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View Poll Results: Welche Gestaltung für das Areal scheint dir am geeignetsten?
Freifläche erhalten und/oder umgestalten 5 4.90%
Leichte Bebauung mit viel Freifläche 5 4.90%
Blockrandbebauung mit kleinen Stadtplätzen - historisierende Kleinteiligkeit 71 69.61%
Blockrandbebauung mit moderner Architektur und eher höher und weniger kleinteilig 24 23.53%
ein großer See 6 5.88%
unentschlossen/ so belassen/ abwarten 2 1.96%
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Old December 22nd, 2009, 06:38 PM   #61
erbse
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Bevor solche banalen Allerweltsinvestorenkisten wie jene gezeigten in die historische Mitte gepflanzt werden, bevorzuge ich tatsächlich die Wasserfläche. Diese zwar akzeptable, aber belanglose Architektur hat Berlin zur Genüge zu bieten. Ich finde auch nicht, dass die Wasserfläche künstlich wirken muss. Wirkt die Hamburger Innenalster künstlich? Letztlich auch elbgespeist. In Berlin dann eben durch die Spree. Das könnte sehr gut werden.

An eine zufriedenstellende Altstadtrekonstruktion glaube ich schon gar nicht. Die Initiative dazu schläft schon jahrelang. Da erwarte ich mir keine großen Resultate.
Das muss das erste Mal sein, dass ich vom Gedanken der Wiederaufnahme historischer Stadtstrukturen abgebracht wurde.

Die Wasserfläche bietet gegenüber einer vorschnellen Bebauung mit Flachdachkisten (s. oben) natürlich auch die Zukunftsoption auf eine Altstadtrekonstruktion. Letztlich Win-Win, nicht?
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Old December 22nd, 2009, 07:09 PM   #62
youngwoerth
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Originally Posted by erbse View Post
Bevor solche banalen Allerweltsinvestorenkisten wie jene gezeigten in die historische Mitte gepflanzt werden, bevorzuge ich tatsächlich die Wasserfläche.
Ganz meine Meinung. Komisch, daß das im APH niemand so sieht. Ist doch selbstverständlich, daß es dort kein Rekoviertel à la Neumarkt geben wird. Da werden maximal die alten Straßenverläufe wiederhergestellt, flankiert von der üblichen Belanglosigkeit. Wie traumhaft dagegen solch eine noble Binnenalster!
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Old December 23rd, 2009, 01:37 AM   #63
schum-ho
HALLEluja!
 
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Ich weiß nicht so recht. So eine Wasserfläche wie die Binnenalster erscheint ja schon recht reizvoll. Aber ausgerechnet anstelle der historischen Mitte? Statt einer lebendigen, urbanen Altstadt?

Es geht ja noch einige Zeit ins Land, bevor es da überhaupt mal losgehen kann.

Dieser (fantastische!!) Artikel liefert einige gute Denkanstöße und kritisiert die neue Senatsbaudirektorin Lüscher für ihren Nihilismus im Umgang mit Berlins Historie:

(Nehmt an der Umfrage teil!)
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Originally Posted by Welt Online
HISTORISCHE MITTE
Wie Stadtplaner die Identität Berlins verleugnen
VON RAINER HAUBRICH 21. Dezember 2009, 17:24 Uhr

Die Mitte ist leer: Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher legt Visionen für das historische Zentrum vor. Lange ist nicht mehr so gegen die Identität der Stadt geplant worden. Eine Idee erinnert sogar an Dimensionen, die in der Geschichte des Städtebaus eigentlich nur Faschisten und Sozialisten in Entzücken versetzten.


Boot fahren vor dem Roten Rathaus: So sieht eine Architekten-Vision für die Mitte Berlins aus.

Wahrscheinlich ist es die letzte große Debatte, die um das Zentrum der Hauptstadt geführt wird. Überall sonst zeichnen sich die Konturen des neuen Berlin inzwischen deutlich ab: rund um den Gendarmenmarkt, am Potsdamer Platz, im Spreebogen, rings um den neuen Hauptbahnhof und am Alexanderplatz. Auch das Humboldt-Forum in Gestalt des ehemaligen Stadtschlosses geht in die konkrete Planungsphase.

Nur eine große Wunde klafft noch in der Innenstadt: die begrünte Freifläche zwischen Alexanderplatz und Schloss. Hier standen einst die ältesten Quartiere Berlins, bis sie im Krieg schwer getroffen und von der DDR abgeräumt wurden, um alle Spuren des bürgerlichen Berlin zu tilgen und stattdessen das Ideal einer sozialistischen Stadt zu bauen – mit dem Fernsehturm als Siegessäule.

