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Hannover » ÖPNV & Verkehr



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Old February 2nd, 2009, 05:22 PM   #41
Leine1977
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Originally Posted by jp80 View Post
Bis vor wenigen Monaten (insbesondere bevor ich dazugestoßen bin ;-) ) war das ja hier ein alleiniges Tummeln der Fraktion "Wir bauen das Vorkriegs-Hannover wieder auf" ;-)


Na na na, das ist aber sehr ironisch. KEINER hat dies jemals hier behauptet. Wir erinnern uns lediglich am Vorkriegszustand und dem ganzen Wirken Hillebrechts und betreiben damit Baugeschichte. Gibts doch zu, du findest das auch spannend, jp....

Es ist hier Forum-Konsens, dass vereinzelte Rekos und die Würdigung der Stadtbaugeschichte einer modernen Stadtbaukultur nicht entgegen stehen. Insofern gibt es hier auch keine Fraktionen.

Dass ich die Nachkriegsstadtplanung in Hannover als gescheitert betrachte, steht auf einem anderen Blatt...

Last edited by Leine1977; February 2nd, 2009 at 05:37 PM.
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Old February 2nd, 2009, 06:25 PM   #42
Lefthandy
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Wir mögen hier durchaus auch Nachkriegsarchitektur!

Den Oesterlen-Bau finde ich aber auch für die Architektur der 50er eher mittelprächtig. Vielleicht wird ihm zum Verhängnis, wofür man ihm eigentlich dankbar sein sollte: Eigentlich ist er ja eine Schlosserweiterung und daher fällt er gegenüber den originalen Schlossteilen doch sehr ab. Und wie gesagt: Es ist ja keinesfalls damit zu rechnen, dass das beim Neubau besser umgesetzt werden würde.

Kommt Zeit kommt Rat: Egal ob einem ein Baudenkmal - über dessen Stellenwert wir ja nun endgültig aufgeklärt wurden - nun gerade hübsch oder eher öde findet, sollte man es nicht so einfach abreissen. So schlimm sieht er ja auch nach heutigen Maßstäben nicht aus, eine Waschbetonburg wäre allemal schlimmer. Der Platz davor ist halt auch echt suboptimal gestaltet (gestutzte Bäume - fehlende Flusswasserkunst).

Das Nebeneinander von Flusswasserkunst und Oesterlen-Bau ist doch wahrlich eine versöhnliche Perspektive, zumal diese Konstellation für Oesterlens Entwurf ja auch grundlegend war.
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Old February 2nd, 2009, 07:53 PM   #43
jp80
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Originally Posted by Leine1977 View Post


Na na na, das ist aber sehr ironisch. KEINER hat dies jemals hier behauptet. Wir erinnern uns lediglich am Vorkriegszustand und dem ganzen Wirken Hillebrechts und betreiben damit Baugeschichte. Gibts doch zu, du findest das auch spannend, jp....
Ok, ok! Ich bekenne mich schuldig im Sinne der Anklage.
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Old February 2nd, 2009, 09:49 PM   #44
Leine1977
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Dann haben wir uns ja wieder lieb.

Last edited by erbse; February 4th, 2009 at 02:44 PM. Reason: UNNÖTIGES ZITAT
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Old February 2nd, 2009, 10:33 PM   #45
devilsadvocate
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Last edited by devilsadvocate; February 7th, 2009 at 12:17 AM.
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Old February 4th, 2009, 12:41 AM   #46
Mj. Orgasmatron I
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Danke an alle für die warmen Worte.

Das Problem mit Politik ist in diesem Fall ja, dass sich die Abgeordneten nicht rechtfertigen müssen, da sie denken, sie seien die Legislative, obwohl sie ja nur die Vertretung dieser sind. Normalerweise gibt es für jeden Scheiß Kontollorgane, nur bei der Denkmalpflege nicht. Die Regierung kann nämlich einfach über die Denkmalsbehörde sich ihre Abrissgenehmigung geben lassen, da diese ihr unterstellt ist.

