 19th, 2010, 02:17 PM Nach den Ausflügen in die Kirchengeschichte widmen wir uns nun wieder profaneren Dingen; hier bietet die Esoterik des Hotel- und Gaststättenwesens willkommene Abwechslung. Dresden hatte neben Bellevue und Europäischem Hof natürlich für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas - die folgende Historismus-Spielerei dürfte eher den Gehobenen bedient haben - da drängt sich natürlich die Frage auf, wo denn das gastliche Haus seine reiche Kundschaft empfing - any ideas?
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1117.jpg
erbse February 19th, 2010, 02:36 PM In der Bahnhofsumgebung womöglich? Bzw. nahe Pirnaischer Platz?
Das einzige, was ich nach kurzer Recherche fand, ist diese nette kleine Postkarte mit Innenansichten:
http://i47.tinypic.com/2h52yra.jpg
Quelle (http://cgi.ebay.at/6wp5102-Hotel-du-Nord-Dresden---rueckseitig-fleckig_W0QQitemZ360210563829QQcmdZViewItemQQimsxZ20091123?IMSfp=TL091123238001r4205)
Da wurde ein Hotel noch mit Zentralheizung beworben, das muss man sich mal vorstellen ;)
Übrigens - Kennst du die Seite tamundo.de (http://www.tamundo.de/)? Da gibt es zuhauf seltene Ansichtskarten, Antiquitäten und Sammlerstücke. Einfach nur ganz groß!
Elbtaler February 19th, 2010, 02:52 PM Woerl's Reisehandbuch sagt:
Hotel du Nord, Mosczinskystr.3
MeyerB February 19th, 2010, 02:54 PM Vielen Dank für den Tipp, erbse - werde mir das Portal mal zu Gemüte führen - das Blättern auf den ersten 10 Seiten bestätigte leider meine Vermutung: es sind fast nur die Motive verfügbar, die ich schon habe - sobald man einen gewissen Stock angelegt hat, wird es ganz schwierig, interessante Novitäten zu finden - werde trotzdem mal in Ruhe schauen - nochmals danke!!
Um auf das damals hochmoderne Etablissement zurückzukommen: Bahnhofsgegend war schonmal gut - auf folgender Ansicht erkennt man es an der dem Europäischen Hof folgenden Straßenecke - musste allerdings auch ganz genau hinsehen.
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1118.jpg
erbse February 19th, 2010, 03:13 PM Mosczinskystraße? Ist das die Querstraße zur Prager, an dessen Ecke der Bau stand?
Der Europäische Hof war auch klasse. Sowas fehlt heute in der Prager Straße. Ganz arg.
es sind fast nur die Motive verfügbar, die ich schon habe - sobald man einen gewissen Stock angelegt hat, wird es ganz schwierig, interessante Novitäten zu finden
Ja, das ist wohl einfach so. Die kostbarsten Juwelen möchten die meisten Affinen dann natürlich auch gern behalten :) Gibt es dahingehend eigentlich auch Auktionen, vgl.bar einer Kunstauktion? Bei Briefmarken beispielsweise ist das ja keine Seltenheit.
nochmals danke!
Gern. :)
Noch eine Seite habe ich für dich - dort finden sich Postkarten wie auch fotografische Ansichten deutscher Städte zuhauf, natürlich auch vieles von Dresden:
Bildindex der Universität Marburg (http://www.bildindex.de/)
(Einfach unter Orte > Deutschland > D > Dresden oder gleich in die Suchzeile eingeben. Sehr systematisch und viele gute Auflösungen dabei.
Und: ZENO.org (http://www.zeno.org/Ansichtskarten/M/Dresden,+Sachsen?hl=dresden) - vorwiegend kolorierte Ansichtskarten in top Auflösungen. Eher wenige seltene Ansichten allerdings. Aber trotzdem, sicher einen Blick wert, falls du es noch nicht kennen solltest ;)
youngwoerth February 19th, 2010, 03:18 PM Wundervolle Ansichten! Danke, daß Du uns an Deinen Schätzen teilhaben lässt.
erbse February 19th, 2010, 03:18 PM Ach ja, diese Seite sollten wir auch nicht vergessen:
Library of Congress - Photochrom Prints (http://lcweb2.loc.gov/pp/pgzhtml/pgzabt.html) - Tausende Photochromdrucke von ganz Europa. Einfach unter "Search this collection" und dann im Suchfeld den Stadtnamen eingeben. Für Dresden kommt dann dies (http://lcweb2.loc.gov/cgi-bin/query/f?pgz:0:./temp/~pp_fQRu:).
Natürlich alles prominente Perspektiven, kolorierte Postkartenansichten eben.
Aber trotzdem gut, um sich einen Überblick zu verschaffen. Im Strang Das alte Deutschland (http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?t=195918) sind zu Beginn viele dieser Ansichten zu sehen. :)
MeyerB February 19th, 2010, 03:21 PM @erbse: nochmals vielen Dank - die Seiten kannte ich bereits - gerade der Bildindex ist natürlich eine außergewöhnliche Fundgrube!
Ja, die Mosczinskystraße ging von der Prager Staße ab - sie war nach einem wunderbaren Rokoko-Palais von Julius Heinrich Schwarze benannt - dies fiel samt herrlichem Garten leider dem gründerzeitlichen Bauboom zum Opfer. Trotzdem war die Prager Straße natürlich eine ganz eigene Welt - meine Oma schwärmte immer besonders davon.
Es gibt in vielen Städten Postkartenbörsen - angesichts des hohen finanziellen Aufwands beschränke ich mich allerdings auf die in Frankfurt - leider ist die nicht so ergiebig. Man kann die Sammler sehr gut verstehen, dass sie ihre Juwelen nicht verkaufen - würde ich auch nicht!
Elbtaler February 19th, 2010, 03:30 PM Das Postwertzeichen-Museum befand sich in der Mosczinskystr.5
Die haben damals sicher nicht gedacht, daß sie dereinst selbst zum Sammlerobjekt werden.
MeyerB February 19th, 2010, 03:35 PM Nein, leider nicht - wer hätte auch je damit gerechnet... Auf geht's in die nächste Runde: nach der alten Superintendentur bewundern wir nun einen weiteren Bau florentinischer Prägung - Palazzo Pitti & Co. lassen grüßen - damals wusste man eben noch, was man seinem Ruf als Elbflorenz schuldig war..
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1119.jpg
Stefanius February 19th, 2010, 03:55 PM ^
Mmh *grübel*.. irgendwo an der Elbe auf jeden Fall.
