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Discussion Starter · #1 ·
Ich hatte vor einigen Wochen schon einmal vorgeschlagen, ob das nicht ein eigener Thread sein könnte, jetzt mache ich es einfach mal: Es werden mit besten Absichten so viele ansehnliche Gebäude verhunzt, und niemanden scheint es zu stören. Anfasser waren die Wohnungsbauten in der Haydnstraße. Ich finde, es macht Sinn, hier Vorher-Nachher-Vergleichsbilder zu sammeln. Ich bin ja leider zu blöd zum Hochladen von Bildern, aber spontan eingefallen waren mir z.B. das Haus Podbi 113 https://www.google.de/maps/@52.39615...7i13312!8i6656, da wurde vor vielleicht 10 Jahren ein ansehnlicher Gründerzeitklinkerbau mit feinen Gliederungselementen in der Fassade mit einer völlig belanglosen WDVS-Tapete eingepackt - und die erste Sanierung war im letzten Jahr schon wieder fällig. Die Ursprungsfassade hatte mindestens 100 Jahre gehalten!

Nicht weit entfernt 50er-Jahre-Architektur Podbi 136 und die drei baugleichen Häuser stadteinwärts in vier unterschiedlichen Dämm-Fassungen https://www.google.de/maps/@52.39782...7i13312!8i6656. Haus 134 ist noch eine relativ moderate Fassung, aber die ursprüngliche Treppenhausgliederung war auch hier nicht mehr zu halten, man hat dann versucht, irgendetwas anderes reinzuinterpretieren. Die Wärmedämmebene steht unschön über die Ebene des Backsteinsockels über, warum die senkrechten Gliederungen zwischen den Fenstern anders als im Ursprungszustand ausgefallen sind, bleibt Malers Geheimnis. Nun ja. Nr. 136 dürfte schön irgendeinen Wärmedämmkratzputz haben, der nicht besonders schön aussieht, aber der Rest ist original. 134 ist wie gesagt so ein bisschen versaubeutelt, das nächste Haus ist tatsächlich im Originalzustand und nur frisch gestrichen. Das Haus ganz rechts (bei Google-Earth noch im Ursprungszustand zu sehen) ist dann aber der absolute Klopfer. Das wurde ich glaube 2016 zitronengelb eingepackt, dabei sind sämtliche Gliederungselemente am Treppenhaus verlorengegangen bzw. zu einem großen Klumpen verschmolzen, der obere Abschluss des Treppenhausrisaliten ist völlig verunglückt und wird mangels brauchbarer Abdeckung vermutlich schon bald einem Bauschaden entgegenschmuddeln, die Fenster liegen jetzt in tiefen Höhlen, und auch hier springt der Klinkersockel völlig unlogisch aber noch viel extremer hinter die Dämmebene zurück. Einfach furchtbar!

Um auf der Podbi zu bleiben: Nr. 350-358 (leider nicht bei Streetview erfasst) sind auch so schöne Beispiele, wo eine 20er/30er Jahre Reformarchitektur jüngst zugeklebt wurde und die Nachbarhäuser noch zeigen, wie das vorher mit außen bündigen Fenstern und liebevollen Details an den Eingängen aussah.

Ich wundere mich, dass der Aufschrei ausbleibt, wenn so etwas passiert. Sieht das niemand oder adelt das Ziel der Energieeinsparung einfach alles?
 

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Deine Links führen irgendwo ins Nirgendwo, ähm nähe Bückeburg!
Podbi 113: https://www.google.com/maps/place/P...caec2ce1ef800df7!8m2!3d52.3963165!4d9.7663467
Beim 2. kann ich leider nicht sagen welche Häuser du meinst. Oder meinst du 150-156a? https://www.google.com/maps/place/P...2a40da2abcea!4b1!8m2!3d52.4063897!4d9.8012089 Diese gehören mit Sicherheit nicht dem selben Eigentümer.
Hier 350-358: https://www.google.com/maps/place/P...cf442a40da2abcea!8m2!3d52.4063897!4d9.8012089

Ich wundere mich, dass der Aufschrei ausbleibt, wenn so etwas passiert. Sieht das niemand oder adelt das Ziel der Energieeinsparung einfach alles?
Die Frage solltest du mal den Denkmalschutzamt stellen!
 