Die einzige Kritik, die Ich am Rande von einer Architektin (Baujahr ~1945) vernommen habe, war auch die Kritik der Fassade. Ich kann das auch durchaus nachvollziehen, dennoch gehört der Bau eher in die gehobene Klasse der Gebäude. Es ist einfach schwierig, einen so gewachsenen Schlossbaukörper angemessen zu erweitern. Dadurch, dass man aber ein Schloss hat, dass so lange und auch so inhomogen gewachsen ist finde Ich das weniger schlimm. Das der Oesterlen-Bau unangenehm auffällt und das "Laves-Schloss stört kann man sicher nicht sagen. Perfektion kann man nie erwarten.

Ganz anders verhällt es sich mit den "städtebaulich guten" Proportionen des geplanten Neubaus, die bei einem Wettbewerb verbindlich werden sollen!:



Ich studiere zwar erst seit 5 semestern, habe noch keinen Entwurf, weder Hoch- noch Städtebaulich abgeschlossen, aber diese "Baumassenstudie" schreit so zum Himmel.

1. Gehört der Plenarsaal in das Gebäude, da nur dieses Gebäude Sitz des Souveräns über die Jahrhunderte war. Daneben kann jede x-beliebige Shopping-Mall stehen, weil knapp daneben einfach auch vorbei ist.
2. Hat das Leineschloss durch einen Neubau in der Form ergänzt zu werden, dass es seine Symmetrie "Beibehält". Die Anlage von Laves ist sehr klar und eindeutig und bietet eine schöne Grundlage.
3. Sollte ein Neubau in der gleichen "Haptik" ausgeführt werden, also kein unnötiger Kontrast durch Materialität auftreten. Glas is bäähhh.
4. Hat sich ein Landtagsgebäude auf den Außenraum zu beziehen, ein Eingang über einen Innenhof bewirkt das Gegenteil, weil Niemand einfach so in einen Innenhof marschiert (durch den Portius sehr wohl!). Man erreicht so nur Abschottung, auch wenn man vom Gegenteil redet. Das Glas, als Sinnbild für Transparenz und Demokratie ohnehin überstrapaziert wird hier zum schlechten Witz.
5. Es muss eine Überleitung zwischen Landschaft und Stadt geben. Eine Strasse, die bis zu einer gedachten Grenze eng ist und ohne "Vermittlung" abbricht hat keine räumliche Qualität. Eine Abfolge von Plätzen, die diesen Übergang gestalten ist wichtig, und auch klassizistisch, und auch in der Region mehrfach und genial zu finden.
6. Ein (klassizistisches) Schloss sollte immer als Solitär gedacht werden, und eher locker mit einer Stadt verbunden sein, da es ja meist "Parkgebäude" sind. Ein Anbau sollte es also nicht zu einem Baublock degradieren, sondern eher die Ambivalenz zwischen Stadt und Land(schaft) zeigen.


Das Gebäude entspricht sicher nicht mer dem Zeitgeschmack, klar und nicht wenige werden das schon in den 60ern nicht gemocht haben, Qualität muss man aber manchmal auch anerkennen und sein eigenes Empfinden und die Mode außer Acht lassen. Und genau dafür haben wir den Denkmalschutz. In der Nachkriegszeit wollte niemand in einem Altbau wohnen, und die Menschen haben sich um die Neubauten gerissen, die leichtfertigen Abrisse bereuen wir heute.
Ein Haus wie das meines Vaters z.B. entspricht überhaupt nicht dem, was Ich von einem Haus erwarte. Es ist dunkel, also wirklich stock-duster, die Decken sind für mich teilweise zu niedrig und Ich bin lediglich 1,80m groß, das Haus ist extrem hellhörig, man kann nur mit Mühe Bilder an die Wand hängen, oder Regale aufhängen, weil Lehmwände nix halten, es ist kalt und undicht. Dennoch habe Ich wirklich viel Mühe investiert um dieses Haus zu erhalten, bin während eines aufziehenden Gewitters auf den (ungedeckten) Dachstuhl gestiegen und habe ihn mit einer Plane abgedeckt, damit die Lehmdecken nicht aufweichen, Ich bin durch die Lehmdecken auch schon durchgebrochen und habe mich nicht wenig dabei verletzt, schlicht, weil Ich Respekt vor einem Gebäude habe, dass 220 Jahre steht und etlichen Menschen obdach gegeben hat, und bei verantwortungsvollen Besitzern auch noch geben wird. Wenn man sich so ein Denkmal anlacht, dann muss man damit leben.


