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LIBERTINED
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In diesem Thread soll es um die verbliebenen Reste des Vorkriegs-Hamburg gehen, aber ebenso um ehemalige/nicht mehr vorhandene/(bald) abgerissene Bauten und Ensembles der Hansestadt.

Hier können Rekonstruktionswünsche, Abrisspläne mit anschließend historischer/historisierender Neubebauung und besondere Einzelbauten besprochen werden. Auch kann es um die Geschichte von Kiezen, Fleeten und Barkassen gehen - kurzum: Um das alte Hamburg eben ;)

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Meine Hamburger Lieblingsecke: Nikolaifleet / Deichstraße

Wie bedrückend, dass auf dieser kleinen Altstadtinsel die letzten Überreste des hanseatisch-bürgerlichen Hamburgs zu finden sind. :(

Ob da nicht in der Umgebung Möglichkeiten zu Rekonstruktionsbemühungen bestünden?


Am Nikolaifleet
 

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Wie bedrückend, dass aus dieser kleinen Altstadtinsel die letzten Überreste
des hanseatisch-bürgerlichen Hamburgs zu finden sind :(
Das Gebiet ist ja nur deswegen so ein kümmerlicher Rest seiner selbst, weil dort der große Hamburger Brand von 1842 ausbrach, der nicht nur die Alststadt sondern ein Viertel Hamburgs völlig zerstörte.

Unter den architektonischen Opfern unter anderem das Rathaus, die St.Petrickirche, das Hamburger Stadtarchiv, die alte Börse und die St.Nikolaikirche, in der noch ein Gottesdienst abgehalten wurde als das Gebäude fast vom Feuer umschlossen war und dessen Glocken durch die Hitzeeinwirkung ein letztes mal schlugen, bevor der Turm einstürzte und die Kirche in Flammen aufging.

(Wikipedia)

Hier der Jungfernstieg nach dem Brand:

(Wikipedia)


Was die Rekonstruktion angeht. Wie soll das von statten gehen? Wie gesagt, ein Viertel der Stadt wurde zerstört. Und selbst wenn man nur in diesem engen Gebiet bleibt geht es weniger um Einzelgebäude die herrausragten als vielmehr um ganze Gebäudeensembles aus kleinen Wohnhäusern, die nur zusammen wirken. Wie soll da die Nutzung aussehen, nachdem man die heutigen Bürohäuser abgerissen hat?

Ich bin ja pro Rekonstruktion für alle Stadtgebiete wie wo gibt. Aber grade beim Nikolaifleet, so schön es dort auch ist, wüsste ich selber nicht weiter. Ausser höchsten einzeln versprengte neuere Gebäude in 3 alte Gebäude umzuwandeln. Das wäre zwar schön, würde aber die Wirkung heute auch nicht mehr ändern und wenn man nicht gerade jedes Gebäude einzeln kennt, würde einem das nicht auffallen, wenn man die Gegend ein paar Jahre später nochmal besucht ;)

Würde die Priorität eher darin sehen die hässlichen 70er-Jahre Monster in angrenzenden Gebieten platt zu machen. Da sind teilweise Architektursünden, die das Gebiet umgrenzen, die sind jenseits von Gut und Böse.
 

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LIBERTINED
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Discussion Starter · #3 ·
Das Gebiet ist ja nur deswegen so ein kümmerlicher Rest seiner selbst, weil dort der große Hamburger Brand von 1842 ausbrach, der nicht nur die Alststadt sondern ein Viertel Hamburgs völlig zerstörte
Ich weiß! Umso beeindruckender und spannender wäre ein solches Wiederaufbauvorhaben. Denn selbst viele der Nachfolgebauten aus dem 19. Jahrhundert sind in diesem Gebiet ja nicht mehr vorhanden, sie wurden nach dem Krieg meist durch Kisten minderer Qualität ersetzt.