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Discussion Starter · #3 ·
Deine Links führen irgendwo ins Nirgendwo, ähm nähe Bückeburg!
Podbi 113: https://www.google.com/maps/place/P...caec2ce1ef800df7!8m2!3d52.3963165!4d9.7663467
Beim 2. kann ich leider nicht sagen welche Häuser du meinst. Oder meinst du 150-156a? https://www.google.com/maps/place/P...2a40da2abcea!4b1!8m2!3d52.4063897!4d9.8012089 Diese gehören mit Sicherheit nicht dem selben Eigentümer.
Hier 350-358: https://www.google.com/maps/place/P...cf442a40da2abcea!8m2!3d52.4063897!4d9.8012089
Keine Ahnung,was da passiert ist. Ich bin gerade in Hamburg gelandet, auch ganz nett. Aber mit der Suche nach den Hausnummern kommt man ja bei google weiter.

Neben der Nr. 113 meinte ich in der Tat 150 ff.. Die haben tatsächlich nicht den gleichen Eigentümer, deswegen kann man ja so gut erkennen, was die unterschiedlichen Sanierungen mit den vier ursprünglich baugleichen Häusern (die flachen Ladengeschäfte dazwischen lasse ich mal außenvor) gemacht haben. Das gleiche gilt ja auch für Nr. 350 ff.
 

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Discussion Starter · #4 ·
Die Frage solltest du mal den Denkmalschutzamt stellen!
Wir können doch nicht die ganze Stadt aus stadtbildpflegerischen Gründen unter Denkmalschutz stellen. Die 50er Jahre Häuser 150 ff. sind mit Sicherheit kein Fall für den Denkmalschutz, die 350 ff. wahrscheinlich auch nicht so richtig. Die 113 habe ich schon gar nicht mehr so richtig vor Augen, aber letztlich war das eine (schöne!) Gründerzeitstandardware, die es bisher noch zu Hauf in Hannover gibt. Das kann man doch nicht alles unter Denkmalschutz stellen, nur weil es einfach gut aussieht, um es dann mit Zähnen und Klauen gegen jede Veränderung zu verteidigen. Gefragt ist doch - und darum geht es mir hier - das Verständnis bei Eigentümern und Nutzern für eine ganz normale, gute Alltagsarchitektur. Die darf sich ja auch verändern, aber dann bitte mit Qualität. Das, was gerade an allen Ecken und Enden der Stadt in punkto energetischer Sanierung passiert, hat in der Regel keine Qualität.
 

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Immerhin wird die alte Fassade mit dem Billigzeug drauf bestens für weite Jahrezehnte konserviert bis sie hoffentlich, wie es heute bei vielen Fachwerkgebäuden der Fall ist die mal verputzt wurden, wieder frei gelegt werden!
 

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Discussion Starter · #6 ·

Quelle Screenshot: HAZ 10.12.2021

Wahrscheinlich finden viele das Haus jetzt total schick, aber mich macht es fassungslos, dass so etwas als Positivbeispiel einen Preis erhält. Das Ursprungsgebäude war ein wirklich nobles Haus im Heimatstil. Grauer Kasten? Klar, wenn ein Haus seit Jahrzehnten nicht gestrichen war, dann sieht das so aus, aber das schmälert doch nicht die Qualität des Hauses: Die Proportionen mit den knappen Dachüberständen, den fast bündig sitzenden Kastenfenstern mit den filigranen Sprossen, dem asymmetrisch sitzenden Erker auf der Straßenseite, der zierlichen Gaube, den Fensterläden... Und jetzt? Weiß und sauber, aber dabei unfassbar plump und banal: Der Dachüberstand ist ungeschickt fett geraten, der schöne Erker offensichtlich verschwunden, das vertikale Fenster reißt die Fassade in zwei Hälften, die Klappläden sind im Müll gelandet, zwei dicke Gauben sitzen auf dem dunkel gedeckten Dach, dass niemals so schön altern wird wie die alten roten Ziegel. Und die Fassade ist hinter einem Plastikpanzer aus WDVS verschwunden, der irgendwann als Sondermüll entsorgt werden muss. Die von der Malerinnung geprpiesenen Gesimse und Ralleystreifen auf der Fassade sind für diesen Baustil einfach untyptisch und wären völlig überflüssig, wenn man es bei der Sanierung geschafft hätte, eine sparsame Noblesse wie beim Ursprungsbau hinzubekommen. Stattdessen superdunkle Fenster mit Sprossen in Aspik - und Spanferkel für die Handwerker.
 

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Sehe ich genau so, und zwar in jedem Detail deiner Ausführung!!!
In dieser Stadt scheint so etwas aber offenbar niemanden ernsthaft zu interessieren. Die Bauherrin besaß absolut 0 Gespür für die Klasse des Altbaus. Ein plumpes Versagen von allen Beteiligten auf ganzer Linie. Das Ergebnis ist zum Gruseln!!! Ein Billig-Protzkasten - von guter Architektur und gediegener Baukunst hatte hier keiner der Beteiligten auch nur den leisesten Schimmer.

