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Der Ort Heuersdorf soll demnächst dem Braunkohleabbau zum Opfer fallen. Allerdings will man die Dorfkirche retten und transportiert sie deshalb am 25.10.2007 mit einem Tieflader zum Marktplatz von Borna, wo sie wiederaufgestellt werden soll. Die ganze Aktion ist äußerst heikel, so beträgt der Abstand zu den Häusern auf der Zufahrt zum Marktplatz stellenweise nur 2 Zentimeter und erst wenn das Stahlkorsett entfernt wurde, sieht man, ob die Kirche den Transport heil überstanden hat. Mehr auf

http://onnachrichten.t-online.de/c/13/11/55/88/13115588.html
 

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Transport der Emmauskirche wurde planmäßig abgeschlossen


Das Kirchengebäude am neuen Standort in Heuersdorf
Der Transport startete am 23. Oktober 2007 in Heuersdorf und endete am 31. Oktober, dem Reformationstag.

Mit der Umsetzung und dem Transport wurde die niederländische Firma Mammoet beauftragt. Obwohl alle technischen Arbeiten in diesem Zusammenhang bekannt und machbar waren, war die Art der weiten „Verrückung“ eines kompletten Bauwerkes bislang einmalig. Das Kirchengebäude wiegt 665 Tonnen, ist 14,5 Meter lang, 8,9 Meter breit und 19,6 Meter hoch. Geplant war die Verladung als Ganzes auf ein 32 Meter langes und 800 PS starkes Spezialfahrzeug, sogenannte Self-Propelled Modular Transporter der Scheuerle Fahrzeugfabrik[4], welche mit 40 Achslinien ausgestattet und selbstangetrieben sind. Gesteuert wird jedes Radpaar per Fernsteuerung. Wegen der Besonderheit von Fahrzeug und Last durften die Steigungen auf dem Transportweg maximal 2° betragen. Nach Ausbau des Inventars der Kirche und umfangreichen Stabilisierungsmaßnahmen wurde das Gebäude von seinem ursprünglichen Fundament getrennt und mittels hydraulischer Stempel um 1,5 Meter angehoben. Anschließend fuhr das Spezialfahrzeug unter den abgelösten Kirchenbau, das Gebäude wurde auf den Transporter abgesetzt und so die Fahrt vorbereitet.

Der romanische, fast fensterlose Bau der Kirche sollte ursprünglich auf einen stabilen Boden aus Beton und Stahl gestellt werden. Bauvoruntersuchungen ergaben jedoch, dass der Zustand des 750 Jahre alten Mauerwerkes die Umsetzung auf diese Weise gefährden könnte. Der Hohlraumanteil des dreischaligen Feldsteinbaues lag bei 30 % bis 40 %. Zunächst wurden deshalb in 1800 Bohrungen 30 m³ Schaummörtel verpresst. Seitenwände und Giebelwände waren wegen der unregelmäßigen Feldsteine kaum miteinander verbunden, und es stand zu befürchten, dass das Gebäude auseinanderbricht. Daher wurde die vorgesehene innere Verspannung durch fünf äußere Stahlgurtungen ersetzt, drei in Bodennähe und zwei im oberen Bereich. Zusätzlich sicherte innen ein Stahlgittergerüst mit zwei Längsträgern die Gebäudestabilität ab. Der Dachstuhl besitzt kulturhistorischen Seltenheitswert und wurde mitsamt dem Glockenturm mit 12 m³ Konstruktionsholz ausgesteift.

Der 12 km lange Transportweg vom alten zum neuen Standort der Kirche bot durch zwei Eisenbahnüberquerungen und die Überwindung der Flüsse Pleiße bei Lobstädt und der Wyhra vor Borna eine technische Herausforderung. Zwei Bahnübergänge erforderten den Höhenausgleich mit Schotterbett und Stahlblechen über die Gleise, und die Oberleitungen mussten entfernt werden. Wegen der Sperrung der Strecke zwischen Chemnitz und Leipzig bei Neukieritzsch hatte die Bahn feste Termine zugewiesen, die das Bausicherungsunternehmen unter Zeitdruck setzten. Zuvor überquerte man bereits den Bahnübergang in Deutzen. Für die beiden Flussquerungen wurden die Flussläufe zugeschüttet und so eine niveaugleiche Fahrt ermöglicht. Um keinen Stau zu verursachen, waren Rohre in die Schüttungen eingefügt. Nach der erfolgreichen Ankunft in Borna stellte das Einfahren auf den Martin-Luther-Platz durch die enge Durchfahrt (2 cm zu den anstehenden Häuserkanten) und das Eindrehen die letzte technische Herausforderung dar.[5]



Planmäßig zum Reformationstag stand die Emmauskirche auf ihrem Standort gegenüber der Stadtkirche St. Marien. Symbolisch übernahm der damalige sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt die Steuerung des Spezialfahrzeuges für die letzten Zentimeter des Transportweges. Die Transportplattform wurde entfernt und der Baukörper um die in Heuersdorf angehobenen 1,5 Meter auf sein neues Fundament abgesenkt. Nach der Entfernung der Bausicherungshilfen außen und innen wurde die Kirche saniert und ihrer Bestimmung wieder übergeben. Ostern 2008, nachdem alle Restaurierungsarbeiten erledigt waren, wurde das Gotteshaus am neuen Standort wiedereröffnet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Emmauskirche_(Borna)



Das Kirchengebäude am neuen Standort in Borna
 
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