Die Debatte um die Zukunft dieses Areals ist nicht neu. Schon im Mai war sie wieder aufgebrochen, als der seit drei Jahren pensionierte ehemalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann ein Buch über die Geschichte der Berliner Altstadt vorlegte, das auch Vorschläge für eine kleinteilige, dichte Wiederbebauung der Freifläche entlang der historischen Straßenzüge enthielt.

Jetzt aber erhält der Streit neue Nahrung und neue Dramatik, weil die Nachfolgerin Stimmanns, die bisher eher blasse Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, drei Architekturbüros beauftragt hat, spektakuläre Visionen zu entwerfen. Diese sollen jetzt öffentlich diskutiert werden, damit noch vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl des Jahres 2011 Beschlüsse gefasst werden können.

Wobei „spektakulär“ eher ein Euphemismus ist: Einer dieser Entwürfe zählt zum Absurdesten, was seit Jahrzehnten in Berlin von offizieller Seite vorgeschlagen wurde: Das gesamte Areal soll planiert werden zu einem gigantischen steinernen Forum.

Berlin fehle ein zentraler Ort für Großveranstaltungen, findet die Schweizer Stadtplanerin, die zuvor in der Bauverwaltung von Zürich gearbeitet hatte. Und den kann sie sich ausgerechnet zwischen den beiden ältesten Kirchen der Stadt vorstellen.

Wer soll das ernst nehmen? Wenn auf diesem überdimensionierten Kasernenhof nicht gerade ein Demonstrationszug zur Abschlusskundgebung aufläuft oder ein Popkonzert stattfindet, wird man diese zementierte Ödnis die meiste Zeit des Jahres bei Hitze, Regen oder Wind so hastig durchqueren, wie man es einst beim Parkplatz vor dem Palast der Republik tat.

Man muss sich die Größenverhältnisse vor Augen führen, um den Irrsinn dieser Idee zu erkennen: Es geht um die Fläche von rund 20 Fußballfeldern, hier könnte man die gesamte neue Potsdamer-Platz-Bebauung unterbringen oder mehr als ein Dutzend der Häuserblocks rund um den Gendarmenmarkt.

Der fantasierte Platz wäre um einiges größer als der Rote Platz in Moskau und nochmal um die Hälfte größer als Albert Speers Zeppelinfeld auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg – was deutlich macht, dass wir uns hier in Dimensionen bewegen, die in der Geschichte des Städtebaus eigentlich nur Faschisten und Sozialisten in Entzücken versetzten.

Freude kam aber offensichtlich auch bei den Büros auf, die Lüscher für ihren Coup ausgesucht hat: der Brite David Chipperfield (er restaurierte das Neue Museum auf der Museumsinsel), die „Brad-Pitt-Architekten“ des deutschen Büros Graft, dazu die Landschaftsarchitekten Kiefer.

Es ist nicht nachvollziehbar, wie drei Büros, die Berlin-Erfahrung haben und deren Architekten die noch erhaltenen Altstadtquartiere schätzen und selber nutzen, für die ältesten Teile Berlins solch einen Jahrmarkt der Visionen präsentieren können.

Denn auch die anderen Entwürfe sind von einer Stadtfeindschaft, die man längst überwunden glaubte. Einer sieht vor, das gesamte Areal bis zur Marienkirche auszuschachten und mit dem vorbeifließenden Spreewasser zu einem Hafenbecken zu fluten – nach dem Vorbild der Hamburger Binnenalster.

Aber liegt diese zwischen den beiden ältesten Kirchen der Stadt, direkt vor dem Rathaus, wie das nun für Berlin vorgeschlagen wird? Der Rest ist gängige Stadtflucht ins Grüne: Mal soll ein Urwald die gesamte Fläche überwuchern, mal könnten zwischen dem Grün historische Straßenzüge angedeutet und Kellerreste zerstörter Häuser freigelegt werden.

Der Gegensatz zu Stimmanns Vorschlägen könnte größer nicht sein, auch in der Terminologie. Während der gebürtige Lübecker von der „Altstadt“ oder dem „Marienviertel“ spricht, heißt das heute namenlose Areal bei Lüscher „Rathausforum“. Wo Stimmann von konkreten Straßenzügen, Häusern und Bewohnern schreibt, geht es bei Lüscher um einen „Raum der kreativen Visionen“.

Was in diesem Raum offenbar überhaupt keinen Platz beanspruchen darf, ist die Tradition der europäischen Stadt, die ja bis heute nichts von ihrer Faszination und Popularität eingebüßt hat. Es geht um jenes halb zufällige, halb geplante Muster von Straßen und Plätzen, jene spannungsvolle Abfolge von Enge und Weite, die man erlebt, wenn man eine Weile durch Gassen gelaufen ist und sich der Korridor plötzlich öffnet auf einen Platz, einen kleinen Park oder einen Fluss. Es geht um lebendige, dichte Quartiere, in denen gearbeitet, gewohnt und eingekauft wird, die Ruhepunkte bieten und Abwechslung, mit Kinos und Theatern, Museen und Kirchen.