So etwas passiert, wenn der Denkmalschutz in einer Stadt nahezu völlig versagt. Mir fallen auf Anhieb dutzende Altbauten ein, die dringend unter Schutz gestellt werden müssten und wo nichts passiert.
 

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Hier noch mal das Bild direkt von der HAZ-Website. Hier lassen sich die "Ralleystreifen" - wie BRA. sie treffend nennt - etwas besser erkennen.

Dazu die HAZ:

"Haus in Kirchrode gewinnt Hannovers Fassadenwettbewerb
Wie aus einem grauen Klotz ein energetisch und optisch saniertes Gebäude wird: Ein Kirchröder Ehepaar gewinnt zusammen mit dem Malerbetrieb Wöbbekind den ersten Platz des Fassenwettbewerbs in Hannover. Und zeigt eine schöne Geste: Das Preisgeld soll für ein Handwerkerfest verwendet werden."

Die Formulierung "Grauer Klotz" ist besonders peinlich. Und das kommt von der HAZ!!! Hier waren wirklich allenthalben Koryphäen am Werk. Der verantwortliche Architekt jedenfalls sollte sich dringend umschulen lassen. Wäre vielleicht ein guter Konditor. Von Baukunst hat der jedenfalls keinen Plan.


Quelle: Haus in Kirchrode gewinnt Hannovers Fassadenwettbewerb
 

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Das ist amüsant. Und beruhigend!
Als ich den Artikel in der HAZ las und die Bilder sah, hatte ich genau das selbe wie ihr gedacht.
Und dann an meinem Geschmack gezweifelt, weil die Sanierung preisgekrönt und im Artikel so bejubelt wurde. Nicht, dass ich nicht damit umgehen kann, eine Minderheitsmeinung zu vertreten, aber beruhigend finde ich doch, dass ihr das genauso seht!
 

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Es ging wohl nur um den maximalen Unterschied vorher - nachher, nicht um Stil und Geschmack.
 

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Es ging wohl nur um den maximalen Unterschied vorher - nachher, nicht um Stil und Geschmack.
Doch es geht um Geschmack - und der ist bei der Sanierung banal.
Der baugeschichtliche Hintergrund wurde komplett ignoriert. Entstanden ist ein Bau der neuhistorisierend und standesgerecht wirken soll - passend zum Porsche auf der Auffahrt. Hier haben blutige Laien einen Stilmix erschaffen der so aussieht wie ihrer Meinung nach ein klassischer Altbau heutzutage aussehen muss. Das ist ungefähr so Stilecht wie eine kitschige historisierende Vase von Porta für 19,99 €.

Generell habe ich nichts gegen historisierende Bauten. Aber dann bitte wirklich neu bauen und keinen Altbau verschandeln. Und man sollte sich unbedingt bei jemanden beraten lassen, der von so etwas Ahnung hat.
 

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Was bringt es euch denn wenn ihr als Architekten die Ahnung habt wie es aussehen muss, es sich dann aber keiner Findet der es so haben will? Leider ist in Fällen wo es um Design geht, der Kunde und dessen Wunsch dafür entscheidend wie was am ende Gebaut wird.

Einen Preis hätte ich dem Umbau jetzt nicht gerade gegeben, aber wenn das der erste Platz ist möchte ich nicht wissen wie die anderen aussehen.
 

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Discussion Starter · #14 ·
Was bringt es euch denn wenn ihr als Architekten die Ahnung habt wie es aussehen muss, es sich dann aber keiner Findet der es so haben will? Leider ist in Fällen wo es um Design geht, der Kunde und dessen Wunsch dafür entscheidend wie was am ende Gebaut wird.

Einen Preis hätte ich dem Umbau jetzt nicht gerade gegeben, aber wenn das der erste Platz ist möchte ich nicht wissen wie die anderen aussehen.
Ich weiß jetzt nicht, worauf du hinaus willst. Das Schlimme ist doch, dass es ein Architekt war, der sich hier sein eigenes Haus umgebaut hat.
 

