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✪ DWF Generalsekretär
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In diesem Thread wollen wir besprechen, ob Berlin zusammenwächst und wie es zusammenwächst.

Den Anfang macht ein Interview mit Ralf Schüler dem Architekten der ICC Kongresshalle in Berlin und Roland Korn dem Architekten des Staatsratsgebäudes.

Wir sind ein Volk - Wir sind Berlin
Zwei Baumeister prägten das geteilte Berlin


Berlin war 40 Jahre lang Schauplatz des städtebaulichen Wettstreits zwischen Ost und West. Die Berliner Architekten, ob sie wollten oder nicht, bauten nicht nur für sich, für die Kunst, für die Auftraggeber oder für die Menschen, sondern sie bauten für ihr System. Die vielleicht größten Stars unter ihnen waren Ralf Schüler - er entwarf das ICC - und Roland Korn, der das Staatsratsgebäude errichtete.

Sie sind gleich alt, Jahrgang 1930. Sie haben denselben Beruf erlernt, Architekt. Sie leben in derselben Stadt, deren Gesicht sie über Jahrzehnte maßgeblich prägten. Nur getroffen haben sie sich nie, denn zwischen ihnen stand die Berliner Mauer - nicht nur als trennendes Bauwerk, sondern vor allem im übertragenen Sinne. Ralf Schüler schuf das ICC, Aushängeschild des eingemauerten West-Berlins und sein Lebenswerk. Roland Korn erfand ab den 60er Jahren die östliche Stadtmitte um den Alexanderplatz im Sinne des Sozialismus neu.

Den "Alex" haben die beiden auch als Treffpunkt für das Foto gewählt. Zu Füßen des heutigen Hotels Park Inn, das ebenfalls aus Korns Feder stammt, reichen sie sich respektvoll die Hand. Korn ist im braunen Anzug erschienen, Schüler mit schwarzer Fliege, zwei Männer, die in Würde alt geworden sind. Sie nehmen eine Wasserwaage in je eine Hand, ein schönes Symbol: Architektur in Berlin als städtebauliches "Wettrüsten" zwischen Ost und West, das ist vorbei.

Berlin war seiner Hauptstadtfunktion beraubt.

Wer heute im Flugzeug über die Hauptstadt hinweg fliegt, muss genau hinschauen um zu erkennen, welcher Teil einst "Osten" war und welcher der "Westen". Zwei Bauwerke geben Orientierung. Wie eine Trutzburg steht das ICC eingeklemmt zwischen Messedamm, Neuer Kantstraße und Stadtautobahn. Das futuristische Gebäude wurde Anfang der sechziger Jahre geplant, kurz nachdem die DDR die Mauer baute. Berlin (West), Insel im sozialistischen Feindesland, war seiner Hauptstadtfunktion beraubt. Die Stadt suchte einen Platz im geteilten Deutschland, der sie der Bedeutungslosigkeit enthob. Ralf Schülers ICC gab der Halb-Stadt das Gesicht einer "internationalen Drehscheibe" und machte es zur anerkannten Tagungsmetropole.

Im Osten fällt der Blick auf das Staatsratsgebäude am heutigen Schlossplatz. Das erste Haus am ersten Platz rückte die neue Staatsmacht der DDR Anfang der sechziger Jahre ins Zentrum der sozialistischen Hauptstadt. Man war wer und das wollte man zeigen. Im neuen Gebäude, dem ersten Nachkriegsneubau eines Regierungsgebäudes im Zentrum Berlins überhaupt, fand das Selbstbewusstsein der DDR-Staatsführung unter Walter Ulbricht sinnfällig Ausdruck. Der Architekt Roland Korn integrierte auftragsgemäß das alte Schlossportal in den neuen Bau, von dem aus Karl Liebknecht 1919 die sozialistische Republik ausgerufen hatte. Korn schuf ein stilistisch herausragendes Beispiel der DDR-Baukunst jener Zeit.

Heute, am Alexanderplatz lassen sich diese Schichten der jüngeren Stadtgeschichte sehr genau ablesen. Von Peter Behrens' Alexander- und Berolinahaus aus der Vorkriegszeit über Weltzeituhr und Fernsehturm aus der sozialistischen Ära bis zum Einkaufszentrum Alexa und dem Geschäftshaus Die Mitte. Hier wächst zusammen, was städtebaulich zusammengehört, könnte man Willy Brandts Wendeworte abgewandelt zitieren - auch wenn der architektonische Pragmatismus am heutigen Alex nicht jedermanns Sache ist.