MeyerB February 19th, 2010, 03:59 PM Nein leider nicht ganz - selbiger Bau wurde gemäß Löffler schon 1943 bei einem kleinen Luftangriff eingeäschert - also bereits damals war DD keine Insel der Seligen mehr - der Verzicht auf Luftschutzbunker bleibt eine der ganz frevelhaften Entscheidungen Mutschmanns - kurioserweise steht seine Villa an der ansonsten schwer zerstörten Comeniusstraße noch..
MeyerB February 19th, 2010, 06:11 PM Hier noch ein kleiner Tipp: an beiden Seiten des Torbogens erkennt man Sphinx-artige Wesen - vielleicht könnte das ein Hinweis auf die Nutzung des Gebäudes sein..
erbse February 19th, 2010, 06:31 PM Gab/gibt es eine Ägyptologische Sammlung in Dresden?
MeyerB February 19th, 2010, 06:56 PM Das ist mir nicht bekannt. Es gibt weltweit eine Organisation, deren Gruppen auch in Deutschland vertreten waren/sind. Selbige genoss bei den braunen Terrorbanden kein hohes Ansehen, wenngleich (oder wahrscheinlich weil) sie sich guten Zwecken verschrieben hat. Mozart war bereits Mitglied - in seiner Zauberflöte gibt es explizite Hinweise darauf.
MeyerB February 19th, 2010, 07:27 PM Die Bezeichnung der Mitglieder besagter Organisation leitet sich von mittelalterlichen Steinmetzen und Baumeistern ab - der Name eines auch heute noch im Bauwesen verbreiteten Berufes bildet den zweiten Teil des Wortes - mehr sage ich jetzt aber nicht..
erbse February 19th, 2010, 07:40 PM Du redest von den Freimaurern?
MeyerB February 19th, 2010, 07:45 PM Ja, das stimmt natürlich - der rote Bau diente als deren Altstädter Logenhaus. Auf dem folgenden Bild erkennen wir ihn im städtebaulichen Zusammenhang. Etwas dahinter steht die Orangerie am Herzogingarten - der Dämmerschlaf des erhaltenen Kopfbaus ist mir absolut unbegreiflich - nach Verlust der meisten Gebäude dieser Zeit, also Semper-Nicolai Schule (Belvedere, Villa Rosa, Villa Struve, Palais Kaskel, Villa von Seebach,..) stellt dies eine sträfliche Vernachlässigung wertvollsten Kulturerbes dar.
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1120.jpg
erbse February 19th, 2010, 07:50 PM Ostra-Allee also! Irgendwie lag das ja in der Luft. Tolles Bild!
Bezüglich des Kopfbaus... Ist da nicht eine Ergänzung mit modernen Gebäuden oder ähnliches geplant? Also an der Orangerie am Herzogingarten?
MeyerB February 19th, 2010, 08:00 PM Ja, geplant ist da schon lange etwas seit dem kuriosen Stella Entwurf aus den 90er Jahren - bisher sehe ich allerdings nur Wildwuchs und bröckelndes Mauerwerk - die sollten langsam in die Pantoffeln kommen, bevor auch dieser Bau den Weg in's Nirvana findet.
Dakir@DD February 19th, 2010, 08:58 PM Die Ostra-Allee hätte ich ausnahmsweise wirklich mal erkannt...schade, dass ich nicht Online war.
Es gibt ja zur Zeit ein Projekt, es soll auch dieses Jahr noch losgehen :) Man kann nur hoffen das es was wird...
MeyerB February 19th, 2010, 09:09 PM Weißt Du zufällig, was dort geplant ist? Ich hoffe doch stark, dass die Weimarer Krake nicht ihre Finger im Spiel hat.
Dakir@DD February 19th, 2010, 09:23 PM Nein mein Guter, die Zeit nagt am Bildchen. Ich sag nur Wellen :cry:
Einige Teile sollen ausgetauscht werden und eben aktualisiert werden. Wird hoffentlich genauso genial wie es jetzt schon ist. War schon 2mal, und es ist jedesmal wieder beeindruckend.
Zur Zeit ist wenig los...also auf nach Dresden :okay:
erbse February 19th, 2010, 09:24 PM ^ Falscher Strang? :dunno:
youngwoerth February 19th, 2010, 09:29 PM Die Ostra-Allee hätte ich ausnahmsweise wirklich mal erkanntStand ja auch fett drüber. :colgate:
Dakir@DD February 19th, 2010, 09:30 PM Nein...Meyer überdeckt das immer vorher! Ich hätte es wirklich gewusst :)
MeyerB February 19th, 2010, 09:31 PM Also oben hatte ich den Papierschnipsel nicht raufgepappt..
Dakir@DD February 19th, 2010, 09:35 PM Also oben hatte ich den Papierschnipsel nicht raufgepappt..
Weiß ich doch nicht, war ja nicht da :ohno:
Hab auch etwas, aber Leute nur raten und nicht nachforschen, ja?
MeyerB February 19th, 2010, 09:37 PM Bitte unbedingt posten - bin ein absoluter Rätsel Fan!
Dakir@DD February 19th, 2010, 09:41 PM Los geht's...
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/7f/Dresden_Venezianisches_Haus%2C_Lithographie_von_W._B%C3%A4ssler%2C_1850_L%C3%B6ffler%2C_Bildnr._457.jpg/477px-Dresden_Venezianisches_Haus%2C_Lithographie_von_W._B%C3%A4ssler%2C_1850_L%C3%B6ffler%2C_Bildnr._457.jpg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/7d/Dresden_Terrassenufer_3_-_1900%2C_Venezianische_Haus_Helas_Bildnr._55_.jpg/629px-Dresden_Terrassenufer_3_-_1900%2C_Venezianische_Haus_Helas_Bildnr._55_.jpg
MeyerB February 19th, 2010, 09:43 PM Sieht sehr nach Venezianischem (bzw Gutschmidt'schem) Haus am Elbufer aus.
youngwoerth February 19th, 2010, 09:46 PM Und direkt neben der wunderbaren Carolabrücke (für mich früher die schönste - heute die hässlichste der innerstädtischen Brücken) stand der zweieiige(welch Wort) Zwilling.
Dakir@DD February 19th, 2010, 09:48 PM :applause:
Info's dazu:
Es war auch bekannt als das Venezianische oder Gutschmid'sche Haus war ein Haus, das gotisierend nach dem Vorbild venezianischer Palazzi stilisiert wurde.
