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Old November 9th, 2009, 03:58 PM   #1
railcity
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Swiss Architects

Everything about Swiss architects, Swiss architect offices and other people/institutions influencing architecture - past, present and future
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Old November 9th, 2009, 04:03 PM   #2
railcity
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Dieses Thema hat irgendwie gefehlt. Es wurden zuvor auch schon Beiträge dazu im Neuigkeiten-Faden gepostet, aber Schweizer Architekten haben einen eigenen Thread verdient.

Hier gleich etwas Kontroverses zum Start:

Le Corbusier - Grossbaumeister des Faschismus
http://www.weltwoche.ch/ausgaben/200...aschismus.html
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Old November 9th, 2009, 05:01 PM   #3
earthJoker
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Wieso Lounge und nicht im "normalen" Schweiz Forum?

Ansonsten, gute Idee.
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Old November 11th, 2009, 04:55 PM   #4
U3065
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Dieses Thema hat irgendwie gefehlt. Es wurden zuvor auch schon Beiträge dazu im Neuigkeiten-Faden gepostet, aber Schweizer Architekten haben einen eigenen Thread verdient.

Hier gleich etwas Kontroverses zum Start:

Le Corbusier - Grossbaumeister des Faschismus
http://www.weltwoche.ch/ausgaben/200...aschismus.html
Ich denke über dieses Thema sollte man aus Prinzip nicht diskutieren. Weshalb? Weltwoche! Unseriös, inkompetent, polarisierend, rassistisch...

Le Corbusier war ganz bestimmt kein Faschist....
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Old November 11th, 2009, 06:46 PM   #5
U3065
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Ohne jetzt den Artikel gelesen zu haben: Es ist nichts neues, dass Corbusier mit dem Vichy-Regime zusammengearbeitet hat. Aber kaum aus ideologischen Gründen, sondern aus rein egoistischen. Er wollte bauen, er wollte tabula rasa machen und das war natürlich in einem diktatorischen Regime besonders günstig, deshalb hat er mit dem Regime zusammengearbeitet. Das kann man jetzt verteufeln oder man kanns nehmen wies ist: Egoistische Selbstverwirklichung. Wäre Corbusier kein Wahlfranzose, sondern Wahlrusse gewesen, hätte die Weltwoche bestimmt einen Artikel über den Kommunisten Corbusier schreiben können. Lustigerweise konnte Corbusier erst 1947 in Marseille seine Unité d'habitation errichten, als sozialer Wohnungsbau für die Kriegsobdachlosen für die demokratische Regierung.

btw. Ich finde diesen Thread super. Es gibt soo viele guten Schweizer Architekten. Nebst den gefeierten Stars meine ich jetzt.
Nur nicht falsch verstehen, den Thread finde ich auch super.
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Old November 11th, 2009, 06:47 PM   #6
chbis
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Ohne jetzt den Artikel gelesen zu haben: Es ist nichts neues, dass Corbusier mit dem Vichy-Regime zusammengearbeitet hat. Aber kaum aus ideologischen Gründen, sondern aus rein egoistischen. Er wollte bauen, er wollte tabula rasa machen und das war natürlich in einem diktatorischen Regime besonders günstig, deshalb hat er mit dem Regime zusammengearbeitet. Das kann man jetzt verteufeln oder man kanns nehmen wies ist: Egoistische Selbstverwirklichung. Wäre Corbusier kein Wahlfranzose, sondern Wahlrusse gewesen, hätte die Weltwoche bestimmt einen Artikel über den Kommunisten Corbusier schreiben können. Lustigerweise konnte Corbusier erst 1947 in Marseille seine Unité d'habitation errichten, als sozialer Wohnungsbau für die Kriegsobdachlosen für die demokratische Regierung.