Roland Korn arbeitet schon lange nicht mehr in der Mitte Berlins. Er lebt in einem kleinen Bauernhaus am südöstlichen Stadtrand. Er macht es sich auf der Terrasse bequem, die Ärmel des blauen Hemdes hochgekrempelt. Als die DDR-Führung beschloss, den im Krieg zerstörten ehemaligen Verkehrsknotenpunkt als sozialistisches Prestigeobjekt wieder aufzubauen, berief sie Korn als Komplex-Projektanten. Er hatte das Sagen über die gesamten Planungen vom Fernsehturm bis zur Weltzeituhr, entwarf des Haus des Reisens und das Hotel "Stadt Berlin", das heutige Park Inn. Der 78-Jährige war Ost-Berlins letzter Chefarchitekt, aber anders als andere ehemalige Funktionsträger, die nach dem Fall der Mauer verbittert, verschlossen oder arrogant wurden, wirkt der Mann mit dem vollen grauen Schopf unaufgeregt und bescheiden. "Das war mein Leben und das bereue ich nicht", sagt er schlicht.

Die Alliierten hatten die Teilung der Stadt nach dem Krieg beschlossen, "und wir waren leider die Erben dieser Entscheidung", sagt Korn mit Bedauern. "Ost-Berlin hatte einen Generalplan für die 'Entwicklung der Hauptstadt der DDR', wie es im Fachjargon hieß." Der erste wurde 1968 von Korns Vorgänger Joachim Näther geschrieben, den letzten legte er selbst noch 1988 auf. "Er galt bis 2010", Korn lacht sein jungenhaftes Lachen. Die Geschichte durchkreuzte die Baupläne.

"Sie müssen sich vorstellen: Im Generalplan war West-Berlin eine weiße Fläche", Korn schüttelt noch heute den Kopf angesichts dieses städteplanerischen Sündenfalls, den der Kalte Krieg mit sich brachte. Und auch umgekehrt, im Flächennutzungsplan des Westteils der Stadt, dort, wo sein Kollege Ralf Schüler arbeitete, war Ost-Berlin ein weißer Fleck. Eine Stadt ist ein lebendiger Organismus, der sich den Bedürfnissen seiner Bewohner entsprechend entwickeln muss. Berlin folgte als Schauplatz des Kalten Krieges seinen eigenen Bedingungen und erfand sich in rasantem Tempo immer wieder neu.

40 Jahre lang war die Stadt Schauplatz des städtebaulichen Wettstreits zwischen Ost und West. Die Berliner Architekten, ob sie wollten oder nicht, bauten nicht nur für sich, für die Kunst, für die Auftraggeber oder für die Menschen, sondern sie bauten für ihr System. Die vielleicht größten Stars unter den Architekten in den Jahrzehnten der architektonischen Teilung Berlins waren Ralf Schüler und Roland Korn. In ihren Arbeiten, die die Stadt bis heute prägen, zeigen sich Genialität und Größenwahn, die Vergänglichkeit politischer Architektur und das Zeitlose eines guten Entwurfs. Nicht zuletzt, bei allen Fragen, die ihre Bauten heute aufwerfen, stehen sie für zwei beeindruckende Lebenswerke.

Begeistert lehnt sich Korn über die alten Projektskizzen, die er auf dem Terrassentisch ausgebreitet hat. Sie sind in Klarsichthüllen abgeheftet, ein erfülltes Berufsleben zwischen zwei dicken Aktendeckeln. Korn wurde 1930 im thüringischen Saalfeld als Sohn eines Klempners geboren und träumte als Junge davon, ferne Länder zu erkunden, als Kapitän auf hohe See zu fahren. Stattdessen wurde er nach mittlerer Reife und Maurerlehre Architekt - ein vorbildlicher Berufsweg im Arbeiter- und Bauernstaat. Er wollte das kriegszerstörte Land mit aufbauen und hat es nie bereut. Mitte der sechziger Jahre hatte sich Korn schon einen Namen gemacht, sollte als Chefplaner nach Bagdad gehen und die irakische Hauptstadt sozialistisch umgestalten: "Die Welt öffnete sich." Die Koffer waren schon gepackt, aber dann entschied die DDR-Führung, dass sie ihn in Berlin brauchten.
Wiederaufbau bedeutete Abriss statt Rekonstruktion

Er hat die Entwürfe für das Staatsratsgebäude aufbewahrt. Das volkseigene Entwurfsbüro des damals 34-Jährigen - im Unterschied zu den privaten Architekturbüros in West-Berlin traten die Spezialisten im Ostteil der Stadt hinter das Kollektiv zurück - überzeugte im Wettbewerb 1964 den damaligen Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht mit seinem Modell.