Gerade in der Deichstraße (am Ende dieser) klafft eine besonders üble Bausünde - dieser gigantische, schwarze Block mit dem Brunnen davor. Ich kann mich nicht entsinnen, an wen dieser vermietet war, vielleicht weißt du es.
Ebenso der Großteil der Straßenfront gegenüber des Speicherviertels (Kajen/Bei den Mühren/Dovenfleet) - besonders schade, dass durch die dortigen Bausünden eine echte städtebauliche Anbindung dieses Viertels an die Altstadt nicht gelingen mag. Hier müssten tatsächlich auch einige der historistischen Schlüsselbauten wieder auferstehen, die dort von besonderer Qualität waren.


Unter den architektonischen Opfern unter anderem das Rathaus
Ja, ein besonders schwerwiegender Verlust. Es befand sich ja an der Trostbrücke, direkt gegenüber der damals ebenfalls verbrannten Nikolaikirche. Soweit ich mich erinnern kann, stehen dort nur absolut minderwertige Bauten. Wäre das nicht ein Top-Rekokandidat?
Es wäre die Initialzündung für die Aufwertung dieses ganzen gottverlassenen Nikolaiviertels.


Was die Rekonstruktion angeht. Wie soll das von statten gehen? Wie gesagt, ein Viertel der Stadt wurde zerstört. Und selbst wenn man nur in diesem engen Gebiet bleibt geht es weniger um Einzelgebäude die herrausragten als vielmehr um ganze Gebäudeensembles aus kleinen Wohnhäusern, die nur zusammen wirken. Wie soll da die Nutzung aussehen, nachdem man die heutigen Bürohäuser abgerissen hat?
Ich habe das entscheidende Wort hervorgehoben. Es geht darum, dass die Kleinteiligkeit der Althamburger Ensembles wieder hergestellt wird!
Das kann in angepasst historisierender Weise erfolgen (wie bspw. südlich der erhaltenen Bürgerbauten am Nikolaifleet), und dort, wo die Dokumentationsgrundlage gut ist, kann rekonstruiert werden. Prägende Einzelbauten werten bekanntlich jedes Ensemble auf. Und so weit ich weiß, sind die alten Hamburger Bürgerhäuser trotz Archivbrand recht gut dokumentiert, da man einiges auf das gesamte Stadtgebiet verstreut hatte.


Würde die Priorität eher darin sehen die hässlichen 70er-Jahre Monster in angrenzenden Gebieten platt zu machen. Da sind teilweise Architektursünden, die das Gebiet umgrenzen, die sind jenseits von Gut und Böse.
Ja, wie gesagt, da wäre die Schere anzusetzen. Hamburg hat so viel Geld und ein derart hohes Nachfragepotenzial, dass eine von oben auferlegte Pflichtrekonstruktion bei Neubebauung quasi ohne Weiteres durchzusetzen wäre.

Das soll keinen künftigen unflexiblen Status Quo bedeuten, aber zumindest die Kernaltstadt jenseits von Speicherviertel, Kontorhausviertel, Landungsbrücken und Alsterufer sollte allmählich wiederkehren. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass man dann langsam auf Altona übergreifen könnte und dort prägende Einzelbauten wiederherstellt.


Hamburg sollte in dieser Hinsicht nicht kleckern, sondern klotzen.
Das kann die Hansestadt sich erlauben. Vorallem, wenn sie wirklich mal "Deutschlands/Europas/Der Welt schönste Stadt" sein will, wie so so gern propagiert ;)
 

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LIBERTINED
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Discussion Starter · #4 ·
^ Zu viel Text oder interessiert sich hier niemand für Good ol' Hamburg? :dunno:
 

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Zu viel Text auf zu wenig Bilder ;)
Ausserdem bin ich kein Fan von solchen threads, muss ich leider zugeben. Mich macht sowas einfach nur traurig. Und da ich die Realitäten in Schland kenne, weiss ich ganz genau, dass kein Grund für Hoffnung besteht, dass da ganze Straßenzüge, geschweige denn auch nur ein Bruchteil einzelner Gebäude rekonstruiert wird.
Solche threads lassen den Frustalarm klingeln.
 