Dieses Kontinuum zeichnete auch Berlin bis zum Zweiten Weltkrieg aus, bevor die Bomben und die Abrissbagger kamen. Nach dem Fall der Mauer gelang es unter der Ägide Hans Stimmanns, an vielen Orten des Zentrums dieses Stadtgefühl wiederherzustellen.

Die Friedrichstraße ist wieder ein belebter Korridor geworden, besonders um die Kreuzung zur Allee Unter den Linden, die durch behutsame Ergänzungen wieder einen großartigen Zug erhalten hat vom Brandenburger Tor bis zum Schlossplatz. Das Karree des Gendarmenmarktes ist wieder komplett, der Hackesche Markt mit Häuserzeilen neu gefasst, der Schinkelplatz nach alten Plänen neu angelegt. Auch der bisher ausfransende Alexanderplatz hat durch erste Ergänzungen mehr Halt bekommen.

Dieses staunenswerte Aufbauwerk bliebe unvollendet, wenn ausgerechnet im Herzen Berlins, wo alle Wege der Stadt zusammenlaufen, die stadtfeindliche Moderne der Nachkriegszeit triumphierte. Deshalb ist es so wichtig, mit dem gewaltigen Kubus des Stadtschlosses den Dreh- und Angelpunkt des Zentrums wiederherzustellen, und deshalb ist es nicht weniger wichtig, auch dem heute gähnend leeren Gründungsort Berlins wieder Gestalt zu geben, auf den sich das Schloss einst bezog.

GESCHICHTSLOS NACH DER WIEDERVEREINIGUNG

Wie geschichtslos das Herz Berlins noch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ist, zeigt ein Vergleich mit den führenden Metropolen Europas. In Paris ist bis heute erfahrbar, wo die Wurzeln der Stadt liegen. Man spaziere von den Cluny-Thermen an der gotischen Kirche St. Severin vorbei über die Ile de la Cité mit der Kathedrale Notre Dame über die Pont Neuf bis zur spätgotischen Kirche St. Merri, dann durch die Rue St. Honoré zum Louvre hinüber.

Wäre es nach Le Corbusier gegangen, wäre dieses Viertel ähnlich ausradiert worden wie die Berliner Altstadt. Eine vergleichbare Freifläche wie an der Spree schuf man in Paris Ende der Siebzigerjahre an der Stelle der Markthallen, nicht aber, um einen Platz oder Park anzulegen, sondern für das neue Quartier Les Halles, ein missglücktes Ensemble, aber immerhin städtisch gedacht.

Selbst im teilweise kriegszerstörten und entstellten Zentrum Londons lassen sich die Anfänge der Stadtgeschichte noch heute erlaufen, von der ältesten Kirche der Stadt All Hallows am Tower über die Cannon Street, die Kathedrale St. Paul’s und die Fleet Street bis zur Temple Church aus dem 12. Jahrhundert. Was auch immer an Bausünden in der City of London entstand – eine Freifläche von Berliner Ausmaßen gehört nicht dazu.

Wo nach dem Krieg neben St. Paul’s ein Hauch von DDR in Form von Hochhauskästen entstand, am Paternoster Square, hat man diese vor Jahren beherzt abgerissen, um die historischen Straßenzüge wiederherzustellen und mit klassischen Häuserblocks zu bebauen.

VERGLEICHBARE FIXPUNKTE VORHANDEN

Vergleichbare Fixpunkte der Stadtgeschichte sind ja auch in Berlin noch vorhanden. Sie warten nur darauf, wieder in eine sinnfällige Beziehung zur sie umgebenden Stadt gesetzt zu werden. Dies wird nur gelingen mit einer verdichteten, intimeren Bebauung, wie sie schon zu DDR-Zeiten um das älteste Gotteshaus der Stadt, die Nikolaikirche, entstand.

Bei aller Kritik am architektonischen Detail zeigt das Viertel doch den richtigen Maßstab. Ein ähnlicher Rahmen könnte der verloren im Raum stehenden gotischen Marienkirche ihre Würde zurückgeben, etwa durch die Wiederherstellung der Umrisse des Neuen Marktes, den die Kirche einst dominierte.

Vor dem Roten Rathaus könnte ein – früher nicht vorhandener – neuer Platz entstehen und zur Spree ein weiterer, auf dem die Statuen von Marx und Engels besser zur Geltung kämen als auf dem heute zugigen Marx-Engels-Forum. Aus dem dichten Quartier dieser neuen Altstadt nach Westen hinaustretend, würde dann auch der Maßstabssprung des Schlossbezirks mit Lustgarten, Dom und Altem Museum viel deutlicher erfahrbar, ebenso die Öffnung des Stadtraums zum großstädtischen Alexanderplatz nach Osten.