Der natursteinverkleidete Stahlskelettbau nimmt die Proportionen des Schlossportals auf. In beiden Teilen des zerstörten Nachkriegs-Berlins hieß Wiederaufbau vor allem: Abriss statt Rekonstruktion, kompromissloser Neubau statt Erhalt der geschichtlichen Substanz. Mit der Sprengung der Stadtschlossreste hatte die DDR-Führung ein Zeichen gegen die alte, als feudal abgelehnte Ordnung setzen wollen, was unter Fachleuten im Westen heftige Kritik auslöste. Korn beschreibt den Plan für das an dessen Stelle errichtete Staatsratsgebäude. Den inneren Aufbau lehnte er an das alte Schloss an: "Könige hatten im Erdgeschoss die Räume für die Bediensteten. Die Beletage diente Empfängen und Beratungen, die oberste Etage dem Feiern." Die DDR-Regierenden als Schlossherren - eine ironische Pointe der Geschichte.

Noch heute ist der Architekt stolz auf das Gebäude, das durch seine schlichte Eleganz besticht und das er nach der Wende 1989, als die alten Hausherren gestürzt waren, gegen viele "Gehässigkeiten" verteidigen musste. Er ist dem damaligen Bundesbauminister Klaus Töpfer dankbar, dass der 1998 entschied, das Haus, das heute unter Denkmalschutz steht und eine private Hochschule beherbergt, zu erhalten. Über Politik möchte Ost-Berlins ehemaliger Chefarchitekt aber eigentlich nicht sprechen, zu tief sitzen die persönlichen Verletzungen und der Ärger über die Häme, die nach dem Mauerfall über ihn gegossen wurde: "Plötzlich war ich der mieseste Plattenbau-Architekt."

Diese Erfahrung teilt er mit Ralf Schüler, dessen gleichwohl erfolgreiches und international anerkanntes ICC heute viele ablehnen. Das "Internationale Congress Centrum, das er mit seiner Frau Ursulina Schüler-Witte entwarf, war das Prestige-Objekt des einstigen West-Berlins. Als das 1979 eröffnete Haus vor vier Jahren abgerissen werden sollte, mischten sich die Schülers engagiert in die nicht immer sachlich geführte Debatte ein. Mit Erfolg. Das Kongresszentrum bleibt und soll in den kommenden Jahren bei laufendem Betrieb modernisiert werden. Der Zank hat dem Haus, aber auch dem Architektenpaar geschadet. Sie sind misstrauisch geworden.

Ralf Schüler, ein Mann mit markanter Ray-Ban-Brille, sitzt im Besprechungszimmer seiner Atelierwohnung am dunklen quadratischen Tisch, der so groß ist, dass er Distanz zwischen sich und dem Besucher schafft. Ein zur Gehhilfe umfunktionierter Stockschirm lehnt am Stuhl. Die Wohnung liegt im alten West-Berlin, im Erdgeschoss eines 1928 vom Architekten Erich Mendelsohn errichteten Mietshausblocks, in einer Seitenstraße des Kurfürstendamms. Das ICC ist nur drei Kilometer entfernt. Im Flur hängen Modelle des rekonstruierten Marstall-Gebäudes und östlichen Stüler-Baus mit dem Ägyptischen Museum - Lieblingsprojekte der Schülers, die sie nach dem ICC realisierten. In Vitrinen stehen filigrane Schiffs- und Flugzeugmodelle, technisch perfekte Arbeiten, die der leidenschaftliche Modellbauer im Laufe seines Lebens schuf. Seine Faszination für Technik prägte auch das ICC. "Ein Bau, der Technik und Konstruktion sichtbar macht", sagt er stolz. Kritiker sagen, er repräsentiere "die Technikgläubigkeit seiner Zeit."

Während der junge Roland Korn Anfang der fünfziger Jahre nach Berlin gegangen war, um die Hauptstadt der DDR mit aufzubauen, zog Ralf Schüler vor dem Bau der Berliner Mauer in den Westteil der Stadt. Denn er stammt ursprünglich aus Ostteil, aus Pankow. Schüler wurde als Sohn eines Seifenfabrikanten an der Arbeiter- und Bauernfakultät der Humboldt-Universität nicht zum Medizinstudium zugelassen. Nach einem angefangenen Studium der Elektrotechnik in Dresden entschied er sich, an der Technischen Universität in West-Berlin Architektur zu studieren.

Dort am Zeichentisch lernte er Ursulina kennen. 1961 nahmen sie gemeinsam an einem "Sit-In" teil, sie ketteten sich an die Ruine des 1945 schwer beschädigten Anhalter Bahnhofs, um dessen Sprengung zu verhindern. Wenige Zeit später gründeten sie ihr erstes eigenes Büro in der Tegeler Gabrielenstraße. Wenn hohe Herren vom West-Berliner Senat zu Besuch kamen, trommelten sie Freunde zusammen, die so taten, als würden sie hier arbeiten, damit die Räume voller wirkten. Sie waren jung und ein bisschen rebellisch.
Die CDU-Opposition beschimpfte das ICC als "Halle Größenwahn"