Unter August dem Starken wurde begonnen Prachtbauten an der Elbe nach dem Vorbild des Canal Grande in Venedig zu errichten. Der Bau der Augustusbrücke richtete sich daher nach dem Vorbild der Rialtobrücke in Venedig. Auch die Frauenkirche wurde als „Schwester der Kirche Santa Maria della Salute“ in Venedig errichtet.[1] Der Bauherr Eugen von Gutschmid griff die Idee von August dem Starken auf und wollte, dass sein Haus den Anfang zu einer Prachtstraße venezianischer Palazzi am Dresdner Terrassenufer machen sollte. Das von Hermann Bothen im Jahre 1845 für Gutschmid erbaute Haus wurde nach dem Vorbild eines venezianischen Palazzo erbaut. Einerseits wird als Vorbild des Hauses der Fondaco dei Turchi angenommen,[2] andererseits wird angenommen, dass die Maßwerkbildung des ersten Obergeschosses der des Dogenpalastes bzw. Palazzo Foscari folgte. Ansonsten war das Dresdner Gebäude mit der Ca' d'Oro stilistisch verwandt.[3]1945 wurde das Haus zerstört.
www.wikipedia.org
MeyerB February 19th, 2010, 09:49 PM Gibt es noch mehr, Dakir? Bin jetzt echt in Quiz Laune!
d.henney February 19th, 2010, 09:56 PM Sehe ich richtig? Venezianische Gondeln? Geil!
Das Haus stand an der Carolabrücke? Beides sofort wieder her! Wenn man die WSB als Behilfsbrücke für die Carolareko und die Augustus- und Alberterneuerung usw ansieht, dann von mir aus. *lol* Eigentlich ist es nur traurig …
Dakir@DD February 19th, 2010, 09:58 PM Und weiter geht es!
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/ea/Dresden_catholic_church_franziskus-xaverius_-_d.jpg/517px-Dresden_catholic_church_franziskus-xaverius_-_d.jpg
youngwoerth February 19th, 2010, 10:00 PM Katholische Pfarrkirche Franciscus Xaverius
Nördl. Hauptstraße Ostseite bzw. Albertplatz Südostseite
1945 ausgebrannt / 1957 abgebrochen
MeyerB February 19th, 2010, 10:01 PM St. Franziskus Xaverius an der Hauptstraße - ein Turm stand noch eine Weile nach dem Krieg.
Dakir@DD February 19th, 2010, 10:03 PM Mensch, woher weisst du das alles?
Es handelt sich um die katholische Kirche St. Franziskus Xaverius.
Hier ein besseres Bild:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/3d/Dresden-albertplatz1905.jpg/800px-Dresden-albertplatz1905.jpg
MeyerB February 19th, 2010, 10:04 PM Weißt Du zufällig, worum es sich bei dem Prachtbau links neben der Kirche handelt?
Dakir@DD February 19th, 2010, 10:12 PM Weißt Du zufällig, worum es sich bei dem Prachtbau links neben der Kirche handelt?
Keine Ahnung...
youngwoerth February 19th, 2010, 10:14 PM Das Haus stand an der Carolabrücke?An der Carolabrücke stand der zweieiige Zwilling des Hauses, das Dakir gezeigt hat. Letzteres befand sich ein kleines Stück weiter östlich am Elbufer der Pirnaischen Vorstadt.
youngwoerth February 19th, 2010, 10:16 PM St. Franziskus Xaverius an der Hauptstraße - ein Turm stand noch eine Weile nach dem Krieg. Mensch, woher weisst du das alles?
Äh - Tschuldigung, aber ich war schneller. Und ausführlicher. Nur Franziskus habe ich falsch geschrieben. ;)
MeyerB February 19th, 2010, 10:18 PM Und ich weiß immer noch nicht, was das verspielte Türmchenwunder ist - scheint ja ein echtes Juwel gewesen zu sein.
youngwoerth February 19th, 2010, 10:22 PM Das verspielte Türmchenwunder hatte ich hier erst vor Kurzem verlinkt - in Deinem Strang, Dakir! So liest Du also meine Beiträge (wahrscheinlich genauso gründlich wie meinen letzten auf der vorherigen Seite dieses Strangs). :cool:
Dakir@DD February 19th, 2010, 10:24 PM Äh - Tschuldigung, aber ich war schneller. Und ausführlicher. Nur Franziskus habe ich falsch geschrieben.
Ich meinte ja auch dich, was kann ich dafür, dass der Meyer seinen Beitrag kurz vor meinen reingestellt hat. Wenn hier jemand schuld hat, dann ist das der Meyer:lol:
MeyerB February 19th, 2010, 10:25 PM In welchem Strang ist er denn? (bin jetzt zu träge für die Sucherei..)
youngwoerth February 19th, 2010, 10:25 PM Oh Sorry! Ist irgendwie seit Neuestem wie im Chat hier. Die Beiträge überschneiden sich...
MeyerB February 19th, 2010, 10:27 PM Ja, so eine Wuselei hab ich lange nicht hier erlebt - ist ja wie in der Börse.
youngwoerth February 19th, 2010, 10:28 PM Exakt in diesem Strang hier, Meyer. Seite 3: http://www.skyscrapercity.com/showpost.php?p=48921249&postcount=48
MeyerB February 19th, 2010, 10:32 PM Vielen Dank - diese Postbauten damals waren wirklich exorbitant - das am Anger in Erfurt scheint eines der wenigen erhaltenen zu sein - am Postplatz stand ja auch so ein Juwel - eindeutig Rekokandidaten.
Dakir@DD February 19th, 2010, 10:36 PM Es macht einen einfach immer wieder traurig. Man kann sich nicht mal Ansatzweise vorstellen, wie Geil Dresden mal war :ohno:
Max_DD February 19th, 2010, 10:59 PM ....ich krieg jedesmal feuchte Augen wenn ich mir die alten Bilder ansehe..
Alles so schön angelegt, alles hatte eine geregelte schöne Anordnung. Jede Menge Grün. Keine verwahrlosten Brachen. Und überall Leben drin, bis in die kleinste Ecke. Den kleinsten, wenn auch teilweise ärmlichen, Hinterhof.
Wunderschön angelegte Plätze, keine kahlen Büroklötze und nicht alles nur dem Zweck untergeordnet..
Soviel kreative Stadtgestaltung über viele Jahrzehnte gewachsen.
Und nun immer wieder verpasste Chancen dorthin zurück zu kehren....
d.henney February 19th, 2010, 11:01 PM Vielen Dank - diese Postbauten damals waren wirklich exorbitant - das am Anger in Erfurt scheint eines der wenigen erhaltenen zu sein - am Postplatz stand ja auch so ein Juwel - eindeutig Rekokandidaten.
Das predige ich schon ewig. :) Man könnte glatt wieder Postfilialen dort rein pappen … Oder Banken.
