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Discussion Starter · #1 · (Edited)
Es gibt wohl nirgendwo mehr im Ruhrgebiet einen Ort, wo die Nähe von Industrie und Stadt so eng ist, wie in Duisburg-Bruckhausen. Hier überragen die Hochöfen des ThyssenKrupp-Hüttenwerks die gründerzeitlichen Stadtviertel Beeck, Bruckhausen und Marxloh. Dies wird *allerdings bald Geschichte sein, denn 121 Wohnhäuser werden für den „Grüngürtel Duisburg-Nord“ abgerissen.

Es werden Gesamtkosten von 71,9 Mio. EUR zur Durchführung der Gesamtmaßnahme geschätzt. Die Finanzierung erfolgt durch Zuwendungen der ThyssenKrupp Steel AG in Höhe von 35,9 Mio. EUR und Fördermittel des Landes/der Europäischen Union von 36 Mio. Zwischen dem Werk und den Stadtteilen ist ein „Landschaftsbauwerk“ (Wall) geplant.*

Das Projekt hat zum Ziel, durch integriertes Handeln unter der Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner die Ortsteile weiter zu stabilisieren und die städtebauliche Situation - und damit einhergehend die örtliche Lebensqualität - zu verbessern. Einen wesentlichen Baustein bildet die Behebung der dort vorhandenen städtebaulichen Missstände durch den Rückbau von Wohngebäuden in Bereichen, die von hohen Leerständen betroffen sind und in denen sich die Gebäude häufig in einem sehr schlechten baulichen Zustand befinden.

Mit dem Ratsbeschluss am 10.12.2007 startete die Umsetzung des Projektes in den drei Ortsteilen. Die Realisierung ist innerhalb von ca. zehn Jahren vorgesehen.

Quelle: Stadt Duisburg

Die rote Fläche bildet das Industrieareal. Die angrenzenden dunkelblauen und lila Flächen sollen zurückgebaut werden.


Bild: Stadt Duisburg
 

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Discussion Starter · #2 ·
So sah der Stadtteil vor dem Abriss aus


Foto: HJW, auf wikipedia commons GNU Free Documentation License, Version 1.2


Foto: ZebraDS, auf wikipedia commons - Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication.


Foto: Mikosch, auf wikipedia commons - Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported


2009-09-13 Duisburg-Bruckhausen (squared) von [ henning ] auf Flickr


Seitenstraße von kohlmann.sascha auf Flickr
 

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Einerseits wirklich schade um die vielen Gründerzeitbauten dort. Normalerweise würde ich Sturm laufen gegen ein solches Projekt.

In diesem Falle muss man aber wohl konstatieren, dass:
- Duisburg lange Zeit eine Stadt mit sehr schlechten Perspektiven war und Handlungsbedarf bestand.
- Diese Viertel dermaßen heruntergekommen, perforiert/zerpflückt, verschandelt und architektonisch unbedeutend sind, dass man sie kaum mit vertretbarem Aufwand hätte retten bzw. wieder attraktiv gestalten können. Ein Leipzig-Effekt war hier nicht zu erwarten. Dieses Ensemble hätte man aber retten sollen.
- Der demografische Wandel zu unpopulären Entscheidungen zwingt. Für mehr Urbanisierung braucht es zunächst klarer abgegrenzte Kernbereiche.

Also, ich bin gespannt, was man daraus macht. Vielleicht wird man das Ganze in 10 Jahren als schweren Fehler ansehen. Vielleicht gibt es aber auch ganz neue Impulse.
 

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Discussion Starter · #6 ·

Foto: ZebraDS, auf wikipedia commons - Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication


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Discussion Starter · #7 ·
Ich finde es auf jeden Fall richtig, dass solche Orte in dieser Lage abgerissen werden. Durch den neuen Grüngürtel besteht die Möglichkeit die Attraktivität der angrenzenden Stadtteile zu stärken.

