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Old July 1st, 2011, 08:16 AM   #61
hausmeister
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Eingentlich mag ich den Gedanken mit der Sprengung. Der Kopfbau ist ja schon nett anzusehen und eine schöne Kulisse fürs Tattoo. Aber letzlich eine Mauer. Wenn man das Erdgeschoss wenigsten für Restaurants und bars nutzen würde, gegen den Rhein und gegen das Kasernenareal.

Last edited by hausmeister; July 1st, 2011 at 08:21 AM.
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Old July 1st, 2011, 03:41 PM   #62
Turm zu Basel
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Ist eigentlich die unten verlinkte Variante aus dem Rennen, da baulich nicht möglich oder so?

http://www.google.ch/imgres?imgurl=h...0&tx=93&ty=112
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Old July 1st, 2011, 04:05 PM   #63
trauch
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Originally Posted by Turm zu Basel View Post
Ist eigentlich die unten verlinkte Variante aus dem Rennen, da baulich nicht möglich oder so?
Ist wohl eher ein Werbebild als eine echte Variante... Nicht nur aus statischen Gründen unmöglich sondern auch noch hässlich ;-) Dann doch lieber gleich ganz weg mit dem Ding. Aber ich bleibe bei meiner Meinung: Sprengung nur, wenn ein Konzerthaus an diese Stelle gebaut wird, sonst lieber für die Alternativszene erhalten und im Parterre Kaffees, Ateliers etc. rein und durchlässig gestalten, z.B. mit grosszügiger Verglasung und einer breiten Treppe Richtung Rhein.
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Old September 5th, 2011, 05:37 PM   #64
Don Calo
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«Das Kasernenareal ist keine Abstellkammer»

Weniger Löcher – mehr Brainstorming

von Christoph Meury


«Das Kasernenareal lässt, wie damals, als es um die Neukonzeption der Kaserne Basel ging, niemanden unberührt. Alle verhalten sich dazu und haben entsprechende Gestaltungsideen. En vogue sind zur Zeit Durchbrüche aller Art. Bei soviel baulichem Eifer und Aktionismus geraten die Denkmalpflege und ihre Gralshüter akut in Panik. Sie wollen den Schutzmantel des Denkmalschutzes über die Gesamtanlage ausbreiten, um Schlimmes zu verhindern. Lieber eine denkmalgeschützte, sinnentleerte Militäranlage statt Veränderungen und Weiterentwicklungen aller Art. Lieber ein Exerzierplatz als ein Stadtpark.

Um diesem werterhaltenden Ansinnen bereits Kontur zu verleihen, wird seit einem Jahr rund um das Areal saniert, was das Zeug hält. Zuerst wurden die Katakomben unserer Künstlergilde wieder auf Hochglanz und damit auf Prospekttauglichkeit poliert. Jetzt können die Künstlerinnen und Künstler wieder standesgemäss hofieren. Es war ja vorher ein Graus, in welch «Löchern» unsere Kreativen arbeiten mussten. Kein Wunder, konnten sie sich in der Öffentlichkeit nicht mehr zeigen… Jetzt wird dies alles ganz anders. Besser!

Im Moment wird die Klingental-Turnhalle aufgepeppt. Damit wird auch dem Boxclub die Fassade «poliert», respektive saniert. Das staatliche Zeichen ist klar: Es bleibt alles, wie es ist. Ende der Diskussion.

Gut unterrichtete Kreise wissen auch, dass die rheinseitige Fassade des Hauptbaus demnächst aufgefrischt werden soll. Urplötzlich ist nämlich der Liegenschaftsverwaltung zu Ohren gekommen, dass herunterfallende Steine eine akute Gefahr darstellen könnten. Damit ist die aufgekeimte Durchbruchs-Diskussion obsolet geworden. Denn wer will einer frisch (und vermutlich teuer) sanierten Fassade an die Wäsche. Da wäre jeder Durchbruch ein Sakrileg. Dies ganz im Sinne der Denkmalpflege.

(Kleiner Exkurs: Die Herren der Denkmalpflege konnten im Übrigen bis dato öffentlich noch nicht plausibel erklären, wieso die hässliche Militäranlage (rund 200 Jahre in Betrieb) für das Stadtbild und das kulturelle und historische Verständnis der Stadt wichtiger ist als die ehemalige Klosteranlage (300 Jahre im Dienste der Allgemeinheit). Ich wäre um Aufklärung froh. Danke.)

Wir sehen, die staatliche Verwaltung ist aktiv wie selten. Dabei kommuniziert der Stadtpräsident, dass noch gar nichts fixiert worden ist, und dass es oberste Bürgerpflicht ist, aktiv an der Bauplanung und Neukonzeption teilzunehmen.

Ein klandestines interdepartementales Gremium ist (unter Ausschluss der Öffentlichkeit) unterwegs, um Vorschläge für die Hauptbau-«Restverwertung», sprich: Nutzung, zu machen. Ein seitlicher Durchbruch ist das Fazit jahrelanger Bemühungen um die Gesamtplanung. Im Klartext: Der Berg hat eine Zwergmaus geboren. Heureka!

Das heisst, wir sind immer noch weit weg von einer inhaltlichen und architektonischen Gesamtplanung. Dabei: Das Kasernenareal hätte verdammt viel Potenzial. Der ehemalige Klostergarten (vermutlich unter dem Teerplatz liegend) könnte mit neuem Sinn als Stadtpark wieder auferstehen. Die jetzige Nutzung als offene Mehrzweckhalle (mit Parkplatz-Option) ist ein Jammer. Hier fühlt sich definitiv niemand wohl.

Ich plädiere dringend für eine Sicht auf das Ganze. Dazu gehört, dass sich alle bisherigen Nutzerinnen und Nutzer nochmals auf einen Prüfstand stellen müssen. Das ist nötig, um endlich von der bisherigen Pfrundbewirtschaftung Abstand zu nehmen und von der renitenten Verteidigung der angestammten Claims wegzukommen. Neue Aktivitäten und neue Nutzungen müssen zur Diskussion gestellt werden. Es müssen auch neue Generationen von Künstlerinnen und Künstler und Nutzer aller Art eine Chance haben.

Das Künstler-Seniorenheim in der ehemaligen Klosterkirche hat sich dabei mit Sicherheit überlebt. Künstlerateliers müssen nicht mitten in der Stadt gehalten werden. Das Dreispitzareal ist dafür äusserst prädestiniert. Die Christoph Merian Stiftung hat dort vorgemacht, was die Stadt schon längst hätte machen müssen.

Wettbewerb! Das Kasernenareal braucht endlich mehr Wettbewerb. Die Räumlichkeiten im Hauptbau dürfen nur in einer Wettbewerbssituation vergeben werden. Wichtiges Kriterium dabei: öffentliche Relevanz. Und zwingend: Die Räumlichkeiten dürfen nur für ein begrenztes Zeitfenster vermietet werden. Die Attraktivität, die Lage, die Exklusivität des Hauptbaus ist exorbitant. Stellt euch einmal vor, was hier der Quadratmeter Verkaufsfläche kosten würde…. Nein, ich will keine kommerzielle Nutzung. Ich möchte aber, dass dieser rare Raum bewusst und mit einem klaren Ziel und Zweck vergeben wird. Keine Verschwendung von wertvollen Raum-Ressourcen. Dieser Raum darf nicht für langweilige Büros, Lager- und Atelierräume missbraucht werden. Das wäre ein Affront gegenüber der Öffentlichkeit, dem Steuerzahler.

Nach solchen Kriterien wäre es künftig nicht mehr möglich, dass eine Modefachklasse («Institute for Fashion Design» der FHNW Basel) – unter völligem Ausschluss der Öffentlichkeit (weiss einer, dass die fast das ganze Gebäude belegen?) – ein bisschen im Bereich «Mode» herumbastelt.

Hallo Freunde: Bitte aufwachen!