Echt mies, dort im Gebiet stehen momentan was? Ja richtig … Plattenbauten …
MeyerB February 19th, 2010, 11:07 PM Ja, da stehen besonders üble Platten rum - v.A. weiten Sie die Albertstraße maßlos auf - hoffentlich erfahren die nicht auch eine liebevolle Restaurierung - ansonsten müsste man noch mindestens 30 Jahre damit leben.
youngwoerth February 19th, 2010, 11:18 PM Lange Zeit war ja geplant, den Albert-Platten den überkragenden Kopf abzutrennen - so hätte man unkompliziert wenigstens eine einheitliche Traufhöhe in der Inneren Neustadt erreicht. Konnte man sich natürlich mal wieder nicht zu durchringen. Mich würde ja auch immer noch brennend interessieren, was eigentlich mit dem Hotel am Terrassenufer los ist, dessen Abriß für 2008 angekündigt war, und das seit ein paar Jahren so völlig aus den Medien (und den Gehirnen?) verschwunden ist.
MeyerB February 19th, 2010, 11:23 PM Hoffentlich fällt es bald zusammen - was dort vorher stand, haben wir ja gerade gesehen - besonders venezianisch sieht die Platte nicht aus - eine der ganz schlimmen Sünden, da sie den Blick von der Brühlschen Terrasse auf die Elbhänge z.T. verstellt - hatte sie nicht mal eine Schwester? Irgendwie erinnere ich mich an 2 Scheiben.
Max_DD February 19th, 2010, 11:26 PM Genauso frage ich mich, warum nicht dieser hässliche 16-stöcker am Pirnaischen einfach abgerissen wird.
Dort passiert doch eh nix mehr. Ich denke die Situation mit den Zufahrten hat sich nicht geändert.
Jedesmal wenn ich auf die Silhoutte von der Neustädter Seite sehe, steht dieses monströse Ding im Weg.
Der Araber, oder wem es jetzt auch immer gehört, soll seine Kosten irgendwo anders unterbringen.
MeyerB February 19th, 2010, 11:38 PM Gab es da nicht mal Streit mit einem Nettomarkt, weil Sanierungszusagen seitens des Eigentümers nicht eingehalten wurden? Auf jeden Fall sollen schon Schaben in dem Gebäude hausen - die Bewohner beklagen sich mächtig darüber - na, wenigstens Kakerlaken finden Gefallen an der Platte..
d.henney February 19th, 2010, 11:54 PM Ich verstehe die Mieter nicht, sich doch eine andere Wohnung zu suchen. Ich meine, ich bin in weniger als einem Jahr fast viermal umgezogen und die bekommen nicht ihren Hintern hoch aus diesem Mülleimer. Verstehe ich einfach nicht. Es gibt genug andere Wohnungen in Dresden zu moderaten Preisen in wirklich schönen Häusern.
Alles abbrechen dann. Allein der Riegel, der dort früher Stand mit dem Kaiserpalast am Ende dran ist doch eine todsichere Investition (wenn die Strassensituation dort angepasst würde. Wer das baut, bekommt sicher die Buden voll. Von mir aus untendrunter nen vierspurigen Tunnel für den Durrchgangsverkehr bauen. Aber an der Neustadt fahren auch massigst Autos lang und trotzdem sind dort die Wohnungen voll. *arghverdammt
Max_DD February 20th, 2010, 12:00 AM Das Problem ist, dafür bräuchten wir Leute mit Visionen, an der richtigen Stelle.
Und ich glaube die haben wir nicht, warum auch immer.
Es ist schon sehr frustrierend.
MeyerB February 20th, 2010, 12:02 AM Kann es mir nur so erklären, dass die Mieter ihre Wohnung wegen der zentralen Lage und der schönen Aussicht nicht aufgeben wollen - für mich wären die Schaben allerdings ein Grund, sofort auszuziehen. Dass dort der Kaiserpalast wieder hinkommt, halte ich für illusorisch - vermutlich gäbe es gar keine geeigneten Leute, um die unzähligen Schmuckdetails nachzuschöpfen - das bleibt wohl ein schöner Traum (ebenso wie Centraltheater - fast noch prächtiger als Kaiserpalast).
d.henney February 20th, 2010, 12:15 AM Finde ich nicht so. An der Frauenkirche hat das doch auch funktioniert. Die Stuckateure hätten wieder gut Arbeit. :D
Aber Tunnel dort wäre doch nicht so doof, oder? Der Durchgangsverkehr schiesst direkt hinter der Carola in eine dezente Tunneleinfahrt (mit Stuck :P) wo man dann auch in die Parkhäuser fahren kann und rechts und links können Anlieger und Strassenbahn in das neue alte Ambiente einbiegen. Es wäre ein Anstoss für die Pirnasche Vorstadt, an ihr richtig weiter zu werkeln.
So einen Betontunnel im selben Zuge dort reinbuttern stelle ich mir einfacher vor, als eine Waldschlösschenbrück zu bauen. Man kann ja heutzutage so gut mit Beton …
jaja, ich träume heute wieder viel. :)
MeyerB February 20th, 2010, 12:19 AM Das wird niemand bezahlen können - da fände ich einen Tunnel unter der Großen Meißner Straße wichtiger, um dann die Bürgerhäuser dort und am Neustädter Markt rekonstruieren zu können - der Barock läge mir dann doch etwas mehr am Herzen als der Kaiserpalast-Neobarock.
Dakir@DD February 20th, 2010, 08:41 AM Früher oder später wird unter dem Pirnaischen Platz ein Tunnel gebaut werden. Alleine schon wegen den vielen Unfällen. Schaut man sich aber das Stadtmodell im Rathaus an, wird die Straße irgendwann einmal verengt werden. Und dann besteht berechtigte Hoffnung :)
Elbtaler February 20th, 2010, 09:18 AM Ich verstehe die Mieter nicht, sich doch eine andere Wohnung zu suchen. Ich meine, ich bin in weniger als einem Jahr fast viermal umgezogen und die bekommen nicht ihren Hintern hoch aus diesem Mülleimer. Verstehe ich einfach nicht. Es gibt genug andere Wohnungen in Dresden zu moderaten Preisen in wirklich schönen Häusern.
Das sind doch fast alles alte Leute, die z.T. seit Anfang an dort wohnen.
Elbtaler February 20th, 2010, 12:16 PM http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1120.jpg
Hier sieht man auch schön die alte Spielstätte der Dresdner Philharmonie.