GEWACHSENES GEFÜGE DES STADTKÖRPERS

Dieses historisch gewachsene Gefüge des Stadtkörpers – das ja keineswegs nur in Geschichtsbüchern steht, sondern bis heute für jeden einigermaßen sensiblen Betrachter sinnlich erfahrbar ist – diese DNS Berlins ist in den Visionen Lüschers nicht mehr lesbar.

Ob das in einer Stadt für Proteste sorgen wird, deren Bevölkerung seit dem Fall der Mauer zur Hälfte ausgetauscht wurde, ist schwer vorauszusagen. Noch bleibt ja Zeit. Denn die Schlossbaustelle und die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor werden Teile des Areals auf Jahre blockieren, mit einer möglichen Umgestaltung ist nicht vor 2017 zu rechnen.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, als Herrscher im Roten Rathaus selbst Anlieger und mit den aktuellen Schwächen des Viertels vertraut, hatte schon im Sommer deutlich gemacht, dass er für eine Wiederbebauung der einstigen Altstadt ist, genauso wie sein Kulturstaatssekretär André Schmitz, der die Pläne Lüschers bereits als „geschichtslos“ abgelehnt hat.

Vielleicht ist es auch am besten, wenn noch viele weitere Kopfgeburten den von Lüscher eröffneten „Raum der kreativen Visionen“ bevölkern. Denn neben diesen kann sich die Verführungskraft der historischen Altstadt-Ansichten umso wirkungsvoller entfalten.

So war es ja auch in der Debatte um den Wiederaufbau der Hohenzollernresidenz. Je absurder die Vorschläge zeitgenössischer Architekten wurden, umso mehr wuchs die Zustimmung zur Rekonstruktion des Schlüterschen Barock. Und gebaut wird nun das Schloss.

Die Entwürfe werden vom 7. bis 19. Januar 2010 im Lichthof der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Am Köllnischen Park 3 ausgestellt.

Literatur: Hans Stimmann (Hg.), Berliner Altstadt. Von der Staatsmitte zur Stadtmitte, DOM Publishers, 160 S., 38 Euro
von http://www.welt.de/kultur/article560...l#vote_5559909



Unter dem Artikel gibt es noch ein Video "Überblick über Berlins historische Mitte", da lohnt auch ein Blick rein!!
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Old December 24th, 2009, 03:03 PM   #64
youngwoerth
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Originally Posted by schum-ho View Post
Aber ausgerechnet anstelle der historischen Mitte? Statt einer lebendigen, urbanen Altstadt?
Wie gesagt, die wird es nicht geben. Im besten Fall entsteht hier die Fortsetzung von Friedrichstraße und Townhouses. Dazwischen vielleicht drei Rekos.
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Old December 26th, 2009, 12:37 PM   #65
gstolze
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Die Bebauung als Viertels mit Blockrandbebauung würde mir aber besser gefallen als diese Wasserfläche. Vor dem Roten Rathaus ein netter Stadtplatz und endlich auch eine würdige Umbaung der Marienkirche, damit wäre viel gewonnen.
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Old March 14th, 2010, 02:31 PM   #66
Bauer-Ewald
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Entwürfe für die "Neue Alte Mitte" zwischen Alexanderplatz und Humboldt-Forum: Eine Ausstellung zeigt die Beiträge junger Architekten zum diesjährigen Schinkel-Wettbewerb.

Quote:
Die Ausstellung stößt offenbar auf Interesse: Eine Gruppe von ein bis zwei Dutzend potenzieller Besucher harrte am Samstagnachmittag vor der alten Kunsthalle in der Budapester Straße 42 aus, um Einlass zu finden in die Schau zum diesjährigen Schinkel-Wettbewerb des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Berlin (AIV). Manche hatten mehr, manche weniger Geduld, so dass die Zusammensetzung wechselte, aber strapaziert wurde sie in beiden Fällen: Laut Plakat sollten die Entwürfe für die „Neue Alte Mitte“ zwischen Alexanderplatz und Humboldt-Forum ab 13 Uhr zu sehen sein, um 16 Uhr war die Tür noch immer dicht.