Das Kasernenareal ist keine Abstellkammer. Das Kasernenareal ist ein grosses, kreatives, öffentliches Kulturzentrum. Schlafmützen sollen ihre Zelte woanders aufschlagen…

Last but not least und als Hinweis für die schwelende Durchbruchs-Diskussion: Nicht die «Löcher» sind das Problem, sondern der «Inhalt» muss zur Diskussion gestellt werden. Zuerst müssen wir wissen, ob das Areal zu einem Kulturzentrum mutieren soll, und ob endlich auf dem Hartplatz der erste Baum gepflanzt werden kann, damit wir früher oder später einen veritablen Stadtpark erhalten.»

Quelle: www.bazonline.ch
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Einigen Punkten kann ich zustimmen, es sollte mehr darüber geredet werden, was man eigentlich mit dem Kaserne Areal in Zukunft anstellen will, solange dies nicht festgelgt wird, hat es eigentlich auch keinen Sinn zu diskutieren wie es denn aussehen soll und ob nun der Kopfbau abgerissen werden sollte. Der jetzige Platz ist alles andere als einladen, eine aufwertung tut dringend not. Warum wird denn nicht wie vorgeschlagen ein Wettbewerb lanciert.
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Old September 6th, 2011, 02:04 PM   #65
4057
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„Nicht die «Löcher» sind das Problem, sondern der «Inhalt» muss zur Diskussion gestellt werden.“
Word.

Ich habe prinzipiell nichts gegen einen Durchbruch, ich bezweifle jedoch, dass damit dem Ziel eines pulsierenden, urbanen Kulturareals wirklich näherzukommen ist. Vielmehr sollte man sich zuerst überlegen, was die Leute auf das Areal treibt, welche dann ja das urbane Treiben ausmachen. Und damit die kommen braucht es in erster Linie mal ein entsprechendes Angebot. Die meisten wollen nämlich nicht ins zeitgenössische Tanztheater sondern wollen Kaffee trinken und Zeitung lesen, ein Feierabendbierchen geniessen, ausgehen, Party machen, Konzerte hören (und zwar auch internationale, etwas bekanntere Acts, wie es sie da früher öfter gab) etc. Die Stadt sollte günstige Rahmenbedingungen schaffen (z.B. kleine bauliche Eingriffe im hinteren Bereich, zahlbare Mieten, evtl. stufenweise zurückgehende Startsubvention etc.) damit sich unabhängige, verschiedenartige Betriebe einnisten können, welche neuen Wind in die Sache bringen können. Mit der heutigen Kaserne alleine scheint dies ja nicht zu klappen. Vielleicht sollte man daher doch eher bottom-up-mässig vorgehen.
Ich könnte mir auch einen Markt vorstellen, bei dem z.B. junge lokale Modeboutiquen, 2ndhand-Läden, kulinarische Betriebe mit gutem Fastfood und Bars mit Musik und was auch immer z.B. am Samstag ihre Waren anbieten und sich präsentieren könnten (wie es das z.B. in London mehrfach gibt, etwa Spitalfields und Brick Lane).
Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Ateliers, Theater und kulturelitäre, abgehobene Avantgarde-Expressionstanz-Poesie-Performances, nur ein zu starker Fokus auf nichtkommerzielle Sparten bringt halt einfach kein grösseres Publikum auf das Areal (weshalb sie ja eben oft nicht rentabel sind). Deshalb sollte eine bessere Durchmischung und vermehrt wieder ein Fokus auf Populärkultur (und zwar gute, nicht DJ Bobo & co.) und Gastronomie gelegt werden. Dann könnte sich auch eine pulsierende, urbane Szene entwickeln, wie das von allen Seiten immer wieder gewünscht wird. Wie viel, wo und ob überhaupt abgerissen wird, wäre dann eigentlich sekundär.
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Old December 13th, 2011, 05:25 PM   #66
Don Calo
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Die Wochendebatte Soll die Basler Kaserne seitlich aufgebrochen werden?

Pro

Die (stadtbekannte) Kritik an den bisherigen Nutzern darf nicht zum lähmenden Lamento werden. Gerade weil die Situation unbefriedigend ist, braucht es jetzt den verbindlichen Diskussions- und Planungsprozess mit Machbarkeitsstudie, Nutzungskonzept und öffentlichem Wettbewerb. Die drei Jahre bis zum Auszug der Schulen gilt es zu nutzen, sowohl für die Vorbereitung der Nachnutzung wie auch für die Seitenöffnung. Beide Impulse ergänzen sich und treiben die Entwicklung voran. Im Prozess soll durchaus auch grösser gedacht werden als in den bisherigen Debatten. Unbestritten ist die Stärkung der Kultur. Und die Lage ist einmalig, grosszügige Verknüpfungen mit der Rheinpromenade und neuen Fussgängerzonen stehen an. Die Seitenöffnung mit der Sanierung des Klingentalwegleins und dem neuen Restaurant hilft auch dem Wettbewerb: Die Menschen werden mehr Zirkulation, Gastronomie und barrierefreie Wege erleben und sich so weiteren positiven Entwicklungen öffnen. Das wird der ganzen Stadt gut tun.

Thomas Kessler
Leiter Kantonsentwicklung Basel-Stadt


Contra

Thomas Kessler und ich sind nicht die Typen, die Dinge aussitzen, und wir hassen die Lethargie, welche die Kasernenareal-Planungen blockiert. Um die Dinge in Gang zu bringen setzt Thomas Kessler auf Aktionismus und fordert einen seitlichen Durchbruch. Ich sage: Er versucht den klapprigen Kasernengaul am Schwanz aufzuzäumen. Im Gegensatz dazu will ich zuerst eine Gesamtplanung. Ich will eine klare und offene Strategie und ich will die Wettbewerbsregeln für die Raumverteilung beim Hauptbau kennenlernen. Ich will die Altlasten auf dem Gesamtareal abbauen, die bisherigen Mietverhältnisse klären und ich will ein klares Bekenntnis zu einem veritablen Stadtpark. Zudem möchte ich das Kasernenareal als grosses und lebendiges Kulturzentrum verstanden haben.

Thomas Kessler erhofft sich mit zusätzlichen Machbarkeitsstudien und weiterführenden Evaluationen neue Erkenntnisse. Ich sage: Das hatten wir doch schon. Die Heller-Enterprises-Studie war dabei ein Schuss ins Ofenrohr. «Brutstätten»-Fantasien, «Leuchtturm»-Metaphorik und «creative industries»-Getöse bieten keinen Inhalt.

Ich will das grosse Kasernen-Kulturzentrum aber mit Inhalt füllen. Daher müssen wir nicht über Öffnungen diskutieren, sondern über Inhalte. Das heissst auch: Wir müssen die Dinge selber in die Hand nehmen und die Planung nicht den smarten Kulturmanagern überlassen.

Christoph Meury
Leiter Theater Roxy Birsfelden

Mitdiskutieren: www.tageswoche.ch

Last edited by Don Calo; December 13th, 2011 at 05:41 PM.
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Old January 13th, 2012, 04:20 PM   #67
trauch
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Pläne zur Kasernen-Öffnung erhalten Aufwind
Die zuständige Grossrats-Kommission befürwortet den Regierungsvorschlag zur seitlichen Kasernen-Öffnung zum Rhein hin. Das Initiativkomitee «Kulturstadt jetzt» wäre bereit, ihre Initiative zur Öffnung zurückziehen – unter einer Bedingung.

In dem am Freitag vorgelegten Bericht befürwortet die Kommission die von der Regierung 2011 vorgeschlagene seitliche Öffnung des Kasernenareals samt Krediten von insgesamt rund 5,3 Millionen Franken. Sie stimmt aber auch einer Ergänzung zu, die die Regierung inzwischen mit den Initianten von «Kulturstadt jetzt» ausgehandelt hat.

Demnach will sich die Regierung zusätzlich mit dem Erstellen einer Kreditvorlage für einen Architekturwettbewerb und die Ausarbeitung eines Bauprojekts beauftragen lassen. Wettbewerbsaufgabe wäre die Prüfung grosszügiger Öffnungen und Durchgänge zwischen Kasernenhof und Rhein, abgestimmt auf die Struktur des Kasernenhauptbaus und dessen künftige Nutzung.