Im Stadtführer von 1910 (http://books.google.de/books?id=UzdHAAAAIAAJ&printsec=frontcover&source=gbs_v2_summary_r&cad=0#v=onepage&q=&f=false) sind folgende Konzertsääle aufgeführt:
Vereinshaus, Zinzendorfstr.17, 1358 Plätze
Gewerbehaus, Ostra-Allee, Großer Gewerbehaussaal, 2057 Plätze
Musenhaus (Palmengarten), Pirnaische Straße, 585 Plätze
Künstlerhaus, Ecke Grunaer- und Albrechtstraße, 615 Plätze
Ausstellungspalast, Konzertsaal 900 Plätze, Großer Saal 2000 Plätze
Belvedere, 250 Plätze
Neustädter Casino, Königstraße, 350 Plätze
Konzerthaus im Zoologischen Garten, 500 Plätze
Volkswohlsaal, Ostra-Allee, 1955 Plätze
youngwoerth February 20th, 2010, 12:28 PM Das wird niemand bezahlen könnenEs gibt immer noch die Möglichkeit eines Investors, der um jeden Preis genau dieses Gebäude wiederhaben möchte (ich z.Bsp. in 30 Jahren). :lol:
Zudem kann man Vereine gründen und Visionen vorantreiben...
MeyerB February 20th, 2010, 12:51 PM Ja, natürlich - mein Vorschlag wäre, die Philharmonie dort unterzubringen :)
Besonders repräsentativ kam sie ja damals nicht daher - erinnert mich an die alte Philharmonie in Berlin, die sich in einem Hinterhof in der Bernburger Straße befand - Kulturklotz ist jedenfalls auf Dauer untragbar.
MeyerB February 20th, 2010, 01:17 PM Das heutige Rätsel entführt uns nun wieder in sakrale Gefilde - die hübsche Kapelle ist leider, wie so vieles Andere, völlig der Vergessenheit anheimgefallen - verdient hat sie es bestimmt nicht - wer erkennt sie?
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1121.jpg
erbse February 20th, 2010, 03:38 PM Gab es in der Altstadt noch eine Kapelle, die heute nicht mehr existiert?
Oder stand diese auf Neustädter Seite?
erbse February 20th, 2010, 03:42 PM Es handelt sich um die katholische Kirche St. Franziskus Xaverius.
Hier ein besseres Bild:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/3d/Dresden-albertplatz1905.jpg/800px-Dresden-albertplatz1905.jpg
Hier also noch einmal das Postgebäude der Neustadt, das oben zur Linken zu sehen ist, im Detail:
http://i47.tinypic.com/154c31v.jpg
Und nochmals mit der Neustädter Skyline vom Albertplatz - welch Pracht!
http://i48.tinypic.com/k6o11.jpg
Quelle: "Spaziergang durch das alte Dresden in Ansichtskarten um 1900: Die Neustadt", Michael Schmidt, Dresden, 2002
Hatte die Post eigentlich einen besonderen Eigennamen? Neustädter Post oder Neue Post womöglich?
MeyerB February 20th, 2010, 03:56 PM Obiges Postamt (genaue Bezeichnung weiß ich leider auch nicht) ist wirklich ein absoluter Traum - das Stilgemisch dürfte für Dresdner Verhältnisse einzigartig gewesen sein.
Die Kapelle befand sich auf Altstädter Seite - Löffler Fans werden das Bild wiedererkennen - der große, alte Mann benutzte das Gleiche (frug mich sehr lieb, ob ich es ausleihen könnte - gutherzig, wie ich bin, konnte ich ihm die Bitte nicht abschlagen..).
MeyerB February 20th, 2010, 05:56 PM Nanu? Alle zu faul, den Löffler aus dem Bücherschrank zu holen? Träges Volk!
youngwoerth February 20th, 2010, 07:36 PM Erstmal einen haben. Löffler fehlt in meiner einzigartigen Sammlung. Und die Zuordnung von Kircheninnenräumen fiel mir schon immer schwer. ;)
MeyerB February 20th, 2010, 07:44 PM Ausgerechnet das Standardwerk - dann aber schnell in die Waisenhausstraße! :)
Die Kapelle befand sich in einem in B5 verzeichneten, kirchlichen Gebäude - also mehr Zaunpfähle werden jetzt nicht verteilt...
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1125.jpg
Dakir@DD February 20th, 2010, 08:58 PM Neben der katholischen Hofkirche und der Garnisonskirche meine absolute Lieblingskirche. Der Turm ist einfach nur atemberaubend. Wieder etwas, was absolut fehlt in dieser Stadt. Wie heißt dieser neogotische Kirchenbau?
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/0b/Johanneskirche_dresden.JPG/349px-Johanneskirche_dresden.JPG
Die traurigen Überreste
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/10/Fotothek_df_ps_0000095_001_Kriege_%5E_Kriegsfolgen_%5E_Zerst%C3%B6rungen_-_Tr%C3%BCmmer_-_Ruin.jpg/391px-Fotothek_df_ps_0000095_001_Kriege_%5E_Kriegsfolgen_%5E_Zerst%C3%B6rungen_-_Tr%C3%BCmmer_-_Ruin.jpg
erbse February 20th, 2010, 09:09 PM Moment, des Meyers Rätsel ist ja noch gar nicht aufgelöst ;)
Also, ich gehe dann mal davon aus, dass du uns da den Innenraum vom Josephin-Stift gezeigt hast? Davon höre ich zum ersten Mal. Hast du auch eine Außenansicht parat?
MeyerB February 20th, 2010, 09:17 PM Ja, das war die Kapelle im St. Josephinen Stift - schon Löffler beklagte sich, dass es kaum brauchbare Innenansichten gibt - eine Reko ist somit wohl ausgeschlossen. :cry:
Die Außenansicht werde ich Euch demnächst als neues Rätsel unterjubeln - mal sehen, wer es merkt..
Möckel's Johanniskirche war ja echt eine Wucht - Waaahnsinn - schade, dass sie nicht mehr steht. :cry::cry:
Dakir@DD February 20th, 2010, 09:19 PM Man(n) ey...soviel kann man doch gar nicht wissen :applause:
Du erstaunst mich wirklich jedesmal wieder. Respekt!
MeyerB February 20th, 2010, 09:22 PM Da braucht es nur den Löffler - der dicke Schinken sollte in keinem gut sortierten Haushalt fehlen..
MeyerB February 20th, 2010, 09:27 PM Moment mal - nach KH, Garnisonk. Deine Lieblingskirche? Irgendwie fehlt mir da eine gewisse Glocke in der Sammlung!
Dakir@DD February 20th, 2010, 09:29 PM Du meinst die Frauenkirche, wa?
Na ja, ich finde sie sehr schön und einzigartig, aber mir gefallen halt verspielte Türmchen echt besser. An 4.ter Stelle kommt übrigens die Sophienkirche und dann die Frauenkiche :okay:
MeyerB February 20th, 2010, 09:33 PM Du Frevler - Blasphemie!!! Mein Lieblingsbauwerk in der Welt auf den schnöden 5. Platz setzen - bin fassungslos!