btw. Ich finde diesen Thread super. Es gibt soo viele guten Schweizer Architekten. Nebst den gefeierten Stars meine ich jetzt.
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Old November 17th, 2009, 04:44 PM   #7
railcity
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Originally Posted by chbis View Post
Ohne jetzt den Artikel gelesen zu haben: Es ist nichts neues, dass Corbusier mit dem Vichy-Regime zusammengearbeitet hat. Aber kaum aus ideologischen Gründen, sondern aus rein egoistischen. Er wollte bauen, er wollte tabula rasa machen und das war natürlich in einem diktatorischen Regime besonders günstig, deshalb hat er mit dem Regime zusammengearbeitet. Das kann man jetzt verteufeln oder man kanns nehmen wies ist: Egoistische Selbstverwirklichung. Wäre Corbusier kein Wahlfranzose, sondern Wahlrusse gewesen, hätte die Weltwoche bestimmt einen Artikel über den Kommunisten Corbusier schreiben können. Lustigerweise konnte Corbusier erst 1947 in Marseille seine Unité d'habitation errichten, als sozialer Wohnungsbau für die Kriegsobdachlosen für die demokratische Regierung.
Ich sehe das skeptischer. Der „Egoismus“ von Corbusier ist geradezu typisch bzw. inhärent für die Ideologie der damaligen totalitären Regimes. Die Regimes bauten ihre Macht auf eben solchen Berufsleuten (Ärzte, Militärs, Juristen, Lehrer, Architekten) wie Corbusier auf, die die Chance sahen, in einer Diktatur ihre persönlichen Ideen vollständig und ungehindert durchzusetzen. Genau dieses „Tabula rasa“-Denken ist der eigentliche Kern all dieser Diktaturen. Sie sind geprägt vom fehlenden Respekt gegenüber der Kultur und den Ideen der Mitmenschen und früherer Generationen. Sie alle wollten einen „neuen Menschen“ und eine „neue Welt“ erschaffen – mit Gewalt. Die Judenverachtung von Corbusier ist keine Überraschung. Sie basiert auf demselben Tabula-rasa-Denken. Wenn einem etwas nicht passt, muss man es auslöschen, wenn nötig mit Gewalt – statt sich die Zeit zu nehmen, sich in mühsamer Kleinarbeit damit auseinanderzusetzen.

Gegen Innovation in der Architektur ist ja nun wirklich nichts einzuwenden. Die Frage ist aber, ob man bereit ist, auch andere Ideen und das Werk früherer Generationen zu respektieren und seine eigenen Ideen dazu in einen Kontext zu setzen, oder ob man den Boden unter den Füssen verliert und sich selbst zu einer Art Gott aufschwingt. Corbusier hatte wohl das „Glück“, dass der Krieg so ausging, wie er ausging. So wurde er durch das demokratische System domestiziert. Hätte Hitler gewonnen, wäre er womöglich zu einem Verbrecher gegen die Menschheit und die Europäische Kultur geworden, der für seine Ideen über Leichen gegangen wäre.

Natürlich hätte die Weltwoche bei einem Wahlrussen Corbusier vom Kommunisten gesprochen. Ist ja auch kein wesentlicher Unterschied. Der wesentlichste Unterschied der totalitären Regimes jener Zeit war das jeweilige Machtzentrum: Moskau, Berlin, Rom, und nicht zu vergessen: Tokyo. Alle vier Regimes propagierten die Allmacht des Staates gegenüber dem Individuum in allen wirtschaftlichen und sozialen Fragen, den totalitären Staat – sie waren also extrem links. Mit dem parallelen Aufstieg von Hitler und Stalin nahm auch der Rassismus als Staatsdoktrin eine immer wichtigere Rolle ein. Der Georgier Stalin und der dunkelhaarige Österreicher Hitler verübten beide Genozide an Nicht-Deutschen/Nicht-Russischen Völkern.

Dass Nationalsozialisten und Kommunisten sogar heute noch teilweise als gegensätzlich wahrgenommen werden, ist in erster Linie der damaligen Propaganda beider Seiten zu verdanken. Hitler verdankte seinen Aufstieg wesentlich der Angst der Deutschen vor der Moskau-gesteuerten „Roten Gefahr“. Stalin und der NKGB wiederum änderten 1941 nach dem Deutschen Überfall auf Russland ihre bisherige Kommunikation komplett und starteten eine massive Propaganda-Kampagne, in der sie begannen, auch die Deutschen Nationalsozialisten als „Faschisten“ zu bezeichnen. Dies einerseits, um die Kriegsgegner Italien, Deutschland und Japan unter einem Begriff zusammenzufassen, und andererseits um den Begriff „Sozialisten“ und die ideologische Nähe von Nationalsozialisten und Kommunisten zu kaschieren, und das vorhergehende Bündnis im Molotow-Ribbentrop-Pakt zu negieren.

Es ging dabei schlicht und einfach darum, die Russischen Soldaten zu motivieren, ihr Leben im Kampf gegen den „Faschismus“ zu opfern. Aus der Sicht Stalins ein verständlicher Vorgang. Weniger verständlich ist, dass diese kriegstaktische Russische Propaganda von 1941 seltsamerweise auch Anfang des 21.Jahrhunderts immer noch einen nicht unwesentlichen Einfluss auf den politischen Diskurs in Europa hat und viel Verwirrung stiftet.