Ein Modell des gesamten Landtagsgebäudes gibt es übrigends hier.

Ich habe bei mir an der Uni in Braunschweig mal die Lage sondiert und die Meinung über den Landtag und das Vorgehen des Landtages sind eindeutig, die meisten die das Gebäude kennen sind schlicht entsetzt. Ich habe schon ein paar Leute auf der Liste, die mit mir einen Verein gründen wollen, auch wenn wir uns über dessen Zweck noch nicht ganz im klaren sind. Auf jeden Fall regt sich Widerstand, leider noch nicht so viel aber Landesregierung ist ja auch sehr plötzlich mit ihrem Vorhaben an die Öffentlichkeit getreten, und die meisten (hier) wissen davon noch gar nichts.
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Old February 4th, 2009, 01:52 AM   #47
Leine1977
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Last edited by Leine1977; February 4th, 2009 at 10:51 AM.
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Old February 4th, 2009, 11:09 AM   #48
Leine1977
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Originally Posted by Mj. Orgasmatron I View Post
Die einzige Kritik, die Ich am Rande von einer Architektin (Baujahr ~1945) vernommen habe, war auch die Kritik der Fassade. Ich kann das auch durchaus nachvollziehen, dennoch gehört der Bau eher in die gehobene Klasse der Gebäude.
Überrascht mich in letzter Zeit. Ich hab den Plenarsaal immer als Ausrutscher gesehen und dachte es wäre eine provisorische Bausünde. Wenn man die Reaktion beim Jemen-Pavillion vergleicht, interessiert sich glaub ich kein Normalbürger für diesen grauen Kasten. Wahrscheinlich erkennt man das Besondere nur als "Experte".

Andererseits muss ich Dir recht geben. Vielleicht finden in 100 Jahren alle das Ding toll. Ich selbst schätze Oesterlen (leider) nicht.

Ich frage mich, warum kein Architektenverband auf die Barrikaden geht, wenn Gründerzeitler für das EAG geopfert werden oder das Regionshaus im Warmbüchenviertel?

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Originally Posted by Mj. Orgasmatron I View Post
1. Gehört der Plenarsaal in das Gebäude, da nur dieses Gebäude Sitz des Souveräns über die Jahrhunderte war. Daneben kann jede x-beliebige Shopping-Mall stehen, weil knapp daneben einfach auch vorbei ist.
Muss man hier aufpassen. Der Souverän war hier immer der König. Viele stören sich noch heute an der Monarchie. Im Grunde hast Du aber recht.

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Originally Posted by Mj. Orgasmatron I View Post
2. Hat das Leineschloss durch einen Neubau in der Form ergänzt zu werden, dass es seine Symmetrie "Beibehält". Die Anlage von Laves ist sehr klar und eindeutig und bietet eine schöne Grundlage.
Zustimmung!

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Originally Posted by Mj. Orgasmatron I View Post
3. Sollte ein Neubau in der gleichen "Haptik" ausgeführt werden, also kein unnötiger Kontrast durch Materialität auftreten. Glas is bäähhh.
Doppelte Zustimmung!! (Ich hasse Glasboxen)

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Originally Posted by Mj. Orgasmatron I View Post
Dennoch habe Ich wirklich viel Mühe investiert um dieses Haus zu erhalten,....
Find ich toll deine Bemühungen.

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Originally Posted by Mj. Orgasmatron I View Post
Ich habe bei mir an der Uni in Braunschweig mal die Lage sondiert und die Meinung über den Landtag und das Vorgehen des Landtages sind eindeutig, die meisten die das Gebäude kennen sind schlicht entsetzt.
In den Medien ist das Thema dennoch sehr präsent. Ironischerweise könnte die Flusswasserkunst dazu beitragen, den bisherigen Plenarsaalstandort zu retten.