Schaffung von konkreten Diskussions-Grundlagen
Folgt der Grosse Rat diesem Vorgehen, wäre das Initiativkomitee zum Rückzug der Initiative bereit, hält die Kommission fest. Bedingung wäre, dass der Grosse Rat die Öffnungsvorlage jetzt um den Architekturwettbewerb ergänzt, die Regierung bis September die nötige Kreditvorlage zustellt und das Parlament dieser dann zustimmt.

Welches Ergebnis der Wettbewerb hervorbringe und ob der Grosse Rat am Ende einer direkten Öffnung zum Rhein zustimme, sei dagegen für den Rückzug nicht entscheidend. Sinn des Vorgehens sei, eine Grundlage zu erarbeiten, um über die Öffnung des Areals anhand eines konkreten Projektvorschlags statt nur abstrakt diskutieren zu können.

Dies sei sinnvoll wegen der sehr unterschiedlichen Standpunkte zu der Frage und weil ein Urnengang ohne einen Gestaltungsvorschlag ein Ergebnis von zweifelhaftem Aussagewert hervorbrächte, meint die Kommission. Dem ergänzten Beschlussesentwurf hat sie ohne Gegenstimme bei vier Enthaltungen zugestimmt.

Quelle: http://bazonline.ch/basel/stadt/Plae...story/16889038
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Old February 6th, 2012, 05:38 PM   #68
ArchitekturBasel
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Zur Diskussion um die Öffnung der Kaserne:
http://www.basellandschaftlichezeitu...ndum-120246926
und
http://bazonline.ch/basel/stadt/Prot...story/13361028

Last edited by ArchitekturBasel; February 7th, 2012 at 03:19 PM.
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Old February 15th, 2012, 03:10 PM   #69
trauch
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Der Friedhof der Visionen
Basler Kleinmut verhindert immer wieder grosszügige und mutige Projekte. Auch Star-Architekten wie Santiago Calatrava oder Zaha Hadid vermochten Verhinderer nicht zu überzeugen.

Ein Loch als Durchbruch? Die Stadt Basel erlebt am Beispiel der Kaserne wieder einmal, worum in der alten Stadt städtebaulich allerhöchstens gerungen werden kann: um den kleinsten gemeinsamen Nenner. Das ist in diesem Fall ein – wie auch immer gearteter – Durchbruch im Kopfbau der Kaserne. Ein Loch. Auch wenn diese frivole, überaus gewagte Idee einst in die Realität umgesetzt wird: Freie Sicht aufs Mittelmeer wird Basel deswegen nicht haben. Es wäre bloss ein ganz kleines Zeichen gegen das 19. und für das 21. Jahrhundert. Oranger Wickelfisch erobert altes Armeeterrain: Wir könnten vom ehemaligen Exerzierhof aus ein Stück Rhein sehen und das mediterrane Lebensgefühl am Ufer erahnen. Doch bis dahin, machen wir uns keine Illusionen, wird noch viel Wasser den Bach hinuntergeflossen sein.

Eigentlich läuft die Diskussion jetzt schon völlig falsch. Denn der angestrebte Durchbruch des Kopfbaus, so sehr sich Architekten auch abmühen werden, wird dieses Bauwerk in seiner gesamten Gestalt zerstören. Integral stehen lassen oder ganz niederreissen – darum müsste sich die Debatte drehen. Völlig absurd ist es aber, mit einer kommerziellen und noch recht neuen Veranstaltung wie dem «Tattoo» zu argumentieren: Wer eine Kulisse braucht, wovor Uniformierte ein paar Tage im Jahr paradieren und musizieren können, soll sich in einem Do it yourself auf dem Dreispitz einige Kübel Kleister kaufen, den Kasernen-Kopfbau aus Papiermaché nachbauen und ein paar talentierte Laternenmaler mit viel Farbe ans Werk lassen. Und fertig ist die Illusion.

Eine Nummer kleiner
Wo sind wir denn eigentlich? Ja, in Basel. In dieser sich gerne weltoffen gebenden Stadt, wo in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jene Stadtmauern geschleift wurden, die bis heute jedoch in vielen Köpfen vorhanden scheinen. Erhalt oder Loch? Diese Frage steht stellvertretend für andere städtebauliche Debatten der vergangenen Jahre.

Will die Stadt einen baulichen Akzent setzen, wird es meist politisch heikel. Besonders in der Kernstadt. Die ehemalige Baudirektorin Barbara Schneider kann ein Lied davon singen. In ihre Zeit fiel das Projekt eines neuen Stadtcasinos. Das Projekt von Architektin Zaha Hadid scheiterte an der Urne ebenso grandios, wie das Gebäude auf den vielen Computergrafiken präsentiert wurde. Zu gross und voluminös, sagten nach der Niederlage achselzuckend sogar die Befürworter, sei der Bau gewesen. Die Gegner hatten ebenso argumentiert. Es bleibt der Stadt noch über Jahre ein nutzungstechnischer Flickenteppich in einem architektonisch sehr, sehr unanspruchsvollen Gebäude.

Geht es vielleicht eine Nummer kleiner? Eher auch nicht. Zu Beginn ihrer Amtszeit war Baudirektorin Schneider sehr mutig gewesen. Sie hatte mit dem verwegenen Gedanken gespielt, sich den eigentümlichen Raum, der Theaterplatz genannt wird, bebaut zu denken – mit einem neuen Schauspielhaus. Die Argumente dagegen waren schlagend: Wo werden wir in Zukunft über Mittag unsere Sandwiches verspeisen können? Was geschieht mit den armen Bäumen, die dort stehen? Das Projekt war tot, ehe es über den Status der Visualisierung hinauswachsen und der Souverän darüber befinden konnte. Und, schwupps, in die Schublade damit. Viel opportuner schien es, das neue Schauspielhaus brav in eine bestehende Häuserzeile hinein zu bauen. Mit den bekannten Folgen: Kaum jemand weiss, wo und was gespielt wird.

Atemberaubendes Argument
Setzen wir den kleinen Stadtspaziergang der gescheiterten Ideen fort, treffen wir etwas weiter Richtung Süden auf den schönsten Platz Basels, die Heuwaage. Ein Multiplex-Kino hätte einst dort gebaut werden sollen. Die Basler wollten sich diesen Anblick ersparen und lieber weiter den Blick auf die Teerwüste geniessen. Ein Gebäude an dieser Stelle hätte sich ausserdem sehr nachteilig auf die Durchlüftung der Steinenvorstadt ausgewirkt – kann sich noch jemand an dieses atemberaubende Argument der Gegner erinnern?

Wir holen tief Luft und marschieren zum Rhein. Statt einer filigranen Brücke aus der Hand von Santiago Calatrava ziert seit einigen Jahren eine konstruktiv banale Flussüberquerung die Stadtansicht. In einer Hinsicht ist sie aber eine Besonderheit: Als einzige Brücke der Welt macht sie sich nicht visuell, sondern akustisch bemerkbar und vibriert immer dann, wenn ein Drämmli darüberrattert. Ein grandioser Wurf! Auf den Rheinuferweg zwischen Wettsteinbrücke und Mittlerer Brücke warten wir übrigens bis heute noch. Doch wir sind hier eben am Heiligen Berg der Stadt angelagt, dem Münsterhügel. Hier ist alles sakrosankt.

Der neue Dachaufbau des Museums der Kulturen zeigt die Zerrissenheit der Stadt, wenn es darum geht, an diesem Ort etwas Neues zu bauen: Man hat sich zwar getraut, aber doch nicht so recht. Herausgekommen ist ein eigenartiger Hybrid, der dereinst sein ideelles Pendant in einem Loch in der Kaserne finden könnte.