Als Senat und Messe Berlin Anfang der 60er Jahre, kurz nach dem Mauerbau, den Wettbewerb um ein neues Kongresszentrum in West-Berlin ausschrieben, war Schüler in der Architektenszene der Stadt noch ein Unbekannter. Das änderte sich jedoch spätestens, als er 1967 den U-Bahnhof Schloßstraße für die neu eröffnete U-Bahnlinie 9 entwarf, später folgte das Steglitzer Turmrestaurant "Bierpinsel" - ein futuristisch gestalteter Bau, der sich kritisch mit dem Leitbild der autogerechten Stadt auseinandersetzte und bereits auf das ICC voraus wies. Schüler hatte den ICC-Entwurf in letzter Minute eingereicht, kurz vor zwölf Uhr nachts war er mit seinem kleinen Citroen 2 CV den Messedamm hoch gerast, um das auf das Dach geschnallte Modell bei der Messe Berlin abzugeben. Der Einsatz hat sich gelohnt, das Architektenpaar gewann.

Mehr als zehn Jahre lang, manchmal 100 Stunden in der Woche, planten und bauten Ralf Schüler und seine Frau mit ihrem zeitweise bis zu 100 Mitarbeitern zählenden Büro - "eine spannende, aber auch anstrengende Zeit", erinnert er sich lächelnd. Das ICC wurde ein technisches Wunderwerk, eine Stadtmaschine mit Autofoyer und elektronischem Leitsystem im Inneren. Es wurde von der Fachpresse gelobt, von den West-Berliner Zeitungen vorsichtig als "Raumschiff" beäugt, von der damaligen CDU-Opposition im Abgeordnetenhaus als "Halle Größenwahn" abgelehnt - wegen seiner Dimensionen (320 Meter lang, 80 Meter breit und 40 Meter hoch), hohen Baukosten (rund eine Milliarde D-Mark), Form und silbernen Hülle. Entscheidend aber war: Das ICC war auf Jahre hinaus ausgebucht. Schülers Hightech-Haus blieb einmalig und gilt bis heute als prägnantestes Beispiel der West-Berliner Architektur jener Zeit.

Über 20 Aktenordner Presseartikel haben die Schülers zum ICC gesammelt. Ursulina Schüler-Witte holt einen Stapel Postkarten aus einer Schublade: "Schauen Sie, wie viele verschiedene Karten es vom ICC gab. Heute finden Sie keine einzige mehr." Berlin hat sich verändert. Deutschlands größtes Kongresszentrum, einst Wahrzeichen West-Berlins, gehört ebenso wie Roland Korns Staatsratsgebäude nicht mehr zu den Stadtansichten, die in die ganze Welt verschickt werden.

Während das ICC West-Berlins Anspruch manifestierte, eine wichtige Rolle im internationalen Kongressgeschäft zu spielen, stand im Ost-Berlin der siebziger Jahre die "Lösung der Wohnungsfrage" ganz oben auf der Agenda. 1975 wurde Roland Korn Chefarchitekt, seine Hauptaufgabe: Massenwohnungsbau. Ein neuer Stadtbezirk, Marzahn, sollte Wohnraum für 250 000 Menschen schaffen, entschied der damalige DDR-Staatschef Erich Honecker. Korn selbst hatte, als er im September 1951 nach Berlin zog, erlebt, was es hieß, unter beengten Verhältnissen zu leben. Er bezog zur Untermiete ein möbliertes Zimmer an der Oderberger Straße in Prenzlauer Berg. Die Seitenstraße der Kastanienallee im heutigen Szenekiez war damals Grenzgebiet, grau und unsaniert.

Der neue Chefplaner bezog sein Büro in der Behrenstraße, einen Steinwurf vom Brandenburger Tor entfernt, und machte sich daran, binnen kürzester Zeit das größte Neubaugebiet der DDR zu planen und zu realisieren. Der Stararchitekt wurde zum Komplexplaner. Tausend Fragen musste Korn klären. Wie konnte Marzahn an das innerstädtische Netz angeschlossen werden? Wie sollte die Stadt aussehen? Roland Korn fuhr in die West-Berliner Gropiusstadt: "Ich habe mir das Viertel ganz genau angesehen. Gropius hat die Häuser eingruppiert unter Erhalt der Alleen, und so haben wir es dann in Marzahn auch gemacht." Als Chefarchitekt nutzte er die Möglichkeit, mit einem Dauerpass so oft wie möglich nach West-Berlin zu fahren und schmunzelnd gibt er zu: "Wir haben überall ein bisschen geklaut." Marzahn ist vielgescholten, aber es erlebt seine Renaissance, da ist sich Korn sicher.

