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Eigentlich ist es ja sozialistischer Zuckerbäcker, und hat mit Stalin wenig zu tun, da Stalin dafür wohl kaum verantwortlich ist, und die Stilmittel des Zuckerbäckers wohl auch älter sein dürften.
 

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Alvar said:
Eigentlich ist es ja sozialistischer Zuckerbäcker, und hat mit Stalin wenig zu tun, da Stalin dafür wohl kaum verantwortlich ist, und die Stilmittel des Zuckerbäckers wohl auch älter sein dürften.

Da muss ich mal intervenieren ;)


"Zuckerbäckerstil" ist eine Erfindung westlicher Demagogen, kolportiert vor allem von den "freien" Medien sowie Architekten und Stadtplanern, die maßgeblich an der Enstehung des (West-)Berliner Hansaviertels beteiligt waren. Denn die dortigen Planungen im Kanon der Moderne begriffen sich als Gegenstück der, zu jener Zeit bereits in der Ausführung befindlichen, Stalin-Allee.

Albern ist nur, wenn dieser Begriff, einst ideologisch determiniert, heute noch von manchen Zeitgenossen als abwertendes Attribut für dieses Stück Bauhistorie verwendet wird. Denn erstens hat sich der allgemeine Wertekonsens dahin gehend verändert, dass eher die Moderne der IBA 57 (z. B. Hansaviertel) heute als negativ wahrgenommen wird und zweitens ist, rein objektiv betrachtet, die Ausschmückung der Gebäude der Stalin-Allee weit weniger "zuckerbäckerisch", als das Gros der Bauten aus dem Ende der Kaiserzeit.

Im Übrigen wurde damals, zu Kaisers Zeiten, tatsächlich im Wesentlichen mit Gipsformteilen hantiert, deren konstruktive Funktion nur illusorischen Charakter besaß. Zudem sind die verwendeten Stile i. d. R. auf überzogene Weise zusammengewürfelt. Das nennt man dann eklektizistisch. Die bei der Stalinallee verwendeten Mittel sind dagegen beinahe schon als puristisch zu bezeichen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen existiert lediglich ein Fensterformat (entnommen Schinkels "Feilnerhaus"). Ansonsten gibt es hier und da ein paar Ornamente, mal realsozialistischen, mal historischen Ursprunges - aber immer an der preußischen (schinkelschen) nationalen Tradition orientiert! Und aus Gips aufgesetzt ist dort garnichts. Die Elemente sind entweder aus der einheitlichen Keramik (die sehr wohl eine konstruktive Bedeutung hat), aus Sandstein oder seltener aus Travertin geformt. Ansonsten erinnern lediglich historisch überlieferte Fassadenordnungen und Gliederungen an Bekanntes. Der Begriff "Zuckerbäcker-Architektur" entlarvt sich so als leere Worthülse vergangener Grabenkämpfe.

Zum Einfluss des Stalinismus auf diese Bauten: Ja, das damalige sowjetische Regime hat sehr wohl einen Einfluss auf diese, wenn auch nur passiv. Die ersten, Ende der 40er Jahre eingereichten Entwürfe verschiedenster Büros orientierten sich meist stark an der damals gerade in der Breite angekommenen Moderne - schon aus finanziellen Gründen. Teils wurden diese Planungen bereits umgesetzt (siehe die beiden Laubenganghäuser in dieser Straße). Den Machthabern waren diese Planungen aber nicht ausdrucksstark genug für die Präsentation des gerade aus der Taufe gehobenen "Arbeiter- und Bauernstaates". Also beschloss die Politik, sich an den als repräsentativ geltenden sowjetischen Vorbildern der Stalin-Ära zu orientieren. Zu diesem Zweck wurde eine Kommission aus (ost-)deutschen Planern und Architekten nach Moskau beordert um sich vor Ort ein Bild zu machen. Das Ergebnis dieser dann zusammengetroffenen "Kienbaum"-Kommission (nach dem Ort benannt) ist die damalige Stalin- und heutige Karl-Marx-Allee. Die sechs betrauten Architekturbüros waren dabei im wesentlichen jene, die schon zuvor unabhängig andere, eher moderne bis modernistische Entwürfe abgeliefert hatten.

Im Unterschied zu dem bei den Sowjets verwendeten Stilmix, der in seiner Form auch oft eklektizistische Züge aufwies, besann man sich jedoch in Berlin auf nationale Traditionen, wie bereits oben erwähnt. Daher sind die hier erstellten Gebäude allenfalls in ihren palastartigen Dimensionen und in ihrer Organisation mit den sowjetischen Vorblidern jener Zeit vergleichbar. Im verwendeten Vokabular und in ihrem Anspruch sind sie es keineswegs! Und während sich hinter sowjetischen Schmuckfassaden oft mangelnde Bauqualität, überbelegte Großwohnungen mit unzureichender technischer Ausrüstung etc. verbargen, orientierte man sich in der Stalinallee am gehobenen Wohnkomfort für einzelne Familien, wie es in Deutschland ab Anfang der 20er Jahre üblich war.


so, genug geschlaumeiert, jetzt wisst Ihr Bescheid ;).


Gruss
AeG


Edit: wieso hab' ich eigentlich nur eine 1 auf dem Postzähler? Verfällt da was, wenn man ein paar Jahre nicht hier war?
 

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Gut jetzt bin auch ich schlauer. Allerdings war der Einfluss Stalins bei anderen Gebäuden wie der Lomonossow Universität weitaus höher, da er diese selber noch verändert hat.
Das mit der Anzahl der Posts geht mir auch manchmal so. Da zählt der dann Monatelang einfach nicht mehr mit. Woran das liegt weiß ich aber auch nicht.
 

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Alexanderplatz - Henselmann-Plan 1952

Hauptsächlich habe ich diesen Strang erstmal für eine eigene Anfrage eröffnet.

Der Henselmann-Plan für den Alex von 1952 sah u.a. ein sozialistisch-klassizistisches Hochhaus direkt am Platz vor. Ähnlich dem Frankfurter Tor am Ende der Karl-Marx-Allee. Die ganze Umgebung sollte neu gefasst werden.

Zwei kleine Ansichten davon:


Quelle: Bildindex Deutschland


Nun meine Frage:
Hat jemand davon größere (und ggf. weitere) Ansichten, bzw. kann mir sagen, wo ich welche finden kann?

Vielen Dank!
 

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Wozu einen eigenen Strang? Die Karl-Marx-Allee hat einen Strang und viel mehr als die Karl-Marx-Allee und Umgebung gibts von dem Stil in Berlin wohl nicht... :?
 

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Will den auch später in einen allgemeinen D-Strang umgewandelt wissen, wegen dem Henselmann-Plan aber erstmal mit Berlin-Schwerpunkt.

Such mir mal lieber die Pläne in anständiger Qualität raus. ;)
 

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LIBERTINED
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^ Zum Beispiel. Auch die Russische Botschaft, das Innere der Staatsoper Unter den Linden und diverse andere Beispiele wollen wir nicht vergessen.


Hier gibt's interessante Beispiele für sozialistischen Klassizismus / Stalinismus / Stalinbarock / Zuckerbäckerstil aus ganz (Ost-)Europa:

http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?t=912336&page=73

Hier auch:
http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?t=686984
http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?t=1018541

Dazwischen diverse Einsprengsel sozialistisch-modernistischer Architektur, durchaus auch interessant.
 
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