Aber wir wollen nun nicht nur schwarzmalen. Natürlich gibt es auch herausragende Beispiele dafür, dass sich Basel den Titel Architekturstadt redlich verdient. Grandios zum Beispiel, welche Gebäude sich an der Spitalstrasse aneinanderreihen. Angefangen vom alten, perfekt restaurierten Klinikum 1 bis hin zum neuen universitären Kinderspital. Erkennen wir hier nicht ein Muster für Bauten auf öffentlichem Grund? Gute, spannende Architektur für sogenannte Nice to haves, also auf den ersten Blick nicht überlebenswichtige Dinge wie die Kultur, hat es besonders schwer. Sobald es um Leben und Tod geht, ist die schöne Hülle nicht bestritten. Dies ist durchaus auch im übertragenen Sinn gemeint: Stehen scheinbar vitale wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel, nimmt man sogar den Verlust von ein paar Quadratmetern öffentlichen Grunds in Kauf. Zähneknirschend zwar, wie beim neuen Messezentrum. Erhält man die schöne Hülle für die Kultur von einer Mäzenin zum Geschenk, hat man auch nichts dagegen, und ein Erweiterungsbau für das Kunstmuseum wird in Windeseile durch die politischen Instanzen gepeitscht.

Apropos vitale Interessen. Einen Friedhof der Visionen finden wir bei Bauvorhaben von Basler Unternehmen eigentlich nicht – ausser, die Konzerne hätten ein Projekt selbst zu Grabe getragen. Wie es zum Beispiel die Roche mit ihrer ersten, viel spannenderen Version des neuen Turms getan hat.

Ein Systemwechsel
Was ist es denn, das Projekte im öffentlichen Raum so gefährdet? Die Ängste vor dem Neuen sind historisch gut begründbar: Die Hochkonjunktur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat in dieser Stadt baulich unglaublich viel kaputt gemacht. Als Reaktion darauf ist eine bis heute sehr starke Heimatschutzbewegung entstanden, die vereint mit dem latent vorhandenen baslerischen Hang zur Nostalgie eine hohe Hürde bildet. Kommt hinzu, dass es in einer basisdemokratisch organisierten und damit kompromissorientierten Gesellschaft grundsätzlich schwierig ist, sogenannte Landmarks zu errichten.

Müsste also eine Art Systemwechsel her? Also mehr «von oben» verordnete Stadtgestaltung, sprich schnellere staatliche Entscheidungswege und weniger Mitsprachemöglichkeiten des Souveräns? Der Gesetzgeber arbeitet gerade beim Heimatschutz sanft, aber stetig in diese Richtung. Aber wollen wir das wirklich? Klar, die Kaserne wäre vielleicht längst weggesprengt worden, und an ihrer Stelle zierte ein schöner Glaspalast das Kleinbasler Rheinufer. Wie kleinlich und engstirnig erscheint im Vergleich die Diskussion um ein kleines Loch! Nein, wir brauchen keine Hauruck-Politik: Für ein lebendiges Gemeinwesen ist die öffentliche Diskussion entscheidend. Was Basel braucht, ist mehr Wagemut und Vorstellungskraft. Dann wird der Blick automatisch frei.

Quelle: http://bazonline.ch/basel/stadt/Der-...story/16624890
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"Basler Kleinmut verhindert immer wieder grosszügige und mutige Projekte." Hmmmm, diesen Satz könnten wohl auch die Berner und Zürcher unterschreiben... irgendwie schweizerisch, denke ich... Man beachte auch einige Kommentare, z.B. "Basel ist gebaut" und so Blödsinn

Last edited by trauch; February 15th, 2012 at 03:16 PM.
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Old February 15th, 2012, 03:16 PM   #70
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«Der Eingriff darf einfach nicht zu massiv sein»
Kantonsbaumeister Fritz Schumacher äussert sich zur Kaserne und zu den Möglichkeiten eines Architekturwettbewerbs. Dabei kritisiert er das Bild eines malträtierten Areals, welches vom Öffnungs-Initiativkomitee gezeigt wurde.

Die Kaserne soll gegen den Rhein hin geöffnet werden, verlangt eine Initiative. Der Grosse Rat hat vor einer Woche grünes Licht zu einer schmalen Öffnung gegeben, aber auch beschlossen, einen Architekturwettbewerb zum Ziel der Initiative durchzuführen. Kantonsbaumeister Fritz Schumacher erläutert, welche Veränderungen möglich sind.

Herr Schumacher, wie lange steht die Kaserne noch?
Fritz Schumacher: Sie wird noch lange Zeit stehen. Es müssten sich schon grosse Veränderungen in der Stadtentwicklung ergeben – architektonisch, städtebaulich, stadtplanerisch – bis diese Kaserne zur Disposition stehen würde.

Jetzt passt sie demnach immer noch gut ins Stadtbild?
Die Kaserne hat eine grosse Bedeutung für das Stadtbild. Sie manifestiert einen Zeitabschnitt in der Stadtentwicklung, der deutlich lesbar wird durch die Kaserne. Als ehemaliges militärisches Gebäude hat sie einen hohen Zeugniswert. Dieser ist nicht zu unterschätzen, wenn man an die Frage geht, wie weit man die Veränderung der Substanz rechtfertigen kann.

Eine Veränderung wird es geben, nachdem der Grosse Rat beschlossen hat, die Möglichkeiten für eine Öffnung zum Rhein zu prüfen.
Die Diskussion im Parlament hat gezeigt, dass die Absichten der Bau- und Raumplanungskommission (BRK), mit einem Wettbewerb eine Öffnung anzustreben, nicht nur Freunde hat. Erik Julliard vom Basel Tattoo hat moniert, dass die Kulisse für seinen Anlass bedroht sei und er deshalb das Ergreifen des Referendums prüft. Die Referendumsfrist läuft noch.

Sind Sie denn im Gespräch mit den Organisatoren des Tattoo? Sie stehen ja auch in Kontakt mit dem Initiativkomitee, das die Öffnung der Kaserne gegen den Rhein hin verlangt.
Mit Herrn Julliard habe ich noch nie über dieses Thema geredet. Ein solches Gespräch findet wohl eher auf der Ebene Politik statt. Mit dem Initiativkomitee sind wir in Kontakt via die BRK. Dort wurde, auch auf Anregung der Regierung, eine Diskussion begonnen zur Frage, wie man die Anliegen der zustande gekommenen Initiative, die ja noch weiter gehen als die Beschlüsse des Grossen Rates, umsetzen kann. Dabei ist das von den Initianten gezeigte Bild einer teilweise abgebrochenen Kaserne für eine sachliche Diskussion nicht dienlich.

Warum?
Zur Verdeutlichung des Themas mag dieses Bild dienen, aber kein ernsthafter Architekt würde sich je überlegen, die Kaserne als Ensemble, als Ganzes so zu malträtieren und einen Teil hinauszuschneiden. Ich bin sehr unglücklich, dass dieses Bild immer noch besteht und dass sich die Initianten nicht deutlich davon distanziert haben. Das ist eine unnötige Konfrontation mit einem grossen Teil der Bevölkerung, dem die Kaserne etwas bedeutet.

Verstehe ich Sie richtig: Die Kaserne soll also gar keine grosse Veränderung erfahren?
Wenn ich morgen beginnen und die Wettbewerbsaufgabe formulieren müsste, wären als Erstes die grossen Rahmenbedingungen zu klären. Zunächst müsste ich sicher festhalten, dass die Kontur, die volumetrische Präsenz des Kasernen-Hauptbaus nicht infrage gestellt ist. Das ist eine ganz klare Haltung, auch gegenüber dem vorhin erwähnten Bild; dieses ist unbrauchbar, vielleicht ein Jux, mit dem man Leute zum Unterschreiben der Initiative bringen kann. Das Bild ist aber unbrauchbar und nicht zielführend. Und wenn wir nochmals an den Zeugniswert denken: Es besteht kein Anlass, das Gebäude in seiner heutigen Gesamterscheinung, in seiner Volumetrie, seiner Enveloppe infrage zu stellen. Das wäre die erste Rahmenbedingung, die ich in diesem Wettbewerb als Ausgangslage anbringen würde. Danach stellt sich die Frage, wie man die Erfüllung des Grossratsbeschlusses formuliert. Es geht ja darum, grosszügige Durchgänge zu schaffen. Solche Durchgänge müssen, das sei klar festgehalten, in Übereinstimmung stehen zur baulich-statischen Struktur dieses Gebäudes. Keinen Sinn machen Eingriffe, bei denen Gewaltübungen nötig werden, um beispielsweise das Gebäude zu stützen oder abzufangen.