Jetzt würde mich nur interessieren: würdet ihr als Architekturstudenten eine Rekonstruktion befürworten?
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Old February 4th, 2009, 11:49 AM   #49
burndown1977
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bißchen mehr ästhetik statt hohle, (pseudo-)intellektuelle schwafelei, was der architekt mit seinen gebäuden ausdrücken wollte, und die städte wären schöner! oft läuft es doch so: ein schuhkarton wird gebaut, weil der architekt nichts anderes kann, und schreibt dann aber megalange abhandlungen, was alles in die gebäude reininterpretiert werden MUSS, um den "künstlerischen" wert zu heben!

alles klar: ich kippe demnächst einen eimer farbe vor den landtag und bestehe darauf, dass es als kunstwerk geschützt wird, weil durch die zerfliessende struktur eine verbindung zwischen erdrotation und kosmos hergestellt wird. nehme ich zusätzlich noch die farbe rot, dann werden mit diesem kunstwerk, die brutalen gesellschaftlichen zusammenhänge dieser welt deutlich. in diesem kontext wird eine dauerhafte mahnung an die parlamentarier sichergestellt, die menschenwürde zu achten. um eine verbindung zur natur - dem ursprung alles lebens - zu gewährleisten, wird ein baum in die mitte gepflanzt. der zivilisatorische aspekt des kunstwerkes ergibt sich durch nacktbadende studenten (in der mobilen badewanne des schauspielhauses - selbstredend!), die aufgrund ihrer naiven jungfräulichkeit ohne scham, eine beziehung zu vorzivilisationären zeiten ergeben. ..... versteht sich von selbst, dass alle umliegenden gebäude abgerissen werden müssen, da sie den landschaftlichen bezug meines kunstwerks zur umwelt stören!!!

.... etwas fehlt noch: da es sich per definition noch um kein gebäude handelt, baue ich aus klinker einen schuhkarton drumherum und fertig ist das neue wahrzeichen hannovers

sarkasmus beiseite: wenn die architekten der nachkriegszeit nahezu ausschließlich die funktionalität ihrer gebäude hervorhoben, dann sollte man nachträglich nicht zwangsweise den künstlerischen wert dieser gebäude übertreiben, sondern sie vielmehr so sehen, wie sich gedacht waren: eng an die funktion geknüpfte zweckbauten! behandelt man den oesterlen-bau nach diesen maßstäben, dann wäre ein verlust dieses reinen zweckbaus vertretbar!

man kann nicht einerseits eine radikale funktions-rationalität ohne ästhetischen bau-firlefanz (u.a. der stilplunder nach hillebrecht) mit der hervorhebung des reinen gebäude-nutzens fordern und anschließend den "künstlerischen" wert würdigen, so dass die gebäude als denkmal erhalten bleiben müssen! zweckbauten haben ihre daseinsberechtigung verloren, wenn die gebäudetechnik in einem ökonomisch sinnvollen rahmen nicht mehr auf den aktuellen stand gehalten werden kann.


zu Orgasmatron: deine Aussage in Punkt 6 ist absolut korrekt, wobei man aber anmerken muss, dass erst im heutigen zustand durch den oesterlen-anbau das schlossareal zu einem reinen baublock degradiert wird!