Übregens verschwindet mit diesem Stadtteil eines der meist gezeigten Orte aus dem Ruhrgebiet im deutschen Fernsehen. Dadurch wird das typische Bild des Ruhrgebiets (alte Wohnsiedlung mit Industrie im Hintergrund) entgültig der Vergangenheit angehören :lol:

Denn wenn etwas über das Ruhrgebiet berichtet wird, dann nur Negatives. In diesem Zusammenhang wird dann eine Aufnahme aus genau diesem Stadtteil gezeigt, obwohl der Bericht z.B über die Stadt Marl oder Oberhausen handelt.
 

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Discussion Starter · #8 ·
Grüngürtel Duisburg - Nord Bruckhausen

Im Jahr 2010 gab es einen Architekten Wettbewerb für das Areal, aus dem das Büro r+b landschaft s architektur als Sieger hervorging. Die Aufgabe war es im Sanierungsgebiet Duisburg Bruckhausen an der Nahtstelle zwischen gründerzeitlichen Wohnsiedlungsbereichen und industriell genutzten Flächen durch den Rückbau von Wohnbebauung ein Grünfläche von ca. 9 ha Größe zu entwickeln.

Die Flächen sind Teil des Grüngürtels Duisburg Nord, der sich von Bruckhausen im Süden bis nach Marxloh im Norden erstreckt und die Stadteile an die bestehenden überregionalen Grünzüge anbinden soll. Das Wettbewerbsgebiet bildet künftig einen Puffer zwischen der Schwerindustrie westlich Bruckhausens und den Wohnbereichen und soll dazu beitragen die Lebensqualität in dem Stadtteil erheblich zu verbessern. Als „Park vor der Haustür” sollen Grün- und Freiflächen mit hoher Aufenthalts- und Gestaltungsqualität für die Bewohner Bruckhausens entwickelt werden. Die der Wettbewerbsaufgabe zu Grunde liegenden Ziele für die Gestaltung der Freiflächen wurden in einem intensiven Dialog mit der Bevölkerung vor Ort entwickelt.

Quelle


Bild: r+b landschaft s architektur


Bild: r+b landschaft s architektur


Bild: r+b landschaft s architektur


Bild: r+b landschaft s architektur


Bild: r+b landschaft s architektur
 

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Schde umd das ein oder andere Greunderzeitler, aber dennoch die richtige Entscheidung.

Mich wunderts, dass das alles so ohne Proteste ablaeuft. Normalerweise gibt es doch immer so Kollegen die da schon immer gewohnt haben und auf keinen Fall umziehen wollen.
 

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Discussion Starter · #10 · (Edited)
Es gibt wohl Proteste von Bürgern, die insbesondere Bruckhausen als historisch wertvolle Siedlung erhalten wollen. Trotzdem wurde bereits mehr als die Hälfte der Wohnhäuser abgerissen. Dort soll ein Park mit 525 Bäumen entstehen. Die Freiflächen sollen als Spiel- und Liegewiesen dienen. In Marxloh werden die Ideen der Bürger in die Gestaltung der neuen Grünfläche einbezogen.

Insgesamt sollen 169 Bauwerke abgerissen werden:

  • In Bruckhausen wird der größte Teil an Häusern abgerissen. 121 stehen auf dem Plan, bereits entfernt wurden bislang 70.
  • In Beeck müssen 30 Bauwerke weichen, abgerissen wurden bis jetzt 18.
  • In Marxloh fallen 18 Gebäude, voraussichtlich im Frühjahr.

Statt der Stahlwände, die an der Kaiser-Wilhelm-Straße in einem Eingangsbereich vorgesehen waren, wird es nun Sichtbeton geben. Allerdings mit einem eingeprägten Bild, das eine alte Ansicht von Bruckhausen zeigen wird. Je nach Blickwinkel und Sonneneinstrahlung entsteht das Bild vorm Auge des Betrachters – oder es verschwindet, ähnlich wie ein Wackelbild.