Was ist denn gefragt?
Man muss mit dem Gebäude arbeiten, mit dessen Struktur. Der Bau hat keine einfache Struktur, es handelt sich um eine Mischbauweise aus Backstein, Holz und Eisenträgern. Das erfordert gute Kenntnis der Statik. Als Zweites muss der Durchgang respektive die Öffnung die Nutzungsänderung unterstützen. 2015 steht das Gebäude leer, dann sind die Schulen ausgezogen. Wir haben die Aufgabe, bis nach den Sommerferien zu definieren, in welche Richtung eine Nachnutzung gehen soll. Zum Zeitpunkt des Wettbewerbs kann noch kein exaktes Raumprogramm vorliegen. Man kann sich also noch nicht festlegen, ob es um ein Hotel, um Kreativ-, Ausstellungs-, oder Kulturräume gehen wird.

Welche Nutzungsmöglichkeiten sehen Sie denn?
Akzeptiert werden muss, dass dieses Gebäude gewisse Dinge kann und andere nicht. Zum Beispiel wäre es ein völlig falscher Ansatz, in diesem Gebäude grossräumige Säle einbauen zu wollen. Es gilt vielmehr, mit der vorhandenen Statik-Struktur zu arbeiten. Das wird uns auch leiten, wenn wir den Architekten für den Wettbewerb ein Nutzungsspektrum zur Aufgabe geben. Der Durchgang, die Öffnung muss korrespondieren mit der neuen Nutzung, muss dazu einen Beitrag leisten. Erst dann macht eine Öffnung Sinn. Die grosse Diskussion, die etwas überhitzt läuft, ist die Frage, wie stark das heutige System des Inneren und Äusseren der Kaserne verändert wird.

Was ist das Problem?
Das hat mit der Grundtypologie des Gebäudes zu tun. Die Kaserne ist in einer fast mittelalterlichen Art ein Wehrgebäude mit einem kontrollierten Zugang. Darum hat das Gebäude auch nie eine offene Struktur zur Stadt entwickelt, sondern hat immer ein Innen und ein Aussen abgebildet. Das muss erhalten werden. Das ist nicht nur typologisch richtig für das Kasernen-Ensemble, sondern auch in Bezug auf die heutige Stadtqualität. Aus meiner Optik ist es viel wertvoller, wenn man ein klares Aussen und ein klares Innen sowie ein klares Verbindungselement hat. Denken Sie nochmals an das Bild, bei dem fast alles weggenommen wird: Das Risiko, dass die heutige Qualität, die klare Zuordnung verloren geht, wäre zu gross. Eine Öffnung oder ein Durchgang müsste berücksichtigen, dass diese Qualität erhalten bleibt.

Diese Haltung kommt dem Basel Tattoo entgegen.
Ja. Stellen Sie sich vor, Sie hätten freien Blick über den Rhein hinweg, es wäre alles offen: Dann wäre das Tattoo wahrscheinlich nicht mehr dort. Viele Nutzer, nicht nur das Tattoo, spielen mit dem Spannungsfeld von Innen und Aussen. Dass die heutige Platzgestaltung verbesserungswürdig ist, bleibt unbestritten.

Was heisst das für den Wettbewerb?
Die städtebauliche Figur ist ganz wichtig, sie muss erhalten bleiben. Trotzdem lässt sich das Postulat der Öffnung in einer hohen Qualität herstellen. In einer ersten Skizze für den Wettbewerb würden wir wohl zunächst festhalten müssen, was nicht gemacht werden darf, wenn man das Gebäude nicht kaputt machen will. Man soll vielmehr das Gebäude in seiner Qualität unterstützen und die zukünftige Nutzungen schon in der Frage des Durchgangs integrieren.

Sie glauben also, dass eine bauliche Veränderung an der Kaserne möglich ist, ohne dass das Tattoo respektive die Tattoo-Kulisse Schaden nimmt?
Genau. Ich würde sogar einen Schritt weiter gehen und die Perimeter der Veränderungen im Wettbewerb aufzeigen. Zum Beispiel: Die beiden Turm-Eckgebäude dürften nicht tangiert sein. In diesen Bereichen Öffnungen vorzunehmen, wäre ein grosser architektonischer Fehler. Was die Höhe angeht: Es wäre ausserordentlich heikel, über das Erdgeschoss hinaus zu gehen. Ich sehe einen Perimeter zwischen den Türmen und nicht über das Erdgeschoss hinaus, von der Innenseite her gesehen. Im Aussenbereich gegen den Rhein hin könnte man etwas offener sein, weil es dort einen Niveausprung gibt; gegen den Rhein ist man fast ein Geschoss tiefer. Ich sage dies nicht aus Misstrauen gegenüber den Architekten, sondern verstehe dies eher als Hilfestellung bei der Aufgabe. Der Eingriff darf ganz einfach nicht zu massiv sein.

Wie wird der Architekturwettbewerb ausgelegt sein?
Ob es ein offener Wettbewerb oder einer auf Einladung sein wird, ist noch nicht entschieden. Ich kann mir vorstellen, dass ein offen ausgeschriebener Wettbewerb für viele Basler Architekten interessant wäre. Vielleicht ist eine offene Ausschreibung und eine Präqualifikation angesagt, um eine grosse Anzahl Teilnehmer zu motivieren. Weniger als 20 Vorschläge sollte man nicht anstreben.

Wie sieht der Zeitplan aus?
Das hängt davon ab, ob das Referendum ergriffen wird. Wenn Ja, müssen wir abwarten. Gibt es keines, werden wir zügig das Wettbewerbsprogramm vorbereiten, damit der Wettbewerb gegen Ende 2012 starten kann. Im Sommer 2013 könnte eine Jury, vielleicht unter Mitwirkung von Erik Julliard und weiteren Vertretern der Kasernennutzer und des Quartiers, die Vorschläge bewerten. Danach müsste der Baukredit ausgearbeitet werden. Sollte eine Volksabstimmung dazwischenkommen, müssten wir eine nochmalige Zwischennutzung der Kaserne ins Auge fassen.

Mit welchen Kosten rechnen Sie?
Das ist heute noch völlig offen. Aber ganz vorsichtig geschätzt dürfte es sich um einen eher niedrigen zweistelligen Millionenbetrag handeln, der für die Sanierung und Nachnutzung der Kaserne nötig sein wird.

Quelle: http://bazonline.ch/basel/stadt/Der-...story/11516603
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Ein wirklich gutes Interview mit dem Kantonsbaumeister, dessen Meinung ich teile. Ein Durchbruch wäre die schlechteste aller Varianten (mit Ausnahme der seitlichen Öffnung, die das Ensemble nicht wiklich tangiert.). Die beste wäre m.E. ein tolles Konzert-, Theater- und Kongresshaus direkt am Rhein à la KKL, die zweitbeste eine umfassende Renovation der alten Gemäuer mit neuer Nutzung.
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Old February 15th, 2012, 04:30 PM   #71
hausmeister
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Ein sehr sachliches und bedachtes Interview und mit einigen nachvollziehbaren Argumenten für den Erhalt.