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LIBERTINED
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Discussion Starter · #6 ·
Fest steht doch, wir haben im Krieg viel verloren. Und es muss sich nicht nur deshalb in der Baukultur etwas ändern. Stichwort Nachhaltigkeit. Zum Glück geht es (auch in Hamburg) teils schon in die richtige Richtung - siehe Ottensen oder vgl.bare Projekte.

Aber damit sichv grundsätzlich etwas ändern kann, muss den Leuten (und damit auch Architekten & Investoren) erst bewusst werden, was sie überhaupt verloren haben. Das geht eben am besten über Aufklärung - mit Bildern, Informationen, Augenzeugenberichten. Es geht nicht um Revisionismus, es geht um's Umdenken.

Und ich finde nicht, dass so ein Thread frustriert - mich jedenfalls nicht (mehr). Du musst dich eben von dem Gedanken verabschieden, dass unsere Städte je wieder so aussehen werden. Das ist aber auch gar nicht dramatisch, uns stehen in Zukunft alle Gestaltungsmöglichkeiten offen - und es ist ja auch nach dem Krieg viel Großartiges entstanden, gerade in Hamburg.

Und um nicht noch eine Nullrunde zu riskieren, breche ich an der Stelle mal ab und warte auf Antworten ;)
Bilder kommen dann auch noch.
 

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100 Jahre Hille
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Hamburg wollte und will schon immer eine Weltstadt sein (sie ist es natürlich auch). ich glaube, da passt es so nicht mehr rein - in einer Stadt, die schon weit vor dem Krieg begonnen hat, ihre Altstadt zu schleifen, um größeres zu schaffen. Vielleicht ist dies typisch für eine bürgerliche Kaufmannsstadt. ich glaube nicht, das in Hamburg ernsthaft noch jemand kleinteilig und historisierend bauen möchte.
 

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LIBERTINED
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Discussion Starter · #8 ·
Aber war nicht auch Lübeck eine solche bürgerliche Kaufmannsstadt? Oder Stralsund? Bremen? Danzig?


Vor dem Krieg ging es auch diesen Städten durchaus prächtig, während der Gründerzeit prosperierten die meisten Hafenstädte.
Doch diese Städte haben ihre respektiven Altstädte längst nicht so tiefgreifend umgestaltet.
 

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Hamburg ist aus meiner Sicht schon immer etwas avantgardistischer, vorwärtsgewandter gewesen als die meisten anderen Städte in Deutschland. Architektonisch ist das nicht unbedingt von Vorteil.

Beispiel Hafencity (auch wenn das hier OT ist, daher nur kurz angerissen). Dass moderne Metropolenbebauung auch anders geht, zeigt das Beispiel Berlin. Dortige Neubauten haben mehrheitlich etwas 'klassisches', ohne gleich historisierend oder langweilig zu wirken. Aber in Hamburg baut man lieber state-of-the-art... auf die Gefahr hin, dass die Halbwertzeit solcher Architektur in zwanzig Jahren genauso überschritten ist wie die von Brutalismus & Co. heute.

Mit so etwas rückwärtsgerichtetem wie Rekonstruktionen hält man sich hier vermutlich gar nicht erst auf.
 

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spaghetti polonaise
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Gerade in der Deichstraße (am Ende dieser) klafft eine besonders üble Bausünde - dieser gigantische, schwarze Block mit dem Brunnen davor. Ich kann mich nicht entsinnen, an wen dieser vermietet war, vielleicht weißt du es.
Da war früher die Hamburgische Landesbank drin.


In Harburg gibt es noch eine Ecke rund um die Lämmertwiete mit alten Gebäuden aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Also aus einer Zeit, wo Harburg noch nicht zu Hamburg gehörte. Da die Ecke touristisch nicht erschlossen ist, finde ich auch nicht so viele gute Bilder.
 