Im Westen war man natürlich nicht begeistert, wenn man mitbekam, dass Urheberrechte im Osten nichts galten, aber im baulichen Kampf waren beiden Seiten viele Mittel recht. Der Ernst-Reuter-Platz (1955-57) war eine Antwort auf den Strausberger Platz (1952/53), der Komplex Leipziger Straße (1969) war die Retourkutsche für das Hochhaus, das der Verleger Axel Springer 1959 bis 1966 direkt an der Mauer in Kreuzberg errichten ließ. Viele Beispiele finden sich für die konkurrierenden Neubau-Versionen der geteilten Nachkriegsstadt.

Ralf Schüler hat vor dem Fall der Mauer einmal mit einem DDR-Betrieb zusammengearbeitet. An das "gelungene Gemeinschaftsprojekt" erinnert er sich heute noch gerne. Als der Berliner Senat 1986 ankündigte, das von Schüler in seinem Auftrag entworfene Rosa-Luxemburg-Mahnmal am Landwehrkanal nicht zu finanzieren, entschied der Architekt kurzerhand: "Dann bauen wir es selbst." Das Mahnmal für die ermordeten Sozialisten war für ihn eine "gesamtdeutsche Angelegenheit", und so holte er den VEB Eisengießerei Lauchhammer ins Boot, der die gusseisernen Skulpturen fertigte.
Roland Korn begann, die abgerissenen Gebäude zu malen

Bei aller Ablehnung auf politischer Ebene, die Fachleute aus Ost und West tauschten sich auch schon vor 1989 über städtebauliche Fragen aus, wenn auch informell, erinnert sich Roland Korn: "Als wir den Generalplan für Ost-Berlin gestalteten, haben wir mit West-Berliner Kollegen abgestimmt, welche Hauptstraßenzüge und welche unterirdischen Räume beibehalten werden. Wir haben vereinbart, keine wichtigen Verbindungen zu kappen. Zum Beispiel die Sonnenallee, die Leipziger Straße, Unter den Linden und die Invalidenstraße. Diese Freiheit hatten wir als Fachleute." Welche Vision hatten die Architekten vom künftigen Berlin? Korn lächelt verschmitzt: "Die Sozialisten haben eben geträumt, Berlin mal sozialistisch zu sehen und die Kapitalisten haben geglaubt, dass es kapitalistisch wird."

Berlin ist seit dem Herbst 1989 auch architektonisch wieder zusammengewachsen. "Das muss sein, das ist doch ganz klar", sagt Korn. Er selbst konnte diesen Prozess nicht mehr mitgestalten, wurde 1990 als Chefarchitekt entlassen: "Berlin war vorbei", sagt er bedauernd. Er fing an, die in Ost-Berlin verschwundenen Gebäude zu malen. Aus dem Gedächtnis und nach Postkarten malte er beispielsweise die Gaststätte Ahornblatt mit dem charakteristisch gekrümmten Betondach an der Fischerinsel oder das Hotel Unter den Linden, weil er sich über deren Abriss ärgerte.

Ralf Schüler hingegen hat auch in der wiedervereinigten Stadt seine Spuren hinterlassen, wenn auch weniger große als im West-Berlin der sechziger und siebziger Jahre. Zusammen mit Ursulina Schüler-Witte baute er 1990 das Rathaus Hellersdorf, rekonstruierte 2001 die Kuppel über dem U-Bahnhof Nollendorfplatz und legte Entwürfe für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses vor, das ihm sehr am Herzen liegt.

"Eine einheitliche Berliner Architektur", darin sind sich die Architekten einig, "wird es nie geben." Schließlich gab es diese auch schon vor dem Bau der Mauer nicht. Roland Korns Wunsch ist, markante Orte als historische Zeitzeugen zu erhalten, etwa die City West um den Kudamm, die Gropiusstadt, das Nikolaiviertel und den Park um den Fernsehturm. Sie erinnern an die geteilte Stadt, machen Berlins bewegte Stadtgeschichte auch künftigen Generationen erfahrbar. Nur die Mauer soll bleiben, wo sie heute ist: an den Souvenirständen und in den Steinbrüchen der Geschichte.
http://www.morgenpost.de/berlin/mauerfall/article1184185/Zwei-Baumeister-praegten-das-geteilte-Berlin.html
 

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LIBERTINED
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Bevor wir den Fokus auf die allmähliche Verschmelzung beider Stadthälften legen, macht ein Rückblick auf die Geschichte und Umstände der Teilung von Berlin und Deutschland in seiner Gesamtheit sicher Sinn.


Dazu eine grandiose Dokumentation (samt 3D-Simulation) vom ebenso grandiosen Sender Deutsche Welle:

"Eingemauert!" Die innerdeutsche Grenze
Link (Dort auch in HD-Qualität!)
 

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✪ DWF Generalsekretär
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Discussion Starter #3
Einst waren sie ein Symbol der Teilung, heute begehrte Innenstadtwohnungen!