So blieben Architekturfreunde und wohl auch einige der zum Wettbewerb angetretenen Jungbaumeister von den zu Papier gebrachten Zukunftsträumen vorerst ausgesperrt. Von dem Siegerentwurf des 26-jährigen Hamburger Stefan Drese beispielsweise, der wie berichtet mit seinem Entwurf eines durch seine schiefen Fassaden überraschenden Kulturzentrums am Spreeufer das Rennen machte. Sehr Gegensätzliches wird der Schaulust geboten, vom Mini-Manhattan im Spreeformat mit nächtlich glitzernder Skyline etwa bis zu einer von Naturidylle eingekreisten Marienkirche samt Neptunbrunnen als plätschernden Mittelpunkt des neuen Berliner Dorfteichs. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt worden. Insgesamt 187 Arbeiten aus Deutschland, Österreich, Irland, Russland, Polen und der Schweiz wurden eingereicht, von mehr als 500 Teilnehmern. Rund 20 000 Euro Preisgelder stehen bereit – und die Ehre des Schinkel-Preises, der am frühen Abend im Roten Rathaus verliehen wurde. Bei dem konnte man zumindest sicher sein, dass es geöffnet sein würde. ac
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Sc...art270,3056209

Der Gewinner:


Brücke vom Schloss aus; endend in einem kleinen Amphi-Theater



Bereich Marienkirche - Rathaus:


Umfeld des Rathauses:


Alexanderplatz Panorama:
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Old March 14th, 2010, 02:33 PM   #67
MeyerB
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Das vorletzte Bildchen erinnert ein wenig an die Plaza Mayor in Madrid - nett, obzwar alles Andere als Berlin-typisch. Ansonsten nur Murks und Schrott allenthalben, aber hübsch dargestellt.
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Old March 14th, 2010, 02:45 PM   #68
youngwoerth
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Aaaah, Wut!

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Originally Posted by youngwoerth
Wie gesagt, die wird es nicht geben. Im besten Fall entsteht hier die Fortsetzung von Friedrichstraße und Townhouses. Dazwischen vielleicht drei Rekos.
Das war wohl deutlich zu optimistisch. Ich plädiere für ein Wasserbecken.
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Old March 14th, 2010, 02:49 PM   #69
MeyerB
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In Darstellungslehre hatten die eifrigen Künstler bestimmt eine 1 plus; in Gestaltungslehre allerdings wohl eine 6 minus - wirklich ganz mies.
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Old March 14th, 2010, 02:51 PM   #70
youngwoerth
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^ Nö, die hatten in beidem ne 1. Genau das wird verlangt.
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Old March 14th, 2010, 03:05 PM   #71
MeyerB
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Originally Posted by youngwoerth View Post
^ Nö, die hatten in beidem ne 1. Genau das wird verlangt.
Stimmt allerdings; ich vergaß. Naja, es handelt sich gottlob nur um einen läppischen Ideenaustausch der Architektenstars von morgen - die müssen sich halt profilieren - je schräger und provokanter, desto aufsehenerregender und somit besser für's Image - allerdings Luftschlösser, die hoffentlich nie die Budapester Straße verlassen werden.
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Old March 14th, 2010, 08:21 PM   #72
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Das zeigt mal wieder, dass man eigentlich keine Idee hat, was man mit diesem freien Raum machen soll. Die Entwürfe kann ich nicht ernst nehmen, zwar ist der Gewiinerentwurf als Solitär nicht schlecht, aber ich denke dass sowas eher ins Kulturforum passen würde. Das MEF muss entweder erhalten bleiben - ohne insulären Solitär - oder komplett zugebaut werden. Alles dazwischen geht m.E. nicht. Der Stadtraum den das bisherige MEF schafft, ist zwar nicht jedermanns Sache, aber es wirkt konsistent mit dem sonstigen Ensemble.
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Old March 14th, 2010, 09:02 PM   #73
d.henney
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Der "italienische Platz" gefällt mir! An der Stelle allerdings doof, japp. Der Rest ist ultra-ugly. Wieso muss das Forum eigentlich in irgendeiner Art erhalten werden? Genügt nicht ein "normales" Denkmal anstatt einer ganzen Anlage? Nachfolgend Kleinteiligkeit würde mir gefallen und den Menschen, die dort durchwuseln, shoppen, wohnen und essen sicherlich auch. ;)
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Old March 15th, 2010, 12:05 AM   #74
miau
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Wenn du dich auf mich beziehst...

Das MEF sollte man meiner Meinung nach entweder bestehen lassen aber frisch sanieren, oder aber konsequent mit einer Blockbebauung verdichten. Die Lösungen dazwischen halte ich für falsch, also z.B. einen Solitär in die Mitte des Platzes zu bauen. Dies würde m.E. die Leere des MEF nicht füllen und stattdessen den Kontrast zum Umfeld verstärken.
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Old March 15th, 2010, 07:04 PM   #75
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Nö, das war bloß so generell gesagt. MMn genügt ein Denkmal. Dafür dann das Forum einebnen und mit was Vernünftigem bebauen, vllt sogar mit etwas, was dem Schlossrücken die Show stiehlt
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Last edited by erbse; March 15th, 2010 at 07:24 PM.
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Old January 15th, 2012, 11:54 PM   #76
Bauer-Ewald
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Ein lebendiges Stadtquartier vor dem Roten Rathaus zu errichten, ist keine Kunst. Die Politik muss es nur wollen. Architekturkritiker Falk Jaeger plädiert für eine vollkommen neu bebaute Altstadt. Was halten Sie von seinem Vorschlag, liebe Leserinnen, liebe Leser? Diskutieren Sie mit!