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Ich weiß jetzt nicht, worauf du hinaus willst. Das Schlimme ist doch, dass es ein Architekt war, der sich hier sein eigenes Haus umgebaut hat.
Genau, es ist ein Wohnhaus, das ist zum Wohnen da. Das hat sich auch damals schon wer so errichten lassen wie es ihm gefällt. Diese Person ist aber scheinbar nicht mehr. Und scheinbar war das Haus auch nicht mehr in einem Zustand in dem da so noch wer wohnen wollte.
Was besonders erhaltenswertes konnte ich jetzt ab linken Bild auch nicht fest stellen was gegen einen Umbau spricht.
Also klär uns doch bitte auf was man mit solchen Häusern tun soll in denen keiner mehr wohnen mag da sie keinen aktuellen Standard mehr entsprechen, soll man die etwa alle abreißen und etwas komplett modernes bauen?
Oder müssen diese Häuser bis zu ihren Einsturz leer stehen?

So bekommen wir den Wohnungsmangel aber nie in den Griff!
 

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Discussion Starter · #16 ·
Genau, es ist ein Wohnhaus, das ist zum Wohnen da. Das hat sich auch damals schon wer so errichten lassen wie es ihm gefällt. Diese Person ist aber scheinbar nicht mehr. Und scheinbar war das Haus auch nicht mehr in einem Zustand in dem da so noch wer wohnen wollte.
Was besonders erhaltenswertes konnte ich jetzt ab linken Bild auch nicht fest stellen was gegen einen Umbau spricht.
Also klär uns doch bitte auf was man mit solchen Häusern tun soll in denen keiner mehr wohnen mag da sie keinen aktuellen Standard mehr entsprechen, soll man die etwa alle abreißen und etwas komplett modernes bauen?
Oder müssen diese Häuser bis zu ihren Einsturz leer stehen?

So bekommen wir den Wohnungsmangel aber nie in den Griff!
Oha, jetzt wird die Diskussion aber spannend. Also wir diskutieren hier permanent über die Dinge, die sich Leute, Institutionen, Unternehmen oder wer auch immer bauen lassen, weil sie es so schön oder richtig finden. Wenn wir sagen, dass sich damit jede weitere Diskussion verbietet, weil die Leute es nunmal so wollen, können wir den Blog hier auch einstampfen und es einfach sein lassen.

Insofern werfe ich jetzt mal die Frage auf, warum denn Leute in solchen Häusern nicht mehr wohnen wollen? Welche Standards erfüllen denn diese Häuser nicht? Dass man da Bäder und Elektrik irgendwann erneuern muss, steht doch außer Frage, aber ob man ein Haus wirklich komplett auf links drehen muss und in diesem Zuge alte Parkettböden, knarrende Holztreppen und nicht perfekt schließende Zimmertüren auf den Müll schmeißt, um anschließend das Gleiche in glatt und gerade mit erheblichem Aufwand wieder neu einzubauen, das darf man glaube ich schon mal in Frage stellen. Und das betrifft auch die energetischen Maßnahmen, die teilweise groteske Züge annehmen und mitunter nur dazu führen, dass die Bewohner im Winter im T-Shirt rumlaufen, wo sie sich sonst vielleicht eine warme Wolldecke geholt hätten. Die graue Energie, die dabei zum einen auf dem Müll landet und die zum anderen in den neuen Maßnahmen steckt, die muss man ja erstmal wieder einsparen. Insofern war mein Plädoyer auch gerade nicht, solche Häuser abzureißen und komplett neu zu bauen, sondern im Gegenteil dafür zu werben, dass die vorhandene Substanz viel Potenzial und Charme hat, um hier ohne diesen Aufriss schön und komfortabel zu wohnen. Die Kastenfenster etwa hatten mit Sicherheit eine akzeptable Dämmwirkung, diese mit etwas Sorgfalt aufzuarbeiten, hätte zu einem schöneren und auch ökologisch sinnvolleren Ergebnis geführt.

Das Thema Wohnungsnot dürfte mit alledem überhaupt nichts zu tun haben. Hier hat sich eine Architektenfamilie in Kirchrode eine vorhandene Villa gekauft und mit riesigem Aufwand verschlimmbessert. Die wohnen dort jetzt vielleicht mit vier oder fünf Leuten auf 200 qm, während dort vielleicht früher sogar acht Leute auf zwei Etagen gelebt haben. Alles Annahmen, aber vom Prinzip ist doch das unser Wohnungsproblem und nicht die Tatsache, dass Häuser in Hannover leerstehen, weil sie keiner mehr haben will und deswegen nicht genug Wohnraum da ist.
 