Haus 41, 1. Stock

Unten spielen die Kinder. Es müssen ungefähr 60 sein. Früher waren es doppelt so viele, aber das war, als die Mauer noch stand. Ziemlich groß ist es hier, selbst für 120 Kinder. 960 Quadratmeter drinnen, 2500 Quadratmeter draußen.

Leonore Wüstenberg leitet den Kindergarten und hat schon viele Interviews gegeben, sagt sie, aber mit dem Osten habe das nie was zu tun gehabt. Eher mit Musik. Die Kinder gehören zum Musikkindergarten des Dirigenten Daniel Barenboim, kommen aus 24 Nationen, legen ihre Füße auf Celli, spielen Ukulele oder Orchester, aber ohne Instrumente. Leonore Wüstenberg stammt aus Westdeutschland, und sie sagt, seit sie „Das Leben der Anderen“ gesehen hat, fragt sie sich, wo in den Wänden hier wohl Wanzen versteckt sind. Hier sei ja mal die Vorzeigekita des Ostens gewesen. Das habe auch sein Gutes, die Super-Ausstattung zum Beispiel: Kinderwaschbecken, Kinderklos, alles da, alles noch tipptopp.
Haus 46, 19. Stock

Die Madeleine war auch da, also damals in der Kita. Das ist fast 30 Jahre her. Die Madeleine wohnt ja schon lange in München. Ursula Jaedike sagt, die Kinder müssen ja auch aus dem Haus. Damals war das eine ganz andere Gegend hier. Weniger Verkehr, mehr Leute morgens im Aufzug, da hat man sich gegrüßt. Unten eine Kaufhalle, zwei Restaurants, „Sofia“ und „Prag“. Jetzt: Lidl, da geht sie manchmal hin, ein China-Restaurant, da war sie nie, und dieses Möbelgeschäft, was soll man da? Ist eh kein Platz mehr in der Wohnung. Ursula Jaedike ist 71 Jahre alt und hat ihr gesamtes Leben um sich versammelt. „Nun isses da, das Zeug“, sagt sie und meint damit: südamerikanische Göttermasken, Kuscheltiere mit der Aufschrift „Du machst mich verrückt“, Nackte aus Gips, Kupferteller, chinesische Vasen. Teppich liegt über Teppich. Ursula Jaedike wohnt hier seit 33 Jahren. Erstbezug.

„Nicht, dass Sie was Falsches denken“, sagt sie, „in der Partei war ich nie“, und man merkt, dass sie oft danach gefragt wurde.

Die Hochhäuser in der Leipziger Straße wurden in den 70er-Jahren gebaut, direkt an der Mauer, mit Blick auf den Westen. Wer hier eine Wohnung bekam, hatte das Vertrauen der Partei oder war selbst Mitglied. Vier Doppelhäuser, acht Hausnummern, bis zu 25 Stockwerke, fast 2000 Wohnungen, acht auf jeder Etage, jede mit Balkon. Auf eine Neubauwohnung musste man in der DDR lange warten. Auf eine mit Ausblick ewig.

Ursula Jaedike hat ein ganzes Haus in Bernau gegen diese Wohnung getauscht. So lief das damals. Sie war Leiterin des Ein- und Verkaufs beim Altstoffhandel. Wer hier wohnte, war ihr damals egal, aber es gibt viele Gerüchte. Der ehemalige Chauffeur von Honecker, so ein General, ein hohes Tier bei der Stasi, die Schauspielerin Gisela May, die sollen ja heute noch alle hier wohnen. „Viele sind aber auch schon tot“, sagt sie.

Ursula Jaedike hat die Vergangenheit in ihrem Gesicht mit grellen Farben überschminkt. Ihr Leben beschreibt sie so: drei Ehemänner, zwei Kinder, jetzt einen Bekannten. Der Bekannte kommt mittags zum Essen und bringt manchmal einen Zehn-Kilo-Sack Kartoffeln mit. Ob nun DDR oder nicht, das Leben sei halt, wie es ist. Damals habe sie sich zwar eingesperrt gefühlt, aber reisen könne sie jetzt auch nicht. Zu teuer. 400 Euro kosten die 72 Quadratmeter, 794 Euro Rente bekommt sie. Beim Essen: das Gleiche. Früher brauchte man Beziehungen, um Bananen oder Gurken kaufen zu können. Heute braucht man Geld. Früher wie heute kann sie nicht alles haben, was sie will. Was ist Freiheit ohne Geld?
Haus 48, Im Fahrstuhl

Die Bonzen haben oben gewohnt, hatte Frau Jaedike gesagt. Also die Parteisoldaten. Wegen des Ausblicks. Manche von ihnen wohnen immer noch dort, sagt man. 26 Sekunden braucht der Fahrstuhl von ganz unten bis nach ganz oben.
Haus 48, 22. Stock

Karsten Knolle würde nie sagen, er sei ein Ossi. Geboren wurde er zwar in Quedlinburg, Sachsen-Anhalt. Doch sein Vater hat ihn, da war er gerade 16, in den Zug gesetzt, „Das Kapital“ zur Tarnung in der Tasche, und gesagt: „Junge, sieh zu, dass du rüberkommst.“ Knolle hat ein Buch über sein Leben geschrieben, mit dem Titel „Ein deutsch-deutsches Enfant terrible?“ Er war Journalist, nach der Wende Landtagsabgeordneter im Kreis Quedlinburg, dann Europaabgeordneter und lange bei der Bundeswehr. Am Revers trägt er das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold.