Dakir@DD February 20th, 2010, 09:34 PM Obwohl, was erzähle ich...mir gefallen noch 2 andere ehemalige Kirchen besser als die Frauenkirche. Wie gesagt Jungs, ich liebe den Neumarkt und die Frauenkirche, aber es gibt auch andere Bauwerke, die mir durchaus gefallen.
Hier ein weiteres Rätsel...aber wie ich dich kenne Meyer, weißt du das sofort.
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/99/Dresden_Jakobikirche_1902.jpg/427px-Dresden_Jakobikirche_1902.jpg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/5f/Dresden_Jakobikirche_Au%C3%9Fen_-_1901%2C_Helas_Bildnr._245_.jpg/364px-Dresden_Jakobikirche_Au%C3%9Fen_-_1901%2C_Helas_Bildnr._245_.jpg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/e3/Fotothek_df_ps_0000392_002_Kriege_%5E_Kriegsfolgen_%5E_Zerst%C3%B6rungen_-_Tr%C3%BCmmer_-_Ruin.jpg/577px-Fotothek_df_ps_0000392_002_Kriege_%5E_Kriegsfolgen_%5E_Zerst%C3%B6rungen_-_Tr%C3%BCmmer_-_Ruin.jpg
MeyerB February 20th, 2010, 09:39 PM Mich deucht, es wäre St. Jakobi am Wettiner Platz - die rheinische Spätromanik stand Pate - noch so ein verlorenes Juwel - schluchz.
Dakir@DD February 20th, 2010, 09:42 PM Jawohl, es handelt sich hierbei um die Jakobikirche! Ein Prachtbau...ich kann mich gar nicht sattsehen und gleichzeitig könnt ich heulen :cry:
Hätte dieser Scheiß Krieg nicht 4 Monate eher beendet sein können bzw. nie begonnen.
MeyerB February 20th, 2010, 09:44 PM Bin immer noch hemmungslos erbost ob Deiner Spitze gegen meine geliebte Dicke und verzieh mich jetzt in meine Schmollecke..
Dakir@DD February 20th, 2010, 09:47 PM Bin immer noch hemmungslos erbost ob Deiner Spitze gegen meine geliebte Dicke und verzieh mich jetzt in meine Schmollecke..
Och nee, oder? Die Dicke liegt mir auch sehr am Herzen. Man hat halt im alten Dresden soviel Schönheit zur Auswahl, dass man sich manchmal gar nicht entscheiden kann.
youngwoerth February 21st, 2010, 12:33 PM aber wie ich dich kenne Meyer, weißt du das sofort.Ich auch. :D
@Meyer: Löffler war mir zu standardwerkisch. Ich liebe ja das Besondere... :lol:
MeyerB February 21st, 2010, 12:49 PM Stimmt - ist wirklich sehr banal und hoffnungslos überbewertet... für unser Sonntagsrätsel verlassen wir nun die französische Kathedralgotik und die rheinische Spätromanik - ehrfurchtsvoll stehen wir vor einem schlichten, kleinen Gebäude aus Dresden's Glanzzeit - ist ist erstaunlich, mit wie sparsamen Mitteln soviel Liebreiz geschaffen werden konnte - heutzutage führt Minimalismus eher zu mancherlei Unbill - wer kennt das einst beliebte Haus?
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1126.jpg
youngwoerth February 21st, 2010, 01:05 PM Stimmt - ist wirklich sehr banal und hoffnungslos überbewertet...Ironie? ;)
Elbtaler February 21st, 2010, 01:05 PM Das Trompeterschlösschen am Dippoldiswalder Platz!
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/55/Dd-dippoldiswalderplatz1905.jpg
MeyerB February 21st, 2010, 01:08 PM @youngwoerth: ach woher denn.. nachdem ich als 11 Jähriger bei meinen Großeltern in deren Löffler Erstausgabe zum ersten Mal die Frauenkirche sah, war es um mich geschehen - eine große und lebenslange Liebe begann - manchmal träumte ich sogar von der Dicken - drollig, mit was sich Teenager so befassen..
Ja, es war das Trompeterschlösschen - der Dippoldiswalder Platz ist ja heute kaum noch als Solcher zu erkennen - traurig.
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1127.jpg
Dakir@DD February 21st, 2010, 01:08 PM Nicht schlecht...
Wenn man sich den Platz heute anschaut, mit Centrum-Galerie und Margonwasser-Haus, könnte man echt wieder anfangen zu heulen :cry:
Dakir@DD February 21st, 2010, 01:12 PM Wer weiß das einzuordnen:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/e0/Dresden_Prinz-Max-Palais_Ostra-Allee_22._Aufnahme_um_1890.jpg/800px-Dresden_Prinz-Max-Palais_Ostra-Allee_22._Aufnahme_um_1890.jpg
MeyerB February 21st, 2010, 01:15 PM Palais Prinz Max - ursprünglich von Chiaveri - im späten 18.Jh im Zopfstil umgebaut - Ende des 19. Jh abgebrochen
youngwoerth February 21st, 2010, 01:15 PM Ich wollte Löffler nicht abwerten. Mit "standardwerkisch" meinte ich eher: "Hat jeder." Zudem bevorzuge ich detailreiche großformatige Ansichten, da wurde ich in anderen Werken fündiger.
Dakir@DD February 21st, 2010, 01:16 PM :applause:...mit dir macht das keinen Spaß, du weißt ja alles :lol:
Das Prinz-Max-Palais war ein 1742 erbautes Wohnhaus für den Bauherrn Gaetano Chiaveri auf der heutigen Ostra-Allee 22 gegenüber der Maxstraße. Das bestehende Gebäude wurde 1783 für Prinz Maximilian umgebaut und 1890 abgerissen.
MeyerB February 21st, 2010, 01:17 PM @youngwoerth: das weiß ich doch, dass Du ihn nicht abwerten wolltest - ist halt wirklich eine unerschöpfliche Fundgrube.
Dakir@DD February 21st, 2010, 01:18 PM http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/00/Dresden_Palais_Kap-herr%2C_Au%C3%9Fenfassade_-_Helas_1991%2C_S._53_Bildnr._97%2C_S._205_um_1875.jpg/800px-Dresden_Palais_Kap-herr%2C_Au%C3%9Fenfassade_-_Helas_1991%2C_S._53_Bildnr._97%2C_S._205_um_1875.jpg
MeyerB February 21st, 2010, 01:23 PM Palais Kapp-Herr an der Bürgerwiese - Dresden's prächtigste Neorenaissance Villa.
youngwoerth February 21st, 2010, 01:26 PM Parkstraße 7
Palais Kap-herr, später Königliche Villa.
Ansicht der Straßenseite von der Lennéstraße aus gesehen.
youngwoerth February 21st, 2010, 01:28 PM Mist, zu spät - nur wegen diesen saudämlichen Log-In-Problemen. Ich muß hier zehn Mal auf Log in drücken, bis ich endlich reinkomme - und das bei jeder kleinen Veränderung.