Last edited by burndown1977; February 6th, 2009 at 07:51 PM.
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Old February 4th, 2009, 12:48 PM   #50
Mj. Orgasmatron I
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Rekos sind so eine Sache. Man muss halt klar zwischen Rekonstruktion und Nachbildung unterscheiden. Bei einer Rekonstruktion hat man immer einen mehr oder weniger großen Anteil an Bausubstanz von dem man auf das Aussehen des ganzen Gebäudes schließen kann, eine Nachbildung ist mehr oder minder ein Glücksspiel, bei dem man versucht ein Gebäude neu zu erfinden. Z.B. kenne Ich einge Fälle in Braunschweig, bei denen lange Fachwerkhäuser mit mehr als 10 Achsen auf 4 gekürzt wurden. Die Flächen der abgerissenen Teile sind oft frei von Bebauung, und die übrig gebliebenen 4 Achsen leiden sehr darunter, das ihnen der Rest fehlt, sei es weil dort die Treppe drin war, die heute auf dem Hof steht, oder weil Räume halbiert wurden. Bei so einem Fall habe Ich gar keine Probleme, wenn man sich ein paar polnische (weil gute) Handwerker holt und die übrigen Achsen ergänzt. Ich finde es ganz im Gegenteil überaus wünschenswert das zu machen. Nur sollte man auch erkennen, dass es neu ist, z.B. ein anderss Holz verwenden, dass sich nur leicht abhebt, aber zeigt, dass die beiden Teile nicht gleichwertig sind.

Dann gibt es noch den Fall, bei dem man ein Fragment (ein überaus wichtiges) vom Gebäude übrig hat und nicht auf den Gesamtbau schließen kann. Es überrascht viele, wenn man sagt, dass Braunschweig überweigend aus Bürgerhäusern bestand, die barock waren, oder zumindest barock überformt. Diese waren immer sehr schlicht, hatten aber ein sehr prachtvolles Portal. Von diesen Portalen gibt es circa 30 die ohne echte Bleibe sind. DIe kann man wieder an den Ursprungsort stellen und dann das Gebäude das ja sehr schlicht war nachbilden, oder an einem anderen Standort, in einen Neubau als Spolie integrieren. Auch das finde Ich überaus wünschenswert.
Bei einer reinen Nachbildung muss man schon was finden um es mir schmackhaft zu machen.

Das Knochenhauersamtshaus in Hildesheim ist so ein Fall. Bis zu dem "Bau" dieses Gebäudes war es laut DIN verboten Holz als Verbindungsmittel zu benutzen, einfach weil es brennt, obwohl es teilweise brandsicherer als Stahlbeton ist. Die Leute die das Haus nachgebildet haben haben darauf gepocht, eine Nagelfreie Konstruktion zu machen, haben in zahlreichen Tests die Standsicherheit und Brandsicherheit nachgewiesen und sich durchgesetzt. Alleine deshalb hat es sich gelohnt.

So ein Fall wäre auch, dass man ein Gebäude Nachbaut, sozusagen als Anschauungsexemplar und daraufhin einige Neubauten in konstruktiver Holzbauweise errichtet. Das würde in unserern ehemaligen Fachwerkstädten dieseBauweise wieder beleben, und hätte mehr "Tradition" als das vorblenden von Fachwerk vor Beton.

Andere Gründe können Städtebauliche sein, oder symbolische, oder die überragende Bedeutung eines Gebäudes. Besonders Bedeutende Gebäude sollte man natürlich eher wieder aufbauen, als weniger, bzw. bedeutende kann man auch nach längerer Zeit noch aufbauen, bei den "Füllbauten" dazwischen wirkt es etwas lächerlich.

In Hannover kenne Ich mich nicht so gut aus, deshalb kann Ich das nicht beurteilen. Ich weiß, dass es die Hannoversche Schule gab, die durchaus mehr Qualität hervorgebracht hat, als die Gründerzeit in anderen Städten, weiß aber nicht, ob man die FWK dazu zählen kann. Würde man ein Gebäude der Hannoverschen Schule rekonstruieren, und den Hannoveranern zeigen, was dabei die Besonderheiten sind, die ihre Stadt geprägt haben, dann kann das dazu führen, dass sie vielleicht auch mehr auf Qualität achten und bauen. Das sie also "Tugenden" die für Hannover typisch sind, also der handwerkliche Umgang mit dem Ziegelstein, oder eine weniger ornamentele dafür konstruktive Formensprache, in ihren Häusern umsetzen. Das hätte für mich dann wieder einen Mehrwert, der über den Wert des eigentlichen Gebäudes hinausgeht.