Ich bleibe aber bei der Sprengung. Nicht aus fehlendem Respekt gegenüber altem, sondern aus Wunsch nach mehr Veränderung und Dynamik und somit neuen Chancen. Wer wagt gewinnt. Klar, nicht alles neue ist gut, genausowenig aber alles alte. Die Kaserne - und das ist meine ganz persönliche laienhafte Meinung - ist weder ein schöner Bau noch hat er eine er einen historischen Wert (Kaserne ist Kaserne, ich bin da zu pazifistisch um so was zu mögen).
Ich kann aber auch damit leben, wenn das Gebäude stehen bleibt. Aber dann bitte endlich mit einem Konzept! Belebt das Gebäude! Und damit meine ich nicht Tattoo-Kulisse.... (und gleiches sollte selbstredend bei einem Abriss gelten: Nur bei einem guten Konzept)

Last edited by hausmeister; February 15th, 2012 at 05:21 PM.
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Old February 16th, 2012, 08:34 AM   #72
trauch
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Kein Referendum wegen Kasernen-Durchbruch
Heimatschutz, Freiwillige Denkmalpflege und Basel Tattoo verzichten vorläufig auf ein Referendum zur Kaserne. Der Grosse Rat hatte für den Abriss eines Nebenbaus und einen Architekturwettbewerb für eine weitergehende Öffnung ausgesprochen.

Sie verzichteten auf ein Referendum «zum jetzigen Zeitpunkt» nach reiflicher Überlegung, teilten der Heimatschutz Basel, die Freiwillige Basler Denkmalpflege, die Basel Tattoo Productions GmbH und in dieser Sache engagierte Parlamentarier mit. Dabei nehmen sie allerdings die Regierung und das Initiativkomitee in die Pflicht. Denn sie vertrauten auf Zusicherungen der Regierung in der Debatte betreffend den Erhalt des Kasernen-Hauptbaus und die Rücksichtnahme auf bestehende Veranstaltungen, heisst es in der Mitteilung. Ebenso erwarteten sie nun, dass der Architekturwettbewerb und dessen Auswertung «tatsächlich ergebnissoffen ablaufen».

«Mit Interesse und Aufmerksamkeit» zur Kenntnis genommen hätten sie entsprechende Zusicherungen von Regierungspräsident Guy Morin, Baudirektor Hans-Peter Wessels und Vertretern des Initiativkomitees für eine Kasernenöffnung. Nicht gefährden wollen sie im Weiteren die «sehr begrüssenswerten» Vorlagenteile zur Sanierung des Klingentalwegleins und Aufwertung des Kasernenvorplatzes. Die drei Organisationen hätten im übrigen eine direkte Abstimmung über die Initiative vorgezogen. Doch höchstwahrscheinlich werde auch über das Wettbewerbsergebnis noch abgestimmt, und dem sähen sie «mehr als zuversichtlich» entgegen.

Rückzug der Initiative gefordert
Vom Initiativkomitee erwarteten sie aber, dass es seine Initiative «Öffnung zum Rhein» nach Freigabe des Architekturwettbewerbkredits tatsächlich zurückzieht. Die Initianten hatten vor der Grossratsdebatte in Verhandlungen mit der Regierung ihre entsprechende Bereitschaft erklärt. Das unformulierte Volksbegehren war von den Initianten von «Kulturstadt jetzt» 2011 mit gut 3100 Unterschriften eingereicht worden. Es verlangt, das Kasernenareal «durch eine Umgestaltung des Kasernenhauptbaus grosszügig zum Rhein hin zu öffnen» und durch «Entwicklungsmassnahmen zu einem lebendigen städtischen Platz» aufzuwerten.

Der Grosse Rat beschloss am vergangenen 8. Februar einen Kredit von 5,3 Millionen Franken für eine seitliche Öffnung des Areals mittels Abbruch eines Nebenbaus sowie die Aufwertung des Klingentalwegleins zum Rhein. Zudem bestellte er bei der Regierung eine Kreditvorlage für den Architekturwettbewerb für «grosszügige Öffnungen» durch den Hauptbau. Kantonsbaumeister Fritz Schuhmacher hielt dazu in einem Interview in der «Basler Zeitung» vom Mittwoch unter anderem fest, dass im Wettbewerb Kontur, Volumen und Baustruktur des Hauptbaus respektiert werden sollten. Eine Öffnung des Gebäudes wäre trotzdem «in hoher Qualität» möglich, übers Erdgeschoss hinaus allerdings heikel.

Quelle: http://bazonline.ch/basel/stadt/Kein...story/15496021
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Old February 16th, 2012, 08:38 AM   #73
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«Wir stehen Gewehr bei Fuss»
Die Gegner einer grosszügigen Öffnung der Kaserne wollen das Resultat des Architekturwettbewerbs abwarten. Ganz vom Tisch ist das Referendum aber nicht.

«Wir halten unser Wort in der Absprache mit der Regierung», bekräftigte der Produzent des Basel Tattoo, Erik Julliard. Er meldete damit seinen Verzicht auf ein Referendum gegen den in der vergangenen Woche gefällten Grossratsbeschluss zur seitlichen Öffnung der Kaserne und zur Ausschreibung eines Architekturwettbewerbes für eine grosszügige Öffnung des Hauptbaus an. Die Regierung habe ihm zugesichert, es würde nur bei der seitlichen Öffnung der Kaserne bleiben, wenn er sich damit einverstanden erkläre, sagte Julliard.

Deshalb fühlte er sich verschaukelt, als erklärt wurde, dass eine grosszügigere Variante geprüft werde, selbst wenn niemand mehr von einer Sprengung der Kaserne spreche. Im Vorfeld der Grossratsdebatte ging Julliard alle Ratsmitglieder brieflich an und wurde dabei vom Heimatschutz Basel sowie der Freiwilligen Basler Denkmalpflege unterstützt. Zu dritt drohten sie mit dem Referendum, wenn die seitliche Öffnung mit einem Architekturwettbewerb für den Hauptbau verknüpft werde. Der Grosse Rat sprach sich dennoch für dieses Vorgehen aus, und die Gegner der Kasernen-Öffnung liessen vorerst offen, ob sie nun wirklich das Referendum ergreifen würden.

Macher, nicht Verhinderer
Gestern informierten sie an einer Medienkonferenz über ihren Entscheid: «Wir ergreifen das Referendum zum jetzigen Zeitpunkt nicht», erklärte LDP-Grossrat André Auderset, der sich im Basler Parlament für den Erhalt der Kaserne besonders stark gemacht hatte. Und Erik Julliard betonte: «Das Basel Tattoo besteht nicht aus Verhinderern, sondern aus Machern.» Ein Referendum hätte die gesamte Aufwertung des Kasernen-Areals infrage gestellt. «Wir hätten damit den ganzen Zug angehalten und das macht keinen Sinn», so Julliard.

Der Produzent des Basel Tattoo will keinen alleinigen Anspruch auf die Kaserne erheben. Doch der historische Komplex sei für das Tattoo weit mehr als nur eine Kulisse, «er wird von uns wirklich gebraucht». So etwa für die Infrastruktur mit 1000 Mitwirkenden. Auch der natürliche Lärmschutz durch das Kasernenareal sei nicht zu unterschätzen. «Wir haben jedenfalls noch keine Lärmklagen aus der Nachbarschaft bekommen.» Mit einer seitlichen Öffnung der Kaserne kann Julliard leben. Aber der Ausdruck «grosszügige Öffnung» ist für ihn nicht interpretierbar: «Das ist einfach ein grosses Loch.» Und gegen das will er auch in Zukunft ankämpfen. «Auch wenn wir jetzt auf das Referendum verzichten, stehen wir Gewehr bei Fuss.»

Teil der Basler Geschichte
Ins gleiche Horn blasen die Freiwillige Basler Denkmalpflege und der Basler Heimatschutz. «Wir sind grundsätzlich gegen eine Veränderung der Kaserne», unterstrich Christian Eich, Präsident der Freiwilligen Denkmalpflege. Die integrale Kaserne sei ein wichtiger Repräsentant seiner Epoche. Das Bauwerk wurde zwischen 1860 und 1863 vom Basler Architekten Johann Jacob Stehlin errichtet und qualifiziert sich in den Augen der Freiwilligen Denkmalpflege «eindeutig als schützenswertes Denkmal». Der Verein will sich deshalb dafür einsetzen, dass die Kaserne unter Schutz gestellt wird. «Die Kaserne ist heute verlottert», kritisierte Eich, der auch meinte es sei «ein Blödsinn über die Zukunft eines Gebäudes zu diskutieren, wenn niemand genau weiss, wie es genutzt werden soll.» Im Fall der seitlichen Öffnung zeigt sich die Freiwillige Basler Denkmalpflege dennoch kompromissbereit. «Gegen weitere Veränderungen am Hauptbau werden wir uns aber zur Wehr setzen», kündigte Christian Eich an.