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Originally Posted by earthJoker View Post
Wieso Lounge und nicht im "normalen" Schweiz Forum?
Ist mir im Prinzip egal. Aber so wie ich das verstehe, sind im normalen Forum diejenigen Projekte, die aus geografischen Gründen nicht in den Subforen Platz finden (z.B. Metro Bern). In der Swiss Lounge haben wir neben architektur-fremden Themen auch die Querschnitt-Themen zur Architektur und Raumplanung wie zum Beispiel „Ärmliche Vororte als Boden für Kreativität“, „Architektonische Juwelen in Kinofilmen“, „Finanzkrise – Auswirkungen auf Bauprojekte?“, oder eben Schweizer Architekten, etc.


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Originally Posted by U3065 View Post
Ich denke über dieses Thema sollte man aus Prinzip nicht diskutieren. Weshalb? Weltwoche! Unseriös, inkompetent, polarisierend, rassistisch...
Ist das Dein Ernst? Das einzige was halbwegs stimmt, ist „polarisierend“, wobei ich es eher „kritisch“ und „kontrovers“ nennen würde. Klar ist es für viele Linke nur schwer zu ertragen, dass es neben der Einheitsmeinung der marktbeherrschenden linken Medien wie SF, Radio DRS, Blick, Tages-Anzeiger und Le Temps auch noch eine andere Stimme gibt. Viele würden abweichende Meinungen am liebsten verbieten. Aber unterschiedliche Meinungen gehören nun mal zur Demokratie. Eine Publikation grundsätzlich nicht zu lesen, nur weil sie oftmals eine andere Meinung vertritt, zeugt nicht gerade von Selbstbewusstsein und Diskursfähigkeit. Auch braucht es kritische Medien, die Politikern und Magistraten aller Couleur genau auf die Finger schauen. Wenn harte Kritik und Polemik immer nur gegen Politiker der immer gleichen Parteien getrieben wird, und Politiker anderer Parteien, die bestimmt nicht weniger Fehler machen, mit Samthandschuhen angefasst werden, dann kann irgendetwas nicht mehr stimmen mit der Medienlandschaft.

Die Weltwoche ist übrigens ein echtes Autorenblatt. Ich kenne in der Schweiz kein Medium mit einer derart grossen Offenheit und politischen Bandbreite. Linke Politiker wie Jositsch oder Girod schreiben häufiger in der Weltwoche längere Artikel. Feministinnen präsentieren ihre Meinungen genauso wie Gewerkschafter ungeschminkt. Es gibt häufig Artikel mit Titeln wie:

- „Ganz ohne Leistungsdruck - Die Weltwoche will, dass die Reichen reich bleiben und die Armen arm. Die SP nicht – deshalb müssen in der Schule die Hausaufgaben abgeschafft werden.“ (Von Linda Bär)

- oder: „Die Jesuiten haben sich nicht dem Zeitgeist angepasst, wie die Weltwoche behauptet, sondern die wahren Absichten ihres Gründers wiederentdeckt: Ignatius von Loyola dachte global, und nicht bloss europäisch.“ (Von Franz-Xaver Hiestand)

(beide aus der aktuellen Ausgabe)

In obengenannten linken Medien wäre so etwas undenkbar! Diese nehmen zwar häufig Begriffe wie „Offenheit“ in den Mund, sind selber aber genau das Gegenteil. Die Kolumne von Christoph Mörgeli in der Weltwoche ist in linken Kreisen ein riesiges Thema. Man hat davon gehört. Gelesen hat sie allerdings kaum jemand, denn sonst hätte man entdeckt, dass seit Jahr und Tag auf der gleichen Seite Ex-SP-Präsident Peter Bodenmann seine ebenfalls sehr pointierte Kolumne aus linker Sicht schreibt (wohlgemerkt: Mörgeli hat eine Spalte, Bodenmann zwei Spalten plus Bild!).

Also: keine Angst. Du kommst nicht in die Hölle, wenn Du Texte mit dem Mainstream abweichenden Meinungen liest. Davon sind wir in Westeuropa eigentlich seit dem Zeitalter der Aufklärung überzeugt. Und KONKRETE Kritik an INHALTEN der Weltwoche- und anderer Artikel ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Denn so entsteht eine Diskussion.