Würde man den Plenarsaal erhalten, wäre das auch ein Mehrwert, mit dem Ich dann leben könnte. Ansonsten finde Ich die FWK so schön nicht, und Ich finde diese gotische Prunkburg (nicht negativ gemeint) beißt sich ein wenig mit den schlichten, klassizistischen Gebäuden drum herum. Die neogotische Architektur der Gründerzeit war ja auch als Gegenpol zu den Lavesschen Bauten gedacht, und so kommt sie für mich immer noch rüber. Ich habe mich mit der FWK auch nicht besonders beschäfftigt.

Aber wie gesagt: Ich will den Plenarsaal erhalten, dafür steig Ich mit so ziemlich jedem ins Bett.
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Old February 4th, 2009, 12:51 PM   #51
burndown1977
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.... fragt sich jetzt nur, wo der nutzen für unseren verein liegen soll !? die aussagen erinneren mich stark an hillebrecht - willst du uns zwangsarbeiter für den wiederaufbau zur verfügung stellen, wenn wir die FWK ohne stilplunder rekonstruieren??
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Old February 4th, 2009, 12:57 PM   #52
burndown1977
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Originally Posted by Mj. Orgasmatron I View Post
Aber wie gesagt: Ich will den Plenarsaal erhalten, dafür steig Ich mit so ziemlich jedem ins Bett.
..dass sich architekten gerne prostituieren, war mir bereits bekannt


........ also jetzt ernsthaft: das war wirklich nur ein scherz!!

Last edited by burndown1977; February 6th, 2009 at 08:08 PM.
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Old February 4th, 2009, 01:28 PM   #53
Mj. Orgasmatron I
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Es ist wohl immer das Schicksal einiger mit der Kunst und der Architektur nach den extremen hin zu niegen und wie ein Fähnchen im Wind nur die Richtung von der Mitte weg zu zeigen. Ungleich schwieriger macht men es nur denen, die versuchen Ideologie und Extremismus zu bekämpfen und den Ausgleich suchen. Mal zeigt das Fähnchen hin zum Stilplunder, mal zum aesthetiklosen Zweckbau, aber das Fähnchen ist das gleiche. 60 Jahre früher geboren, und Hillebrecht hätte dich zu seinem Pressesprecher gemacht, und Du hättest genausowenig gewusst was Du tust, wie Heute. Außer Bilderstürmerei wird man sich an nichts erinnern. Fast so wie bei Hillebrecht.
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Old February 4th, 2009, 02:43 PM   #54
erbse
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Als Außenstehender erkenne ich keinerlei architektonisch herausragende Qualität im derzeitigen Plenarsaal-Anbau am Leineschloss. Da gibt es nichts, was den Erhalt um jeden Preis rechtfertigen würde.

Die ideale Variante wäre mE der baldmögliche Abriss des Landtaganbaus und die Vollendung des Leineschlosses im Sinne von Laves, wie es ursprünglich vorgesehen war. So wird das Gesamtkunstwerk Leineschloss endlich vollendet, es bleibt genug Platz für die Flusswasserkunst, es gibt keine neue Bausünde, das Hannoveraner Stadtbild wird enorm bereichert, es ist eine allen Ansprüchen genügende Gestaltung möglich und Niedersachsen hat endlich einen würdigen, repräsentativen Landtag.

Welche Variante brächte sonst derart viele Vorteile? Alles andere wäre doch auch wieder nur eine temporäre Lösung, bis man sich letztenendes für die optimale Lösung entscheidet.
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Old February 4th, 2009, 02:51 PM   #55
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@Mj. Orgasmatron I: Danke für deinen ausführlichen Kommentar. Finde ich gut, dass du Rekonstruktionen nicht pauschal ablehnst (hab ich so rausgelesen).

Die FWK ist nicht von der hannoverschen Schule. Sie ist Neo-Renaissance von Hubert Stier und vielleicht gerade deswegen beseitigt worden. Noch heute stören sich viele Architekten an solchen Bauwerken. Aus Fachsicht vielleicht bedingt nachvollziehbar. Mich persönlich hat das Bauwerk immer fasziniert.