Das Gerede von Berlin, das ständig im Umbruch und immer am Werden sei, führt nicht weiter, es ist ein belangloses Bonmot von gestern. Wer sich heute in der Welt umsieht, in Tokio, Sao Paulo oder Mombasa, wo sich die Städte im Zehnjahresrhythmus häuten, kann darüber nur lächeln. Berlin braucht aber gar keine Umbrüche, keine neue Gründerzeit, keinen neuen Speer, kein Tabula rasa à la Scharoun und auch keine Zaha Hadid. Nicht einmal einen Schinkel mit seinem offenen, die mittelalterlich geprägte Stadt konterkarierenden Städtebau.



Denn Berlin gehört bereits zu den attraktivsten und am besten funktionierenden Metropolen und wird von den Megastädten darum beneidet. Wer glaubt, Berlin müsse mit Megaprojekten den anderen Metropolen hinterherhecheln, lässt sich von einer Art Fortschritt blenden, der der Finanzwirtschaft dient, nicht aber dem Stadtbürger.

Es gilt, den Blick zu schärfen für die enormen Qualitäten dieser Stadt und diese zu bewahren, zu fördern und weiterzuentwickeln. Wer in Charlottenburg Hochhäuser fordert, der hat genau diesen Blick verloren. „Blinder Fortschrittsglaube“, der in den sechziger Jahren geprägte Begriff, ist hier angebracht. Man könnte es mit einem extremen Beispiel illustrieren: Warum ist es abwegig, in Venedig Hochhäuser zu bauen? Der Grund ist jedermann einsichtig.

Die Berliner Innenstadtquartiere sind zwar nicht Hinterlassenschaft vieler Jahrhunderte höchster Baukultur wie die Venedigs, aber sie sind von schützenswertem Reiz und urbaner Lebendigkeit, weil sie Aktionsfelder und Erlebnisqualitäten bieten. Das hat vor allem mit der Maßstäblichkeit zu tun, sowohl der Nutzungsstrukturen als auch der architektonischen Ausprägung. Eine Maßstäblichkeit, historisch gewachsen, die bis zu den Kriegszerstörungen und späteren Abrisskampagnen Bestand hatte. Die noch bis in die Gegenwart virtuell besteht – als Parzellengrenzen in den Akten der Grundbuchämter.

Es war der ehemalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann, der sich große Verdienste erworben hat, indem er die Rekonstruktion des historischen Straßenrasters in den vom 19. Jahrhundert geprägten Stadtvierteln betrieb. Meist wurde jedoch der Fehler begangen, die Zusammenlegung vieler Parzellen und die Bebauung ganzer Häuserblocks durch jeweils einen einzigen Investor nicht zu verhindern. So konnte die Friedrichstraße ihr vielfach heraufbeschworenes Fluidum der zwanziger Jahre nicht wiedergewinnen, das von einer unglaublichen Vielfalt, Kleinteiligkeit und Dichte geprägt war. Es war Dieter Hoffmann-Axthelm, der deshalb aus gutem Grund eindringlich auch die Tradierung der historischen Parzellenstruktur einforderte. Man sollte mehr auf ihn hören. Das würde eine entsprechende Bauleitplanung, vor allem aber eine rigide, nicht auf Ertragsmaximierung fokussierte Regelung der Grundstücksvergabe bedingen. Ob dafür die Steuerungsinstrumente zur Verfügung stehen, ist die Frage. Denn potente Investoren, die sich altruistisch solche Ziele auf die Fahnen schreiben, gibt es nicht. Man muss sie zu stadtverträglichem Handeln zwingen.