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Originally Posted by U3065 View Post
Le Corbusier war ganz bestimmt kein Faschist....
Corbusier und Mussolini’s Faschisten haben sehr vieles gemeinsam. Stichwort: Futurismus.
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Last edited by railcity; November 17th, 2009 at 04:50 PM.
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Old November 18th, 2009, 12:13 AM   #8
steve5
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Originally Posted by railcity View Post
Alle vier Regimes propagierten die Allmacht des Staates gegenüber dem Individuum in allen wirtschaftlichen und sozialen Fragen, den totalitären Staat – sie waren also extrem links.

Nationalsozialismus = rechtsextrem
Kommunismus = linksextrem
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Old November 18th, 2009, 09:52 AM   #9
earthJoker
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Es ist ein kreis, geht man extrem ins linke kommt man rechts wieder raus.
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Old November 18th, 2009, 12:05 PM   #10
railcity
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Originally Posted by steve5 View Post

Nationalsozialismus = rechtsextrem
Kommunismus = linksextrem
Ich sags ja. Die taktische Russische Propaganda von 1941 sorgt in Europa auch im 21.Jahrhundert immer noch für Verwirrung….

Sowohl im Kommunismus wie auch im Nationalsozialismus wurde die Wirtschaft weitgehend der Kontrolle des Staates unterstellt.

Sowohl im Kommunismus wie auch im Nationalsozialismus wurde auch das soziale Leben, Freizeit oder Ferien verstaatlicht. Staatliche Ferienheime und Dampfschifffahrten. Kraft durch Freude oder wie das auch immer hiess.

Die Symbole, die Rituale, der Staatsaufbau, die Machtausübung – alles extrem ähnlich auf beiden Seiten.

Sowohl im Kommunismus wie auch im Nationalsozialismus wurden Juden, Homosexuelle und politisch Andersdenkende brutal verfolgt und getötet.

Beide Regimes gründeten ihre Macht auf einer brutalen Spezialpolizei.

Beide waren darauf bedacht, die Kirche zu neutralisieren und durch eine Art Ersatzreligion/Kult zu ersetzen.

Sowohl der Kommunismus als auch der Nationalsozialismus zielten darauf ab, die Individualität der Menschen zu brechen und diesen zu einem „neuen Menschen“ zu erziehen, der in erster Linie dem Staat dient.

Also, wo ist der Unterschied zwischen Kommunismus und Nationalsozialismus?

Was den Antisemitismus betrifft. Selbst heutige „Linksextreme“ sind mindestens so antisemitisch wie die „Rechtsextremen“. Sie nennen es einfach anders: Anti-Zionismus – unter Begriffen wie „Jüdisch-Amerikanische Weltverschwörung“.

Wie gesagt, die meisten Leute, die Nationalsozialisten als „Faschisten“ bezeichnen, sind sich nicht bewusst, dass dies auf Stalin’s Kriegs- (&Nachkriegs-)Propaganda beruht. Historisch korrekt ist sie nicht. Später wurde dann ja auch die Bundesrepublik Deutschland und ganz Westeuropa dem Faschismus zugerechnet gegen den der „Antifaschistische Schutzwall“ (die Berliner Mauer) errichtet wurde. Auch viele Westeuropäische Linke haben
beeinflusst durch Moskau und Ost-Berlin ihre eigenen demokratischen Regierungssysteme während den 60-er und 70-er Jahren als „faschistisch“ bezeichnet.

Links heisst möglichst viel Staat (wirtschaftsrestriktiv), rechts heisst möglichst wenig Staat (wirtschaftsliberal). Mehr Staat als im Nationalsozialismus geht kaum!

Es gibt noch eine zweite Dimension: konservativ (gesellschaftsrestriktiv)- progressiv (gesellschaftsliberal). Es gibt also beispielsweise links-konservative oder rechts-konservative.

heutige Sozialdemokraten und Grüne sind links-progressiv

SVP ist rechts-konservativ

Grünliberale sind rechts-progressiv

die FDP ist ebenfalls progressiv und ursprünglich klar rechts - allerdings rutscht etwa die Hälfte der Partei (bspw. Couchepin) immer weiter nach links

die CVP und vor allem die CSP und EVP gehen heute etwas in Richtung links-konservativ, sind aber eigentlich ziemlich in der Mitte

Nationalsozialisten und Kommunisten waren beide extrem links-konservativ

Progressiv bedeutet ein „Laissez-faire“ im gesellschaftlichen Bereich, ausgedrückt mit dem Satz „jeder soll nach seiner Façon selig werden“. Konservativ heisst, man hat mehr oder weniger klare Vorstellungen darüber, was ein „richtiges“ oder „ethisches“ Verhalten ist, wie die Bürger sein sollen oder nicht sein sollen. Dieses gesellschaftsrestriktive Element kann sehr unterschiedliche Formen annehmen. Das kann sich an einer Kultur, einer Religion, einer Sprache oder einer Ideologie orientieren.