«Wir können nur knurrend zu diesem Teilabbruch Ja sagen», erklärte der Geschäftsführer des Basler Heimatschutzes, Paul Dilitz. «Gegen eine grosszügigere Öffnung des Hauptbaus werden wir uns jedoch massiv wehren.» Die Kaserne als Ganzes gehöre zur Identität Kleinbasels und müsse deshalb erhalten bleiben. «Die Kaserne ist ein wichtiger Teil der Basler Geschichte.» Dilitz kritisierte die hektische Eventkultur auf öffentlichem Grund: «Auch Gelassenheit ist eine Qualität.» Die drei Organisationen sehen sich nach dem Grossratsbeschluss nicht als Verlierer. Ihre Bemühungen hätten dazu geführt, «dass die Vorlage im Parlament intensiv und kontrovers diskutiert wurde». Sie nehmen nun Regierungspräsident Morin und Baudirektor Wessels beim Wort, dass der Architekturwettbewerb völlig ergebnisoffen ablaufe, «also das Ergebnis des Wettbwerbs auch dahingehend sein kann, dass an der Kaserne nichts mehr weiter verändert wird.»

Konkretes Projekt angreifen
Weiter wird erwartet, dass die Initiative «Öffnung zum Rhein» tatsächlich nach Freigabe des Kredits für den Architekturwettbwerb zurückgezogen wird, «und dass die Initianten nach Auswertung des Wettbewerbs auch ein allfälliges Ergebnis akzeptieren, das nicht in ihrem Sinne ausfällt». Dass die Referendumsdrohung nicht ganz vom Tisch ist, machte LDP-Grossrat André Auderset zum Schluss der gestrigen Medienkonferenz nochmals klar. «Wir bleiben an dieser Sache. Es ist ja auch viel gescheiter allenfalls ein konkretes Bauprojekt anzugreifen», meinte er und erinnerte an den gescheiterten Stadtcasino-Neubau durch Zaha Hadid. «Wenn es darum geht, solche Bausünden zu verhindern, kann die Basler Bevölkerung dafür motiviert werden.» Im Fall der Kaserne stehe nicht nur das Kleinbasel, sondern ganz Basel hinter dem Erhalt, zeigte sich Auderset überzeugt.

Quelle: http://bazonline.ch/basel/stadt/Wir-...story/27733410
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Eine Posse... Was hat dieses Tattoo genau zu dieser wichtigen Immobilie zu melden? So langsam regen mich diese bescheuerten (Dudel-) Säcke auf! Hab aber ein Ticket fürs Tattoo, um mir mal ein Bild zu machen ;-)
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Old February 16th, 2012, 02:01 PM   #74
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Gut dass endlich mal wieder ein vernünftiger Beitrag zum Thema Kaserne seinen Weg in die Medien findet (Interview mit Schumacher). Das Ganze scheint mir ein bisschen aus dem Ruder zu laufen. Ich habe mit der Diskussion echt meine Mühe. Hier meine Ansicht und Meinung zu pro und kontra (Ich hab‘s extra etwas überzogen, also bitte nicht vor den Kopf gestossen fühlen).

Trommler, Pfeifen und Antiveränderungshardliner:
Das höchst traditionelle, tief verwurzelte Grossereignis Tattoo (wie lange gibt’s das jetzt? 5 Jahre?), immerhin das zweitgösste der Welt!, will seine Kulisse und Umziehkabinchen behalten (wobei jetzt schon ein Teil davon aus Papiermache besteht). Dass nun wegen einer Woche Marschblaserei im Jahr alle Pläne zur Änderung einer jährlichen 51-Wochen-Misere mit militärischer Sturheit bekämpft werden, finde ich daneben. Nichtsdestotrotz muss man aber eingestehen, dass beim Tattoo 120‘000 Leute ihre Militärromantiksehnsüchte befriedigt bekommen, während nebenan in der Reithalle 20 Nasen in einem Raum für 1000 so tun als würden sie das spastische Gezappel und hochgestochene Geplapper auf der Bühne verstehen. Deshalb finde ich (auch wenn ich mit dem Tattoo auch nichts anfangen kann), darf man sich die Bedürfnisse der Tattooisten auch mal anhören. Wenigstens tun die was. Dennoch sind sie nicht die alleinigen Generäle auf dem Kasernenareal.
Auf der Gegnerseite gibt es auch einfach Leute, deren generelles Kredo „wir sind grundsätzlich gegen eine Veränderung „ ist. Da sich diese Einstellung jenseits meines Verständnishorizonts befindet, verzichte ich hier auf jeglichen Kommentar.

Öffner, Entwicklungsbefürworter, Aktionisten und Anti-Antiveränderungshardliner:
Der Rhein ist zur freizeitlichen Aorta der Stadt geworden, der Kopfbau der Kaserne blockiert den Zugang zum belebten vorderen Teil der Kaserne, deshalb soll er durchbrochen werden, oder wenn’s geht gleich ganz weg. So würde der hintere, tatsächlich äusserst öde Teil der Kaserne attraktiv werden und wenn’s ganz dick kommt, hätte man gleich noch Blick auf den Rhein. Und schwupps hätten wir einen lebendigen Kulturplatz mit attraktiver Gastronomie.
Das Äquivalent zu den Veränderungsphobikern auf dieser Seite sind diejenigen, die für einen Abriss sind nur weil sie das Tattoo doof finden oder sonst irgendwie Probleme haben mit dem Areal. Die gibt es wirklich! Die meisten jedoch haben schon Argumente parat und wollen eine fruchtbare Veränderung. Auch ich stehe grundsätzlich auf dieser Seite. Mein Problem mit dieser Argumentation ist nur: Worin soll sich Kultur entwickeln wenn das Gebäude einmal weg ist? In Festzelten? Und wie entsteht überhaupt ein Kulturplatz? Durch den Abriss eines Gebäudes, in welchen man Kultur und Gastronomie ansiedeln könnte? Es sind doch ganz andere Dinge, die eine kulturelle Entwicklung begünstigen. Ich versteh’s nicht ganz. Und apropos Rheinblick, viel würde man aufgrund des Höhenunterschiedes wahrscheinlich eh nicht davon sehen.
Die Kompromisslösung eines seitlichen Durchgangs überzeugt mich auch nicht wirklich, respektive sehe ich dies als Kosten-Nutzen-mässig unnötig. Wo ist da genau der Unterschied zur jetzigen Situation (schliesslich ist es ja schon offen Richtung Webergasse). Der Unterschied sind ein paar Meter, mehr nicht. Sollen wir für das Unsummen rauswerfen? Die Kritik des politischen Aktionismus verstehe ich da schon ("hauptsache wir machen was, schliesslich wollen die Stimmbürger ein Veränderung").