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Also klär uns doch bitte auf was man mit solchen Häusern tun soll in denen keiner mehr wohnen mag da sie keinen aktuellen Standard mehr entsprechen, soll man die etwa alle abreißen und etwas komplett modernes bauen?
Ich glaube, du überschätzt das Alter des Gebäudes. Notwendige Innensanierungen wie der Austausch von Rohrleitungen etc. verstehen sich von selbst.
Ansonsten: Fenster aufarbeiten, Dach identisch neu eindecken, Fassade streichen!
Das Hauptproblem ist der Wärmedämmpanzer, welcher das Erscheinungsbild nachhaltig beeinträchtigt. Man könnte Abhilfe schaffen, indem man dünner dämmt oder die Fenster entsprechend vorzieht.
Bei Bauten mit aufwändigerer Fassadengestaltung bleibt auch noch die teurere Innendämmung.
Man kann solche Gebäude durchaus auch angenehm bewohnen ohne derart gedankenlos und geschichtsvergessen mit ihnen umzugehen.
 

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Das Gebäude hat auf dem Bild noch Doppelfenster (2 hintereinander). Gekannt habe ich bisher nur ein Pärchen das in so einer Wohnung gelebt hat, die anderen Wohnungen hatten schon Thermopenfenster. Das Teil war eine echte Bruchbude in die die bisherigen Eigentümer nur das absolut nötigste investiert haben.
Zur Expo wurde dann mal die Fassade gemacht, weil es dafür eine Förderung gab.
Die ganze Wohnung hing an einem Sicherungsautomaten (immerhin war das schon keine Schraubsicherung mehr). Die Wohnung hatte immerhin schon eine Gasetagenheizung, aber in einer anderen gab es noch einen riesigen Gas-Warmwasserboiler.

Ein anderer Bekannter der leider dieses Jahr verstorben ist. Hatte nicht mal eine Gasheizung in der Wohnung. So ne Küchenhexe mag ja was schönes sein, aber wer will heute damit noch eine ganze Wohnung heizen? Einen Nachmieter/in für die Wohnung hat sich bislang noch nicht gefunden.
Achja, der Balkon der Wohnung durfte auch nicht mehr betreten werden.

Die Wohnung die mein Vater 1991 bezogen hat, hatte bis dahin zwar ein Badezimmer aber darin gab es aber weder Dusche noch Badewanne, geheizt wurde auch nur über Öfen, die dann aber raus mussten da sie den Vorgaben nicht mehr entsprochen haben.


Um zum Thema zurück zu kommen: Natürlich verpflichtet Eigentum, es zwingt aber keinen es genau so zu erhalten wie es mal war.
Und ja, wenn ich das Geld hätte um so ein Haus zu kaufen und es zu sanieren, hätte ich es so auch nicht so umgebaut, Aber ich hätte daraus auch kein Museum gemacht den es ist ein Wohnhaus und das war wirklich nichts besonderes!
Wer sehen will wie die Leute damals gelebt haben, dafür gab es mal eine Ausstellung im Historischen Museum wo der Spar- und Bauverein eine Musterwohnung 30er bis 50er Jahre eingerichtet hat. Inzwischen sind die Gegenstände daraus in einer ehemaligen Arztpraxis die zum Treffpunkt Ricklingen. Leider kann man da nicht mehr so einfach rein wegen Corona.
 

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Ich kenne mich mit Architektur im Allgemeinen und mit Historismus und anderen Baustilen im Besonderen zwischen (ca.) 1850 + 1945 nun überhaupt nicht aus, aber ist es nicht so, dass schon damals verschiedene Stile vergangener Zeit auch gerne ein wenig gemixt wurden***? Wäre ein Bau wie oben dann nicht eine Fortführung vergangener Stile und alter Bau-Praxis, demnach eine Entwicklung sozusagen, die auch zu neuen Formen führen kann, welche sich harmonischer, organischer, einfach "richtiger" anfühlen?

Oder anders gefragt: muss man modern interpretierten historisch anmutenden Fassaden die Chance geben, sich - nach wohl grob 100 Jahren Stillstand - zu entwickeln und über die Jahre zu finden?

***Ich erinnere mich am Beispiel Hannover an die "Marktwache", ein nicht mehr vorhandenes Gebäude in der Altstadt, welches durch mehrere Baustile geprägt war, teils durch Veränderungen an der Fassade über die Jahrzehnte durch immer wieder andere Architekten.



 

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***Ich erinnere mich am Beispiel Hannover an die "Marktwache", ein nicht mehr vorhandenes Gebäude in der Altstadt, welches durch mehrere Baustile geprägt war, teils durch Veränderungen an der Fassade über die Jahrzehnte durch immer wieder andere Architekten.
Hier Bilder des Modells im Historischen Museum, der Anbau des Töpfer- und Buchbinderhauses trifft dein Beispiel noch viel besser:

 
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