Und das ist wahrscheinlich das, was in dieser Diskussion am meisten Verwirrung stiftet. Die SVP und die Kommunisten sind beide konservativ (gesellschaftsrestriktiv). Das heisst aber nicht, dass sie die gleichen Vorstellungen und Ideen haben, was „richtig“ ist. Sie sind einfach beide gegen ein gesellschaftliches „Laisser-faire“. Die SVP ist ein bisschen dagegen, die Kommunisten sind stark dagegen.

Es gibt da auch immer wieder Entwicklungen. Ursprünglich progressive Parteien können auch mit der Zeit konservativer werden, wenn sie die Träger der Leitkultur sind. Wenn sich beispielsweise viele Parteien heute dafür einsetzen, dass muslimische Mädchen den Schwimunterricht besuchen und keine Burka tragen sollen, dann ist das ein typisch schweizerisch-konservatives Anliegen. Man hat konkrete Vorstellungen wie die Menschen leben sollen und will nicht jeden einfach machen lassen, was er will. Es treffen in einer solchen Situation zwei konservative Anliegen aufeinander: das Schweizerische und dasjenige des Herkunftslandes. Wenn zwei unterschiedliche konservative Anliegen aufeinandertreffen, gibt es immer Konflikte. Wenn hingegen eine Seite oder beide Seiten progressiv sind, dann gibt es keine Konflikte. Wohlgemerkt: Konflikte müssen nicht grundsätzlich schlecht sein! Es kommt drauf an, wie sie ausgetragen werden.
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Last edited by railcity; November 18th, 2009 at 12:26 PM.
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Old November 18th, 2009, 11:23 PM   #11
chbis
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Originally Posted by railcity View Post
Ich sags ja. Die taktische Russische Propaganda von 1941 sorgt in Europa auch im 21.Jahrhundert immer noch für Verwirrung….

Sowohl im Kommunismus wie auch im Nationalsozialismus wurde die Wirtschaft weitgehend der Kontrolle des Staates unterstellt.

Sowohl im Kommunismus wie auch im Nationalsozialismus wurde auch das soziale Leben, Freizeit oder Ferien verstaatlicht. Staatliche Ferienheime und Dampfschifffahrten. Kraft durch Freude oder wie das auch immer hiess.

Die Symbole, die Rituale, der Staatsaufbau, die Machtausübung – alles extrem ähnlich auf beiden Seiten.

Sowohl im Kommunismus wie auch im Nationalsozialismus wurden Juden, Homosexuelle und politisch Andersdenkende brutal verfolgt und getötet.

Beide Regimes gründeten ihre Macht auf einer brutalen Spezialpolizei.

Beide waren darauf bedacht, die Kirche zu neutralisieren und durch eine Art Ersatzreligion/Kult zu ersetzen.

Sowohl der Kommunismus als auch der Nationalsozialismus zielten darauf ab, die Individualität der Menschen zu brechen und diesen zu einem „neuen Menschen“ zu erziehen, der in erster Linie dem Staat dient.
Sind das nicht einfach die Merkmale einer Diktatur? Diese Punkte haben ja leider nicht nur Nazis und Stalinisten für sich reserviert, die kommen in jedem diktatorischen Staat mehr oder weniger vor. Ich gehe davon aus, dass du vom Stalinismus sprichst, der Kommunismus an und für sich hat mit dem Nationalsozialismus nähmlich nichts zu tun.

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Links heisst möglichst viel Staat (wirtschaftsrestriktiv), rechts heisst möglichst wenig Staat (wirtschaftsliberal). Mehr Staat als im Nationalsozialismus geht kaum!
Das würde heissen, Anarchismus ist rechts?