Quelle


Bild: R+B Landschaftsarchitektur
 

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Discussion Starter · #11 ·
Erster Spatenstich für den Grüngürtel Duisburg-Nord

Dieser Park wird die Lebensqualität in Bruckhausen und im Norden der Stadt deutlich steigern." Davon ist Oberbürgermeister Sören Link überzeugt, der mit dem ersten Spatenstich den Startschuss für den Bau des "Grüngürtels Duisburg-Nord" gab. Sieben Jahre nach dem Ratsbeschluss ist der Rückbau Bruckhausens fast beendet und der "Park vor der Haustür" kann nun zwischen Industrie und Wohnbebauung entstehen und wachsen.

Viele Jahre galt Bruckhausen als Sorgenkind der Stadtentwicklung, als sogenannter "benachteiligter Stadtteil". Seine unmittelbare Nähe zu Industrie und Gewerbeanlagen sowie die überalterte Bausubstanz sorgten zuletzt für Leerstandsquoten von bis zu 40 Prozent. Der Rat der Stadt beschloss im Dezember 2007 das städtebauliche Großprojekt "Grüngürtel Duisburg-Nord" und damit auch den Rückbau von Wohngebäuden in industrienahen Lagen. "Durch diesen Rückbau, der mit Blick auf seine Größenordnung einmalig im Ruhrgebiet sein dürfte, wurde wertvolle Freifläche gewonnen", erklärte Link: "Hier kann nun ein Park mit verschiedenen Aufenthaltsbereichen entstehen."

Die Bürgerinnen und Bürger hätten sich intensiv damit befasst, wie ihr Park aussehen und welche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung er ihnen bieten solle. Es sei beeindruckend, wie viele Ideen in den verschiedenen Workshops zusammengetragen wurden. Ein Großteil dieser Ideen konnten in die Planung mit aufgenommen werden und wurden weiterentwickelt.

"Jetzt ist der Tag gekommen, an dem realisiert wird, was die Bürgerinnen und Bürger für Ihren Park vor der Haustür an Vorstellungen und Wünschen erarbeitet haben", freute sich der Oberbürgermeister: "Gerade die engagierte Mitarbeit bei der Parkgestaltung macht mich sicher, dass der Park auch zur Förderung der Nachbarschaft und des Zusammenhalts in Bruckhausen beitragen wird." Hier entstehe nicht nur eine neue "grüne Lunge", sondern auch ein neuer Treffpunkt für Alt und Jung. "Bruckhausen gelangt zu neuer Blüte, und zwar nicht alleine durch die mehr als 500 Bäume, die im Grüngürtel angepflanzt werden." Das Bauwerk soll bis Ende 2014 fertig sein, die Begrünung und Ausstattung des Parks bis Dezember 2015.

Eine Quartiersaufwertung mit diesen Dimensionen wie in Bruckhausen habe ihren Preis. Rund 72 Millionen Euro müssen dafür aufgebracht werden. Oberbürgermeister Link bedankte sich beim Land NRW, dem Bund und der EU für die großzügige Förderung des Projektes. "Ein herzlicher Dank geht ebenso an das Unternehmen ThyssenKrupp Steel Europe, das in der Summe die Hälfte des Investitionsvolumens übernimmt. Eine derartige Unterstützung bei der Stadtentwicklung einer Kommune dürfte einmalig sein." TKS spendete außerdem zum Start des Grüngürtel-Baus eine Kaiserlinde. Dieser erste Baum des neuen Parks wurde schon im Vorfeld des ersten Spatenstichs gepflanzt. Link: "Das ist ein schönes Symbol für den Start in eine neue Zukunft unter Nachbarn."