Wie urbanes Leben räumlich organisiert wird wurde verlernt

Vielleicht aber besteht die Chance, solche Planungsziele bei der Neugestaltung der historischen Mitte Berlins auf dem heutigen Marx-Engels-Forum durchzusetzen. Hier sollte es möglich sein, die Fehler der vergangenen zwei Jahrzehnte zu vermeiden. Wenn Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sich auf dem „Rathausforum“ – so nennt sie den Ort – umschaut und von der einmaligen städtebaulichen Situation schwärmt, die ein großes Potenzial habe, so ist diese Euphorie kaum nachvollziehbar. Auf groteske Weise einsam steht die Marienkirche, die eigentlich einer Umbauung bedarf, schräg, weil mittelalterlich geostet, im Gelände. „Die freigestellte Kirche ist Geschichte“, sagt Lüscher. Aber muss eine unbefriedigende Situation so bleiben, weil sie Geschichte ist? Ein Repräsentationsbau von der Statur des roten Rathauses benötigt ein Vorfeld, aber hier herrscht ringsum gähnende Leere. Zu einem ordentlichen Park hat es auch nie gereicht. Der wäre sicherlich allgemein akzeptiert, Grün ist immer beliebt, aber wer sollte ihn bezahlen? Zudem haben die Plattenbauten beiderseits des Rathauses und gegenüber entlang der Karl-Liebknecht-Straße als Platzwand der großen Freifläche nicht die wünschenswerte Qualität. Das von Graft vorgeschlagene Hafenbecken oder ein „Central Park“ wären Attraktion und Anlass, den Ort von Bebauung freizuhalten. Aber ein ausgedehnter Stadtplatz, wie er heute existiert, wird neben dem Schlossplatz nicht gebraucht.

Der weit verbreitete Wunsch, das Marx-Engels-Forum wieder zu bebauen, hat jedenfalls viel für sich. Hans Stimmann hat vorgeschlagen, einfach das historische Straßenmuster neu aufzuführen. Doch die letzte Konsequenz scheut er, denn die Gassen werden etwas breiter und gerader, der Rathausvorplatz etwas größer, und am Spreeufer gibt es ein „Marx-Engels-Plätzchen“; irgendwo soll das Denkmal hingeschoben werden, das heute namensgebend die Mitte des Forums besetzt. Die Frage ist, weshalb man nicht über Architektenwettbewerbe ein fantasievolles Zentrum mit einer Folge abwechslungsreicher Plätze und stadträumlicher Situationen ganz neu entwickeln lässt, anstatt das Quartier nach dem recht schematischen Vorkriegsgrundriss nur irgendwie aufzufüllen.

Seit Ur und Babylon wissen Architekten und Städtebauer, wie urbanes Leben räumlich organisiert wird, nur im zwanzigsten Jahrhundert haben sie es verlernt. Ein neues Stück Stadt mit einem eigenen Gesicht ist gefragt, das aber funktioniert wie eine historische Innenstadt. Interessanterweise ist nebenan das Nikolaiviertel zum Teil in diesem Sinn entstanden. Trotz prekärer architektonischer Ausbildung mancher Häuser gehört es zu den beliebteren und lebendigeren Quartieren im Bezirk. Ein ebenso dicht bebautes Quartier vom Fernsehturm bis zum Spreeufer würde mit erlebnisreichen Stadträumen, mit spannenden Perspektiven aufwarten. Wichtige Wegebeziehungen könnte man in Straßenräume fassen. Gegenüber dem Schloss, dessen Ostansicht aus Kostengründen auf eine monotone Lochfassade reduziert wird, könnte eine malerische Partie mit Stadtplatz und Wassertreppe das gestalterische Defizit des Humboldtforums ausgleichen.

Traditioneller Städtebau und moderne Architektur sind keine Feind

Größtes Problem jeder Neuordnung des Marx-Engels-Forums ist die expressive, ausladende Fußbebauung des Fernsehturms, die zu ihrer Entfaltung das offene Terrain benötigt. Will man auf sie verzichten, würde der Zugang zum Turm wie bisher von der Gontardstraße her organisiert werden können. Bleibt sie bestehen, würde man sie in das Gassengeflecht einbeziehen müssen.

Vor der Marienkirche könnte der Neue Markt wieder erstehen, gen Süden und Osten würde man sie mit Bebauung umfangen. Vor dem Rathaus, gesäumt von kraftvollen Häusern, läge natürlich ein Rathausplatz, der diesen Namen verdient und der die richtigen Dimensionen hat. Der Platz selbst sollte einheitlicher gestaltet sein, denn er ist das Parterre des monumentalen, dominant axial geprägten Rathauses. Berühmte Platzanlagen des 18. und 19. Jahrhunderts mögen als Vorbilder dienen, die Plaza Mayor in Madrid, der Markusplatz in Venedig, oder die Piazza San Carlo in Turin. Auch Hans Kollhoffs Walter-Benjamin-Platz ist in diesem Zusammenhang von Interesse: Er hat Atmosphäre, wird von den Bürgern angenommen und ist mittlerweile ein lebendiger Stadtplatz.Es wäre wünschenswert, die das Areal in zwei Teile zerschneidende Spandauer Straße einzuengen, vielleicht, indem die Randbebauung bis an die Fahrstreifen heranrückt und für die Fußgänger Arkaden ausbildet.

Die Häuser des neuen Quartiers, als Einzelhäuser mit möglichst hochrechteckigen Formaten identifizierbar, sollten von unterschiedlichen Architekten gestaltet werden und insgesamt ein vielfältiges Straßenbild erzeugen. Dabei kommt es auf differenzierte Fassaden, plastische Relieftiefe und tektonische Kraft an.