Um auf Corbusier zurückzukommen: Obwohl der historische Kontext für das Verstehen seiner Arbeiten von Bedeutung ist, sollte die politische Gesinnung eines Architekten die Beurteilung seiner Arbeit nicht beeinflussen. Und dann ist Corbusiers Werk, wenn auch sehr kontrovers, sicher ein extrem wichtiger Beitrag der Architektur weltweit.
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Old November 19th, 2009, 01:13 AM   #12
steve5
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Also, wo ist der Unterschied zwischen Kommunismus und Nationalsozialismus?
Es gibt einen sehr grossen Unterschied, ich weiss aber nicht recht wie ich das erklären soll. Beim Nationalsozialismus kommt der Zusammenhalt der Nation an erster Stelle, beim Kommunismus die soziale Gerechtigkeit. Bei den Nazis wurde die eigene Nation als die beste dargestellt, bei den Kommunisten das politische System. Bei den Nazis waren nicht alle Gleichberechtigt, deshalb waren sie auch nicht sozial. Bei den Kommunisten werden alle gleich behandelt, wenn Kommunisten Juden oder Homosexuelle verfolgen, halten sie sich nicht an ihre eigene Ideologie.
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Old November 19th, 2009, 10:42 PM   #13
railcity
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Originally Posted by chbis View Post
Um auf Corbusier zurückzukommen: Obwohl der historische Kontext für das Verstehen seiner Arbeiten von Bedeutung ist, sollte die politische Gesinnung eines Architekten die Beurteilung seiner Arbeit nicht beeinflussen. Und dann ist Corbusiers Werk, wenn auch sehr kontrovers, sicher ein extrem wichtiger Beitrag der Architektur weltweit.
Der Beitrag ist sicher wichtig. Ich sage ja nicht, dass man Corbusier und sein Werk verteufeln soll. Trotzdem ist die politische Gesinnung von Bedeutung, umso mehr wenn man nicht nur die realisierten Bauten, sondern auch die Pläne zum Werk dazuzählt.


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Das würde heissen, Anarchismus ist rechts?
Genau. Anarchisten sind die eigentlichen Rechtsextremen. Ein Anarchist ist ein extremer Liberaler. Dass sie eine Zeit lang auch mal mit Linken gemeinsame Sache machten, lag am gemeinsamen Feind, den gemässigt-bürgerlichen Regierungen. Diese Oppositionssituation (unter anderem auf der Strasse) hat bei einigen Linken zu einer zeitweiligen Antipathie gegenüber der Polizei geführt, obwohl sie ja eigentlich für einen starken Staat eintreten (der gezwungenermassen auch eine starke Polizei braucht). Das hat sich aber natürlich wieder geändert, seit die Linken sehr stark oder gar dominant in den Regierungen vertreten sind. Bei den Rechten war es umgekehrt. Sie haben während der Zeit, als sie die Mehrheit hatten, aus der Situation heraus und entgegen ihrer eigentlichen Ideologie eine gewisse Sympathie für die Polizei entwickelt.


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Es gibt einen sehr grossen Unterschied, ich weiss aber nicht recht wie ich das erklären soll. Beim Nationalsozialismus kommt der Zusammenhalt der Nation an erster Stelle, beim Kommunismus die soziale Gerechtigkeit. Bei den Nazis wurde die eigene Nation als die beste dargestellt, bei den Kommunisten das politische System. Bei den Nazis waren nicht alle Gleichberechtigt, deshalb waren sie auch nicht sozial. Bei den Kommunisten werden alle gleich behandelt, wenn Kommunisten Juden oder Homosexuelle verfolgen, halten sie sich nicht an ihre eigene Ideologie.
Sorry, das stimmt nicht. Der Hass gegen die Juden war ein Teil der antikapitalistischen Rhetorik der Kommunisten (wie bei den Nazis) und die Kommunisten verfolgten von Anfang an die Vertreter sämtlicher Religionen auf brutalste Weise (weil sie in diesen eine Konkurrenz sahen). Das war durchaus Teil der eigenen Ideologie. Gleichberechtigung hatte Lenin nie beabsichtigt. Die Kommunistische Partei war von Anfang an darauf ausgelegt, eine neue Elite zu installieren mit Lenin an der Spitze. Als nach der Februarrevolution in Russland eine Übergangsregierung und ein Übergangsparlament entstand und im Herbst darauf die ersten demokratischen Wahlen in Russland kurz vor der Türe standen, erkannte Lenin die „Gefahr“ einer möglichen Demokratisierung Russlands und stürzte mit der Oktoberrevolution die Übergangsregierung wenige Wochen vor den Wahlen. Auch in der Sowjetunion waren die materiellen Unterschiede gross. Ob jemand von materiellen und anderen Vorteilen profitieren konnte, war einfach nicht mehr in erster Linie von der marktlichen Leistung, sondern von den richtigen Beziehungen in der Partei abhängig.