Meyer, wir sind Helden. :cheers:
Dakir@DD February 21st, 2010, 01:30 PM Das Palais Kap-herr war 1872/1874 im Stil der Neorenaissance von Bernhard Schreiber in den Formen der Semper-Schule erbaut worden und befand sich an der Parkstraße 7 in Dresden. Später gelangte das Palais an das Haus Wettin (königliches Palais). Im Jahr 1945 brannte das Palais aus und wurde 1959 gesprengt
Sehr schön...:)
@ youngi, dass Problem hatte ich auch ständig. Du musst beim Login "Remember" mit anklicken und dann geht es.
Dakir@DD February 21st, 2010, 01:33 PM Und was ist hiermit:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/c3/Dresden_Erl%C3%B6serkirche_Aufnahme_um_1880_.jpg/460px-Dresden_Erl%C3%B6serkirche_Aufnahme_um_1880_.jpg
MeyerB February 21st, 2010, 01:33 PM @youngwoerth: wir können stolz auf einander sein..
@dakir: daaanke - hatte heute auch ständig das Problem!
youngwoerth February 21st, 2010, 01:34 PM Danke, Dakir! Ist aber schon etwas seltsam, weil dieses Problem bei mir bisher bei keinem anderen Forum im großen, weiten Internet aufgetaucht ist. Und auf Cookies hab ich eigentlich keine Lust, die werden bei mir ständig gelöscht...
MeyerB February 21st, 2010, 01:34 PM Sieht aus wie die Erlöserkirche.
Dakir@DD February 21st, 2010, 01:35 PM Aber aufpassen Jungs, Ihr müsst euch dann wieder ausloggen, ansonsten bleibt Ihr angemeldet...
Hier mal was informatives von der Stadt Dresden.
http://www.dresden.de/media/pdf/denkmal/VerloreneKirchen_72ES.pdf
Dakir@DD February 21st, 2010, 01:36 PM Sieht aus oder ist es...?
youngwoerth February 21st, 2010, 01:36 PM @Meyer: Dann sollte sich Erbse vielleicht mal Gedanken machen, wie das von Forenseite aus zu ändern ist. Auf meine Anfrage hin war er irgendwie nicht so recht motiviert... ;)
MeyerB February 21st, 2010, 01:39 PM @youngwoerth - nun scheint es ja Dank Dakir's Hinweis zu funktionieren - Gedanken sollte sich erbse vielleicht trotzdem machen - wenn man den Trick nicht kennt, ist es echt zum Haare Raufen.
@Dakir: es ist Möckel's Erlöserkirche - leider auch verschwunden.
youngwoerth February 21st, 2010, 01:39 PM @Dakir: Ist es.
Dakir@DD February 21st, 2010, 01:39 PM Sieht aus wie die Erlöserkirche
Stimmt auch wieder :applause:
Die Erlöserkirche war die Kirche der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde böhmischer Exilanten zu Dresden. Sie befand sich an der Paul-Gerhardt-Straße/Wittenberger Straße im Dresdner Stadtteil Striesen und war 1878–1880 von Gotthilf Ludwig Möckel im Stil der Neogotik erbaut worden. Bei den Luftangriffen auf Dresden 1945 wurde die Kirche zerstört und 1961/1962 abgetragen.
youngwoerth February 21st, 2010, 01:40 PM @youngwoerth - nun scheint es ja Dank Dakir's Hinweis zu funktionierenIch möchte aber, wie gesagt, keine Cookies auf meiner Festplatte sammeln...
Dakir@DD February 21st, 2010, 01:42 PM Falls du mit dem Explorer arbeitest:
Extras - Internetoptionen - Löschen
:)
MeyerB February 21st, 2010, 01:42 PM Stimmt - die braucht kein Mensch - youngwoerth und Meyer an erbse - wir hätten da mal was..
MeyerB February 21st, 2010, 01:54 PM Das bescheidene Trompeterschlößchen lassen wir nun hinter uns und werfen einen Blick auf ein prächtiges Neorenaissance Gebäude - ein Schloss? ein Ausstellungsgebäude? eine Bank? Anyone?
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1128.jpg
MeyerB February 21st, 2010, 02:50 PM Wasn los? Wurde doch erst 1894 abgerissen - erinnert sich niemand? Seid Ihr wirklich noch so jung?
youngwoerth February 21st, 2010, 03:02 PM Tschuldigung, war beim Waldschlösschen beschäftigt. ;)
Der Böhmische Bahnhof
1861/64
Von K.M. Haenel und Canzler
Abgetragen beim Neubau des Hauptbahnhofes
MeyerB February 21st, 2010, 03:04 PM Ja - fand ihn auch sehr schön - wirklich edles Bauwerk - war allerdings zu klein geworden.
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1129.jpg
MeyerB February 21st, 2010, 03:17 PM Das 19. Jh soll uns auch weiterhin beschäftigen - folgendes Gebäude war eher Durchschnitt - man sieht, dass sich damalige Massenware durchaus von heutiger unterscheidet..
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1130.jpg
MeyerB February 21st, 2010, 04:17 PM Wat los? Ist doch gar nicht so schwer - auf einem der vorherigen Fotos sieht man es ganz klein im Hintergrund - nun aber langsam in die Pantoffeln kommen, Leute!
Dakir@DD February 21st, 2010, 09:19 PM Dresdner Straßen im Barock jetzt als Stadtplan
Der Sonnenblumen-Verlag hat einen Stadtplan von 1755 herausgebracht. Er basiert auf einem Originalplan dieser Zeit.
Der Sonnenblumen-Verlag Dresden hat jetzt einen Stadtplan „Barockstadt Dresden 1755“ herausgegeben. Bei dieser Neuerscheinung handelt es sich um den Reprint eines colorierten Kupferstiches von Matthäus Seutter (1678 – 1757). Der Kartograf und Kupferstecher gründete nach seiner Rückkehr in seine Heimatstadt Augsburg um 1710 dort die Druckerei und den Verlag Seutter. Der Umschlag des Stadtplanes wurde mit typischen Abbildungen zum Dresdner Barock versehen. Er enthält einen kurzen Einführungstext in Deutsch und Englisch zu der für Dresden besonders wichtigen Bauepoche des Augusteischen Zeitalters der sächsischen Kurfürsten August I. und August II. Die Karte besitzt außerdem ein Straßen- und Gebäudeverzeichnis. Es ist bereits der neunte Stadtplan, den der Sonnenblumen-Verlag herausgibt. Möglich wurde die Herausgabe der ersten Reprintproduktion aus dem 18.Jahrhundert durch Auffinden einer außerordentlich seltenen Originalkarte in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB).