Bei alldem geht es also nicht darum, auf Cöllner Boden wieder eine verloren gegangene Altstadt eins zu eins zu rekonstruieren. Es geht auch nicht um das historische Straßenraster, das auf diesem Gelände so gründlich getilgt wurde wie kaum sonst in der Kernstadt. Wo, wenn nicht auf diesem freien Feld in der Stadtmitte wäre es möglich das Experiment einer „neuen Altstadt“ zu wagen? Es geht um den kreativen Umgang mit dem städtebaulichen Prinzip, um traditionell bewährte Strukturen und um den menschlichen Maßstab.

Dass mit heutiger, zeitgenössischer Architektur kein attraktiver, ja schöner Städtebau zu haben sei, ist kein Naturgesetz. Die Rezepte sind durchaus bekannt. Es sind jedoch die Kräfte des Markts und die Produktionsbedingungen für Häuser als Investitionsobjekte, die dem entgegenstehen. Doch Marktmechanismen sind keine naturgegebene Gesetzmäßigkeit. Wir haben zwar nicht mehr den absolutistischen Bauherrn, der etwa den Bau einer Place Vendôme in Paris anordnete. Aber es bedarf eines starken politischen Willens, diese absolutistische Bauherrenschaft in unserem bürgerlich-demokratischen System gewissermaßen zu simulieren. Den Investoren zu Diensten sein ist der bequeme, bürgerfreundliche Strukturen durchzukämpfen der steinige, aber lohnenswerte Weg. Auf diese Weise könnte ein echtes Zentrum entstehen, mit einem Rathausplatz als Bürgerplatz, dem seine Kraft aus dem dichten Quartier ringsum zuwächst und der den Vergleich mit historischen Stadtplätzen anderer Metropolen nicht zu scheuen braucht.

Vielleicht lässt sich mit der Kombination aus traditionellem Städtebau und zeitgenössischer Architektursprache der Dauerzwist entschärfen, den Volker Hassemer eine „typische Berliner Krankheit“ nannte: die Querelen zwischen Traditionalisten und Modernisten. Der Neubau eines inneren Zentrums mit den historischen Werten der Europäischen Stadt und gleichzeitig zeitgenössischer, moderner Architektur wäre ein Novum, das international Beachtung fände.

Prof. Dr. Falk Jaeger ist Architekturhistoriker, -kritiker und Publizist in Berlin. Architekt Sergei Tchoban, Gestalter von Dom Aquarée und Cubix-Kino, hat für den Tagesspiegel dessen Idee vom zeitgemäßen Rathausplatz illustriert.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/id...6065230-2.html
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Old January 16th, 2012, 02:09 PM   #77
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Finde die Idee gut, vorallem brauch niemand soviele Plätze dort...

Mit dem Alex haben wir schon genug davon in der Gegend und es würde ja trotzdem ein kleiner netter Platz um den Neptunbrunnen entstehen.

Die Bauten könnten sich vielleicht dann ein Beispiel an dem Viertel in der Nähe des Hackeschen Marktes nehmen, welches sehr gelungen ist.
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Old January 16th, 2012, 02:29 PM   #78
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An sich begrüßenswerte Ansätze. Ich plädiere aber dafür, auf den vormaligen Grundrissen des Viertels einige Leitbauten als Rekonstruktionen umzusetzen. Den Rest dann im neuen mondänen Berliner Klassizismus (á la Kronprinzengärten), das wäre ein unendlich edles Viertel. Berlin braucht auch eine gute Stube in der Ecke.
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Old January 16th, 2012, 07:27 PM   #79
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Es gibt dort auch eine Kommentierungsmöglichkeit.

...wo die üblichen Grabenkämpfe geführt werden. Üblich = Disneylandpolemik auf Modernistenseite, reflektierte Argumentation auf Traditionalistenseite.

Unter anderem kann man dort lernen:

Quote:
Traditionalismus ist eine Verkrampfung. Es ist auch kein geklärtes Verhältnis zur Vergangenheit, sondern ein völlig ungeklärtes.
Traditionalisten können die Vergangenheit nicht dort belassen, wo sie nur existieren kann: im Vergangenen.
Also versuchen sie ihre neurotische Sehnsucht zu stillen und erschaffen sich eine Welt des Kitsches.
Zu glauben, man könnte in einer Epoche Kunstwerke einer vorangeggangenen erschaffen ist hochgradig ungebildet.
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Old January 16th, 2012, 08:33 PM   #80
Kampflamm
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Da muss ganz schnell was hin. Gerade das Zeugs im Erdgeschoss bzw. 1. Stock des Fernsehturms sollte man verstecken.
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