Wenn Du von Gleichbehandlung, Gleichberechtigung oder sozialer Gerechtigkeit sprichst, denkst Du wohl eher an die zum Teil etwas unlogischen Sozialistischen Utopien des 19.Jahrhunderts, welche als Vorlage für einen Staat nicht taugen. Sie haben aber zwei konkrete politischen Bewegungen inspiriert – die Kommunisten (totalitärer Staat, Diktatur mit Partei-Elite (Nomenklatura)) und die Sozialdemokratie (Implementierung einzelner Ideen im Rahmen der Demokratie). Wenn man es sich mal genau überlegt, kann es ein System, in dem alle Menschen materiell gleichgestellt sind, gar nicht geben. Die Frage kann also nicht sein „ob“, sondern nur „wie“ es zu den materiellen (und anderen) Unterschieden kommt.

„Soziale Gerechtigkeit“ klingt natürlich im ersten Moment gut. Im Endeffekt ist es aber nichts anderes als der (im Extremfall totalitäre) Eingriff des Staates in die Privatsphäre der Menschen. Menschen sind von Natur aus soziale Wesen. Die zeitliche, emotionelle und materielle Unterstützung, die beispielsweise Eltern ihren Kindern zukommen lassen, ist enorm. Auch werden Nachbarn und Freunde, karitative und humanitäre Zwecke unterstützt. Ein sozialistischer Staat zielt unter der Parole der „sozialen Gerechtigkeit“ darauf ab, diese privaten sozialen Tätigkeiten und Verbindungen weitgehend zu zerstören und das Soziale dem Staatsmonopol und der Bürokratie zu unterstellen. Die Kinder beispielsweise sollen vom Staat erzogen und unterstützt werden und nicht von den Eltern. Dadurch kann man natürlich die Menschen einfacher und früher indoktrinieren und vermindert die Unterschiede in den individuellen und familienspezifischen Biographien und Einstellungen. Gleichheit und Gerechtigkeit zielt immer in Richtung Gleichschaltung - einen Staat von identischen Klonen.


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Sind das nicht einfach die Merkmale einer Diktatur? Diese Punkte haben ja leider nicht nur Nazis und Stalinisten für sich reserviert, die kommen in jedem diktatorischen Staat mehr oder weniger vor. Ich gehe davon aus, dass du vom Stalinismus sprichst, der Kommunismus an und für sich hat mit dem Nationalsozialismus nähmlich nichts zu tun.
Sowohl Nationalsozialismus als auch Kommunismus waren streng antikapitalistisch und antidemokratisch. Die Nazis waren eine durch und durch auf sozialistischen Ideen basierende Partei. Das sieht man nicht nur am Namen – das „dritte Reich“ wurde Schritt für Schritt zu einem sozialistischen Staat umgebaut. Klar hat Hitler schlussendlich die Judenverfolgung auf die traurige Spitze getrieben und dadurch diesen Aspekt in den Vordergrund gerückt, aber lange vor ihm hat bereits Lenin Judenverfolgungen in Russland durchgeführt, und der war der Gründer der Kommunistischen Partei (zusammen übrigens unter anderem mit Stalin)! Lenin, Stalin, Hitler,… - alle machten sie Propaganda gegen die jüdisch-kapitalistische Weltverschwörung.

Als in Russland Stalin die Macht übernahm, war Hitler erst gerade aus der Haft entlassen worden und die NSDAP wurde neu gegründet. Stalin propagierte, teilweise gestützt auf Lenin, den sogenannten „Aufbau des Sozialismus in einem Land“, also den Nationalen Sozialismus! Etwas später wurde dieser National-Sozialismus in Russland bereits zur offiziellen Staatsdoktrin erklärt, zu einem Zeitpunkt als in Deutschland die NSDAP noch nicht mal an der Macht war!