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LIBERTINED
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Discussion Starter · #11 ·
Ja, Harburg hat einige interessante Relikte aufzubieten. Gerade auch in der neuen Straße.
Und einiges an beeindruckenden Historismuswerken (Rathaus!).


Bergedorf ist auch erstaunlich. Einiges an Fachwerkhäusern mit fast schon niedersächs. Anmutung.
Hast du davon vllt. Bilder?
 

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Was heißt hier fast schon? Das 'Zentrum' von Bergedorf könnte doch wohl genausogut ein niedersächsisches oder südostholsteinisches Kleinstädtchen sein. ;)

Ist vermutlich auch der historischen Entwicklung geschuldet.
 

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Ich hatte mal in Bergedorf ein weilchen gewohnt. Und ja, ist wirklich schön dort. Hatte ich nicht mal Bilder von der Altstadt und dem bergedorfer Schlößchen (einziges Schloß in Hamburg) gepostet? Oder hab ichs gelassen, weil die Quali so mies war?! Hmm
 

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spaghetti polonaise
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Ich war gestern zum ersten Mal so richtig in Bergedorf. Das Bergedorfer Rathaus könnte genauso gut in einem Berliner Bezirk stehen.
 

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Alphaist
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^^ Was meinst Du damit?

Würde jedenfalls gerne Bilder von Bergedorf sehen.
 

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✪ DWF Generalsekretär
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In Bergedorf gehe ich immer Schuhe kaufen, da gibt es wenigstens noch richtigen Einzelhandel.
 

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Hier habe ich eine sehr nette Fotoseite über Bergedorf gefunden.

Der Berliner Vergleich hat schon was wahres. Ohnehin fühle ich mich so ein bisschen an Köpenick erinnert. Wobei Bergedorf, wie erwähnt, noch deutlich mehr 'Innenstadtfunktion' (Einzelhandel etc.) zu bieten hat.

Das ist ohnehin ein von Touristen oft unterschätzer Aspekt der großen Metropolen: selbst in Randlagen lauern da noch wundervolle, ehemals selbständige 'Kleinstadtperlen'. In den Außenbezirken mittelgroßer Städte wie Hannover oder selbst München geht es da entweder sehr dörflich oder sehr brutalistisch zu (was nicht heißen soll, dass es das in Hamburg oder Berlin nicht gibt).
 

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✪ DWF Generalsekretär
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Auch dort leidet der Einzelhandel!

In Bergedorf leben heutzutage viele Russen, die haben dort auch ihre eigenen Supermärkte, da kann man dan gefrorenen Dorsch und so kaufen. Ich glaube Bergedorf war der erste Ort in dem man Wahlplakate der FDP auf russisch aufgestellt hat.
 

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LIBERTINED
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Discussion Starter · #19 ·
Also Bergedorf hat jetzt mE nicht allzu große Ähnlichkeit mit Berlin-Köpenick, vllt. am ehesten hinsichtlich der Struktur, sonst eher nicht.
Was den Einzelhandel betrifft: Ich glaube, dort gibt es auch kein größeres Einkaufszentrum, oder? Sowas ist immer sehr gut für einen Stadtteil und seine Lebendigkeit. Diese überdimensionierten Shoppingpaläste saugen den Städten wie ein Vampir den Saft aus der Lebensader. Sie fegen regelrecht die Straßen leer.
 

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Bergedorf hat mit Kaufland und Marktkauf gleich zwei Hypermärkte. Kaufland ist dabei noch in einem Komplex mit Saturn. Ansonsten gibts aber nen guten Mix aus den ewig gleichen Filialen und kleineren Läden.

@Kent: In meinem Edeka gabs auch mehrere Regale mit Russenfraß. War gar nicht mal so schlecht. Hab mich da des Öfteren bedient
 
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