Knolles Stil könnte man hanseatisch nennen. Er sieht aus, als wolle er gleich segeln gehen oder eine Rede zur Lage der Nation halten oder einen Apfelbaum pflanzen. Er ist 70 Jahre alt.

Karsten Knolle, CDU-Mitglied, sagt Sätze wie: „Die Angela Merkel ist in der CDU immer noch die Neue. Die ist doch da nicht groß geworden.“ Oder: „In der DDR gab es doch nichts, was irgendwie reizvoll war.“ Als die Mauer fiel, war er im Bundestag, als Journalist. Jemand unterbrach die Sitzung und sagte: „Die stürmen gerade in Berlin die Mauer.“ Die Abgeordneten standen auf, sangen die Nationalhymne. Auch Knolle stand auf.

Vor acht Jahren kaufte er sich eine Wohnung in der Leipziger Straße, drei Zimmer, 90 Quadratmeter. Hier sei die Mitte Berlins und deshalb auch die Deutschlands, sagt er.

Er sitzt auf dem Ledersofa, in den Regalen dicke Bücher, an den Wänden Kunst, hinter Glas: Berlin. Der Blick aus dem Fenster ist unwirklich, und so weit oben man auch ist, die Stadt reicht dennoch bis zum Horizont.

Im Flur grüßt er manchmal dieses und jene hohe Tier von damals. Er kommt mit ihnen gut aus. Doch Knolle glaubt, das Land werde erst wirklich wiedervereinigt sein, wenn die Kinder der heutigen Kinder was zu sagen haben. Er sagt, das Trennende sei leider Teil der menschlichen Natur. Wenn ihm jemand sage, er komme aus Bonn, würde er auch als Erstes fragen: Welche Rhein-Seite? Sonnen- oder Schattenseite?
Haus 48, 22. Stock

Frank Berlin wohnt direkt neben Karsten Knolle. Fotografiert werden will er nicht. Das sei ja eine Sache, mit jemandem von Springer zu sprechen, eine andere, sich fotografieren zu lassen. Er sieht rüber, auf das Springer-Gebäude, das die Häuser in der Leipziger Straße einst verdecken sollten. Springer baute sein Nachrichtenhaus direkt an die Mauer. Und die DDR baute einen Sichtschutz. Frank Berlins Leben hat zwei Phasen, die man nicht vermischen kann, wie Öl und Wasser.

Vor der Wende: Bauleiter, ganz am Schluss Stellvertretender Hauptdirektor im Wohnungsbaukombinat. 1970 Parteieintritt. Er sagt, er habe immer an den Sozialismus geglaubt, außerdem habe er nicht den Helden spielen wollen.

Nach der Wende: Da kamen die Westdeutschen, so als sei man ein Negerstamm, dem man mit ein paar Glasperlen die Frauen abkaufen kann. Da kamen dann Leute im geborgten Mercedes und mit Funktelefon. Und immer diese nervende Arroganz: Marktwirtschaft kennen die doch gar nicht.
Irgendein Haus, irgendein Stockwerk

Klingeln. Bitte reinkommen. Mann. Ende 70. Hager. Dirigentenfrisur. Erstbezug. Parteisekretär. Eine Ehre, in diesem Haus wohnen zu dürfen. „Wie fühlen Sie sich jetzt im wiedervereinigten Deutschland?“

„Der Sozialismus war richtig. Die BRD der Unrechtsstaat, nicht die DDR.“

„Nun ja. Stasi. Mauer-Tote. Keine freien Reisen. Ist das nicht eher ein Unrechtsstaat?“

„Ich lasse mir doch nicht von einem Wessi-Schnösel meine DDR madig machen.“

Raus.
Draußen

In der Leipziger Straße ist man eigentlich nur, wenn man hier wohnt oder arbeitet. Früher war die Gegend mal belebt, heute ist sie ein bisschen ein Niemandsland, eingeklemmt zwischen der Friedrichstraße mit ihren Luxusläden und dem Gendarmenmarkt mit seinen Touristen. Niemand lässt sich vor den Häusern der Leipziger Straße fotografieren, dann lieber ein paar Meter weiter am Checkpoint Charlie oder am Alexanderplatz. Die Häuser ragen in den Himmel, aneinandergereiht wie riesige Dominosteine.
Haus 41, 15. Stock