Die Karte gibt es als Faltkarte (neun Euro) oder als Poster (zwölf Euro) unter anderem in der Kunstbuchhandlung Walther König im Residenzschloss, Taschenberg2, und in der St.Benno-Buchhandlung, Schloßstraße 24. Außerdem kann die Karte direkt im Sonnenblumen-Verlag in der Heideparkstraße 16 bestellt werden.
www.altdresden.de
Sächsische Zeitung vom 22. Februar 2010
erbse February 21st, 2010, 09:20 PM ^ Klasse!
Prof. Dr. med. Meyer: Ich rate einfach mal ins Blaue - Umgebung des Albertplatzes?
youngwoerth February 21st, 2010, 09:51 PM Also ich habe hier einen Stadtplan aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Finde ich noch besser... ;)
Dakir@DD February 21st, 2010, 09:55 PM Also ich habe hier einen Stadtplan aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Finde ich noch besser...
Vom gleichen Verlag? Die bieten nämlich einen von 1930 an!
MeyerB February 22nd, 2010, 01:08 AM Naja, ich merke schon - es war den Herrschaften mal wieder zu popelig und einfach - wartet nur ab, bis die echt schweren Brocken kommen...
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1131.jpg
Hab da zu Hause einen Pharus Plan - besonders goldig sind die gemalten Sehenswürdigkeiten und die Bahnhofshallen - einfach liebevoll.
MeyerB February 22nd, 2010, 01:26 AM Er enthält einen kurzen Einführungstext in Deutsch und Englisch zu der für Dresden besonders wichtigen Bauepoche des Augusteischen Zeitalters der sächsischen Kurfürsten August I. und August II.
Das ist mal wieder typisch für die oberflächliche Zeitungsmache - es gab keine sächsischen Kurfürsten August I und August II, sondern nur polnische Könige mit den Namen August II und August III - besagte Kurfürsten (Personen natürlich identisch) nannten sich Friedrich August I und Friedrich August II - ist zwar nur marginal aber bezeichnend - mit Zahlen und Titeln nehmen sie es nicht besonders genau..
Wrba February 22nd, 2010, 08:54 AM @MeyerB: Du, ich wollte Dir mal für die schönen Bilder danken! Viele kannte ich in der Form noch gar nicht!
MeyerB February 22nd, 2010, 12:17 PM @Wrba: vielen Dank - es kommen noch 'n paar - ist mir ja lieber, wenn sie nicht nur im verstaubten Bücherschrank vor sich hingammeln.
MeyerB February 22nd, 2010, 01:53 PM So meine Lieben - das Montagsrätsel soll Euch nicht in geistige Unkosten stürzen - eine hübsche Parkanlage ist unser Thema - so etwas Reizvolles fehlt heutzutage überwiegend und sollte mit vergleichsweise geringen Mitteln wiederherstellbar sein - was meint Ihr?
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1134.jpg
erbse February 22nd, 2010, 02:30 PM Neustadt? Gehört der Park zu einem Palais o.ä.?
Stefanius February 22nd, 2010, 02:37 PM der Park hinterm Ausstellungspalast :-)
MeyerB February 22nd, 2010, 02:38 PM Nein, weder Neustadt noch Ausstellungspalast - der kleine Park befand sich auf Altstädter Seite und entstand durch Umwandlung von etwas Anderem - die ehemalige Verwendung spiegelte sich noch im Namen wieder.
erbse February 22nd, 2010, 02:41 PM Hinter dem Ausstellungspalast? Dieser großartige Prunkbau, an dessen Stelle sich heute die Gläserne Manufaktur von VW erhebt?
MeyerB February 22nd, 2010, 02:49 PM Nein, das Kleinod befand sich mehr in der Innenstadt - durch die Schaffung einer bestimmten Straße wurde die ehemalige Anlage obsolet und somit in den Park umgestaltet.
Der Ausstellungspalast ist einer meiner Lieblingshistorismusbauten - absolut genial und verspielt.
Stefanius February 22nd, 2010, 02:56 PM mmh jetzt wollte ich schon auf den Brühlschen Garten Tippen , aber nö
MeyerB February 22nd, 2010, 03:08 PM Fast - auf dem Bild des Gutschmid-Hauses in diesem Strang sieht man das ungewöhnliche Fortbewegungsmittel, von welchem die Anlage ihren Namen bezog.
http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?t=854826&page=7
Stefanius February 22nd, 2010, 03:17 PM Fährgarten ?
Gondelpark ? :-)
MeyerB February 22nd, 2010, 03:21 PM Es war der Gondelhafen an der Carolabrücke - wenigstens ein Teil davon müsste sich doch wiederherstellen lassen..
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1138.jpg
Stefanius February 22nd, 2010, 03:30 PM och ich bitte darum, ich möchte diese Gartenanlage, um den Venezianischen Biergarten erweitert--da unten wiedersehn... allerdings muss dafür gesorgt werden, dass das Biergarten Gebäude nicht von Herrn N und seinen Ku.L Kumpels gebaut wird. Sonst müssten wir wohl in der SZ lesen
"Venezianischer Biergarten eröffnet. Der Schankraum ist eine locker-leichte Interpretation des Gutfridschen Hauses, und zugleich eine Homeage an das alte Dresden."
Visualisierung-> http://waterboelles.de/bilder/stadt/bunker.jpg
MeyerB February 22nd, 2010, 05:23 PM Also das ist doch sehr apart - wäre allerdings zu schön für N's Schöpfungen - diese Höhe wird er wohl niemals erreichen..
MeyerB February 22nd, 2010, 06:12 PM Nach dem Gondelhafen betreten wir nun wieder einen kunstvollen Garten und verneigen unser Haupt ehrfürchtig vor einer Inkunabel der Dresdner Architektur - der Bau diente unzähligen Nachahmern als Vorlage, wurde aber in seiner Eleganz nie wieder erreicht - Dresden Liebhaber müssten ihn eigentlich kennen.
http://i883.photobucket.com/albums/ac36/Meyerbeer2010/APH/100_1146.jpg
youngwoerth February 22nd, 2010, 07:47 PM Ähnelt der Villa Rosa.
EDIT:
Ist aber die Villa Struve.
Prager Straße 18
11851/52 von Nicolai.
Wichtigster Villenbau Dresdens neben der Villa Rosa.
MeyerB February 22nd, 2010, 07:49 PM Ja, das stimmt - neben der Villa Rosa war sie der zweite Vorbildbau und wurde noch wesentlich öfter kopiert - nicht umsonst gelten Beide als Begründer der sog. Semper-Nicolai-Schule, der jeder damals angesehene Architekt in DD folgte.
|
|