Tja, von der hannoverschen Schule ist auch viel beseitigt worden (Architekten L. Droste, C. Hase, ...). Leider vieles Profanbauten, deren Bauplatz heute besetzt ist. Da wird es schwierig. Dabei war Hannover eigentlich bekannt für seine Neo-Gotik - oder auch Hasik genannt.

Last edited by Leine1977; February 4th, 2009 at 02:59 PM.
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Old February 4th, 2009, 02:58 PM   #56
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Originally Posted by erbse View Post
Als Außenstehender erkenne ich keinerlei architektonisch herausragende Qualität im derzeitigen Plenarsaal-Anbau am Leineschloss. Da gibt es nichts, was den Erhalt um jeden Preis rechtfertigen würde.
Wie gesagt, dachte ich auch immer. Aber will nicht so streng urteilen wie R. Hillebrecht. Vielleicht sollte er doch erhalten werden?

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Originally Posted by erbse View Post
Die ideale Variante wäre mE der baldmögliche Abriss des Landtaganbaus und die Vollendung des Leineschlosses im Sinne von Laves, wie es ursprünglich vorgesehen war. So wird das Gesamtkunstwerk Leineschloss endlich vollendet,
Zugegeben, finde ich auch am besten.
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Old February 4th, 2009, 08:33 PM   #57
devilsadvocate
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Originally Posted by erbse View Post
Als Außenstehender erkenne ich keinerlei architektonisch herausragende Qualität im derzeitigen Plenarsaal-Anbau am Leineschloss. Da gibt es nichts, was den Erhalt um jeden Preis rechtfertigen würde.

Die ideale Variante wäre mE der baldmögliche Abriss des Landtaganbaus und die Vollendung des Leineschlosses im Sinne von Laves, wie es ursprünglich vorgesehen war. So wird das Gesamtkunstwerk Leineschloss endlich vollendet, es bleibt genug Platz für die Flusswasserkunst, es gibt keine neue Bausünde, das Hannoveraner Stadtbild wird enorm bereichert, es ist eine allen Ansprüchen genügende Gestaltung möglich und Niedersachsen hat endlich einen würdigen, repräsentativen Landtag.

Welche Variante brächte sonst derart viele Vorteile? Alles andere wäre doch auch wieder nur eine temporäre Lösung, bis man sich letztenendes für die optimale Lösung entscheidet.
Meine absolute Zustimmung! Ich weiß einfach nicht, wie sowas komplett ignoriert werden kann!
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Old February 4th, 2009, 09:21 PM   #58
Squig
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Ich bin zwiegespalten. Zum einen find ich den Plenarsaal von außen alles andere als hübsch. Auf der anderen Seite wäre alles außer der Vollendung von Laves Architektur eine Verschlimmbesserung, dann lieber sanieren.
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Old February 4th, 2009, 10:42 PM   #59
telemaxx
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Eigentlich müsste man erste Realisierungspläne abwarten, bevor man urteilt.
Allein von der anderen Kubatur auszugehen, finde ich schwierig (trotz deiner zum Teil nachvollziehbaren Argumente, Mj. Orgasmatron I).

Den jetzigen Zustand zu begrüßen, weil er die Symmetrie des Schlosses einhält, halte ich für nichtig, weil von außen eher der Eindruck eines unpassenden Anbaus entsteht.
Den Plenarsaal zu erhalten, weil Oesterlen damit das Leineschloss gerettet hat (stellt euch einmal vor Hillebrecht hätte sich hier auch noch durchgesetzt!!!), darf als Argument allerdings auch nicht gelten.