Mein Senf:
Wie ich schon oben mal geschrieben habe und auch hier drinnen und teilweise in den Medien ähnlich argumentiert wird, finde ich, man sollte sich zuerst mal über die Nutzung Gedanken machen, bevor man einfach ein Gebäude abreisst, in welchem man dann ja Kultur und Gastronomie oder was auch immer ansiedeln könnte. Einen direkten Zugang zum Rhein sehe ich da durchaus als förderlich, doch reicht da eigentlich auch ein einfacher Durchgang. Wieso gleich das ganze Gebäude abreissen? Auch der seitliche Durchbruch wird sicherlich nicht die Lösung aller Dinge sein.
Mein Vorschlag wäre eine Umnutzung und Umbau des bestehenden Gebäudes, v.a. in der untersten Etage. Dort könnte man beispielsweise die Fenster runterziehen und eine Art Arkaden schaffen. Auch unten am Rhein könnte man das Gebäude so öffnen. Da der Rheinweg einige Meter tiefer liegt, könnte man die Räume gleich auf diesem Niveau anlegen, was das Parterre Richtung Rhein relativ hoch und grosszügig machen würde. Auf der Ebene des Innenhofes könnte man da z.B. im Raum eine Galerie einbauen. Oder wie wär’s mit einer Bar auf einem der Türme? Das wär doch was im Sommer. Auch einen Durchgang liesse sich einfach realisieren. Ich bin mir sicher man könne dies in einer zur bestehenden Architektur stimmigen Weise realisieren, sodass es nicht gekünstelt aussieht. Somit könnte man einen Durchgang schaffen und gleichzeitig Gastronomie und Kulturbetriebe ansiedeln, ohne dass man das Gebäude gleich komplett umbauen (wegen der Statik müsste man halt schauen) oder abreissen würde. Der verlassene hintere Bereich der Kaserne würde attraktiv werden und auch dort könnte sich was entwickeln. Eben gerade weil man das Gebäude lassen würde könnte was entstehen, schliesslich braucht man auch Räumlichkeiten dafür. Durch eine Umgestaltung der Asphaltwüste könnte diesen Bereich etwas freundlicher gestaltet werden. Ich denke, eine solche Lösung wäre einerseits realistisch, dem Ziel einer Belebung dienlich und auch für die meisten Parteien verträglich.
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Old February 16th, 2012, 02:38 PM   #75
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Danke für deinen satirischen, aber auch konstruktiven Beitrag! Ich sehe das ähnlich, wenn ich auch eher den Ort als Bauplatz für ein modernes Konzert-, Theater- und Kongresshaus sehe, die Kaserne passt weder ins Stadtbild (wie das einige Leute sehen) noch ist die Struktur m.E. erhaltenswert. Im hinteren Teil können die alten Teile durchaus als Gatronomiebetriebe bestehen bleiben und die Klingentalkirche könnte als Teil des Gebäudes erhalten bleiben, so bleibt der Geist der Kaserne noch erhalten.

Gibt es einen besseren Ort für ein solches Gebäude? Zentral, direkt am Rhein, grosser Bauplatz.
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Old February 16th, 2012, 03:42 PM   #76
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Ja gut, mit einem modernen Prunkbau hätte ich natürlich auch keine Probleme. Ich finde die Kaserne auch nicht das schönste Gebäude der Welt. Wenn es gute Vorschläge für einen Neubau gäbe, würde ich mich jedenfalls nicht gegen einen Abriss wehren. Aber anstatt gar nichts zu tun oder einfach mal halbpatzig was davon wegnehmen, sollte man es anständig nutzen. Das sollte doch keine Kunst sein. Man müsste ja auch nicht unendlich viel Knete reinstecken. Gerade im urbanen kulturellen und gastronomischen Bereich sind es doch oft genau solche Orte die interessant sind, Orte, die zweckentfremdet werden und wo sich etwas entwickeln kann, die nicht einfach steril hingeklotzt werden. Aber klar, wenn irgendwann mal eine gute Alternative auf den Tisch kommt, dann halt weg damit. Da hast du schon recht, die Lage ist 1a.
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Old February 16th, 2012, 03:53 PM   #77
Friedmund-Saphorin
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Den alten hässlichen Klotz durch einen neuen zu ersetzen, das überzeugt mich jetzt auch nicht wirklich. Anfänglich neigte ich zur Position der Bewahrer, doch je länger ich mir's überlege, desto mehr tendiere ich dazu, die beiden Türmchen steheh zu lassen und was dazwischen ist ersatzlos zu "dekonstruieren".
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Old February 16th, 2012, 04:27 PM   #78
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@ 4057: Ganzu guter und erfrischender Beitrag, danke!

Ich gebe zu, dass ich als Reaktion auf die - wie Du so schön geschrieben hast - Antiveränderungshardliner ins andere extrem kippe. Das heisst: Weg damit und dann werden wir gezwungen sein Konzepte zu finden. Mir ist durchaus bewusst, dass dies politisch nicht machbar ist.
Ich bin aber der Meinung, dass es solche Stimmen braucht. Leute wie Jacques Herzog mögen mit teilweise radikalen Visionen anecken, aber sie sind ein wichtiger Gegenpol zu den Leuten welche die Stadt als Museum sehen (nicht wertend gemeint). Durch sie werden nötige Diskussionen oft erst angestossen. Die Stadt muss nicht niedergerissen und neu gebaut werden. Aber sie soll sich weiterentwickeln und erneuern und dazu braucht es Visionen (die, wenn überhaupt, höchstens in einer mehrheitstauglichen Version umgesetzt werden).

Und ja, die Kaserne brauch ein Konzept!! Mit oder ohne Kopfbau. Und die Kaserne hat auch ohne Sprengung Potential. Und es wird ein Weg geben, bei dem Kulturfreaks, Trommler, Pfeiffer und Entwicklungsbefürworter zufrieden sind. Die Hardliner warscheinlich nicht, aber die werdens auch nie sein in einer Demokratie...
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Old February 16th, 2012, 06:01 PM   #79
Don Calo
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@4057 auch ich möchte mich noch für den konstruktiven Beitrag bedanken.
Ich stimme mit dir in vielen punkten überein, ich habe mir nämlich ganz ähnlich Gedanken gemacht, bezüglich Tatoo, (immerhin ist es beachtlich was er in so kurzer Zeit erreicht hat, auch wenn ich nicht seine Zielgurppe bin), somit hat er auch ein gewisses Mitspracherecht. Bei der Kaserne können wir schön beobachten, wieviele immer wie radikaler werden. Die einen möchten nichts verändern die anderen möchten Tabularasa machen. Ich habe mich selber noch nicht ganz entschieden, weil es bis jetzt noch gar kein Konzept gibt, was mit diesem Areal geschehen soll. Somit ist es auch schwierig für einen Abriss oder dagegen zu sein. Ich weiss auch nicht inwiefern der Architekturwettbewerb diese Frage lösen kann und soll. Ich persönlich glaube nicht, dass ein Abriss eine Chance hätte, es würde vom Stimmvolk sehr wahrscheinlich abgelehnt werden. Also kann er immerhin umgenutzt werden, da gab es einige gute Vorschläge von 4057. Ein neues Konzert- und Theaterhaus wäre natürlich schon nicht schlecht, aber diese kann auch in anderen Teilen der Stadt erstellt werden, Brückenkopf Volta, New Basel, wo dieses auch helfen kann ein Entwicklungsgebiet zu beleben. Diese Gebiet braucht dies meiner Ansicht gar nicht wäre einen Prunkvoller Konzertsall wäre dort irgendwie am falschen Platz, aber dies ist mein persönliche Meinung. Auch wenn ich mich durch schöne Visaulisierungen gerne blenden lasse . Auf jeden Fall scheint mann hier nun gewillt konstruktiv nach Lösungen zu suchen und für alle das bestmögliche herauszuholen.

Last edited by Don Calo; February 16th, 2012 at 06:08 PM.
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Old February 16th, 2012, 07:31 PM   #80
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Originally Posted by Don Calo View Post
Ein neues Konzert- und Theaterhaus wäre natürlich schon nicht schlecht, aber diese kann auch in anderen Teilen der Stadt erstellt werden, Brückenkopf Volta, New Basel, wo dieses auch helfen kann ein Entwicklungsgebiet zu beleben. Diese Gebiet braucht dies meiner Ansicht gar nicht wäre einen Prunkvoller Konzertsall wäre dort irgendwie am falschen Platz, aber dies ist mein persönliche Meinung.
Ich denke nicht, dass ein Konzerthaus an einem dezentralen Ort Sinn macht. Die Leute wollen nicht innerhalb der Stadt noch 20 Minuten Tram fahren, um dorthin zu gelangen. Wenn ein Saal Strahlungskraft haben soll, dann muss er auch Publikum von weiter her anziehen, und die kommen per ÖV am Bahnhof SBB an... Eigentlich wäre der Barfi dafür ja schon der beste Ort gewesen...
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