Die alten Leute lernt er eigentlich nicht kennen. Manchmal sieht man sich im Trocknerraum. Oder man hört: Da wohnt der-und-der, wusstest du das schon? Uli Uphaus (39) ist Landschaftsarchitekt und stammt aus Osnabrück. Er wohnt seit neun Jahren in der Leipziger Straße, weil die Altbauwohnungen im Prenzlauer Berg so cool sind, dass es wieder unangenehm wurde. Seither musste er zwei, drei Mal Interviews geben und erklären, warum zum Teufel junge Menschen in Plattenbauwohnungen ziehen. Er mag es hier. Ein paar Etagen höher wäre nicht schlecht, aber da wird selten etwas frei.
Irgendein Haus, irgendein Stockwerk

Wolfgang Schwanitz, ehemaliger stellvertretender Minister für Staatssicherheit, soll hier leben. Auf den Klingelschildern steht er nicht. Wo er wohnt, weiß kaum jemand. Und wer es weiß, mag es nicht sagen.
Haus 41, 18. Stock

Manchmal fühlt er sich noch überwacht. Er durfte Dienstreisen in den Westen machen und hat dabei manchmal seine Tante in Tempelhof besucht. Aber bitte schreiben Sie das nicht. Das durfte man ja nicht.

Jochen Fischer ist 74, mit 16 trat er der SED bei, hat mehr als 20 Jahre für das „Neue Deutschland“ gearbeitet. Als Agrarjournalist. Er mag das neue Deutschland, aber er vermisst die Flurfeste und den Zusammenhalt auf der Etage.
Haus 46, 14. Stock

110.000 Euro hat Vessela Posner für 72 Quadratmeter bezahlt. Viel Platz, wenig Geld. Sie wohnt gegenüber, aber hier hat sie ihr Atelier. Sie liebt den Ausblick. Aus drei Räumen hat sie zwei gemacht. Sie malt große Ölbilder, viele Schichten übereinander. Von der Kunst kann sie gut leben. Sie trägt einen Blaumann und einen roten Afro. Sie hat sich ein Bild von ihrem Haus gemacht: Unten wohnen noch viele Alte oder Migranten, in der Mitte wohnen die jungen Leute, direkt neben ihr zum Beispiel ein schwules Paar, und oben, da seien die Anzugträger, die mit Geld und eben die Bosse von damals.

Vessela Posner ist keine dieser Künstlerinnen, die glaubt, Tierblut verspritzen zu müssen. Kunst sei Arbeit. Sie stammt aus Bulgarien, und als sie das erste Mal in Berlin war, noch vor der Wende, dachte sie: In diese grässliche Stadt willst du nie wieder. Kommunismus hattest du schon genug. Sie lebte in Brüssel, in Paris.

Heute liebt sie Berlin. Hier passiere so viel. Viele Künstler. Jeder kann einfach sein, wie er ist.
Zwischen den Häusern

Es ist bereits kalt, aber sie sitzen dennoch auf der Parkbank. Namen tun nichts zur Sache. Sie fühlen sich von den jungen Leuten im Fahrstuhl manchmal schief angeguckt. Aber die waren damals ja auch nicht dabei. In der DDR war zwar nicht alles okay. Aber man hatte nichts anderes damals.
Irgendein Haus, irgendein Stockwerk

Oben wohnt der Reiche, und seine Wohnung soll unglaublich sein. Mehrere hat er zusammengelegt, Wände einreißen lassen, Innenarchitekten waren am Werk. Ein Loft soll das sein wie aus „Schöner Wohnen“. Zeigen will er es nicht. Er will keinen Neid.
Haus 48, 22. Stock

Frank Berlin sagt, es sei einfach ungerecht: „Jeder Gewaltverbrecher bekommt heute eine Chance, aber wenn einer Pförtner bei der Stasi war, dann ist das unverzeihlich. Ich will die Leute nicht in Schutz nehmen. Aber man kann nicht alle über einen Kamm scheren.“

Er sagt, es war verrückt hier zu leben, man konnte die Uhrzeit am Roten Rathaus und am Schöneberger Rathaus gleichzeitig ablesen.

Er wollte Deutschland immer geeint sehen. Aber er hatte gehofft, es wird sozialistisch.
Haus 41, 1. Stock

Unten spielen die Kinder. Sie sind zwischen zwei und fünf Jahren alt. Eine Mauer sehen sie nicht. Das ist nun wirklich auch 20 Jahre her.
http://www.morgenpost.de/berlin/article1207771/So-wohnt-es-sich-heute-in-der-Leipziger-Strasse.html
 
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