Zuletzt möchte ich aber auch noch anmerken, dass die meisten Oesterlens Kröpcke-Café vermissen, das zugunsten des Tonnencafés abgerissen wurde.
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Old February 4th, 2009, 11:51 PM   #60
burndown1977
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Originally Posted by Mj. Orgasmatron I View Post
Es ist wohl immer das Schicksal einiger mit der Kunst und der Architektur nach den extremen hin zu niegen und wie ein Fähnchen im Wind nur die Richtung von der Mitte weg zu zeigen. Ungleich schwieriger macht men es nur denen, die versuchen Ideologie und Extremismus zu bekämpfen und den Ausgleich suchen. Mal zeigt das Fähnchen hin zum Stilplunder, mal zum aesthetiklosen Zweckbau, aber das Fähnchen ist das gleiche. 60 Jahre früher geboren, und Hillebrecht hätte dich zu seinem Pressesprecher gemacht, und Du hättest genausowenig gewusst was Du tust, wie Heute. Außer Bilderstürmerei wird man sich an nichts erinnern. Fast so wie bei Hillebrecht.
man muss einfach nur in der lage sein, zwischen banaler und herausragender architektur unterscheiden zu können. zugegeben sind die grenzen subjektiv verschwommen, aber es ist nun einmal so, dass besonders bei öffentlichen bauten der nachkriegszeit wenig wert auf ästhetik und vielmehr gewicht auf niedrige baukosten gelegt wurde. der plenarsaal ist als schlichter zweckbau errichtet worden und besticht nicht unbedingt durch seine qualität (sowohl von aussen als auch von innen). die unternehmenszentralen der nachkriegszeit (v.a. nord/LB, aber auch conti oder preussag) sind da eine andere klasse - wahrscheinlich, weil die gebäude auch etwas mehr kosten durften und die repräsentation des unternehmens eine wichtige rolle spielte.

verständlich, dass es architekten schmerzt, wenn ihnen banalität vorgeworfen wird und ein gebäude ihrer schöngefärbten existenzberechtigungsrederei weichen muss. den status quo des wiederaufbaus erhalten zu wollen, ist jedoch eindeutig ein irrweg. die aufregung von architekten ist nachzuvollziehen, da entscheidungsträger in ihren verbänden oft genug fehler des städtebaus mit zu verantworten hatten. vielleicht haben sie auch nur angst, dass ihre rücksichtslosigkeit gegenüber bauten vergangener epochen sich nunmehr auf ihre eigenen gebäude überträgt. sie verkennen, dass standesfremde personen nicht eine vergleichbare ideologisierte hybris zeigen, sondern sich viel objektiver dem sachverhalt nähern (was hier im forum übrigens sehr deutlich wird).

im gegensatz zur hillebrecht-ideologie mit ihrer fanatisierten architektenschaft ist für viele interessierte bürger heutzutage nicht "bilderstürmerei" gegenstand einer zukunftsweisenden stadtplanung, sondern der wunsch nach einer stetigen, städtebaulichen verbesserung mit zunehmender qualiät der gebäude. man kann es auch als unbefangene objektivität bezeichnen. bauten der nachkriegszeit werden aus baulicher sicht genauso beurteilt wie gebäude der 30er und 40er jahre oder älterer stilepochen. dass dies dem architekten-drang nach gekünstelter darstellung von intellektualität widerspricht, ist nachvollziehbar - worüber sollte man sich auch geistig übergeben, wenn man beim kern des sachverhalts bleiben soll?

ich wäre auch kein guter pressesprecher von hillebrecht gewesen. weder hätte ich seine nazi-ideologie noch seine rücksichtslose verachtung gegenüber vergangene epochen geteilt. ebenfalls wäre mir bewusst gewesen, wie sehr seine planung den rest historischer stadtstruktur unwiderbringlich zerstört. besonders aufgrund des enormen, kriegsbedingeten verlustes hätte wesentlich feinfühliger vorgegangen werden müssen.

wäre der plenarsaal eines der wenigen zeugnisse seiner zeit, würde ich mich wahrscheinlich auch gegen einen abriss wehren. da die stadt aber voll von baulicher banalität dieser ära ist, erscheint ein verlust zweifelsfrei hinnehmbar, zumal wenn sich daraus eine verbesserung der standörtlichen situation ergibt.

Last edited by burndown1977; February 6th, 2009 at 07:26 PM.
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