PM: Stadt Duisburg
 

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Discussion Starter · #12 ·
Abrissarbeiten für Grüngürtel-Projekt fast beendet

Die Gestaltung des Grüngürtels im Duisburger Stadtteil Bruckhausen hat bereits im April begonnen. Inzwischen sind von den 121 Gebäuden, die dem Grüngürtel wichen müssen, 118 erworben. Mehr als 75 Prozent dieser Häuser sind bereits abgerissen worden. Rund 800 Bewohner mussten umziehen, und die Hälfte von ihnen hat nach Angaben des Projektleiters in Bruckhausen eine neue Wohnung gefunden.

Bis Ende dieses Jahres soll der bis zu sechs Meter hohe Wall fertiggestellt sein entlang der Kaiser-Wilhelm-Straße, in dessen Schutz allein in Bruckhausen sieben Hektar Parkflächen entstehen sollen, weiter knapp vier Hektar in Beeck und Marxloh. Ende 2015 muss alles fertig sein, den sonst gibt es Probleme mit der Finanzierung.

Quelle
 

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Discussion Starter · #13 ·
Bis Weihnachten 2014 waren alle Erdarbeiten abgeschlossen. 170 Häuser entlang der Straße, die das Thyssen-Krupp-Werk von dem Wohnviertel trennt, wurden abgerissen. Nur vier Gebäude, die auf der Abbruchliste auftauchen, stehen noch: ein Bauwerk an der Dieselstraße und drei an der Heinrichstraße. Drei Häuser werden noch abgerissen. Übrig bleiben soll am Ende ein Haus an der Heinrichstraße, das künftig frei am Rande des neuen Parks stehen wird.

Nun wird die gesamte Fläche mit Rasen eingesät, mehr als 500 Bäume und Sträucher gepflanzt. Es entsteht ein Spielplatz, Sitzgelegenheiten und Aufenthalts- sowie Spielflächen sind auch vorgesehen. Im Herbst soll der neue Park offiziell freigegeben.

Quelle


Foto: r + b Landschafts Architektur


Foto: r + b Landschafts Architektur
 

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Ein wirklich gewagter Versuch, aber aus Sicht der Stadt Duisburg wohl verständlich.

Sind durch die Anlage des Parks schon positive Investitionseffekte wie Altbausanierungen oder gar Neubauten in der Nachbarschaft zu verzeichnen? Oder wird das noch etwas Zeit brauchen?
 

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Discussion Starter · #15 ·
Sind durch die Anlage des Parks schon positive Investitionseffekte wie Altbausanierungen oder gar Neubauten in der Nachbarschaft zu verzeichnen?
^^ Würde mich auch interessieren. Doch sehr wahrscheinlich nicht.

Siehe Zeitungsartikel:

Ende 2013 lebten im Ortsteil 5507 Menschen, davon sind 49,7 Prozent mit Migrationshintergrund. Ende 2012 lebten dort 5448 Menschen. Zugezogen sind vor allem Rumänen und Bulgaren, insgesamt, lebten jetzt 700 Personen aus Südosteuropa in diesem Stadtteil.
 

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Discussion Starter · #17 ·
Grüngürtel eröffnet

Am Samstag, 14. Mai fand die offizielle Eröffnung des neuen Parks, einem der größten Städtebauförderungsprojekte, statt. Der Park befindet sich an der Nahtstelle zwischen schwerindustriellen Anlagen von Thyssen Krupp Steel im Westen, Norden und Osten und dem gründerzeitlich geprägten Wohngebiet Bruckhausen. Er wird zum Bindeglied zwischen dem Grüngürtel Nord „Marxloh“ und den im Süden angrenzenden Freiräumen Beeckerwerth und Rönsberghof. Die drei elementaren Bausteine des Parks sind: das Landschaftsbauwerk als begehbare Raumskulptur und Lärmschutz im Westen mit Aussichtpunkten, die mit Blüh- und Obstgehölzen flankierte Promenade im Osten und die zentralen Rasen- und Wiesenflächen.

Siehe auch: WAZ - Der Grüngürtel in Duisburg-Bruckhausen ist endlich fertig





Fotos: r+b landschaft s architektur
 
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