Die Kommunisten führten den Imperialismus der Zaren fort. Einfach unter anderer Flagge. Das System war dabei das Mittel zur Propaganda. Kleinere Länder wurden zu Vasallen des Russischen Reiches, grössere Kommunistische Staaten wie das ambitionierte China hingegen wurden zu Erzfeinden. Das Verhältnis zwischen Russland und China war schlechter als dasjenige zwischen Russland und den USA! Auch den Russen ging es in erster Linie um ihre Nation, ihr Imperium und ihr Machtzentrum Moskau.
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Last edited by railcity; November 19th, 2009 at 10:49 PM.
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Old November 19th, 2009, 10:53 PM   #14
railcity
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Hier mal die aktuelle Liste von Schweizer Architekten aus wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kategor...izer_Architekt

Und hier der "Bau der Woche" von swiss-architects.com:
http://www.schweizer-architekten.ch/...iode%253Djahre
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Old November 19th, 2009, 11:20 PM   #15
steve5
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Sorry, das stimmt nicht. Der Hass gegen die Juden war ein Teil der antikapitalistischen Rhetorik der Kommunisten (wie bei den Nazis) und die Kommunisten verfolgten von Anfang an die Vertreter sämtlicher Religionen auf brutalste Weise (weil sie in diesen eine Konkurrenz sahen).
Warum haben sie dann während dem 2. Weltkrieg die Juden befreit?

Und wie siehts aus in Kuba? Ist es dort so wie ich es beschrieben habe?
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Old Yesterday, 09:09 AM   #16
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Warum haben sie dann während dem 2. Weltkrieg die Juden befreit?
Auch in der Sovietunion waren die Juden nicht frei. Sie wurden weiterhin unterdrückt. Natürlich nicht vergleichbar mit den zuständen in Nazi Deutschland.
Nach der auflösung der Sovietunion sind über eine Million Juden nach Isreal "geflüchted" dort machen russiche imigranten einen Sechstel der Bevölkerung aus!
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Old Yesterday, 01:04 PM   #17
railcity
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Warum haben sie dann während dem 2. Weltkrieg die Juden befreit?
Juden befreit? Das war ganz sicher nie das Ziel der Soviets.

Stalin und Hitler hatten beide Kriegspläne zur Eroberung des Europäischen Kontinents. Beide waren davon überzeugt, dass sie den jeweils anderen austricksen können. So schlossen sie erstmal den Molotov-Ribbentrop-Pakt ab, in dem sie Osteuropa untereinander aufteilten.

Als Hitler mit dem Überfall auf Russland Stalin zuvorkam, war das ein Riesenschock für diesen. Es durchkreuzte seine Pläne und er war zwei Tage lang erstmal nicht ansprechbar. Dank Hitlers Selbstüberschätzung (er mischte sich immer stärker in militärische Details ein) und dem enormen Einsatz von Millionen Menschenleben in der Roten Armee gelang es den Soviets letztlich die Kriegsgunst zu wenden. Gleichzeitig griffen die Alliierten von Westen an. Nun fand ein regelrechtes Wettrennen zwischen den Alliierten und den Soviets statt, wer zuerst in Berlin ist. Es ging dabei um die Nachkriegsordnung. An die Juden dachte in jenen Tagen nun wirklich kaum jemand.

Sicher ist: wären die Amerikaner nicht gekommen, hätte Stalin sein ursprüngliches Ziel von einem ganzen Europäischen Kontinent unter der Fuchtel Moskaus schlussendlich doch noch erreicht.

Du und ich wären möglicherweise stramme Pioniere geworden und hätten vielleicht in Afghanistan oder sonstwo unser Leben für das Imperium gelassen. Vielleicht hätten wir uns aber auch der Schweizer Alpen-Mujaheddin "Wilhelm Tell" angeschlossen, und gegen das Imperium gekämpft. Das werden wir nie wissen.

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Und wie siehts aus in Kuba? Ist es dort so wie ich es beschrieben habe?
Natürlich nicht. Kuba ist eine Zweiklassengesellschaft und war unter Fidel Castro ein Terror-Regime. Der Kommunismus ist wegen seines totalitären Anspruches gezwungenermassen immer eine Diktatur. Und eine Diktatur ist immer eine Zweiklassengesellschaft.

Vor der "Revolution" durch ein paar Halunken war Kuba zwar politisch noch nicht sehr stabil, allerdings ökonomisch für lateinamerikanische Verhältnisse sehr weit entwickelt und war sogar ein Einwanderungsland für viele Europäer. Danach wurde es eines der ärmsten Länder der Region. Insgesamt flüchtete wegen der Armut und Unterdrückung unter abenteuerlichen Umständen mehr als eine Million Menschen aus Kuba (10% der aktuellen Bevölkerung!), obwohl das sehr gefährlich war. Im Kalten Krieg hat Kuba mit dazu beigetragen, dass es beinahe zu einem Atomkrieg gekommen ist.
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